Donnerstag, 13. August 2015

Blinde Vögel

Bild von Argon Verlag
Steckbrief 

Name: Blinde Vögel (auch als Buch erhältlich)
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Thriller und Ursula Poznanski Fans
Gelesen oder gehört: gehört in autorisierter Fassung
Sprecher: Andrea Sawatzki
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"Zwei Leichen bei einem Salzburger Campingplatz – ein Mann und eine Frau, beide Mitte zwanzig. Auf den ersten Blick sieht es nach Mord und Selbstmord aus, doch die beiden scheinen zu Lebzeiten keinen Kontakt miteinander gehabt zu haben. Die einzige Gemeinsamkeit ist eigentlich zu belanglos, um sie ernst zu nehmen: Die Toten haben in einer Lyrik-Gruppe auf Facebook stimmungsvolle Gedichte und Fotos ausgetauscht. Ganz harmlos? Beatrice Kaspary folgt ihrem Ermittlerinstinkt und schleust sich als U-Boot in die Gruppe ein. Bald ahnt sie, dass hier Botschaften ausgetauscht werden, die nur wenige Teilnehmer verstehen, düstere Botschaften voller Todesahnung. Und dann stirbt eine Frau aus der Lyrik-Gruppe..."


Meine Meinung 

Der Auftakt von Ursula Poznanskis Thriller Reihe um das Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger hat mir ja nicht wirklich gut gefallen. Da war ich von "Blinde Vögel" positiv überrascht. Schon nach den ersten Minuten musste ich schmunzeln und freute mich auf die Geschichte.

Inhaltlich fand ich mich sehr schnell in die Geschichte ein und stellte fest, dass mich diese von Anfang bis zum Schluss fesselte. Natürlich gehöre auch ich zur Facebook Generation und bin in einigen Gruppen mehr oder weniger aktiv. Ich hatte daher das Gefühl mitreden zu können.

Die Handlungsstränge waren hier sehr gut miteinander verbunden. Was anfangs mit Facebook beginnt, wechselt schnell zu literarischen Themen. Allerdings finden wir uns am Ende der Geschichte bei einem ganz anderen Thema wieder. Gerade diese unmerklichen Wechsel der Schauplätze haben mich wirklich gefesselt. Da ich mich besser in die Geschichte einfinden konnte, hatte ich auch keine Mühe den Überblick über die potentiellen Verdächtigen zu behalten. Der Kreis war überschaubar, jedoch war erst kurz vor Schluss klar, wer die Fäden in der Hand hält.

In "Blinde Vögel" habe ich auch die beiden Hauptcharaktere Beatrice und Florin besser kennen gelernt. Während es im vorherigen Band viel um Beatrice verwirrende Familiensituation geht, liegt hier der Focus auf Florin. Zwar wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Beatrice erzählt, jedoch berichtet sie, wie sie Florins Stimmungen wahrnimmt. Schnell stellt sich die Frage, wie nah sich beide Kollegen sein wollen.

Beatrice Familie tritt in diesem Band nur als Randerscheinung auf. Das fand ich etwas schade, da ich gerne mehr über ihre Kinder gelesen bzw. gehört hätte. Wobei ich hier auch anmerken muss, dass es sich um eine autorisierte Fassung handelt und ich daher nicht sagen kann, ob die Familie in der gedruckten Version auch zu kurz kommt.

Der Spannungsbogen wird hier sehr gut aufgebaut. Wir begleiten Beatrice, die immer mehr in die Facebook Lyrik Gruppe einsteigt und lernt, wie dort kommuniziert wird. Gut herausgearbeitet finde ich, dass mehr zwischen den Zeilen, als mit direkten Worten berichtet wird. Das Prinzip, dass man Teil einer virtuellen Clique sein muss, um die geschriebene Sprache zu verstehen, ist hier gelungen übersetzt worden.

Ursula Poznanski präsentiert in "Blinde Vögel" einen genialen Schreibstil. Sie muss hier nicht nur sprachliche Bilder, oder gute Dialoge transportieren. Wichtig ist hier auch, sich in verschiedene Charaktere hineinzuversetzen und deren geschriebene Sprache glaubhaft darzustellen, ohne zum Schluss festzustellen, dass jeder Charakter gleich klingt. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich bestätigend nickte und feststellte: "Ja, genauso läuft es ab, im sozialen Netzwerk." Poznanski hat diese Art der Kommunikation wunderbar umgesetzt. Müsste ich es mit einem sprachlichen Bild vergleichen, würde ich behaupten, dass es ähnlich ist, wie bei einem Liedtext. Die Band, die das ausspricht, was jeder denkt, sodass sich die Zuhörer in den Liedern wiederfinden. Genauso ging es mir bei den Facebook Dialogen in "Blinde Vögel".

