Sonntag, 15. Mai 2016

GE(H)SCHAUT - Der Eurovision Song Contest 2016

11 Points...

Nach so einem Abend weiß ich gar nicht so recht, wie ich da einen vernünftigen Nachbericht schreiben soll, ohne, dass das Ganze in Frustration endet.
Ich glaube, Deutschland ist kurz vor der ESC Depression. Natürlich muss es immer ein Land geben, dass auf dem letzten Platz zu finden ist. Das wir das aber schon wieder sein werden... Damit hätte ich nicht gerechnet.
11 Punkte sind eigentlich gar nicht mal so schlecht. Das einzige Problem: Diese Punktzahl hätte aus mehreren Ländern kommen sollen.
Die Fachjury aus Georgien schenkte uns immerhin einen Punkt - mein schwarzer Humor denkt: "Immerhin die absolute Nummer 1" - und irgendwelche motivierten Zuschauer steuerten dann die restlichen 10 Punkte bei.
Wenn wir jetzt jedes Jahr 11 Punkte zulegen, dann stehen wir kommendes Jahr zumindest nicht mehr ganz hinten.
Aber fangen wir mal von vorne an...


Die Halbfinalshows 

Ich habe wieder einen guten Einblick in das bekommen, was uns am Samstag erwarten könnte. Hier und da gab es ein paar interessante Lieder. Allerdings stachen nur wenige Künstler hervor. Bei vielen Beiträgen fehlte mir das Besondere, das Verrückte, was den ESC bisher immer geprägt hatte.

Was meine Mitschauer und mich sehr unterhalten hat, waren die Twitter Kommentare. Wer die Sendung auf einsfestival verfolgt hat, bekam immer wieder unterhaltsame Stimmen aus dem sozialen Netzwerk eingeblendet. Mehr zu meinen Sprüche Highlights findet ihr weiter unten.

Auch die Pausenfüller oder die Opener haben mir in den Halbfinalshows ein bisschen besser gefallen. Hier präsentierten die Moderatoren Mans Zelmerlow (Sieger von 2015 mit "Heroes") und Petra Mede eine tolle Gesangseinlage. Zudem wurden in beiden Halbfinalsendungen ein teils lustiger Zusammenschnitt von Taxifahrten mit ESC Fans gezeigt. Dort blickte man auch auf bisherige Lieder zurück.

Als dann in beiden Sendungen meine Favoriten weiterkamen, stieg meine Vorfreude auf das Finale am Samstag.


Eurovision Song Contest - Das Finale 

Neues Abstimmungsverfahren für 2016 
In der Countdown Show auf der ARD wurde angesprochen, dass es dieses Jahr erstmals ein neues Voting Verfahren geben sollte. Die Punkte der Fachjury und die Wertungen der Zuschauer sollten getrennt vorgetragen werden.
Warum? Bisher war ab einer bestimmten Punktzahl abzusehen, wer das Rennen machte. Mit der neuen Methode sollte der Spannungsfaktor wieder aufflammen.
Jedoch verwirrte mich die neue Methode erstmals. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das in der Praxis funktionieren sollte. Ich befürchtete auch, dass mit der neuen Methode ein gutes Stück ESC Feeling verloren gehen sollte.

Die Aufmachung des Finales in Stockholm 
Opener war eine Art Laufsteg Session. Hier durften die Kandidaten zu Musik schwedischer Künstler einlaufen. Hier lernte ich auch noch was dazu: Mir war nämlich nicht bekannt, dass Avicii ein schwedischer DJ war. Die Musik beim Opener hat mich gut unterhalten. Das Einlaufen war etwas verwirrend, weil ich die meisten Künstler schon wieder vergessen hatte und so oft nicht unterscheiden konnte, wer jetzt ein Kandidat war und wer nicht :-).
Zu Beginn der Show wurde verkündet, dass Justin Timberlake der Pausenfüller sein sollte. Das war's dann mal mit Pinkelpause. Ob Justin Timberlake etwas beim ESC zu suchen hat, darüber lässt sich streiten. Er kommt weder aus Schweden oder hat jemals beim Eurovision Song Contest teilgenommen. Aber er präsentierte eine tolle Show und traf, im Gegensatz zu einigen Teilnehmern, meinen Musikgeschmack.

