Freitag, 18. Dezember 2015

18. Türchen: Der Verrat



„Timmy! Wenn du dein Zimmer nicht aufgeräumt hast, kommt Olli nicht zum spielen vorbei“, hörte ich meine Mutter rufen. Ich schob gerade die letzten Spielsachen unter mein Bett. Natürlich wusste ich, dass sie mich anlog. Olli würde kommen. Und zwar weil Mummy meine Weihnachtsgeschenke einkaufen musste. Und das konnte sie eben nicht machen, wenn ich dabei war.

Eine Stunde später klingelte es an der Haustür. „Hallo Sportsfreund!“, Olli grinste mich an. Diesmal beugte er sich nicht zu mir herunter. „Hi“, ich ging langsam auf ihn zu. Ich hatte ihn fast das ganze Jahr nicht gesehen. Außerdem war mir von dem Getränk, das er mir gegeben hatte, tagelang schlecht gewesen. Wahrscheinlich hatte er mich absichtlich nicht mehr besucht. Weil er genau wusste, wie eklig das Zeug schmeckte. „Was ist denn los?“, fragte er. „Nix“, antwortete ich und guckte weg. Meine Mutter brüllte von unten: „Ich lass euch dann mal alleine.“ Olli rief irgendetwas zurück. Ich starrte stattdessen aus dem Fenster und beobachtete den Schnee im Garten. Mummy wollte noch nicht mit mir Schlitten fahren gehen. Sie hatte mir beim Abendessen erklärt, dass ihre Hände so schnell kalt würden. Ich hab ihr dann gesagt, sie soll doch einfach Handschuhe anziehen. Da hatte sie nur gelacht und gesagt, ich soll doch mal Olli fragen.

„Und was machen wir beide heute?“, fragte Olli.
„Weiß nicht“, antwortete ich. Mummy mochte es auch nicht, wenn ich mich dreckig machte. Da wäre Schlitten fahren wohl keine gute Idee. Ich drehte mich zu meinem Aufpasser. „Was hast du da in der Tüte?“, fragte ich. „Ach das...“, sein Grinsen wurde stärker. Doch irgendetwas störte mich daran. Lachte er mich etwa aus? Er packte eine Flasche aus und mir klappte die Kinnlade herunter. Die Flasche war noch zu. Dabei hatte er mir doch letztes Jahr daraus etwas zu trinken gegeben. Irgendetwas war hier faul. „Was guckst du denn so?“, fragte Olli erstaunt. Jetzt schaute er eher so, wie die Kindergärtnerin, wenn sich mein Freund wieder mal mit dem Blödmann aus der anderen Gruppe gestritten hatte. Seine Augen rollten von links nach rechts. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Jetzt war ich mir ganz sicher: Olli hatte mir irgendetwas Gemeines zu trinken gegeben. In Wahrheit wollte er die Flasche allein für sich haben. „Du Lüger! Raus!“. Ich stellte mich vor ihn und zeigte auf die Tür. Olli blieb stehen. „Timmy hör mal ich weiß ja echt nicht“- doch ich brüllte: „Du Lüger! Du hast mich angelogen und mir irgendwas ekliges zu trinken letztes Jahr gegeben. Ich weiß es genau. Die Flasche hast du letztes Jahr auch schon mitgebracht. Und jetzt raus! Ich hasse dich!“. Olli packte seine Tüte. „Also ich warte unten auf dich.“
„Da kannst du lang warten“, rief ich ihm hinterher und knallte die Zimmertür zu.

Kommentare:

  1. WTF?!

    Aggro Kind. Was der wohl alles für entwicklungspschologische Mängel hat..?
    Vertragen die sich morgen dann wieder?
    Oder wie funktioniert das. Ich hatte irgendwie etwas abschließenderes erwartet o.O

    LG

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    1. Nun lüfte ich mal ein Geheimnis: Was du im Laufe deines Studiums lernen wirst ist, dass es einen tollen Forscher gibt, der behauptet, dass wir Menschen Mängelwesen seien. Aber ich schweife ab.

      Ja, Timmy ist schon eigenartig. Und nö, ich spoiler dich jetzt nicht.

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  2. Hey!
    Also zur Grammatik: "irgendwas Ekliges" (Ekliges groß, weil man nach etwas, alles, nichts immer groß schreibt).
    Ansonsten: Ich finde gut, wie man Informationen über Timmys Mutter erfährt, so beiläufig. Allerdings finde ich wieder, dass sich Timmy zu erwachsen liest und ich bezweifle, dass er sich wirklich nach einem Jahr an die Flasche erinnert... ich würde jetzt nicht denken, dass die so viel Bedeutung hatte für ihn? Außerdem bewundere ich immer noch, dass er sich so ausdrücken kann, wie er es in der wörtlichen Rede tut :D

    LG

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    1. Das hatte ich schon befürchtet :-). Die Timmy Kapitel sind wirklich die schwächsten... Ich denke schon, dass er sich an die Flasche erinnert, wenn sie vor einem Jahr eine wichtige Bedeutung für ihn hatte. Aber das habe ich nicht richtig eingebaut, sodass es etwas unrealistisch wirkt

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