Samstag, 19. Dezember 2015

19. Türchen: Kellys Einsatz



„Wer stört?“, Kelly hatte eine verdammt knifflige Konstruktion zwischen Fahrrad, Handy und Einkaufstaschen gebastelt, um den Anrufer möglichst schnell entgegenzunehmen. Obwohl die Nummer nicht in ihren Kontakten vorhanden war. Allerdings hatte sie keine Ahnung, wie lange die Konstruktion bestehen bleiben könnte. „Ähm ist hier nicht ... Timmys Mutter?“, fragte eine erstaunte Männerstimme am anderen Ende. Timmy? Wer zum Henker war...? Ach natürlich! Wie konnte sie den Knirps, den sie bis Anfang des Jahres betreut hatte, nur vergessen? Sie war wirklich erleichtert gewesen, als sich ein anderer, attraktiverer Job gefunden hatte und sie seiner emotional armen, aber materiell reichen Mutter leider beibringen musste, dass ihre gemeinsame Zeit nun ein Ende fand. „Nö, hier ist Kelly“, antwortete sie daher ausweichend. „Naja... verdammt... dann hab ich mich wohl verwählt“, stellte er fest. „Mit wem spreche ich überhaupt?“, obwohl die Tüten in der einen Hand schwer wurden und das Fahrrad verdächtig wackelte, war sie doch irgendwie neugierig. Immerhin war ihre letzte Beziehung auch schon eine Weile her... „Kelly, reiß dich zusammen“, murmelte sie. „Wie bitte?“, fragte es am anderen Ende. „Ähm... ach nichts“, entgegnete sie schnell. „Naja ich bin Olli. Also Timmys Babysitter. Seine Mutter hat mir diese Nummer für Notfälle da gelassen. Timmy hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen und ich bin davon ausgegangen, dass mir seine Mutter auch ihre Handynummer da lässt. Alles andere würde ja keinen Sinn ergeben oder?“, redete er drauf los. Kelly seufzte. Eine wahre Labertasche. Aber er schien wohl auf Hilfe angewiesen zu sein. Normalerweise waren Männer ja viel zu eitel für sowas. „Warten Sie fünf Minuten, ich bin gleich da“, platzte es aus ihr heraus. Vor einem Jahr hätte sie sich nicht zu so einer voreiligen Antwort hinreißen lassen. Aber immerhin war bald Weihnachten.

„Ach du bist Kelly, oder? Meine Vorgängerin“, wurde sie von einem Jungen begrüßt, der wirklich verdammt gut aussah. „Kelly, konzentrier dich auf das Wesentliche. Was springt für dich heraus“, versuchte sie zumindest gedanklich die Oberhand zu behalten. „Seine Mutter hinterlässt nie im Leben ihre eigene Telefonnummer. Da würde sie noch eher die Nummern der Nachbarschaft aufzählen. Wenn sie frei hat, will sie auch nicht gestört werden. Das ist eine der wichtigsten Lektionen“, redete Kelly drauf los. Normalerweise war sie nicht wirklich gesprächig. „Dann komm mal rein“, der Typ machte Platz und Kelly marschierte direkt auf die Treppe zu. „Timmy!“, sie klopfte vorsichtig an seiner Tür, vernahm aber keine Antwort. „Ich bin’s Kelly. Weißt du noch, wer ich bin?“, fragte sie zaghaft. „Das hast du gerade gesagt. Und ja ich weiß noch wer du bist. Ich bin ja nicht blöd“, antwortete der Kleine patzig. Immerhin lebte er noch. „Hat er irgendwelche Waffen da drin?“, fragte Kelly an den Typen gewandt, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte. „Was weiß denn ich?“, fragte er abwehrend. Kelly rollte mit den Augen und wandte sich wieder der geschlossenen Zimmertür zu. „Timmy, was ist passiert?“, fragte sie. „Olli ist ein gemeiner Lüger. Er hat mir gar keinen Alkohol gegeben. Er hat mir irgendwas total ekliges eingeschenkt. Da hatte ich total lange Bauchweh.“ „Du hast dem Jungen Alkohol gegeben?“, fuhr sie Olli an. „Nein, das hast du ja gerade gehört“, er bastelte nun an einer Tüte herum. „Kannst du den Scheiß nicht später“- ehe sie zu Ende gesprochen hatte, war die Tüte inklusive Flasche in ihrem Besitz und ihr stockte der Atem. Diese Flasche, ja genau dieses Stück hatte sie letztes Jahr in diesem Haus zurückgelassen. Und sie war sich sicher: Dieses Jahr würde sie das Haus mit der Flasche verlassen.

Kommentare:

  1. Hey!
    Also ein paar Kommas fehlen manchmal und der Anfang hat wieder den "falschen" Begleitsatz zur wörtlichen Rede.
    Ich muss zugeben, dass ich mir durch die Kelly aus The Office deine Kelly etwas anders vorgestellt habe bzw. sie anders in Erinnerung hatte. Ich hätte ihr nicht zugetraut, so nett zu Timmy zu sein :D
    Außerdem: Sie meinte vor Timmys Tür, Olli hätte sich noch nicht vorgestellt, aber zumindest am Telefon hat er das ja getan..?

    LG

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    1. Mist da habe ich wohl nicht sorgfältig gelesen.
      Und was die Kommafrage betrifft: Das Lustige ist, dass ich glaube, dass sich meine Korrekturleser da etwas widersprochen haben :-)

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  2. Achja. Das war doch jetzt mal ein nettes Kapitel. und Olli sieht gut aus. Yeah! =D

    Nur was passiert jetzt mit Timmy? Wie kommt er da wieder raus?
    Ach... Wobei. Der ist fünf. Das gibt sich schon wieder.

    LG

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    1. Wenn Kelly all ihr pseudopädagogisches Fachwissen auspackt, wird sich die Situation noch zum Guten wenden :-).

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