Mittwoch, 16. September 2015

GE(H)FRAGT - Isona

Vorab: 

Ihr seid begeisterte Leseratten und zählt euch auch zu den Schreiberlingen? Ihr spielt mit dem Gedanken ein Germanistik Studium zu beginnen. 
Dann ist das Interview genau das Richtige für euch. 
Hier packt Isona, eine aktuelle Germanistik Studentin, aus und berichtet was im Studium wirklich läuft :-) 


Das Interview

Isona, Du studierst Germanistik. Mit welchen Erwartungen hast Du das Studium begonnen?

Ich habe schon in der Schule gemerkt, dass mir Deutsch Spaß macht. Einfach die Sprache und wie man damit umgehen kann.

Meine Erwartungen waren daher sehr an den Unterricht der Oberstufe angepasst. Buch lesen (oder eben auch nicht, wie in meinem Fall meistens), Interpretieren, gute Note abholen, fertig.
So ist das leider im Studium nicht mehr. Es gibt viel mehr Teilbereiche, die viel tiefergreifend sind, als man das normal aus dem Gymnasium kennt.


Welche Module machen Dir am meisten Spaß? Worauf könntest Du gut verzichten?

Das Studium ist in 3 Teilbereiche gegliedert. Linguistik mit den Themen der Grammatik, Lexikologie, Semantik, Textlinguistik und so weiter.

Mediävistik – Sprich: Mittelhochdeutsch. Sprache und Literatur des Mittelalters.

Neuere Deutsche Literatur – also alles nach dem Mittelalter, im Grunde der Bereich, der der Oberstufe am nächsten kommt.
Ob dies allerdings nur an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg – an der ich studiere – so gehandhabt wird oder auch anderswo, weiß ich nicht. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie wirklich Gedanken gemacht. Wer darüber was weiß, darf mich gerne aufklären ;)

Anders als meine anfänglichen Erwartungen, finde ich den Bereich der Linguistik am interessantesten. Aufbau und Gestaltung der Sprache ist mein Steckenpferd. Hach.

In der Einführungsveranstaltung haben mich die Professoren ganz wild auf Mediävistik gemacht. Jetzt nicht mehr. Es ist wie meine persönliche Mathematik. Ich vergleiche es auch gerne mit Latein, was ich ebenso auf längere Dauer verabscheut habe :D


Muss man mit dem Abschluss zwangsläufig Lektor werden? Welches Berufsziel strebst Du an?

Nein, auf keinen Fall.

Das Germanistikstudium ist breit gefächert, die meisten studieren natürlich auf Lehramt, weil man da bereits eine Richtung hat, auf die man hinarbeitet. Der Gymnasiallehrer.

Wer seine Zukunft in der Mediävistik sieht, kann in die Forschung gehen. Aber auch die Linguistik lässt Raum für Vieles.

Journalismus, Lektorat, auch Rundfunkanstalten arbeiten gerne mit Germanisten zusammen (weil wir einfach toll sind!). Ihr seht also: Unzählige Möglichkeiten. Und wenn gar nichts mehr hilft: Geht in die Politik!

Ich persönlich habe mein Ziel immer im Lektorat gesehen. Aber dieses Berufsfeld macht momentan einen großen Wandel durch, ob das nach meinem Studium immer noch was für mich ist, weiß ich nicht.
Aber mich würde es auch sehr interessieren in die Medienwelt einzutauchen. Also mal sehen was so kommt.


eBook Autorin und Schreibnacht-Gründerin Jennifer Jäger berichtet auf ihrem Blog, dass sie ihr Germanistik Studium als „Zeitverschwendung“ betrachte. Wie geht es Dir damit?

Da kann ich persönlich nicht zustimmen.
Ich weiß ja nicht mit welcher Einstellung Frau Jäger ans Studium gegangen ist, aber es war wohl definitiv nicht die Richtige.

Wie bereits oben schon erwähnt, gibt es viele falsche Meinungen zum Germanistikstudium.

Eine davon ist, dass ihr euch kreativ betätigen könnt und eure Geschichten, Romane und Gedichte in euren Seminaren mit den Dozenten besprecht. Nein, nein und nochmals nein! Schlagt euch das bitte ganz, ganz schnell aus dem Kopf. Es gibt wirklich nur ganz, ganz wenige Situationen, in denen sowas passiert. Mir ist bisher noch keine begegnet.


Hast du während Deines Studiums Neues über den Buchmarkt gelernt? Wenn ja, was?

Ehrlich gesagt muss ich diese Frage verneinen. Mit dem aktuellen Buchmarkt und den Werken, die dort erscheinen hat man wirklich herzlich wenig am Hut. Eigentlich gar nichts.
Also wer sich vorstellt er kann im Studium so nette Romane wie Wolfgang Holbein oder Cornelia Funke lesen, der irrt. Gewaltig!

Gelesen wird – ja. Ziemlich viel. So viel sogar, dass ich behaupten würde, ihr müsst eure normalen Lesegewohnheiten zurückschrauben.


Wo siehst Du Dich in 5 Jahren? Bei einem klassischen Verlag, oder als selbstständige Lektorin im eigenen Lektorat?

WENN ich überhaupt einen Job bekomme im Lektoratsbereich (die Möglichkeiten mit einem abgeschlossenen Germanistikstudium sind zahlreich), denke ich, dass ich eher in einem klassischen Verlag anheuere, weil ich einfach ein Freund davon bin, geregelte Arbeitszeiten und einen festen Job zu haben. Ich kenne es von mir selbst, dass wenn niemand da ist, der mir in den Arsch tritt, ich nichts mache. Ich mein eigener Chef? Bitte nicht!


Hand aufs Herz: Wie viele Schreiberlinge tummeln sich in Deinem Studiengang?

Viele. Wirklich viele. Ob von falschen Vorstellungen getrieben oder vom Spaß am Lesen – denn, sind wir mal ehrlich, man kann nicht Autor sein und nicht gern lesen.
Ich lerne immer mehr kennen, von denen ich erfahre, dass sie schreiben, durch außerfachliche Seminare auch Leute, die überhaupt nicht Germanistik studieren. Lasst euch also nichts einreden von irgendwem. Nicht jeder Autor hat Deutsch studiert und nicht jeder sollte es tun, wenn es ihm keinen Spaß macht. Punkt.


Und zu guter Letzt: Was möchtest Du angehenden Germanisten mit auf den Weg geben?

Überlegt euch gut, ob das Studium was für euch ist. Wenn ihr euch nicht sicher seid, fragt Leute, die das studieren und hört euch an, was sie erzählen. Nicht nur das, was ich von mir gebe. Macht von mir aus ein Semester zur Probe. An den meisten Unis ist das Fach ja zulassungsfrei. Das ist nicht lang, aber genug um reinzuschnuppern, es tut euch nicht weh, ihr könnt wieder aufhören, wenn es euch nicht gefällt. Ist keine Schande und auch in meiner Uni gut zu beobachten, wie es nach oben hin immer weniger werden ;)

Ansonsten: Das Germanistik-Studium macht Spaß, wenn man sich darauf einlässt und mehr über die Deutsche Sprache lernen möchte.

Ihr lest viel und ganz bestimmt nicht immer das, was euch gefällt :D

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