Sonntag, 6. September 2015

Biografie des Monats - Station 23

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Wieden Verlag
Steckbrief

Autor: Hartmut Haker
Verlag: Wieden Verlag
Geeignet für: ab 17 Jahren, oder für Menschen, die gerne Biografien lesen
Gelesen oder gehört: Gelesen
Bewertung: 2 von 5 Punkten


Klappentext

(Klappentext von Wieden Verlag)

"Der Autor versucht mit diesem Buch, sich gesund zu schreiben. Er analysiert sein Leben, um die Hintergründe seiner psychischen Erkrankung zu erkennen, geht auf Mitpatienten zu und schreibt über sie, schreibt über alles, was ein Grund für seine Krankheit sein könnte.
"Station" - einst als Rettungsversuch der eigenen Seele geschrieben, erscheint in zweiter, behutsam überarbeiteter Auflage."


Meine Meinung 

Auf das Buch bin ich durch eine Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen gestoßen, bei der ich ein halbjähriges Praktikum absolviert habe. Der Klappentext klang interessant. Daher beschloss ich es zu lesen.

Wenn ich das Buch rein vom Inhalt her bewerten würde, hätte es deutlich mehr Punkte bekommen. Ich finde es interessant, wie Herr Haker sich mit seinem Leben kritisch auseinandersetzt. Nur die wenigsten Menschen schaffen es, auch ihren Anteil an einer Erkrankung bzw. an Problemsituationen zu sehen. Oft wird die eigene Schwäche anderen zugeschoben, weil dies oft leichter erscheint, als sich mit den eigenen Schwächen befassen zu müssen.

Schnell werden die zwei Erlebnisse, durch die seine Erkrankung vielleicht entstanden sein könnte, klar. Aber wie so oft im Leben, hilft es einem ja nicht, wenn man es "theoretisch erkannt" hat. Irgendwie muss das Erlebte auch verarbeitet werden. Ich hoffe sehr, dass es ihm inzwischen gelungen ist und er seinen Alltag bestmöglichst bewältigen kann.

Anhand diesen Buches habe ich aber gemerkt, wie wichtig der Schreibstil bei einer Geschichte ist. Das erste Problem bestand darin, dass "Station 23" überwiegend in Präsens geschrieben ist. Stellenweise waren die Sätze abgehackt, oder es wurden von alltäglichen Dingen berichtet, wie wann Herr Haker zum Essen oder zur Therapie geht. Es ging aber selten darum, was dort gesprochen wurde, sondern mehr um die allgemeine Handlung, dass er es getan hatte. Mich interessiert nicht, dass er daran teilgenommen hat, sondern was er dort erlebt hat. Diese Information wurde dem Leser oft - aber nicht immer - vorenthalten.

Herr Haker hat in dem Buch viele Briefe abgedruckt, die er von Freunden oder Verwandten bekam. Einerseits fand ich es interessant zu lesen, was sie über ihn oder die gemeinsame Beziehung denken. Andererseits wurde es mir nach dem fünften Brief zu viel, da sie alle über Ähnliches berichteten.

In dem Buch gab es eine Schlüsselsituation nach der es endlich bergauf ging. Hier schreibt er: "Ich nahm seinen Rat (hier sein Vater) an und fügte mich dem Willen der Ärzte und meiner Psychologin. Danach ging es aufwärts..." (S. 176). Mich als Leser interessiert natürlich, was mit "Willen" gemeint ist. Geht es hier ausschließlich um die regelmäßige Einnahme der Tabletten? Es wird aber nie aufgeklärt.

Ich weiß nicht, inwiefern Herr Haker beraten wurde, was das Schreiben betrifft. Vom Inhalt her, kann ich das Buch weiterempfehlen. Allerdings war es aufgrund des Schreibstils für mich schwierig dran zu bleiben und das Buch zu Ende zu lesen. Ich habe mir das ein oder andere Mal überlegt - obwohl es sonst nicht meine Art ist - das Buch beiseite zu legen.


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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht.

Kommentare:

  1. So geht ees mir mit solchen Erfahrungs-Büchern auch sehr oft - es wird einfach in normaler Alltagssprache detailreich alles erzählt und das erfordert vom Leser schon sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen, denn ein "Lesevergnügen" im Sinne von Literatur und schöner Sprache (die mich vor allem an einem Buch reizt) ist das leider selten. Interessant: ja. Aber oft fehlt jegl. Spannung und leider auch der Sprachgenusz.

    Ich würde dafür plädieren, dasz jeder Schreibwillige, der ja etwas zu sagen hat, einen Lektor oder Mentor bekommen müszte. Aber das ist wohl die leidige Kostenfrage...
    Liebe Grüsze
    Mascha

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    1. Hey,
      ich denke schon, dass ein Lektor hier mal drüber geschaut hat, zumal das Buch ja bei einem Verlag erschienen ist. Allerdings habe ich bei Biografien oft das Gefühl, dass man dem Autor ja auch nicht "seinen Stil" kaputt machen möchte. Beispielsweise werden Biografien von Dieter Bohlen oder Daniela Katzenberger ja nicht verkauft, weil sich die Leute für ihren Schreibstil interessieren, sondern weil es um die Person geht. Und da passt es dann oft, dass sie "schreiben wie sie reden".
      Eben eine schwierige Sache bei Biografien.

      Vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Besuch hier auf meinem Blog :-).
      es grüßt
      Emma

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