Sonntag, 13. März 2016

Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung?

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Vorwort

Für Sozialarbeiter bieten die Gesetzestexte die Grundlage um rechtlich beraten zu können. Deswegen begegnen uns im Studium verschiedene Module in "Recht" in beinahe jedem Semester. Mich hat das Arbeiten mit der Gesetzessammlung jede Menge Arbeit gekostet. Ich hatte lange keinen Plan, wie ich mich gut auf die Prüfungen vorbereiten kann. Deswegen dachte ich mir, dass ich, nach geglückter Klausur, eine Art "Tutorial"- Artikel schreibe, indem ich euch ein paar Tipps und Tricks verrate. Einfach nur, damit ihr nicht ganz so ratlos startet, wie ich :-).

Vorab: Ich orientiere mich hier an der Gesetzessammlung "Gesetze für Sozialberufe"  welche halbjährlich im Frankfurter Fachhochschulverlag erscheint. Wer sehbehindert bzw. blind ist, kann diese dort als PDF Dokument zum Buchpreis kaufen.
Außerdem möchte ich euch raten, euch erstmal jede Menge Geduld zuzulegen. Wir müssen die Paragraphen nicht nur inhaltlich verstehen, sondern die Sammlung erstmal so formatieren, dass wir überhaupt damit arbeiten können...


Konvertieren und Formatieren 

Wenn ihr eurem PDF Reader erzählt, dass ihr jetzt eine Gesetzessammlung öffnet, die über 2.000 Seiten hat, wird er sich entspannt zurücklehnen und sagen: "Denkste! Ich mach hier gar nichts." Obwohl ich einen recht neuen Laptop mit gutem Arbeitsspeicher habe, hat sich das Dokument aufgrund seiner Größe regelmäßig verabschiedet. Daher musste eine andere Lösung her.

Erstmal habe ich mir das Dokument von PDF in Word konvertiert. Und zwar mit dem Adobe Acrobat Creator. Den Creator habe ich mir in einer Testversion heruntergeladen.
Allerdings war danach noch lange nicht alles perfekt. Die Formatierung sah immer noch sehr bescheiden aus. (Schlecht lesbare Schriftart, einzelne Buchstaben waren fett formatiert, Umlaute wurden nicht angezeigt). Hinzu kam auch, dass Word ebenfalls nicht gut auf große Dokumente zu sprechen ist.

Also neue Etappe: Die 2.000 Seiten in einzelne Dokumente zerpflücken und so, wie in der gedruckten Buchausgabe anordnen. Bei mir sieht das dann so aus:

Hauptordner: "Gesetzestext" mit folgenden Unterordnern:
- Arbeitslosenrecht
- Arbeitsrecht
- Behindertenrecht
usw.
In den jeweiligen Ordnern sind dann die Gesetzesbücher, die zum Thema gehören. Hierbei haltet ihr euch einfach an das Inhaltsverzeichnis des Buches.
Das Inhaltsverzeichnis habe ich in ein extra Worddokument gepackt, falls ich mal vergesse in welchem Ordner sich welches Gesetzesbuch befindet z.B. das das SGB IX (= 9) zum Behindertenrecht gehört.

Zur Formatierung: Lange war ich mir nicht sicher, wie ich die Gesetzessammlung formatieren soll. Ich wollte die Dokumente schließlich nicht mit einer falschen Formatierung vernichten. Mit folgender Formatierung kann ich die Texte gut lesen. (Nicht vergessen, ich nutze ja auch ne Vergrößerung = Bildschirmlupe).

Schriftgröße: 8,5 pt, Überschriften 9,5 pt
Schriftart: Arial
Zeilenabstand: 1 1/2 zeilig
Die Überschriften der jeweiligen Paragraphen habe ich unterstrichen und fett formatiert, um besser erkennen zu können, wann ein neuer Paragraph beginnt.

Alleine fürs konvertieren und formatieren habe ich schätzungsweise 30 Stunden, wenn nicht sogar mehr Zeit, gebraucht. Um euch die Zeit etwas angenehmer zu gestalten, empfehle ich euch gute Musik und eventuell ein Hörbuch. Allerdings darf das nicht zu sehr von der eigentlichen Aufgabe ablenken :-).


Markieren und Querverweise erstellen 

Wenn alles nach Plan läuft, habt ihr nun eine Gesetzessammlung mit der ihr arbeiten könnt. Nun muss aber noch jede Menge markiert werden. Schließlich könnt ihr keine 2.000 Seiten Text auswendig lernen.

Vorab: Manche Gesetzesbücher haben trotz Dokument Zerlegung über 100 Seiten. Um zum gesuchten Paragraphen zu kommen, drückt ihr die, euch wahrscheinlich bereits bekannte, Tastenkombination STRG + F. Hier öffnet sich ein Suchfeld, in das ihr das, was ihr sucht eingeben könnt.
Tipp: Hier nicht nach Wörtern, sondern nach Paragraphen suchen. Bei Wörtern werdet ihr nie fertig.

Wie ich beim Markieren einzelner Paragraphen vorgegangen bin, erkläre ich euch anhand von §35a Satz 1 "Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche" aus dem SGB VIII ( = 8).

In §35a Satz 1 SGB VIII steht Folgendes:

"Kinder oder Jugendliche haben Anspruch auf Eingliederungshilfe, wenn
ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht, und
daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist."

Frage: Welche Formulierungen sind wichtig?
Das wird u.a. anhand der Voraussetzungen bestimmt. Was genau Voraussetzungen sind, werdet ihr in euren Lehrveranstaltungen lernen.
Vereinfacht gesagt: Es sind Formulierungen, oft einzelne Wörter, die ihr braucht, um die Fälle in der Praxis lösen zu können.

Zum Thema Querverweise: 

"Kind oder Jugendlicher" ?
Und hier kommen wir zum Querverweis. Wer "Kind oder Jugendlicher" ist, wird nämlich in §7 SGB VIII definiert. Deswegen habe ich mir hier einen Kommentar eingebaut. Das geht mit den Tastenkombinationen STRG + ALT + K. Da in Klausuren zwar Querverweise aber kein Fließtext erlaubt sind, trage ich einfach nur "§7 SGB VIII" ein. Würde ich nur §7 in das Kommentarfeld eintragen, wüsste ich nicht, in welchem Gesetzesbuch ich suchen muss.


Fazit 

Zu allererst braucht ihr eine Gesetzessammlung, die ihr lesen könnt. Plant genug Zeit für die Formatierung ein, damit ihr nicht, wie ich, Monster PC Schichten einlegen müsst, damit ihr rechtzeitig fertig werdet.

Danach kommt die Detailarbeit. Ihr markiert die einzelnen Wörter in den §§ so, dass ihr sie in der Klausur sicher von unwichtigen Wörtern unterscheiden könnt.
Sprich: Ihr müsst überhaupt nichts auswendig lernen, sondern euch nur gut vorbereiten.


In der Praxis bzw. Arbeiten in der Vorlesung 

Obwohl ich mir die Gesetzessammlung gut aufbereitet habe, habe ich in den Vorlesungen nur wenig in die Bücher geschaut. Das lag einfach daran, dass ich immer noch zu langsam war, um in der selben Geschwindigkeit an die passende Stelle zu springen. Mein Vorteil hier war, dass die gesuchten Paragraphen oft laut vorgelesen wurden und ich so trotzdem mit überlegen konnte.


Hat Dir das weitergeholfen? 

Nun die bekannte Frage: Wie sinnvoll findest du diesen Artikel? Wurden deine Fragen beantwortet?
Nein? Dann ab in de Kommentare!


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