Sonntag, 30. August 2015

Mein August 2015 - Meine Katze und Literatur Teil 2, meine gelesenen Bücher, was hier im August so passierte und ein lustiges Zitat zum Schluss

Der August neigt sich dem Ende zu und ich stelle fest, dass dies mein 12. Monatsrückblick ist.
Was ich im August 2014 erlebt habe -> HIER GEHT'S LANG 

Aber bleiben wir in der Gegenwart und schauen wir uns den August 2015 an...



Gelesen im August 2015


(Bild von Goldmann

Ich lass dich nicht los

Klappentext 
(von Goldmann

" 'Ich hab dich lieb, jeden und jeden Tag.' Unzählige Male hat Carrie diesen Satz zu ihrem fünfjährigen Sohn Charlie gesagt, so auch an jenem Sommertag an der Küste von Norfolk, als ein langer Schatten auf ihr Leben fiel: Sie hatte nur für einen Moment die Augen geschlossen, und als sie sie wieder aufschlug, war Charlie fort. Auch drei Jahre später bestimmt dieses traumatische Ereignis noch Carries Leben, als sie zufällig die alleinerziehende Mutter Molly kennenlernt. Doch noch können die beiden Frauen nicht ahnen, dass an jenem Tag am Strand eine Verbindung entstanden ist, die ihrer beider Schicksal bestimmen wird ..."

(Bild von,Carlsen)

Kartoffelsalat - Nicht fragen (Buch zum Film)

Handlung: 

"Leo Weiß (gespielt von Freshtorge) hat ein schweres Leben an seiner Schule. Er ist der Klassenälteste, aber nicht der beliebteste. Leo kämpft mit schlechten Noten und mangelnder Anerkennung. So beschließen seine Eltern ihn auf eine neue Schule zu verlegen, in der Hoffnung auf einen Neuanfang.

Dieser erweist sich aber als steinig, denn nur zwei Aussenseiter bieten ihm Anschluss, während er sich Hals über Kopf in die extrem tussige „Perle“ verliebt.

Als ein bedrohlicher Virus ausbricht, der aus den Schülern fresssüchtige Infizierte macht, ergreift Leo die Initiative und beweist sich als Held. Von nun an startet eine waghalsige Rettungsaktion, in der Leo versucht, die nicht befallenen Schüler zu retten. Und möglicherweise ist es auch nicht für die Infizierten zu spät…"


(Bild von
Fischer Verlag

Agnes

Klappentext 
(von Fischer Verlag

"Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält."


(Bild von der hörverlag

Ich vermisse dich

Klappentext 

"Bis der Tod uns scheidet

Kat Donovan, Detective bei der New Yorker Kriminalpolizei, ist Single, seit sich einst der Mann ihres Lebens einfach aus dem Staub machte. Jetzt, 18 Jahre später, entdeckt sie ihn erstaunt auf dem Profilbild einer Dating-Website. Da wird der Mann plötzlich zum Verdächtigen in einem Mordfall – und Kats Nachforschungen führen tief in ihre eigene schmerzhafte Vergangenheit. Derweil belauert ein Mörder aus der Ferne jeden einzelnen von Kats Schritten. Denn ihre Recherchen drohen einen sorgfältig ausgeklügelten Plan zu stören. Einen Plan, der mit den Sehnsüchten und Hoffnungen einsamer Herzen spielt, bei dem es um viel Geld geht – und der schon so viele Menschenleben gekostet hat, dass es auf eines mehr nicht ankommt …"


(Bild von Ullstein

Das finstere Tal 

Klappentext 
(von Ullstein

"Ein Fremder kommt in ein einsam gelegenes Hochtal. Er sei Maler und suche Quartier. Die Bewohner sind misstrauisch, lassen sich aber von seinem Gold überzeugen. Der erste Schnee schneidet das Tal von der Außenwelt ab. Das Leben im Dorf kommt zur Ruhe, man hat sich an den Fremden gewöhnt. Doch dann gibt es den ersten Toten, bald darauf einen zweiten. Eine dramatische Geschichte von Liebe und Hass, Schuld und Vergeltung nimmt ihren Lauf."

Davon Rezensionsexemplare: "Kartoffelsalat - Nicht fragen", "Ich vermisse dich", "Ich lass dich nicht los" 


Situation(en) des Monats 
Neben der bisher erfolgreichen Buchmessen Vorbereitung, Outfit, Begleitperson, Unterkunft und PRESSEAUSWEIS (!) sind soweit vorbereitet, habe ich noch Folgendes erlebt: 

Ich werde alt - oder: Manche Bücher begegnen einem zweimal im Leben 
An diesem Wochenende setzte ich mich hoch motiviert an meinen PC. Der August war noch nicht ganz vorbei. Es war also durchaus realistisch noch ein weiteres Buch beenden zu können. Schnell war meine Hörbuch Wahl getroffen. Ich wollte mich James Siegels Roman "Entgleist" widmen. Die Geschichte begann spannend und konnte mich schnell fesseln. Doch schon bald fiel mir auf, dass mir die Handlung bekannt vorkam. Ich dachte mir, dass ich den Roman zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht abgebrochen habe. Also hörte ich weiter. 
Allerdings war mein Interesse geweckt und ich suchte mir - Asche auf mein Haupt! - eine Zusammenfassung im Internet. Und siehe da: Ich hatte den Roman bereits schon mal gelesen, aber weder rezensiert noch großartig in irgendeine meiner neuen Statistiken aufgenommen. 
Mysteriös! 
Notiz an mich selbst: Ich werde alt, oder vielleicht nur unordentlich? :-) 
Anmerkung: Nein, ich habe das Buch kein zweites Mal gelesen. 



