Donnerstag, 17. Dezember 2015

17. Türchen: Wahre Freundschaft Part II



„Schneller! Immerhin hast du letztens den Führerschein gemacht. Da wirst du doch wohl so einen läppischen Zweirädler fahren können“, feuerte mich Steffen an. „Schweig still! Kumpane! Sonst kannst du dir deine Akte gleich selber abholen“, lächelte ich zufrieden. Vor einem Jahr hatte die Welt noch ganz anders ausgesehen. Natürlich war ich bekennender Optimist. Zumindest an einem Tag der Woche. Nämlich am Freitag. Der Tag läutete das Wochenende und somit die besseren Zeiten ein. Aber bei Steffens Zustand hätte wirklich niemand sagen können, in welche Richtung sich das Ganze entwickelte. Mittlerweile stand Steffen gelegentlich wieder mit beiden Beinen auf dem Boden. Allerdings nur für kurze Strecken. Da regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Klinik viele Wegstrecken beinhalteten, nutzten wir seinen tollen fahrbaren zweirädigen Untersatz.

„Hey ihr beiden! Seid ihr etwa schon wieder da?“, wurden wir von einer Krankenschwester begrüßt. Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab und suchte Steffens Akte. „Ist Nan heute denn nicht da?“, fragte Steffen enttäuscht. Ich grinste. Nie hätte ich damit gerechnet, dass ihm die junge Krankenschwester genauso gut gefiel. Steffens Kontrolluntersuchungen fanden monatlich statt. Es war bisher kein Termin vergangen, an dem uns Nan nicht begegnet war. Sie gehörte für uns schon zum Inventar. Insgeheim vermutete ich, dass sie dafür sorgte, Steffens Untersuchungen durchführen zu können. „Die wartet unten auf euch. Tut mir leid Jungs. Ich glaube sie hat eure Akte schon mitgehen lassen. Ihr fahrt jetzt“- ich unterbrach die freundliche Schwester „mit dem Aufzug in den ersten Stock zurück und bewegen uns dann nach links zu den Krankengymnasten.“ Sie nickte uns bestätigend zu und ich setzte den Rollstuhl in Bewegung, während sich Steffen zufrieden zurücklehnte.

„Ach ihr seid’s“, wurden wir von der Empfangsschwester, der Begriff Empfangsdame war ja höchstens in Hotels geläufig, begrüßt. Der Warteraum war für Feiertage verdächtig leer. Normalerweise war mindestens eine der Stuhlreihen belegt. Immerhin gab es jede Menge alte Leute, die auf Glatteis ausrutschten, sich einen Hexenschuss beim Schneeschippen zuzogen, oder keinen Besuch an den Feiertagen bekamen und vor dem Fest etwas Gesellschaft brauchten.

Doch die Schwester winkte uns gleich in ein offenstehendes Untersuchungszimmer. „Uii! Endlich bekomme ich als Privatpatient auch mal eine Privataudienz“, kommentierte Steffen. Doch als mein Blick auf den leergeräumten Schreibtisch fiel, blieb ich abrupt stehen. „Jetzt verarsch mich nicht! Willst du mich nicht reinfahren?“, obwohl seine Frage selbstsicher klingen sollte, schwang eine leichte Unsicherheit mit. Mein Blick klebte an der Flasche, die demonstrativ mit einem Korkenzieher und zwei Gläsern auf dem Tisch offenbar für uns bereit stand.

Ich war nie auf die Weinflasche zu sprechen gekommen, die ich ihm als Aufmunterung mitgebracht hatte. Als ich ihn am nächsten Tag wieder aufsuchte, war die Flasche verschwunden. Da er am Nachmittag aus dem Koma, oder wo auch immer er sich befunden hatte, erwacht war, interessierte mich die verschwundene Flasche nicht wirklich. Oder um genau zu sein, war sie aus meinem Bewusstsein verdrängt worden.

„Hallo? Redest du heute noch mit mir?“.
„Ähm... ja...“, murmelte ich.
„Hier ist keine heiße Schwester. Der Raum wird einzig und allein von einem interessanten alkoholischen Getränk geprägt, das wir beide wohl kaum genießen dürfen. Wetten, irgendwo springt gleich dieser Blondschopf von ‚Verstehen Sie Spaß?‘ raus? So nach dem Motto, wie diese Ü-Ei Werbung“, redete mein lebendiger Freund weiter. Da näherten sich Schritte. „Ach hier seid ihr beiden abgeblieben“, begrüßte uns eine strahlende Nan. Ihre Freundlichkeit wirkte keinesfalls aufgesetzt. „Steffen! Du kommst mit mir“, sie zwinkerte mir verschwörerisch zu. Ehe ich fragen konnte, woher die Flasche kam und was ich damit sollte, hatte sie mir den Rollstuhl bereits entrissen und mich im Flur zurückgelassen.

Kommentare:

  1. Wie jetzt? Ich dachte immer Nan ist ALT 0.o
    Waaaaah, jetzt ist mein hirn überfortert o.O
    Umstellung...

    Aber die Jungs sind cool. Ich mag sie =)
    Mehr fällt mir hierzuu nciht ein. Schön, dass Steffen lebt...

    LG

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    1. Ähm... Nein????
      Nan ist ganz bestimmt nicht alt.
      Zumindest war sie das nicht in meiner Vorstellung. Wobei jetzt auch die Frage wäre, wie alt definiert wird.

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  2. Hey!
    Ich dachte auch, Nan wäre so zwischen 30 und 45 :D
    Ich finde, du beschreibst ein wenig zu viel. Diesen Nebensatz zur Empfangsschwester oder die Begleitsätze ("sagte mein lebendiger Freund" , "eine strahlende Nan"). Das klingt für mich meist etwas krampfhaft... oder so.

    LG

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