Das Abstimmungsverfahren in der Praxis 
Ich war sehr gespannt, wie sich die Punkteverkündung in der Praxis gestalten sollte. Leider wurde meine obige Befürchtung bestätigt. Ich finde, es ging jede Menge ESC Feeling verloren. Die Idee war, dass bei der Liveschaltung in die verschiedenen Ländern nur die Jurywertungen verkündet werden sollten. Allerdings blieb hier nicht mal mehr Zeit, die Punkte 8, 10 und 12 zu verkünden. Die zugeschalteten Moderatoren durften neben einem "Great Show" Satz nur noch verkünden, welchem Land die Jury die meisten Punkte vergeben hat. So ging das Ganze Verfahren deutlich schneller.
Ich durfte aber feststellen, dass ich in einem Punkt mit der Fachjury übereingestimmt habe. Stimmliches Highlight war für mich ebenfalls der Beitrag von Australien.
Nachdem alle 42 Länder abgeklappert worden waren, verkündeten die Moderatoren Mans Zelmerlow und Petra Mede die Wertung des Publikums. Und so wurde die beinahe leere Tabelle im Schnelldurchlauf mit jeder Menge Punkte versorgt. Deutlich wurde, dass sich das Blatt doch noch wenden konnte. Die Ukraine überholte Australien und gewann mit über 500 Punkten.
Sehr frustrierend für mich: 12 Punkte von uns an RUSSLAND???? Und ich dachte, hier ginge es um die Musik und nicht um die beste Videoshow...


Die Lieder - Meine Highlights 



Ungarn: Freddy Pioneer 
Ungarn stach für mich irgendwie aus der Masse hervor.
Das Lied hat einen interessanten Beat und Freddy konnte mich auch mit seiner kraftvollen Stimme überzeugen.
Die Jury bewertete seine Leistung mit 52 Punkten, die Zuschauer sahen das ähnlich und gaben nochmal 56 Punkte dazu. 



Niederlande: Douwe Bob - Slow down 
Wieder einmal versuchen es die Niederlande mit Country. Gutem Country! Allerdings kommt Douwe Bob nicht an The BossHoss oder The Common Linnets ran :-). 
Um dem Titel seines Songs gerecht zu werden, hat er sogar eine Pause während des Liedes eingelegt. 



Österreich: Zoe - Loin dici 
Zoe aus Österreich verbreitet eine positive Stimmung.
Optisch erinnert sie mich ein bisschen an diese Fee in der Verfilmung von "Der Zauberer von Oz" mit Judy Garland.
Interessant fand ich auch, dass der einzige französische Beitrag dieses Jahr nicht aus Frankreich kam. 
Während sie im Halbfinale für mich stimmlich noch nicht viel riskierte, gab sie im großen Finale alles und schaffte es so auf den 13. Platz. 



Lettland: Justs - Heartbeat 
Justs lieferte ebenfalls einen Beitrag, der sich aus der Masse hervortat. Das Lied kam etwas mystisch daher, wirkte auf mich aber ebenfalls kraftvoll. Zudem blieb es mir, im Gegensatz zu anderen Beiträgen, im Ohr. 



Australien: Dami Im - Sound of Silence 
Dass Australien auch diesmal wieder dabei war, 
freute mich besonders. Ich fand es aber mehr als gerecht, dass sie sich auch, wie die anderen Länder, qualifizieren mussten.
Dami Im hat mir von den weiblichen Kandidatinnen - von Jamie Lee einmal abgesehen - mit ganz großem Abstand am besten gefallen. Ich mochte nicht nur ihren Song "Sound of silence", sondern war von ihrer Stimme mehr als beeindruckt. Es freute mich daher total, dass es Australien auf den zweiten Platz geschafft hatte. 



Zypern: Minus One - After Ego 
Zypern brachte mit Minus One eine Portion Festival Feeling mit. Ich lehnte mich schmunzelnd zurück und dachte, dass es sicher lustig gewesen wäre, wenn wir mit Avatasia in Stockholm angetreten wären. 


Die Sprüche oder Tweets des Abends 

Zum Beitrag von Kroatien sagte ein Mitschauer zu Beginn des Liedes: "Und jetzt kommen die Männer und ziehen der Frau das Kleid weg."
Keine Minute später, trat der FAll ein.

Zum Beitrag von Malta twitterte ein Zuschauer: "Irgenwie fehlt ein Stück von ihrem Kleid."
Ein anderer fragte verzweifelt: "Wo ist Dieter Bohlen, wenn man ihn braucht?"

In der Pause eines Halbfinales frotzelte ein Twitter Nutzer:
"Kann man auch für die Tänzer stimmen? Die geben wenigstens keinen Ton von sich."


Das Finale - Mein Fazit 

Politisch oder nicht? 
Nach so einem Abend fällt es mir sehr schwer, zu glauben, dass der ESC unpolitisch sei. Es ist momentan ja kein Geheimnis, dass Deutschland keinen guten Stand in der EU hat.
Allerdings gibt es auch Argumente, die eindeutig dagegen sprechen: So geben wir den Beitrag von Russland beispielsweise 12 Punkte. Wobei das Lied für mich nicht viel mit Gesang, sondern eher mit Optik zu tun hatte.

