Freitag, 25. März 2016

Girl on the train

Bild von blanvalet 
Steckbrief 

Name: Girl on the train (als auch Hörbuch in bearbeiteter Fassung erhältlich)
Autor: Paula Hawkins
Verlag: blanvalet
Geeignet für: Menschen, die gerne Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten



Klappentext 

(von blanvalet

"Der Nr.-1-Bestseller aus England und den USA!

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse ..."


Meine Meinung 

"Girl on the train" ist eines dieser Bücher an denen ich in der Buchhandlung so oft vorbei gelaufen bin. Das Cover fiel mir sofort auf und auch der Klappentext erweckte den Eindruck, dass hier ein guter Thriller gesponnen wird. Und da ich schon lange keinen Thriller mehr gelesen hatte, wurde es endlich einmal wieder Zeit... 

Protagonistin und Ich-Erzählerin Rachel hat kein einfaches Leben. Sie muss Schicksalsschläge verdauen und hat sehr an diesen Ereignissen zu knabbern. Die tägliche Zugfahrt nach London lenken sie von ihren eigenen Problemen ab. Hier beobachtet sie Tag für Tag ihr Traumpaar, dem sie sogar fiktive Namen und Biografien gegeben hat. Doch als Jess, die im echten Leben Megan heißt, verschwindet, wird ihr Spürsinn geweckt. Was ist in der besagten Nacht wirklich geschehen? Hat Rachel etwas mit Megans Verschwinden zu tun? Und wie viel weiß sie wirklich? 

Die Grundidee der Geschichte finde ich sehr spannend. Megan und Rachel haben bei genauerem Hinsehen mehr gemeinsam als man zu Beginn der Geschichte vermuten möchte. Die Geschichte wird zum einen, wie oben schon beschrieben, aus Rachels Perspektive erzählt. Jedoch wird der Roman irgendwann von hinten aufgerollt und wir erleben Megan dabei, wie sie ihr eigenes Schicksal unfreiwillig besiegelt.

Die weiblichen Charaktere waren in diesem Buch sehr gut herausgearbeitet. Rachel liegt bereits am Boden und hadert mit ihrem Leben. Und auch Megan hat sich ihr Leben als Ehefrau irgendwie anders vorgestellt. Beide Frauen sind unzufrieden, schaffen es aber nur schwer aus diesem Zustand heraus.
Probleme hatte ich mit den männlichen Charakteren, die hier in Form Rachels Ex Mann und Megans Ehemann auftreten. Diese Charaktere wurden mir zu oberflächlich beschrieben. Sie waren für mich nicht ganz greifbar und ihre Emotionen wirkten für mich hier und da etwas an den Haaren herbeigezogen.

Nun komme ich zum großen Kritikpunkt der Geschichte: Das war der Schreibstil. Alle Fans von "Ich. darf. nicht. schlafen." können hier begeistert aufschreien und finden sicher Gefallen an dem Buch. Mich nervten die Zeitsprünge in der Geschichte. Die Ich-Perspektive sollte eigentlich für einen Lesefluss sorgen. Hier gab es aber Abschnitte, die in der Gegenwart geschrieben waren und andere in denen sich die Erzähler an bereits vergangene Situationen erinnern. Sätze wie "Ich ziehe mir die Schuhe an" wurden von mir irgendwann überflogen, weil ich in der Geschcihte voran kommen wollte und es mich nicht interessierte, ob Rachel jetzt auf dem Sofa liegt, oder sinnbildlich auf dem Tisch tanzt. Ich wollte wissen, was in ihr vorgeht und welche Schlüsse sie aus den vergangenen Ereignissen zieht. Die Momente in denen sich die Protagonisten an Vergangenes erinnerten, hat Paula Hawkins spannend beschrieben. Auch die Dialoge fand ich sehr treffend. Diese haben mich dann auch gut unterhalten. 

Nun aber noch ein dicker Pluspunkt: Paula Hawkins versteht sich sehr gut darauf, eine Stimmung zu transportieren. "Girl on the train" ist eine sehr ruhige, aber feine Geschichte. Es passiert sehr viel zwischen den Zeilen. Und auch die Handlungsstrang Schlinge zieht sich auf den letzten Seiten immer mehr zu. Toll finde ich, dass ich bis zuletzt keine Ahnung hatte, was des Rätsels Lösung war. Über die Auflösung lässt sich hingegen wieder streiten: Zum einen finde ich sie echt genial, weil ich damit nie gerechnet hätte. Andererseits hatte ich auch Mühe Beziehungen zwischen den Charakteren zu erkennen, oder als glaubhaft einzustufen.

Ihr seht, Verzeihung, lest :-) , dass mich das Buch mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Gestern habe ich die letzten Seiten sehr genossen und konnte "Girl on the train" überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Toll finde ich auch, dass der Roman seinem Namen gerecht wird und sich Rachel viel unter den Pendlern befindet. 
Dennoch hätte ich mir eine bessere Verstrickung der Handlungsstränge gewünscht. Zwischenzeitlich fragte ich mich wirklich, warum zwei Stränge zielstrebig aufeinander zulaufen. Diese Frage beantwortete sich dann aber auf den letzten Seiten. 

Ich glaube "Girl on the train" ist ein Thriller, den man entweder total gut, oder richtig schlecht findet. Ich persönlich kann den Roman weiterempfehlen, weil es wirklich Geschmackssache ist, wie man die Geschichte einordnet. Ich bin jedenfalls froh, dass ich "Girl on the train" gelesen habe, glaube aber auch, dass ich hier, zähneknirschend, eine gekürzte Hörbuchfassung empfehlen kann, weil mir einige Stellen im Buch echt zu oft wiederholt wurden. 

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