Sonntag, 6. Dezember 2015

6. Türchen: Die Abmachung



Als Kelly auf ihr Hääändy geguckt hat, habe ich mir die Flasche genommen. Kelly war auch schon mal netter zu mir gewesen. In letzter Zeit schaute sie viel zu oft auf ihr Häääändy. Meine Mutter nannte das Ding irgendwie anders, aber das war mir egal. Die erzählte mir oft dumme Sachen, oder sagte, dass ich viel noch nicht verstand. Also beschloss ich das Ding zu nennen, wie ich wollte.

Kelly sah noch nicht einmal, dass ich mich mit der Flasche aus dem Staub machte. Ich war mir nicht mal sicher, ob sie wusste, wie alt ich war. Die Flasche war ziemlich schwer. Ich schlich mich hoch in mein Zimmer und war wirklich froh, dass ich leise dort oben ankam. Das Auto lag schon längst in irgendeiner Ecke. Meine Nanny hatte mir ein paar Gläser nach oben gebracht, damit ich nicht immer nach unten laufen musste, wenn ich ein Glas Wasser wollte. Also versuchte ich den Inhalt der Flasche in ein Glas zu gießen. Doch es passierte nichts. Einen typischen Deckel wie bei den Wasserflaschen gab es nicht. Das konnte doch nicht wahr sein! Wer verschenkte denn Flaschen, die man nicht aufmachen konnte. Es war doch sinnlos Wasser anzuschauen, wenn man es nicht trinken konnte.

Mama oder Kelly fragen wollte ich nicht. Wenn Kelly mir schon nichts von dem Wein abgeben mochte, war Mama bestimmt auch dagegen. Da wollte ich ihnen nicht noch sagen, dass ich die Flasche bereits in mein Zimmer gestellt hatte. „Blöde Flasche!“, murmelte ich und ließ sie auf meinem Tisch stehen. Erstmal wollte ich eine Runde mit dem Auto drehen. Vielleicht hatte Olli ja eine Idee, wie ich das Problem lösen konnte. Der würde später kommen.

„Ist Kelly schon gegangen?“, fragte meine Mutter. „Keine Ahnung“, antwortete ich ehrlich. Schließlich war ich ja in meinem Zimmer geblieben und hatte sie nicht mehr gesehen. „Du bist so ein Träumer, Timmy“, lachte sie. Dabei war ich doch den ganzen Tag wach. Warum dachte sie dann immer, dass ich schlafe? Bevor ich noch etwas sagen konnte, klingelte es an der Tür. „Das müssen sie sein!“, meine Mutter rannte in den Flur und öffnete. Dann begann sie plötzlich zu schreien. Schnell folgte ich ihr um zu schauen, was los war. Vielleicht hatte Kelly ja Dreck hinterlassen, bevor sie gegangen war. Mama mochte keinen Dreck, dass sollte sie eigentlich wissen. Doch da standen nur Mamas blöde Freundin und Olli. Der quetschte sich an den beiden Frauen vorbei und kam auf mich zu. „Na Sportsmann! Wie läuft’s?“, fragte er. Obwohl er schon viel älter als ich war und mir immer erzählte, dass er Kelly in der Schule getroffen hatte, kam er jedes Mal mit seiner Mutter zu uns. Das waren die schönsten Nachmittage. Wenn ich jemanden zum spielen daheim haben durfte. Andere Freunde von mir waren Mama zu laut, oder zu dreckig.

„Jungs! Kommt her, es gibt Kuchen!“, Olli und ich waren in mein Zimmer gegangen und hatten ein bisschen gespielt. Besser gesagt, ich fuhr mit meinem Auto, während mir Olli dabei zusah und Notizen machte. Als ich ihn gefragt habe, was er da machte, wollte er mir nicht wirklich antworten. „Ja gleich!“, brüllten wir beide zurück. Zumindest da waren wir einer Meinung. „Du Olli“, begann ich zögernd. Mir war die Flasche auf meinem Schreibtisch wieder aufgefallen. Er blickte mich fragend an. „Wie mach ich die auf?“, fragte ich und deutete auf die Flasche. „Oh mein Gott Timmy warum hast du Alkohol in deinem Zimmer stehen?“, Olli lachte wieder. Warum fanden mich alle so lustig? Ich hatte doch nur eine ganz normale Frage gestellt. „Das ist kein Akohl das ist Wein hat Kelly gesagt“, meinte ich und guckte ihn böse an. Ich mochte es nicht, wenn man mich auslachte. Das sollte gerade Olli eigentlich wissen. „Jetzt schmoll doch nicht. Ich fand es nur lustig, weil du den ja noch gar nicht trinken darfst“, versuchte sich Olli wieder einzuschleimen. „Darf ich wohl“, feuerte ich zurück. „Ähm nein...? Du bist sechs Jahre alt. Was glaubst du wohl, wie deine Mutter darauf reagieren würde, wenn du mit sechs Jahren deinen ersten Rausch hast?“, fragte Olli jetzt etwas ernster. „Ich hab keinen Rausch ich bin ein Träumer, pah!“. Ich ging in Richtung Tür. Bevor Mama noch nach oben kommen würde um uns zu holen.