 (Bildbeschreibung: Meine Katze liegt auf 
meinem Schreibtisch. Ihr Blick ist auf meinen 
Bildschirm gerichtet).
Meine Katze und die Welt der Buchblogger - Teil 2 
Eines Abends begann ich im schönen Käsekuchenland der Blogger, DER Facebook Gruppe für kontaktfreudige Buchblogger, zu stöbern. Hier fand ich auch schon bald einen interessanten Blogbeitrag. Es ging um einen Blog Geburtstag. Da mein Blog Anfang August ja selbst einjähriges Bestehen feiern durfte, war mein Interesse natürlich sofort geweckt. 
Während ich las miaute es wieder einmal neben mir. Ich sprang auf, streichelte die Katze, hieß sie in meinem Zimmer willkommen und widmete mich wieder dem Artikel. 
Irgendwann tauchte dann ein flauschiger Kopf neben mir auf. Meine Katze steht wohl auch auf gute Blogbeiträge... 

Da sie sehr ungeduldig schien, blieb mir leider keine Zeit ein besseres Foto zu machen. 
HIER geht's zu dem Artikel, den wir beide gelesen haben. 


Was gab's zu erzählen
Rezensionen 
Freshtorges Kartoffelsalat (eine etwas andere Rezension)

Rezensionen aus der Konserve 

Mein Blog... 

Wie war's beim Konzert von...

Emma denkt 

Studieren mit Sehbehinderung 



Mein Lied im August 2015



Ich vergesse leider immer wieder mir meine Lieder des Monats aufzuschreiben. Ich war schon kurz davor, die Kategorie diesmal einfach zu streichen, da fiel mir mein morgendlicher Ohrwurm "Sonnendeck" ein :-). 

Wenn ihr mehr deutschsprachige Musik hören wollt: Schaltet Sonntag Abends ab 20:00 Uhr hr3 ein. Ja, die hessische Version von SWR3 lässt sich auch übers Internet hören. 

Wenn der Beitrag jetzt online geht, werden mir wahrscheinlich jede Menge Lieder einfallen. 


Zitat des Monats 
Am Freitag habe ich mir "Minions" angeschaut. Wer diese gelben Dinger nicht kennt: Sie spielen eine wichtige Rolle in den Filmen "Ich - Einfach unverbesserlich" und "Ich - Einfach unverbesserlich 2". Hiervon habe ich nur den ersten Teil gesehen, fand sie aber schon damals echt süß. Aber ich schweife ab. Eines meiner Lieblingszitate aus diesem Film: 

Die Queen: 
"Was macht eine Queen beim Zahnarzt? 
Sie macht sich KRONEN." 


In diesem Sinne... 
Genug der dämlichen Wortwitze :-). 
Ich wünsche euch einen guten Start in den September, obwohl sich damit der Herbst ganz deutlich bemerkbar macht. 

Meine Feststellung gestern Abend: "Man könnte meinen, es ist schon 22:30 Uhr DABEI IST ES ERST 21:15." 

viele Grüße 
Emma 

Mittwoch, 26. August 2015

Ich vermisse dich

Bild von der Hörverlag 
Steckbrief
Name: Ich vermisse dich
Autor: Harlan Coben
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Menschen, die gerne Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gehört in ungekürzter Fassung
Sprecher: Detlef Bierstedt
Bewertung: 2 von 5 Punkten

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 

"Bis der Tod uns scheidet

Kat Donovan, Detective bei der New Yorker Kriminalpolizei, ist Single, seit sich einst der Mann ihres Lebens einfach aus dem Staub machte. Jetzt, 18 Jahre später, entdeckt sie ihn erstaunt auf dem Profilbild einer Dating-Website. Da wird der Mann plötzlich zum Verdächtigen in einem Mordfall – und Kats Nachforschungen führen tief in ihre eigene schmerzhafte Vergangenheit. Derweil belauert ein Mörder aus der Ferne jeden einzelnen von Kats Schritten. Denn ihre Recherchen drohen einen sorgfältig ausgeklügelten Plan zu stören. Einen Plan, der mit den Sehnsüchten und Hoffnungen einsamer Herzen spielt, bei dem es um viel Geld geht – und der schon so viele Menschenleben gekostet hat, dass es auf eines mehr nicht ankommt …"

Meine Meinung 
Der Klappentext von "Ich vermisse dich" klang vielversprechend. Ermittlerin Kat wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Kaum hat sie ihre große Liebe auf einer Dating-Seite entdeckt, taucht ein Junge auf, der glaubt, den Mann zu kennen... Es stellt sich die Frage, inwiefern ihre große Liebe etwas mit den aktuellen Ermittlungen zu tun hat.

Die Geschichte wird aber nicht nur von diesem Handlungsstrang getragen. Kats Vater war ebenfalls Polizist. Allerdings wurde er ermordet. Als der vermeidliche Mörder ihres Vaters im Sterben liegt, nutzt sie ihre letzte Chance ihm noch einmal gegenüberzutreten und der Sache auf den Grund zu gehen. Denn an die Ergebnisse der Ermittlungen konnte sie nie so recht glauben.

Der Handlungsstrang rund um die Dating-Website konnte mich trotz großer Schwächen gut unterhalten. Hier gab es immer wieder Passagen aus der Sicht der Betroffenen, die von Spannung getragen wurden. Allerdings nervte mich der Handlungsstrang indem sich Kat auf die Suche nach dem Mörder ihres Vaters begab.

Diese Handlungsstränge hatten überhaupt nichts miteinander zu tun. Zudem hatte ich den Eindruck, dass dieser Strang auch nicht dazu beiträgt, dass wir Hauptperson Kat besser kennen lernen. Hier gab es immer wieder Wiederholungen, die zwar deutlich machten, dass Kat mit der Vergangenheit zu kämpfen hatte, jedoch wurde mir hier zu viel wiedergekäut und zu wenig in der Geschichte voran gegangen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sich beide Handlungsstränge mehr aufeinander bezogen hätten.

Zudem waren mir die Charaktere zu oberflächlich dargestellt, bzw. dachten manchmal keinen Schritt weiter. Ein College Student, der mittlerweile mit beiden Beinen im Leben stehen sollte, wird von Coben oft wie ein naives Kind beschrieben und kam mir somit unrealistisch vor.

Allerdings transportierte Harlan Coben die Bedrohung, die von den Ermittlungen rund um die Dating-Website ausging, wirklich sehr gut. Ich wollte unbedingt wissen, wie dieser Handlungsstrang sein Ende fand. Ich musste aber feststellen, dass auch diese Geschichte verhältnismäßig leicht zu durchschauen war.