Andrea Sawatzki hat den Roman durch ihre schlichte Art die Geschichte zu interpretieren sehr gut untermalt. Somit wurde die ereignisreiche Handlung gut ergänzt. Ich hätte mir hier keine besser Besetzung vorstellen können und freue mich sehr auf den Folgeband, der ebenfalls von der Schauspielerin gelesen wird.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in "Blinde Vögel" viel leichter in die Geschichte gefunden habe. Dies lag zum einen wohl daran, dass mich der Inhalt mehr interessierte, zum anderen aber auch, dass sich die Geschichte und die Umsetzung als Hörbuch hier wieder sehr gut ergänzt haben und keines der beiden Punkte dominierte.

Während ich in "Fünf" nicht wirklich etwas mit den Hauptcharakteren anfangen konnte, hatte ich hier den Eindruck, sie ein bisschen besser erfassen zu können. Zudem gefiel mir wieder, wie viel zwischen den Zeilen abläuft.

Kommentare:

  1. Hi Emma :)

    ich hab bisher aus der Reihe nur FÜNF gelesen. Nun freu ich mich schon darauf, bald wieder weiterzumachen. Mal sehen, wann ich mir BLINDE VÖGEL oder STIMMEN besorge. Die Themen, die UP in den Büchern anspricht, finde ich jedenfalls echt interessant. Sie ist ohnehin eine Autorin, die immerwieder mit ihren Büchern den Zeitgeist trifft und das dann grandios umsetzt. Nicht nur in dieser Reihe, sondern allgemein in allem, was sie schreibt.

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    1. Hallöchen Martin,
      ich finde auch, dass Ursula Poznanski wirklich schön schreibt. Gerade "Blinde Vögel" und "Stimmen" konnten mich auch größenteils begeistern.
      Allerdings fing ich im Nachhinein an die Reihe mit J.K. Rowlings "Cormoran Strike"- Reihe zu vergleichen.(Das ist die Krimireihe, die Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht hat). Und ich muss sagen, dass mir letztere im Vergleich etwas besser gefällt, weil ich die Beziehung zwischen den Ermittlern besser beschrieben finde.

      Be "Blinde Vögel" hat mir besonders der Facebook Handlungsstrang gefallen, weil Ursula Poznanski diese verschiedenen Schreibstile wunderbar umsetzen kann. Man könnte echt meinen sie hat ordentlich Facebook Recherche betrieben :-).

      Viele Grüße und vor allem viel Spaß beim lesen
      Emma

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  2. Nochmal Hallo :-)
    Von Robert Galbraith hab ich den ersten Krimi schon zuhause. Da ist nur immer wieder was dazwischen gekommen. Aber der kommt bald dran :-) Bin schon sehr gespannt darauf.

    Abgesehen davon, dass UP sich mit Facebook auskennt, hat sie sicher viel recherchiert.

    Hast du sie eigentlich schonmal live gesehen? Ich bin bald in Stuttgart auf einer Lesung von ihr. Da stellt sie LAYERS vor. Das ist ihr neustes Werk. Dazu hab ich auch ne Kleinigkeit schon auf meinem Blog geschrieben. Aber falls du da keine Gelegenheit hast... in Frankfurt wird sie auch 2 mal lesen. ;-)

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    1. Hey,
      jepp ich hab gesehen, dass sie "Layers" auch auf der Buchmesse in Frankfurt vorstellt. Ich weiß noch nicht genau, ob ich es mir einrichten kann, den Termin habe ich mir aber schon mal im Kalender vorgemerkt :-).
      Stuttgart ist leider doch eine Ecke zu weit weg für mich. Ich bin noch etwas südlicher beheimatet :-).
      Über einen Bericht von der Lesung würde ich mich sehr freuen!
      viele Grüße
      Emma (die jetzt aber wirklich langsam ins Bettchen geht).

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  3. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Buchmesse. ;-)

    Einen Bericht wird es auf alle Fälle geben. Sowohl von der Lesung in Stuttgart, als auch von allem, was in Frankfurt so passiert!

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