Donnerstag, 4. Februar 2016

Der Tag an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg

Bild von Ullstein 
Steckbrief 

Name: Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg
Autor: Florian Herb
Verlag: Ullstein Taschenbuch Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne tiefgründig "komische" Bücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen als Taschenbuch
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 


"Eigentlich sieht die ältere Dame ganz normal aus, die morgens in Alvaros Taxi steigt. Auch dass sie sich erst zum Hauptbahnhof und dann doch zum Flughafen fahren lässt, macht ihn nicht stutzig. Aber warum lässt sie ihren geblümten Rollkoffer nicht los? Bevor Alvaro sich versieht, ist er mit Klara Lüdtke und einer Million in bar auf dem Weg von Berlin nach Andalusien — verfolgt von Klaras Verwandtschaft und von Alvaros Chef, der sein Taxi zurück will ..." 


Meine Meinung 

Immer wieder bin ich auf der Suche nach humorvollen Geschichten, die aber nicht irgendeine platte, oberflächliche Handlung haben. Ihr lest: Meine Ansprüche sind da ziemlich hoch und nicht so leicht zufrieden zu stellen. Wieder mal bin ich einer Buchempfehlung von Anka gefolgt. Und zwar stellte sie in einem ihrer Wochenrückblicke "die Lotto-Klara" vor. Mein Interesse für die Geschichte war geweckt und an Weihnachten 2015 durfte der Roman auch bei mir einziehen. 

Bei einigen Bloggern kam das Cover nicht so gut an. Ich verstand erst gar nicht warum. Doch jetzt, wo ich "Der Tag an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg" beendet habe, kann ich die Kritik nachvollziehen. Für die Gestaltung kann ich diesmal leider keinen Punkt vergeben. Der Klappentext, den ich oben zitiere, passt zwar besser zu der Geschichte als der Text, der auf dem Buch abgedruckt ist. Allerdings untermalen weder Klappentext noch Cover den Roman, die von zwei Menschen handeln, die auf der Suche nach sich selbst sind. Und genau das, nämlich eine Geschichte untermalen, oder zumindest neugierig auf das neue Abenteuer machen, ist ja Ziel der Gestaltung oder? 

Inhaltlich präsentiert uns Florian Herb eine sehr feine, beinahe leise Geschichte. Taxifahrer Alvaro ist unglücklich. Als Studienabbrecher geht er von Party zu Party. Doch eines Tages merkt er, dass ihn dieses Leben nicht mehr erfüllt. Doch was möchte er wirklich? Oder besser gesagt: Was macht ihn, Alvaro, überhaupt aus? 

Die ältere Dame Klara, weiß gar nicht, wie ihr geschieht, als sie dank dem Geburtstagsgeschenks ihres Sohnes - ein Rubbellos wohlbemerkt - zur Millionärin wird. Die Freude der Familie ist groß. Sohn Rüdiger kann seine Schulden begleichen, Klaras Ehemann möchte sich das lang erträumte Ferienhaus in Rügen kaufen. Und Angelika, die eigentlich materielle Gegenstände verachtet, kann also endlich nach Indien fahren. Doch wer fragt Klara, was sie möchte? 

Florian Herb schafft es, die Emotionen unserer beiden Protagonisten glaubhaft zu transportieren. Die Zerrissenheit, der Wunsch nach Liebe und dem Gefühl eine Heimat zu haben, kam bei mir als Leser definitiv an. Zudem kommt Florian Herb ohne viele Worte aus, sondern beschränkt sich auf sprachliche Bilder. Gerade seine Situationsbeschreibungen haben mir gefallen. Beispielsweise beweist er, einen guten Blick fürs Detail als er uns einen Chefportier eines Hotels vorstellt. Auch Herbs Dialoge haben es mir angetan. Besonders die Gespräche zwischen Cemal und anderen Personen haben mich gut unterhalten. 

Florian Herb hat in "Der Tag an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg" vielseitige Charaktere erschaffen. Von dem leicht pessimistisch angehauchten Alvaro, bis hin zu dem alt eingesessenen Berliner Cemal, der seine Heimatstadt nun das erste Mal verlassen muss, ist alles vorhanden. 

Allerdings konnte mich der Spannungsbogen der Geschichte nicht ganz packen. Deswegen muss ich auch hier nochmal einen halben Punkt abziehen. Als die ersten Prioritäten geklärt waren, wusste ich nicht ganz, worauf die Geschichte nun hinaus möchte. Jedoch nahm der Roman schnell wieder an Fahrt auf. 

Was den Gesamteindruck betrifft, bin ich positiv überrascht von den Abenteuern der Lotto-Klara und ihrem andalusischen Begleiter. Ich hatte eigentlich mit einer humorvollen Geschichte im Tommy Jaud Stil gerechnet. Damit bin ich aber weit gefehlt. Sehr gerne würde ich eine Verfilmung von "An dem Tag als Lotto-Klara in mein Taxi stieg" sehen. Einfach aus dem Grund, weil ich glaube, dass die nonverbalen Parts hier sehr gut zur Geltung kommen würden. 

Wer Geschichten mit der richtigen Portion Tiefgründigkeit und dem perfekten Spritzer Witz mag, sollte unbedingt mal zu "An dem Tag, als Lotto-Klara in mein Taxi stieg" greifen. 

Kommentare:

  1. Aaaah Emma, was für eine tolle Rezension! Es freut mich sehr, dass dir das Buch gefallen hat. Für mich ist es ja ein absolutes Lesehighlight!
    Die Gestaltung ist wirklich furchtbar, jedoch hat mich der Inhalt so überzeugt, dass ich da in meiner Bewertung drüberwegsehen konnte.
    Viele liebe Grüße
    Anka

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    1. Hey Anka,
      willkommen zurück :-)
      Ich finde es irgendwo auch etwas unfair, dass das Buch so eine miese Gestaltung abbekommen hat. Aber die Geschichte gleicht das Ganze wirklich wieder aus :-)
      viele Grüße und bis bald
      Emma

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  2. Hey Emma :)

    eine tolle Rezi hast du da geschrieben. Seit Anka das erste Mal über das Buch geblubbert hat, bin ich schon neugierig darauf. Und du hast es mir heute mal wieder ins Gedächtnis gerufen. Vielleicht kaufe ich es mir bald, auch wenn ich weiß, dass ich es wohl frühestens im Sommer lesen werde.

    Ich fand es jedenfalls schön, zu lesen, wie deine Gedanken so ausgefallen sind und was du für eine Meinung zu dem Buch hast.

    Liebe Grüße
    Martin
    Buchwellenreiter

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    1. Hallo Martin,
      das war dann wohl die "Gute Nacht"- Rezension :-).
      OK da hast du aber schon einen ziemlich vollgepackten Leseplan. Ich habe gestern zwar auch mal mit dem Gedanken gespielt, eine SuB Zählung zu machen, aber ich habe noch keinen Plan was ich bis zum Sommer lesen werde :-).

      viele Grüße
      Emma

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