Obwohl Harlan Coben mich hier und da mit seinen Spannungsbogen packen konnte, habe ich mich nicht so recht mit seinem Schreibstil anfreunden können. Er hat es nicht geschafft, mir seine Charaktere wirklich nahe zu bringen. Ich hatte hier das Gefühl, dass sich der Autor an der Oberfläche bewegt. Dialoge wurden oft in die Länge gezogen und trugen dazu bei, dass ich mit dem Auge rollte und mir dachte: "Komm endlich zum Punkt."

Auch mit der Interpretation von Detlef Bierstedt tat ich mich etwas schwer. Der Sprecher leiht unter anderem George Clooney seine Stimme. In Filmen kommt diese auch sehr gut zur Geltung. Allerdings war es mir für eine Hörbuchinterpretation etwas zu eintönig. Hier und da konnte er mich zwar fesseln. Ich ertappte mich aber oft dabei, wie ich nur mit halbem Ohr zuhörte und nicht wirklich das Gefühl hatte, viel von der Geschichte zu verpassen.
Jedoch möchte ich hier aber unbedingt anmerken, dass die Wahl des Sprechers wirklich Geschmackssache ist und einige von euch wahrscheinlich begeistert in die Geschichte eintauchen können.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich "Ich vermisse dich" von Harlan Coben an sich enttäuscht hat. Ich hätte mir mehr von der Geschichte erhofft und hatte hier und da den Eindruck mich in einer Art "CSI Miami" Klischee Geschichte wiederzufinden.

---------------------------------------

* Dieses Hörbuch wurde mir von dem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 23. August 2015

Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum?

Foto: A. Mack
Aktualisiert am: Sonntag 27.12.2020 

Das Thema Bewerbungen stößt bei vielen Leuten auf Unsicherheiten. Wie fange ich am besten an? Wo liegen meine Stärken bzw. Schwächen? Welche Informationen gehören überhaupt in ein Bewerbungsschreiben? Welche Unterlagen muss ich dazu legen?
Fragen, die erst einmal beantwortet werden müssen. Schließlich möchte man nicht gleich zu Beginn in die ersten Fettnäpfchen treten.

Für Menschen mit Behinderung kommen hier noch ganz andere Fragen dazu: Soll oder muss ich meine Behinderung gleich im Anschreiben erwähnen? Was möchte der zukünftige Arbeitgeber überhaupt wissen?
In meinem Artikel gehe ich auf die wichtigsten Fragen ein und gebe einen groben Überblick über das Thema Bewerbungen. 
Grundlage für meinen Artikel sind die Erfahrungen, die ich bisher im Punkt Bewerbungen für Praktikums- bzw. Arbeitsstellen gesammelt habe. Da sich meine Erfahrungen ausschließlich auf den sozialen Bereich beziehen, gibt es zu Beginn zwei allgemein Hinweise, die ihr unbedingt bei einer Bewerbung beachten solltet: 

  • Lest euch die Stellenausschreibung durch und bezieht euch im Anschreiben auf einige Punkte der Stellenausschreibung. 
  • Schaut euch die Website des Unternehmens an, für das ihr euch bewerbt: Was macht das Unternehmen aus? Was interessiert euch an dem Unternehmen bzw. der Stelle, für die ihr euch bewerbt? 

Welche Unterlagen gehören zu einer Bewerbung? 
Eine Bewerbung enthält folgende Unterlagen:

Deckblatt (optional) 
Für den sozialen Bereich scheint das Deckblatt einer Bewerbung nicht mehr zeitgemäß zu sein. Für andere Berufsgruppen, wie beispielsweise Berufe in der Medienbranche ist das Deckblatt nach wie vor aktuell. 
Auf dem Deckblatt sollen eure Kontaktdaten zu finden sein. Es kann zudem ein Foto von euch enthalten. 

1. Anschreiben 
Das Anschreiben besteht aus mehreren Teilen: 

Einleitungssatz: 
Wer seid ihr? 
Für was bewerbt ihr euch? (einen Praktikumsplatz? Eine Arbeitsstelle? 

Die Motivation: 
Warum bewerbt ihr euch ausgerechnet bei dieser Stelle? (Bezieht euch auf das Stellenangebot oder den Inhalten, die ihr bei eurer Recherche über das Unternehmen herausfinden konntet). 

Arbeitsweise bzw. Stärken: 
Was könnt ihr besonders gut? Was macht eure Arbeitsweise aus? 
Beispiele: Merkfähigkeit, eigenverantwortliches Arbeiten, Abgrenzungsfähigkeit (je nach Arbeitsstelle sehr wichtig!) 

Tipp: Die Behinderung im Anschreiben unterbringen 
Ich versuche meine Behinderung bereits im Anschreiben in einem Nebensatz unterzubringen. Zum einen, damit der Arbeitgeber vorgewarnt ist, wenn zum Lebenslauf gegriffen wird. Zum anderen um zu signalisieren, dass ich offen mit meiner Behinderung umgehe und es für mich keinen Grund gibt, sie zu verstecken. 
Was hier aber besonders wichtig ist: Setzt die eigene Behinderung nicht in einen negativen Zusammenhang, sondern führt die Kompetenzen auf, diei hr durch eure Behinderung erworben habt. (Ja, ich weiß, das klingt auf den ersten Blick sehr dämlich, weil viele von euch zum Großteil die Erfahrung machen, dass die eigene Behinderung einen eben behindert und somit im Alltag einschränkt). 

Dennoch: Positive Eigenschaften könnten beispielsweise eine hohe Frustrationstoleranz, Empathie für bestimmte Adressat*innengruppen im sozialen Bereich, oder eine Fähigkeit im organisatorischen Bereich sein. 