Auszeit beim ESC? 
Die Süddeutsche Zeitung (Link zum Artikel, siehe unten) meint, wir sollen uns eine Auszeit vom ESC gönnen. Ich denke mir, dass es ja immer jemanden gibt, der halt am Ende der Tabelle stehen muss. Dumm nur, dass es uns zweimal in Folge getroffen. hat. Natürlich lässt mich das mit einem unzufriedenen Gefühl zurück. Aber man kann es halt nicht ändern. Was mich beruhigt: Mein Geschmack weicht auch von der allgemeinen Wertung des deutschen Publikums ab :-).

Die Sache mit den Vorentscheiden 
Zudem muss beachtet werden: Wir haben dieses und letztes Jahr einen turbulenten Vorentscheid hinter uns. Der eine will nicht, der andere durfte nicht. Und mittendrin der NDR, der versucht das Ganze mit Ideen zu retten.

Fraglich bleibt auch: Wer möchte denn überhaupt noch zum ESC fahren? Einzige Motivation wäre da für mich: "Schlimmer kann es nicht mehr werden" :-).
Mir fielen zwar ein paar Künstler ein, die ich gerne auf dieser Bühne sehen möchte, dennoch glaube ich, dass ein paar grundlegende dinge sowohl beim Vorentscheid als auch bei der Sendung an sich nochmal überarbeitet werden müssen.

Rettet das ESC Feeling 
An sich finde ich das neue Abstimmungsverfahren gar nicht so schlecht, wie ich zu Beginn dachte. Allerdings würde ich es beim nächsten ESC so gestalten, dass die Moderatoren zu Beginn die Wertungen der nationalen Fachjurys vorlesen und in der Liveschaltung dann das Zuschauervoting präsentiert wird. Schließlich ist die Meinung der Zuschauer das wirklich Interessante an der Veranstaltung.

Und was passiert mit Jamie-Lee?
Zum Schluss bleibt nur zu hoffen, dass Jamie-Lee mit einem zuverlässigeren Team ausgestattet ist, als es mit Ann Sophie der Fall war. Sie erzählte zwar im Aftershow Interview, dass sie nun vielleicht auf internationale Angebote hoffen dürfe. Ich befürchte aber, sie muss sich erst einmal hier behaupten.


Weitere Beiträge 

Die Süddeutsche Zeitung schreibt... HIER KLICKEN

Autorin Myna Kaltschnee ist ebenfalls im ESC Fieber. Neben ihrer gestrigen Twitter Aktivität hat auch sie ein ESC Best Of veröffentlicht.
Zum Artikel - HIER KLICKEN


Und ihr? 

Wie habt ihr den gestrigen Abend erlebt?
Wer gehörte zu euren Favoriten?
Was wünscht ihr euch für den Vorentscheid 2017?


Kommentare:

  1. Wow Emma, was für ein toller, ausführlicher Beitrag!
    Ich finde es auch super schade, dass Deutschland erneut auf dem letzten Platz gelandet ist, zumal ich es aus musikalischer Sicht gar nicht nachvollziehen kann.
    Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Veranstaltung an sich diesmal richtig richtig gut gefallen hat. Die Moderatoren waren klasse und die Pausen-Beiträge sehr unterhaltsam.
    Keine Ahnung, wie es nun für uns mit dem ESC weitergehen soll... ich hoffe jedoch, dass sich die Presse nicht auf unsere Jamie Lee stürzt, denn sie hat die Show gestern echt toll gemacht!
    Liebe Grüße
    Anka

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    1. Mann, bist du schnell! Eben noch den Beitrag geliked und schon kommentiert :-).
      Ich habe ja die Halbfinalsendungen ebenfalls gesehen und muss sagen, dass wir gestern schon eine echt gute Mischung im Finale hatten. Ich bin sehr gespannt, was 2017 auf uns wartet :-).
      Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Jamie-Lee negative Presse bekommt. An ihrem Auftritt gibt es absolut nichts auszusetzen.
      Dir wünsche ich jetzt viel Spaß beim Gilmore Girl rewatchen :-).

      viele Grüße
      Emma

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  2. Also ich hab den ESC mal wieder nicht geschaut und höre beim Frühjahrsputz gerade ungeduldig Radio. Allerdings haben Radio Regenbogen und BadenFM beide wohl gerade kein Interesse am ESC. RR hat zwar eine Quizschow zum Thema, aber die Lieder kommen trotzdem nirgens.