„Okay gut... Wir machen einen Deal“, ich drehte mich um und blickte Olli neugierig an. „Ich lass dich Alkohol probieren, wenn du mir die Flasche gibst. Alkohol und Wein ist das Gleiche. Und davon hat deine Mutter da unten genügend herumstehen. Der sieht sogar aus wie Apfelsaft, dann merkt sie nichts.“

„Du lügst!“, stellte ich fest. Warum sollte er mir auf einmal helfen? „Nein ich verarsche dich nicht. Ich schwöre es. Indianer Ehrenwort. Ich habe einen Freund, der hat sich schon immer so eine schöne Flasche Wein gewünscht. Die würde ich ihm gerne schenken.“
„Okay“, hauchte ich. „Super! Eine Hand wäscht die andere, Kleiner!“.
„Kommt ihr endlich?“, seine Mutter stand plötzlich da. „Timmy und ich mussten nur noch ein Spiel zu Ende spielen, stimmt’s Timmy?“, fragte er und zwinkerte mir zu. Ich nickte und war still. Nicht, dass er sein Versprechen noch zurücknahm.

Kommentare:

  1. Hey!
    Aus der Sicht von kleinen Kindern zu schreiben ist ja immer etwas schwierig. Ich kenne persönlich keinen Fünfjährigen, der so denken würde, aber vielleicht waren die Fünfjährigen in meinem Umfeld auch etwas doof ;D. Ich weiß nicht genau, wie alt Olli ist und irgendwie wirkt er komisch auf mich, da bin ich mal auf die nächste Kurzgeschichte gespannt.
    Achja: Timmy mag zwar noch nichts von Rechtschreibung und Kommasetzung verstehen, aber deswegen solltest du sie trotzdem in seinen wörtlichen Reden setzen ;> Und nach "beim", "zum" oder "am" schreibt man das Verb groß, da es ja "bei dem Reden" heißen sollte. So ein kleiner Tipp zum Nikolaus. :)

    Schönen zweiten Advent :)

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    1. *betreten in eine andere Richtung blick*
      Grammatik und so ist nicht wirklich meine Stärke, wie ihr sicher noch oft bemerken werdet :-). Als eine meiner Betaleserinnen meinte, dass sie "ein paar Kommas" angestrichen hat, war ich doch überrascht, dass es nicht so viele waren, wie gedacht.
      Über das "Timmy"- Türchen habe ich mich heute schon mit jemandem unterhalten und muss wohl gestehen, dass es mir mit am schlechtesten gelungen ist. Ich habe mich beim Schreibstil darauf konzentriert keine "erwachsenen" oder "komplizierten" Wörter zu nehmen, sondern eine einfache Sprache beizubehalten. Dabei habe ich wohl vergessen, mich ab und an in den Charakter hineinzuversetzen.

      Aber super, dass du dich schon auf das nächste Türchen freust :-)
      viele Grüße
      Emma

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  2. Huhu, ich schaff es auch mal wieder. Ich habe mein PMS für beendet erklärt und beschlossen mein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Oder so.

    1) Von wem redet der Knirps am Anfang? Erzählt ihm Kelly oft dumme Sachen oder seine Mutter?
    2) "...ob sie wusste, wie alt ich war" - Finde ich sehr gewagt den gedanken bei dem Kind. Wie alt ist er nochmal?
    3) „Du bist so ein Träumer, Timmy“, lachte sie. - Das ebenfalls. Das würde sogar mein LH-Kind verstehen und der ist vier und geistig behindert. (Oder sowas ähnliches)
    - Aber immerhin weiß die Mutter jetzt Bescheid, dass Kelly weg ist und Timmy geht es gut. Puh!
    4) "Ich mochte es nicht, wenn man mich auslachte."
    - Ich glaube nciht, dass Kidner so sind mit sechs. jedenfalls nicht die, die ich erlebt habe. Mit Ausnahme von einem mit einem gravierenden Bindungsproblem.

    Aber ansonsten find ich das Kapitel süß =) Der Wein ist unauffällig weiter gewandert, alles ist gut ^^

    LG

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    1. Hey,
      was zum Henker ist PMS? :-)
      Super, dass du wieder aufgetaucht bist. Ich hatte schon befürchtet die Katholiken - oder Zauberer? - hätten dich entführt und dazu verdammt richtig schlechte Geschichten zu lesen :-).

      Ich befürchte das ist eines meiner Türchen das mir mit am schlechtesten gelungen ist. Beim schreiben habe ich versucht darauf zu achten, "leichte Sprache" zu benutzen. Dabei ist mir entgangen, dass Kinder noch nicht so viel reflektieren...

      viele Grüße
      Emma

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