2. Lebenslauf 
Der Lebenslauf ist euer persönlicher Steckbrief. Wichtig ist, dass ihr ihn übersichtlich gliedert. Außerdem sollen auf dem Lebenslauf eure Kontaktdaten angegeben sein. Ihr könnt außerdem ein Foto hinzufügen. 
Mein Lebenslauf ist beispielsweise folgendermaßen gegliedert: 

Persönliche Daten 
  • Name, 
  • Anschrift, 
  • Telefonnummer, 
  • Emailadresse, 
  • Geburtsdatum 
  • Geburtsort 
  • (optional) Staatsangehörigkeit (ich habe einen seltenen Vornamen und versuche durch diese Angabe, Missverständnisse zu vermeiden). 
  • Familienstand 
Berufstätigkeit (falls vorhanden) 
Ihr arbeitet euch von vorne nach hinten. Das heißt, ihr fangt mit der aktuellsten Angabe an. Wenn ihr bisher keine Berufserfahrung habt, lasst ihr diesen Punkt einfach weg. 
Beispiel:
11/2020 bis heute       Pädagogische*r Mitarbeiter*in in Beratungsstelle XY 
                                   Beratung und Alltagsbegleitung der Ratsuchenden                     

Der erste Punkt enthält eure berufliche Qualifikation und die Einrichtung in der ihr arbeitet. Der zweite Punkt listet die Aufgabenbereiche auf. 

Studium, Schule 
Auch hier gilt: Ihr fangt mit dem aktuellen Abschluss an und arbeitet euch zu vergangenem vor.
Beispiel:
2013 bis voraussichtlich Jahr XY - Hochschulstudium an Hochschule Z, Studiengang X (Gesamtnote, Note der Bachelorarbeit, falls vorhanden) 
2001 - 2010 Abitur an Gymnasium Z

Praktika 
Wenn ihr noch nicht viele Praktika gemacht habt, listet hier am besten alles auf. Wenn ihr schon an der ein oder anderen Stelle wart, führt nur die Stellen auf, die ihr für wichtig erachtet. Hier geht ihr genauso vor, wie bei beim vorherigen Punkt. Ihr listet nicht nur die Stellen auf, sondern führt auch die Aufgaben auf, die ihr während des Praktikums übernommen habt. 
Beispiel: Ich habe während meiner Schulzeit ein zweiwöchiges Praktikum im Jugendhaus gemacht. Hier bin ich hauptsächlich mitgelaufen und habe keine eigenen Angebote durchgeführt. Da ich nicht vorhabe, wieder im Jugendhaus zu arbeiten und da dieses Praktikum nichts über meien Qualifikation aussagt, liste ich es inzwischen nicht mehr im Lebenslauf auf. 

Ehrenamtliche Tätigkeiten 
Dieser Punkt ist besonders spannend. Hier listet ihr nämlich nicht nur die klassischen ehrenamtlichen Tätigkeiten auf, wie z.B. Mitarbeit in Verein XY oder der Nachbarschaftshilfe, sondern könnt auch eure Hobbys unterbringen. In meinem Lebenslauf finden sich hier beispielsweise die Organisation des Bücherstammtisches oder des Online Buchclubs, da ich durch die beiden Projekte bestimmte Qualifikationen erworben habe, wie z.B. das Organisieren und Durchführen von Veranstaltungen, auch wenn sie nur im kleinen Rahmen stattfinden, oder Kontaktaufnahme zu relevanten Stellen. 

Besondere Kenntnisse: 
Hier zählt ihr Fremdsprachen, oder PC Kenntnisse auf.
Beispiel:
Englisch (gut), türkisch (sehr gut), Microsoft Word (gut), Microsoft Excel (Grundlagen)

Besondere Interessen 
Habt ihr irgendein Hobby, das ihr bei den ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht unterbringen könnt, aber dennoch erwähnen wollt? Dann ist hier genau der richtige Platz, um es aufzuzählen. 
Falls ihr euch jetzt verzweifelt fragt, was ihr noch nennen sollt: Ich habe an dieser Stelle auch nur zwei Punkte aufgelistet. 

Schwerbehinderung (falls vorhanden) 
Ihr seid dazu verpflichtet, euren Arbeitgeber über eure Schwerbehinderung zu informieren. Hier reichen lediglich ein paar Sätze wie z.B. ob es sich dabei um einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis handelt und wie hoch der Grad der Behinderung (GdB) ist. Ich habe zudem erwähnt, dass ich als gesetzlich blind gelte, weil diese Information für potentielle Arbeitgeber sehr wichtig ist. 

Ort, Datum, Unterschrift 
Kennzeichnung von jedem Lebenslauf.

3. Zeugnisse (ACHTUNG: Es werden nicht immer alle Zeugnisse verlangt!)
Zeugnis des letzten Schulabschlusses z.B. Realschule / Abiturzeugnis, Zeugnisse bzw. Beurteilungen bisheriger Praktika, Nachweise über ein absolviertes FSJ / BFD, oder eine ehrenamtliche Tätigkeit. 

Für das Bewerbungsgespräch 
Hier muss zwischen dem Vorstellungsgespräch im Rahmen eines Praktikums und dem Vorstellungsgespräch für eine Arbeitsstelle unterschieden werden: 

Was ich eingangs immer erwähne ist, dass ich keinen Blickkontakt aufnehmen und Mimik und Gestik nicht erkennen kann. Ich gelte zwar als gesetzlich blind, verfüge aber noch über einen Sehrest. Wenn ich also erwähne, dass ich blind bin, haben die meisten Leute das Klischee "blind = sieht schwarz" im Kopf und sind dann womöglich irritiert, wenn ich beispielsweise meinen Stuhl selbst finde, aber nicht auf ein freundliches Lächeln reagieren kann. 

Praktikumsplatz 
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, die eigene Behinderung im Vorstellungsgespräch anzusprechen, falls das von den Gesprächspartner*innen nicht getan wird. Im Rahmen eines Vorstellungsgespräches hatte ich den Eindruck, dass sich meine Gegenüber nicht trauen, das Thema von sich aus anzusprechen. Als ich dann gefragt habe, ob es noch irgendwelche Fragen bezüglich meiner Behinderung gibt, gab es auch tatsächlich ein paar Rückfragen und die Stimmung wurde entspannter. 