    Meine Schwester meinte, dass Russsland von den Anrufern her gewonnen hat, aber durch die Fachjury dann doch die Ukraine? Wie... unpolitisch... ;)

    LG Mone

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    1. Hihi meine Gastautoren kommentieren meine Artikel. Coole Sache :-)
      Unpolitisch? Nein, Emma! Nicht stänkern... Das Motto war ja dieses Jahr "Come together" ... :D
      Naja... Russland hatte sich halt gedacht "Was der Mans kann, können wir auch." und hat eine tolle 3D Bühnenshow auf die Beine gestellt. Die natürlich schön für die Leute ist, die 3D sehen können. Ich denke, wir verstehen uns :-)
      Und Frühjahrsputz... Der ist bei mir morgen dran.
      viele Grüße
      Emma, die dringend mal wieder mit dir telefonieren müsste und irgendwie dachte, du wärst schon im Urlaub.

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  3. Obwohl ich vom ESC alles andere als begeistert bin (um ehrlich zu sein habe ich den Beitrag nur angeklickt um zu verstehen, was du so toll daran findest), finde ich deinen Beitrag richtig gelungen. Mir gefällt vor allem, dass du - obwohl du ein Fan des ESC bist - dem Ganzen auch eine kritische Stimme beimisst.
    Mir gefällt das ganze Konzept einfach nicht mehr, und ich verstehe auch nicht, was der ESC uns noch sagen will. Früher ging es darum zu zeigen wie vielseitig Europa ist. Mittlerweile klingt alles gleich und was Australien in einem EUROvision Contest macht ist mir genauso schleierhaft wie Justin Timberlake.
    Naja, sei wie es ist, es gibt wohl immer noch Leute, die das schauen, aber das gibt es selbst für DSDS oder andere fragwürdige Sendungen. Jedem das seine ;-)
    Auf jeden Fall: toller Beitrag!
    Isona

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    1. Ein Lob von einer Germanistin. Da fühle ich mich jetzt geehrt :-).
      Ich denke, Australien sind halt die absoluten ESC Fans. Von daher finde ich es ok. Zumal sie sich ja auch - wie die anderen Länder - dieses Jahr qualifizieren mussten und halt "Pech gehabt" hätten, wenn Europa sie nicht im Finale gewollt hätte.
      Und Europa... Darüber müssten wir mal dringend diskutieren. Mir ist irgendwie nicht so richtig klar, was "Europa" überhaupt sein soll. Aber das nur mal am Rande. Um Politik soll es hier nämlich nicht gehen. Das wäre eine Nummer zu groß für mich :-).

      viele Grüße und vielen Dank fürs Lesen und kommentieren.
      Emma

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  4. Hier nochmals...ohne die vielen Tippfehler ;)
    Interessant finde ich deine Favoriten...das waren nämlich auch meine (außer unseren eigenen österreichischen Beitrag - aber natürlich freue ich mich sehr, dass er dir gefallen hat!) Ich habe gestern via facebook mit vielen internationalen Freunden geplaudert und jeder hat seine Favoriten genannt. Komischer Weise kam da KEIN einziges Mal die Ukraine!!! Und wir (Telefonvoting) sollen dann alls so entschieden haben??? Das waren Freunde aus Holland, Finnland, Slowenien, Serbien, der Schweiz, Deutschland, Schweden und Italien. Und wirklich NIEMAND davon hatte die Ukraine genannt! Dafür fast alle Ungarn und Zypern....und wo sind die geblieben? Sogar noch hinter uns!!! Irgendwie kommt mir das wirklich sehr gesteuert vor.....für Australien hatte ich die Daumen gehalten, nachdem Dami In wirklich die beste Stimme hatte und es nur mehr zwischen Russland, der Ukraine und ihr um den ersten Platz ging! Außerdem hätte sie es sich wirklich verdient gehabt: ein super Beitrag, den sie abgeliefert hat!
    Liebe Grüße aus Österreich
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hallo Martina,
      das finde ich jetzt aber wirklich interessant. Dieses ARgument, dass man der Ukraine aufgrund der schwierigen Verhältnisse den Sieg gönnt, kann ich noch irgendwie verstehen. Der Beitrag hat halt einfach nicht meinen Geschmack getroffen und darüber lässt sich streiten.
      Zypern fand ich echt cool :-).
      Und es ist auch schön zu lesen, dass wir ähnliche Favoriten hatten. Ich habe vorhin noch in ein paar anderen ESC Berichten geblättert und da wurden andere Favoriten genannt.

      Ich bin wirklich gespannt, wie es für uns beim ESC weitergeht und freue mich schon auf nächstes Jahr.

      viele Grüße und danke fürs vorbeischauen
      Emma
      PS: Ich komme dich gleich mal auf deinem Blog besuchen...

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