Sonntag, 22. November 2015

Was muss ich für Prüfungen beachten? Oder: Wie schreibe ich einen Nachteilsausgleich?

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Vorwort 

Heute beschäftige ich mich mit den Fragen, was es mit dem Thema Nachteilsausgleich bei Prüfungen auf sich hat, wann ihr sowas beantragt und vor allem, wie man so einen Antrag aufbaut.


Nachteilsausgleich: Was ist das? 

Durch eure Behinderung habt ihr bestimmte Nachteile. Das hat nichts mit Mitleid erregen zu tun. Es sind einfach Fakten, die sich nicht leugnen lassen: 
Beispielsweise kann ein blinder Student bei Prüfungen nicht einfach, wie seine vollsehenden Kommilitonen, mal eben so den Multiple Choice Test ausfüllen und abgeben. Er wird schon schlicht und ergreifend daran scheitern, dass er die Fragen einfach nicht lesen kann. 

Deswegen müssen Sonderregelungen gefunden werden, dass Behinderte zu gleichen Bedingungen an den Prüfungen teilnehmen können. 
Daher ist es wichtig, dass ihr, sobald ihr euer Studium aufgenommen habt, einen Nachteilsausgleich für Prüfungen beantragt. Denn, wenn ihr nicht gerade in Marburg studiert, ist so ein Antrag DRINGEND notwendig, um euch die Chancengleichheit zu garantieren. 


Wie baue ich einen Antrag auf Nachteilsausgleich auf? 

Der Antrag besteht aus folgenden Teilen: 

Einleitung: 
Wer seid ihr? Was studiert ihr? Und was wollt ihr vom Prüfungsamt? 

Eure Behinderung: 
Worin äußert sich eure Behinderung? Hier könnt ihr ggf. den Abschnitt aus eurem Härtefallantrag übernehmen. Schließlich müsst ihr das Rad nicht neu erfinden. 

Was ihr braucht: 
Welche Unterstützung beantragt ihr? Und warum soll euch diese Unterstützung gewährt werden? Begründet eure Forderungen glaubhaft. Vergesst hierbei nicht, dass euer Gegenüber kein Fachmann für eure Behinderung ist. Er hat höchstwahrscheinlich überhaupt keine Erfahrung, weiß also nicht, welche Hilfen angemessen und welche völlig Fehl am Platz sind. 

Nachweis Schwerbehinderung oder gleichwertiges Gutachten: 
Diejenigen unter euch, die einen Schwerbehindertenausweis besitzen, haben es hier einfach. Macht eine Kopie und legt diese bei. Somit ist eure Schwerbehinderung bestätigt. 
Wer (noch) keinen Schwerbehindertenausweis besitzt, sollte ein fachärztliches Gutachten beilegen, das eure Aussagen bestätigt und bekräftigt was ihr braucht. Vergesst auch hier nicht: Es geht nicht um irgendwelche fachchinesischen Begriffe. Versucht in möglichst wenig Worten auf den Punkt zu kommen. 


Beispiel 

Im folgenden Abschnitt liefere ich euch mal ein paar Formulierungen, wie ihr so einen Antrag aufbauen könnt. Diese habe ich aber bewusst sehr offen gehalten, da Behinderungen und Bedürfnisse ja bekanntlich ziemlich weit auseinander gehen. 

EINLEITUNG: 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
hiermit beantrage ich, Emma Zecka, Studentin des Studiengangs X in Fachsemester Z, einen Nachteilsausgleich für schriftliche Prüfungen (ggf. Hausarbeiten, mündliche Prüfungen). 

EURE BEHINDERUNG: 
Seit meiner Geburt bin ich / habe ich ... das heißt das ... Mein Sehrest beläuft sich auf... Texte kann ich ohne Hilfsmittel X und Y nicht erfassen, weil... 

WAS IHR BRAUCHT: 
Um mir das Arbeiten zu erleichtern beantrage ich ... Mit Hilfsmittel X kann ich ... 


WICHTIG 

1. Macht euch unbedingt vorab Gedanken was ihr braucht. 
Hilft es euch beispielsweise eine schriftliche Klausur am Laptop zu schreiben? Oder seid ihr motorisch so eingeschränkt, dass ihr eine mündliche Prüfung benötigt? Wie sieht das mit Grafiken aus? Könnt ihr diese noch erkennen? 

2. Formatierung 
Ähnlich wie beim Bewerbungsschreiben gibt's auch hier eine zu beachtende Formatierung. 

Rechts oben: Eure Anschrift 
Links darunter: Die Anschrift der Hochschule / Universität 
Rechts: Das aktuelle Datum 
Zentriert: Die Überschrift also z.B. "Nachteilsausgleich für Prüfungen" 

Dann kommt euer Anschreiben. 

3. Veränderungen 
Im Laufe eures Studiums kann es vorkommen, dass sich gewisse Dinge ändern. Beispielsweise schreibe ich im dritten Semester meine erste Klausur in Recht. Bei meinem ersten Nachteilsausgleich konnte ich noch nicht ahnen, dass mir ein zweitausendseitiges Schwarzschriftbuch in einer zeitlich begrenzten Prüfung nicht viel bringen würde. Deswegen habe ich nochmal einen Antrag gestellt. 
Merkt euch also: Wenn sich die Bedürfnisse ändern, stellt ruhig noch einen Antrag. 

4. Macht Vorschläge 
Verfallt nicht in den "ich bin behindert bitte helft mir"- Modus, sondern liefert gleich konstruktive Vorschläge. So kann sich das Prüfungsamt überlegen, ob diese mit den Regeln der Hochschule vereinbar sind und ihr könnt, je nachdem, gemeinsam einen Kompromiss erarbeiten. 


Noch Fragen? 

Her damit: Entweder könnt ihr sie hier in die Kommentare schreiben, oder mir auch eine Mail schicken. 

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