Arbeitsstelle 
Bezüglich der eigenen Behinderung habe ich hier die Erfahrung gemacht, dass im Vorstellungsgespräch meist aktiv nachgefragt wird. Vor allem im Bezug darauf, welche Unterstützung ich benötige. Fragt euch also: 
  • Wie könnt ihr die in der Stellenbeschreibung aufgelisteten Anforderungen erfüllen? (z.B. mithilfe einer Arbeitsassistenz? bestimmter Hilfsmittel?) 
Schaut euch, wenn ihr euch auf das Gespräch vorbereitet, die einzelnen Anforderungen an, die in der Stellenbeschreibung aufgelistet werden. 
Bedenkt hier, dass Leute, die noch nie mit Blinden und Sehbehinderten zu tun hatten, unter Umständen nicht wissen, wie wir beispielsweise einen Computer selbstständig bedienen können. Erklärt das nicht anhand von Fachbegriffen, sondern möglichst anschaulich. Sagt also, um bei der Computer-Frage zu bleiben, nicht: "Mithilfe von JAWS und meiner Braillezeile" sondern beispielsweise "Mithilfe einer Sprachausgabe, die mir die Bildschirminhalte vorliest und einer Zeile, die mir Ausschnitte des Bildschirms in Blindenschrift übersetzt." 

Wichtig sind auch Informationen zum Thema Arbeitsassistenz oder Hilfsmittel: Muss sich der Arbeitgeber darum kümmern, dass ihr ausgerüstet seid? Oder könnt ihr das selbst organisieren? 
Wenn ihr euch in diesen Bereichen nicht auskennt, informiert euch bei einer Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen. Diese findet meist in Vereinen oder in den Beratungstellen der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung. Auf dieser Seite könnt ihr die EUTB in eurer Nähe finden. (Falls keine vorhanden ist: Die meisten Beratungsstellen beraten auch per Mail oder telefonisch). 

In diesem Sinne... 
hoffe ich das euch der Artikel etwas weiterhilft. Wenn ihr mögt, teilt gerne eure Erfahrungen zum Thema Bewerbung oder Vorstellungsgespräche in den Kommentaren. 

--------------------------------------------------------------------

Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht

In dieser Rubrik bereits erschienen: 
In dieser Rubrik bereits erschienen:  

Was muss ich für Prüfungen beachten? 


Donnerstag, 20. August 2015

Stimmen

Bild von Argon Verlag 
Steckbrief 
Name: Stimmen
Autor*in: Ursula Poznanski
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Poznanski Fans, oder Menschen, die gerne Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gehört in gekürzter Fassung
Sprecher*in: Andrea Sawatzki
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 
(von Argon Verlag

"Ein junger Arzt wird tot im Behandlungsraum einer Psychiatrie gefunden. Auf seiner Brust sind kunstvoll bunte Plastikmesser drapiert, und in seinem Hals steckt eine Stahlschiene. Doch schnell stellt sich heraus, dass der Mann bereits tot war, bevor er von dem Metall durchbohrt wurde. Den Kommissaren Beatrice Kaspary und Florin Wenninger bleibt nichts anderes übrig: Sie müssen alle Personen auf der Station befragen. Doch die Ärzte sind nicht sehr redselig und die Patienten schwer gestört. Besonders Jasmin Matheis, die kein Wort spricht, seit man sie gefunden hat. In dieser bedrückenden Atmosphäre eskalieren die Gefühle, nicht nur die der Patienten, sondern auch die zwischen Florin und Beatrice. Dann stirbt eine Patientin …"

Meine Meinung 
Neulich habe ich Ursula Poznanskis dritten Fall des Ermittlerduos Florin Wenninger und Beatrice Kaspary im Buchladen entdeckt. Die Geschichte hat mich sofort angesprochen und ich war sehr gespannt, wie sich die Ermittler diesem Fall annähern.

Schön finde ich an "Stimmen", das sowohl auf den Kriminalfall als auch auf die Lebenssituation von Protagonistin Beatrice Kaspary eingegangen wird. Ihre Familie spielt wieder eine größere Rolle. Wieder einmal muss sie sich für ihr "so sein" rechtfertigen und sich die Frage stellen, was sie wirklich will.

Der Haupthandlungsstrang der Geschichte, die Frage, wer den jungen ambitionierten Arzt ermordet hat, war wirklich interessant. Allerdings habe ich etwas mehr von der Geschichte erwartet. Hier und da war sie mir etwas oberflächlich gehalten. Ich hätte mir gern mehr Tiefe gewünscht. Das Schicksal der schwierigen, stummen Patientin Jasmin Matheis war sehr gut herausgearbeitet. Schön zu lesen war auch, wie Beatrice Kaspary ganz ohne Worte langsam einen Draht zu der Frau findet.

Was den Spannungsbogen der Geschichte betrifft, wurde ich keinesfalls enttäuscht. Ich konnte mich kaum von dem Buch trennen und war froh in ein neues Abenteuer der Ermittler eintauchen zu können.
Es wurden hier viele Motive angedeutet. Bei der Auflösung stellte ich aber fest, dass der Leser beinahe keine Möglichkeit hatte, den Mörder zu finden. Hier war mir die Erklärung etwas zu weit hergeholt. Natürlich ergaben die verschiedenen Schlussfolgerungen Sinn, wenn man die ganze Geschichte kennt, jedoch wären mir persönlich schönere Auflösungen eingefallen. (Wahrscheinlich bin ich nur etwas enttäuscht, dass meine schöne Theorie überhaupt nicht funktioniert hat :-) ).

Ursula Poznanski beweist in "Stimmen" wie viel sie von einem Menschen wahrnimmt. Gerade die Beziehung zwischen Beatrice Kaspary und Jasmin Matheis, die ganz ohne Worte funktioniert, beschreibt Poznanski auf eine sehr feine Art.

Andrea Sawatzki untermalt diese Geschichte auch diesmal mit ihrer eigenen Interpretation und nimmt den Leser wieder mit in die Welt der Beatrice Kaspary. Auch hier fühlte ich mich wieder gut unterhalten und schön durch die Geschichte geführt.

