Mittwoch, 16. Dezember 2015

16. Türchen: Die Überraschung



Nan gähnte. Ihre Nacht war kurz und von einem unruhigen Schlaf geprägt. Obwohl es in letzter Zeit keinen Lieblingspatienten gab, den es vor dem Schichtdienst zu besuchen galt, hatte sie sich innerhalb des letzten Jahres angewöhnt, eine gute Viertelstunde vor ihrem Schichtbeginn anwesend zu sein. Sie mochte es lieber, einigermaßen gemütlich in den Tag zu starten. Auf dem Dienstplan hatte sie gelesen, dass Rosie die gestrige Nachtschwester war. Meistens traf sie erst bei Dienstbeginn auf die lebendige Frau. Rosie erledigte kurz vor knapp eine Abschlussrunde, um sicherzustellen, dass es allen Patienten den Umständen entsprechend gutging. Doch heute brannte Licht im Stationszimmer.

Als sich Nan näherte, stellte sie fest, dass nicht Rosie, sondern Rupert auf sie wartete. Er war ihr innerhalb des letzten Jahres aus dem Weg gegangen. Woran es lag? Sie konnte es sich nicht genau erklären. Rupert war noch nie sehr redselig gewesen. Deswegen hatte Nan versucht, sein Verhalten nicht auf sich zu beziehen. Das war aber einfacher gesagt, als getan. Sie mochte seinen ruhigen Charakter. Irgendetwas war anders an ihm. Als sie näher kam, fiel ihr sein strahlender Blick auf. Er saß an dem aufgeräumten Tisch im Stationszimmer. Ihr fiel auf, dass er mit beiden Händen etwas umklammerte. Als er sie kommen sah, winkte er ihr begeistert zu.

„Woher zum Teufel hast du die denn?“, fragte Nan erstaunt. Sie erkannte die Flasche sofort. Ein Angehöriger ihres Lieblingspatienten hatte sie letztes Jahr auf einem Nachttisch zurückgelassen. Die Flasche war innerhalb einer Nacht spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht. „Sagen wir es so. Irgendwer möchte uns ein Weihnachtsgeschenk bescheren“, lächelte er zufrieden. Rupert hatte noch nie so viele Worte an sie gerichtet. Nan sprang vor den PC und drückte ein paar Tasten. Sie hörte, wie die Rollen des Bürostuhls auf dem Boden quietschten. Rupert war hinter sie getreten. Nachdem Nan gefunden, wonach sie gesucht hatte, wuchs das Strahlen auf ihrem Gesicht, falls das überhaupt noch möglich war. „Und ich weiß auch schon, wer diese Flasche nachher bekommen wird.“

Kommentare:

  1. Hm, das war aber kurz.
    Ich mag Rupert immer noch nicht wieder.

    Nan ist so leer wie zuvor, aber ich mag die Charakterhülle trotzdem.
    Und was ist mit Rosie? Hm, da hättest du tiefer gehen können.

    Das mit dem Schlafanzug undder zahnbürste läst darauf schließen, dass Rosie und Rupert was miteinander hatten, aber danach wird das widerlegt.
    Was sidn das für komische Freunde?
    Finde ich extrem undurchsichtig...

    LG

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    1. Himmel! Müsst ihr immer gleich so zweideutig denken? :-) Du hast ja schließlich auch Schlafanzug und Zahnbürste bei mir, ohne, dass wir was miteinander haben :D Tut mir leid, den muss ich jetzt echt raus hauen. Sie sind einfach ein eigenartiges freundschaftliches Paar :-)
      Was meinst du mit "tiefer gehen" können?

      Um ehrlich zu sein, finde ich es gerade gar nicht so schlecht, dass es auch ein paar kürzere Kapitel gibt.

      viele Grüße
      Emma

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    2. Naja, ich finde die Freundschaft von Rosie und Rupert hat eher so nach "Wir treffen usn immer auf dem Parkplatz und sagen hallo" geklungen, also nichts intensiverem und plötzlich sind sie scheinbar so dicke? Das kam bei mir am Anfang GAR NICHT rüber.
      Und Aya - wir sind beide weiblich. Da ist das okay. Wir kennen uns seit hundert Jahren und sind so weit entfernt, dass das berechtigt ist.
      Aber das sind ein Mann und eine Frau. und Rupert sagt kein Wort. The Fuck? Kann ich mir jetzt so gar nicht vorstellen, wie die zusammen funktionieren.

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    3. Wie gesagt es ist halt eine merkwürdige Freundschaft :-)
      *sich mal schnell die Falten wegschmink* Hundert Jahre... Hm... :-D

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  2. Hey!
    Ich finde Nan hier auch etwas flach. Es ist mehr so ein kurzes Update, wie die Flasche jetzt wieder zu ihr kommt als wirklich eine Erzählung. Aber ich mag die Figur an sich auch ganz gern. :)

    LG

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    1. Das ist dann sozusagen Glück im Unglück. Es freut mich, dass sie euch trotz der "Flachheit" (gibt es das Wort überhaupt?) gut gefällt.

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