Samstag, 2. April 2016

Die hellen Tage

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Fischer Verlag
Steckbrief

Name: Die hellen Tage (auch als Hörbuch vorhanden, vermutlich gekürzte Fassung)
Autor: Zsu Zsa Bank
Verlag: Fischer Verlag

Geeignet für: Jugendliche ab 17 Jahren, oder für Menschen, die gerne Romane, in denen man zwischen den Zeilen lesen darf, mögen.
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext

(Klappentext von "Die hellen Tage" von Zsu Zsa Bank, erschienen im Fischer Verlag)


"In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt. Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist. Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.


Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien – und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung. Nach ihrem hochgelobten Debütroman »Der Schwimmer« schreibt Zsuzsa Bánk die bewegende Geschichte dreier Kinder, die den Weg ins Leben finden. »Die hellen Tage« ist ein großes Buch über Freundschaft und Verrat, Liebe und Lüge – über eine Vergangenheit, die erst allmählich ihre Geheimnisse enthüllt, und die Sekunden, die unser Leben für immer verändern." 


Meine Meinung

Es gibt Bücher, bei denen ich den ersten Satz lese und ahne, dass sie mir gefallen könnten. Dieses Buch gehört definitiv dazu. Ich habe es zufällig im Buchladen entdeckt und konnte es, als ich mit dem Lesen angefangen hatte, kaum noch aus der Hand legen.

Schon nach den ersten Seiten fiel mir auf, dass man, ähnlich wie bei "Käpt'n Blaubär" zwei Möglichkeiten hat, die Geschichte zu entdecken. Man kann sich einfach so von dem Roman bezaubern lassen, oder anfangen zwischen den Zeilen zu lesen und so noch mehr zu entdecken. Gerade solche Bücher, in denen die Handlung nicht offensichtlich, sondern durch Situationen beschrieben wird, gefallen mir sehr gut.

Beispielsweise erfahren wir erst etwa nach der Hälfte der Geschichte den Namen unserer Erzählerin. Von ihrer besten Freundin Aja und dem später hinzugestoßenen Karl und deren Familien berichtet sie viel, doch muss man sehr genau hinschauen, um etwas über "Seri" zu erfahren.

Angefangen bei den ausführlich beschriebenen Kindertagen begleiten wir als Leser die drei Freunde über mehrere Jahre hinweg. Wir bekommen mit, wie sie groß werden, erste schöne aber auch einige traurige Tage erleben.
Eines steht jedenfalls fest: Vom Inhalt her, hat mich die Geschichte keinesfalls gelangweilt. Selbst kurz vor Schluss hat Zsu Zsa Banks noch ein Ass im Ärmel und erzeugt so auf den letzten Seiten nochmal Spannung.

Allerdings hatte ich nach ein paar hundert Seiten Probleme mit dem Schreibstil. Der roman ist in indirekter Rede geschrieben. Gerade die indirekte Rede lässt sehr viele Möglichkeiten offen, mit einer Geschichte zu spielen. So hat der Leser die Option über den Inhalt nachzudenken und auch das ein oder andere zu interpretieren.

Dennoch haben mir in dem Buch die Dialoge, also die wörtliche Rede, sehr gefehlt. Die Autorin arbeitet auch mit langen Sätzen, die sich eine Weile schön lesen lassen, mir aber auch zu viel wurden. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass etwas unnötig in die Länge gezogen wurde und in einem einfachen Dialog schneller auf dem Punkt gebracht worden wäre.


Dennoch hat gerade der Schreibstil dafür gesorgt, dass ich so in die Geschichte eintauchen und mich wunderbar in die Charaktere hineinversetzen konnte. Auch ihre Erlebnisse schienen mir in keinster Weise unrealistisch. Schön zu lesen fand ich, dass die Kinder eine Kindheit mit überwiegend hellen Tagen erlebt haben. Sie hatten keine Pflichten und mussten sich nicht, wie heutzutage, früh in eine Gruppe einfügen, oder selbstständig werden. Sie konnten einfach so sein, wie sie sind und sich selbst entdecken und kennen lernen. Dieses Glück haben sie auch überwiegend ihren Müttern zu verdanken, die ihnen den Rücken freihielten und sich gegenseitig unterstützten. (Allerdings glaube ich auch, dass es etwas damit zu tun hat, dass sie auf dem Land groß geworden sind).

Wer also gerne zwische den Zeilen liest, oder in eine andere Welt abtauchen möchte, die nicht auf fernen Planeten zu finden ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht.

Kommentare:

  1. Hallo Emma,

    das klingt ja nach einem kleinen Schätzchen. :) Schöne Rezension. Landet auch direkt mal auf meiner Wunschliste! Wie schön. Ich lese doch so gern auch mal zwischen den Zeilen, wen ich dme gewachsen bin.

    lg
    buchkauz

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    1. Hallo Buchkauz,
      super, dass das Buch auf deine Wunschliste gewachsen ist. Interessanterweise habe ich kürzlich eine Rezension zum Hörbuch gelesen. Hier ist er Verfasserin inhaltlich zu wenig passiert. Von daher denke ich echt, dass das Buch - wie die meisten Geschichten - Geschmackssache ist :-).
      Ich bin jedenfalls gespannt, wie es dir gefällt und freue mich auf deinen Beitrag (sofern du es denn rezensieren wirst :-) )

      viele Grüße
      Emma

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