"Stimmen" hat mich zwar ganz gut unterhalten, jedoch habe ich rückblickend etwas mehr von der Geschichte erwartet, obwohl der Roman keinesfalls schlecht ist.
Ich bin gespannt, welchen Fall die beiden Ermittler als nächstes lösen müssen.

-----------------------------------------------------------

Weitere Bände: 
Fünf (Band 1)
Blinde Vögel (Band 2)

Samstag, 15. August 2015

Hummeldumm

Bild von
fischerverlage

Steckbrief 
Name: Hummeldumm
Autor*in: Tommy Jaud
Verlag: Fischer Taschenbuchverlag
Geeignet für: Menschen, die lustige Bücher mogen / suchen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext
(Klappentext von "Hummeldumm" von Tommy Jaud, erschienen im Fischer Taschenbuchverlag)

"9 Trottel mit albernen Sonnenhüten.
271 gar nicht mal so wilde Tiere.
3877 Kilometer Schotterpiste im Minibus.

Und weit und breit kein Handynetz.

Beziehungen sind wichtiger als Wohnungen. Erdmännchen halten nicht alles aus. Man sollte als Mann niemals versuchen, sein 'Revier' nach Art der Hunde zu markieren. Schlimmer kann es nicht werden. Lachen ist die beste Medizin. Dafür ist 'Hummeldumm' perfekt". (WDR 1Live)

Seine Figuren sind krisengeschüttelte Antiehelden und oft so liebevoll gezeichnet, dass man sie knuddeln möchte. Und Jauds federleichte Schreibkunst macht einfach gute Laune. (Mirjam Schmelz, Bunte)

"Die Story, Markenzeichen Tommy Jauds, ist schon wie bei 'Vollidiot', 'Resturlaub', und 'Millionär' fantastisch aber an der richtigen Stelle auch schon wieder so menschlich anrührend und ehrlich, vor allem aber so komisch, dass wir 'Hummeldumm', nur ungern wieder aus der Hand legen. (Ruhr Nachrichten)

'Hummeldumm' beweist erneut, Situationskomik so auf den Punkt gebracht, das beherrscht in der deutschen Comedy-Literatur nur Tommy Jaud. (Alex Dengler, denglers-buchkritik)." 

Meine Meinung
Auf der Suche nach einem lustigen Buch wurde mir im allzu bekannten "Käsekuchenland der Blogger" diese nette Lektüre empfohlen. Glücklicherweise bekam ich "Hummeldumm" auch recht bald geschenkt.

In dem Buch geht es um das Pärchen Matze und Sina. Er soll sich um den Kauf der neuen gemeinsamen Wohnung kümmern, sie bucht den Urlaub.
Er vergisst die Reservierungsgebühr zu überweisen, sie bucht eine Gruppenreise nach Namibia.
Ohne passenden Reiseadapter und mit einem Haufen bunt gemischter Leute, machen sich die beiden auf den Weg und lernen innerhalb von zwei Wochen nicht nur sich besser kennen.

Dieses Buch ist absolut genial. Normalerweise ist es ja so, dass man Beziehungsgeschichten aus der Sicht der Frau miterlebt. Es gibt einen Konflikt, das Pärchen streitet sich. In den klischeehaften Geschichten wird die Frau meist ratlos zurückgelassen. Hier ist es im Grunde genauso, nur, dass der Leser endlich mal die Geschichte aus der Sicht des Mannes erlebt, und erahnen kann, wie es ihm geht.

Die Handlungsstränge fand ich gut miteinander verknüpft. Die Geschichte war nicht zu einfach aufgebaut, hat aber durch die Gruppenkonstellation, es treffen verschiedene Generationen aufeinander, genug Spannung hergegeben. Den Konflikt rund um den Reiseadapter ging mir teilweise aber etwas zu lang.

Die Charaktere in dem Buch sind wunderbar ausgeschmückt. Dadurch, dass Jaud den Dialekt und die Eigenarten der Personen gut beschrieben hat, konnte ich mir die Charaktere lebhaft vorstellen. Ganz besonders angetan, hatte es mir der Guide Bahee, ne.

Zusammenfassend lässt sich sagen, wer auf der Suche nach einem lustigen Buch ist, sollte sich "Hummeldumm" auf gar keinen Fall entgehen lassen. Die Geschichte nimmt einen auf eine tolle Reise mit. Ich war schon etwas traurig, als das Buch dann zu Ende war. (Die normal sichtigen unter euch können sich auch an dem Daumenkino erfreuen. Für mich waren die Bewegungen leider zu schnell).

Agnes

Bild von Fischer Verlag
Steckbrief 
Name: Agnes
Autor*in: Peter Stamm
Verlag: Fischer Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne Klassiker lesen, oder Geschichten mögen, in denen das Wesentliche zwischen den Zeilen passiert
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 

"Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält." 

Meine Meinung 
"Agnes" war eines der Pflichtlektüren für das diesjährige Deutsch Abitur. Nachdem mein Bruder seine Schulzeit erfolgreich hinter sich gebracht hatte, wollte er seine Deutschbücher möglichst schnell loswerden. Einige konnte ich mir erfolgreich unter den Nagel reißen. "Agnes" war eines davon. 

Das Cover ist schlicht gehalten, was mir sehr gut gefällt. Die Frau, welche nur Unterwäsche trägt, ist verschwommen zu sehen und ist mir somit auf den ersten Blick überhaupt nicht aufgefallen. Die Frau wirft bei mir schon einige Fragen auf: Warum trägt sie nur Unterwäsche? Handelt es sich bei "Agnes" um eine Art "Feuchtgebiete" auf hohem Niveau? An sich hat die Frauengestalt nicht viel mit der Geschichte zu tun, da diese definitiv nicht auf der körperlichen Ebene stehen bleibt. 

Inhaltlich habe ich schnell gemerkt, warum es sich hier um eine Sternchenlektüre handelt. Peter Stamm macht uns gleich im ersten Satz klar, dass es hier kein Happy End geben wird. Wir lernen den Protagonisten kennen, dessen Namen den ganzen Roman über irgendwie geheim bleibt. (Oder ich habe ihn gekonnt überlesen :-) ). Schnell wird klar, dass er kein Mann der großen Worte ist. Hier entdeckte ich die erste Parallele zu "Homo Faber". Auch dort ist der Protagonist eher wortkarg und macht viel im Stillen mit sich aus. 

Dadurch das Peter Stamm das Ende gleich im ersten Satz erzählt, war mein Interesse für die Geschichte dennoch geweckt und mich interessierte, was dazu führte, dass die Geschichte auf diese Art ein Ende fand. Spannung war also vorhanden. 
Was die Verstrickung der Handlungsstränge betrifft, bin ich mir aber noch etwas uneinig. 

Zum einen regte mich die Geschichte auf, weil ich das Gefühl hatte, dass beide Protagonisten überhaupt nicht auf einen Nenner kommen. Der Ich-Erzähler steckt in seiner ganz eigenen Welt und bastelt sich seine "Traum Agnes" zusammen, ohne auf die Agnes zu reagieren, mit der er eine Beziehung führt. Agnes scheint unseren Ich-Erzähler besser zu kennen, als er sich selbst. Doch hilft es ihr auch nicht wirklich weiter. 
Ich hätte beide am liebsten angeschrien, oder in einen Raum eingesperrt, damit sie endlich mal über das Unausgesprochene reden. Andererseits war auch gut zu erkennen, wie sich der Roman entwickelt. Was anfangs wortkarg beginnt, wird zunehmend detaillierter. Ich musste aufmerksam lesen, um nichts wichtiges zu verpassen. 

Da sich bei "Agnes" das Wesentliche im Unausgesprochenen präsentiert, stellt der Roman die perfekte Deutschlektüre dar, weil man beinahe jedes Wort umdrehen und vor- und rückwärts interpretieren könnte. (Ich glaube, das sehr viele Schüler diesen Roman verflucht haben). Einerseits überlegte ich mir, dass es mir zu Schulzeiten vielleicht gefallen hätte, andererseits war ich genervt, weil ich den Eindruck hatte, dass es Stamm geradezu darauf anlegte, seinen Roman zu interpretieren. 
Es gibt vergleichsweise tiefgründige Bücher, die einem die Wahl lassen. Wenn man zwischen den Zeilen liest, kann man mehr von der Geschichte erfassen. Falls man keine Lust darauf hat, wird einem trotzdem schöne Literatur geboten. Interpretiert man bei "Agnes" hingegen nicht, muss man sich durchaus fragen, welchen Sinn die Geschichte hat: Und schwupps beginnt man doch darüber nachzudenken. Also hat man keine wirkliche Wahl. 

Peter Stamm hat einen sehr interessanten Schreibstil. Zu Beginn seiner Geschichte sind seine Sätze höchstens eine Zeile lang. Je weiter die Geschichte voran geht, desto detaillierter wird der Schreibstil. Gegen Ende wird unser Protagonist wieder wortkarg. Der Schreibstil spiegelte die Stimmung des Ich-Erzählers sehr gut wieder. 
"Agnes" ließ sich relativ flüssig lesen, was bei mir aber auch daran lag, dass ich nicht gezwungen war, auf jedes Wort zu achten. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich von "Agnes" eigentlich etwas enttäuscht bin. Ich hatte mir zum einen etwas mehr Tiefe gewünscht. Mein Eindruck war allerdings, dass man sich die Tiefe schon "herbeiinterpretieren" musste und es ganz davon abhing, aus welcher Perspektive man die Geschichte betrachten wollte. Gerade das Ende wirft einige Fragen auf und lässt mich unzufrieden zurück. 
"Agnes" lässt sich zwar vom Schreibstil her vergleichsweise leicht lesen, jedoch muss der Inhalt gut verdaut werden. Die Lektüre kann ich also nicht jedem empfehlen. 

Donnerstag, 13. August 2015

Blinde Vögel

Bild von Argon Verlag 
Steckbrief 
Name: Blinde Vögel
Autor*in: Ursula Poznanski
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Thriller und Ursula Poznanski Fans
Gelesen oder gehört: gehört in autorisierter Fassung
Sprecher*in: Andrea Sawatzki
Bewertung: 5 von 5 Punkten

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen. 

Klappentext 
(von Argon Verlag) 

"Zwei Leichen bei einem Salzburger Campingplatz – ein Mann und eine Frau, beide Mitte zwanzig. Auf den ersten Blick sieht es nach Mord und Selbstmord aus, doch die beiden scheinen zu Lebzeiten keinen Kontakt miteinander gehabt zu haben. Die einzige Gemeinsamkeit ist eigentlich zu belanglos, um sie ernst zu nehmen: Die Toten haben in einer Lyrik-Gruppe auf Facebook stimmungsvolle Gedichte und Fotos ausgetauscht. Ganz harmlos? Beatrice Kaspary folgt ihrem Ermittlerinstinkt und schleust sich als U-Boot in die Gruppe ein. Bald ahnt sie, dass hier Botschaften ausgetauscht werden, die nur wenige Teilnehmer verstehen, düstere Botschaften voller Todesahnung. Und dann stirbt eine Frau aus der Lyrik-Gruppe..."

Meine Meinung 
Der Auftakt von Ursula Poznanskis Thriller Reihe um das Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger hat mir ja nicht wirklich gut gefallen. Da war ich von "Blinde Vögel" positiv überrascht. Schon nach den ersten Minuten musste ich schmunzeln und freute mich auf die Geschichte.

Inhaltlich fand ich mich sehr schnell in die Geschichte ein und stellte fest, dass mich diese von Anfang bis zum Schluss fesselte. Natürlich gehöre auch ich zur Facebook Generation und bin in einigen Gruppen mehr oder weniger aktiv. Ich hatte daher das Gefühl mitreden zu können.

Die Handlungsstränge waren hier sehr gut miteinander verbunden. Was anfangs mit Facebook beginnt, wechselt schnell zu literarischen Themen. Allerdings finden wir uns am Ende der Geschichte bei einem ganz anderen Thema wieder. Gerade diese unmerklichen Wechsel der Schauplätze haben mich wirklich gefesselt. Da ich mich besser in die Geschichte einfinden konnte, hatte ich auch keine Mühe den Überblick über die potentiellen Verdächtigen zu behalten. Der Kreis war überschaubar, jedoch war erst kurz vor Schluss klar, wer die Fäden in der Hand hält.

In "Blinde Vögel" habe ich auch die beiden Hauptcharaktere Beatrice und Florin besser kennen gelernt. Während es im vorherigen Band viel um Beatrice verwirrende Familiensituation geht, liegt hier der Focus auf Florin. Zwar wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Beatrice erzählt, jedoch berichtet sie, wie sie Florins Stimmungen wahrnimmt. Schnell stellt sich die Frage, wie nah sich beide Kollegen sein wollen.

Beatrice Familie tritt in diesem Band nur als Randerscheinung auf. Das fand ich etwas schade, da ich gerne mehr über ihre Kinder gelesen bzw. gehört hätte. Wobei ich hier auch anmerken muss, dass es sich um eine autorisierte Fassung handelt und ich daher nicht sagen kann, ob die Familie in der gedruckten Version auch zu kurz kommt.

Der Spannungsbogen wird hier sehr gut aufgebaut. Wir begleiten Beatrice, die immer mehr in die Facebook Lyrik Gruppe einsteigt und lernt, wie dort kommuniziert wird. Gut herausgearbeitet finde ich, dass mehr zwischen den Zeilen, als mit direkten Worten berichtet wird. Das Prinzip, dass man Teil einer virtuellen Clique sein muss, um die geschriebene Sprache zu verstehen, ist hier gelungen übersetzt worden.

Ursula Poznanski präsentiert in "Blinde Vögel" einen genialen Schreibstil. Sie muss hier nicht nur sprachliche Bilder, oder gute Dialoge transportieren. Wichtig ist hier auch, sich in verschiedene Charaktere hineinzuversetzen und deren geschriebene Sprache glaubhaft darzustellen, ohne zum Schluss festzustellen, dass jeder Charakter gleich klingt. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich bestätigend nickte und feststellte: "Ja, genauso läuft es ab, im sozialen Netzwerk." Poznanski hat diese Art der Kommunikation wunderbar umgesetzt. Müsste ich es mit einem sprachlichen Bild vergleichen, würde ich behaupten, dass es ähnlich ist, wie bei einem Liedtext. Die Band, die das ausspricht, was jeder denkt, sodass sich die Zuhörer in den Liedern wiederfinden. Genauso ging es mir bei den Facebook Dialogen in "Blinde Vögel".

Andrea Sawatzki hat den Roman durch ihre schlichte Art die Geschichte zu interpretieren sehr gut untermalt. Somit wurde die ereignisreiche Handlung gut ergänzt. Ich hätte mir hier keine besser Besetzung vorstellen können und freue mich sehr auf den Folgeband, der ebenfalls von der Schauspielerin gelesen wird.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in "Blinde Vögel" viel leichter in die Geschichte gefunden habe. Dies lag zum einen wohl daran, dass mich der Inhalt mehr interessierte, zum anderen aber auch, dass sich die Geschichte und die Umsetzung als Hörbuch hier wieder sehr gut ergänzt haben und keines der beiden Punkte dominierte.

Während ich in "Fünf" nicht wirklich etwas mit den Hauptcharakteren anfangen konnte, hatte ich hier den Eindruck, sie ein bisschen besser erfassen zu können. Zudem gefiel mir wieder, wie viel zwischen den Zeilen abläuft.

------------------------------------------------------------------

Weitere Bände: 
Fünf (Band 1)
Stimmen (Band 3)

Sonntag, 9. August 2015

Ge(h)dacht - Inklusion: Fluch oder Segen?

Foto: A. Mack

Vorwort...
Inklusion ist in aller Munde. Immer wieder gibt es meist positive Berichte in den Medien über aktuelle Projekte, integrierte Schüler und ein zufriedenes Umfeld. Jeder wird - mehr oder weniger - dazu gezwungen, sich mit dem Thema zu befassen. Schließlich geht es uns ja alle etwas an. Und jemanden ausschließen, nur weil er anders ist? Nein, das ist diskriminierend. Das möchte niemand... Doch wo fängt Inklusion an, und wo hört sie auf?

Worum es in meinem Artikel geht: Ich beziehe mich hier auf die Frage, ob oder wie Inklusion in Schulen gestaltet werden sollte. Da ich selbst keine Regelschule besucht habe, greife ich hier auf Berichte aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis zurück, der aus Menschen besteht, die eine leichte oder hochgradige Sehbehinderung haben, oder Freunden, die vollständig erblindet sind.


Sehbehinderung / Blindheit - Was ist das? 

Nach dem Gesetz werden Sehbehinderte und Blinde folgendermaßen definiert:

(leichte) Sehbehinderung: Als sehbehindert gilt man, wenn man auf dem besser sehenden Auge selbst mit Hilfsmitteln (Kontaktlinsen / Brille) nicht mehr als 30% sieht.

hochgradige Sehbehinderung: Als hochgradig sehbehindert gilt man, wenn man auf dem besser sehenden Auge mit Hilfsmitteln (Kontaktlinsen / Brille) nicht mehr als 5% sieht.

gesetzlich Blind: Man gilt als gesetzlich blind, wenn man auf dem besser sehenden Auge mit Hilfsmitteln (Kontaktlinsen / Brille) nicht mehr als 2% sieht.

(Quelle: BSVSH)

--- AUFGEPASST --- 

Um das ganze Prozedere jetzt noch etwas komplizierter zu machen, möchte ich darauf hinweisen, dass die ein oder andere Definition im Volksmund anders läuft.

Dort bezeichnen sich Menschen, die laut dem Gesetz eine leichte SEhbehinderung haben, auch schon als "hochgradig sehbehindert", da diese Bereiche oft fließend ineinander übergehen.

Zudem ist es wichtig zu beachten, dass man zwar als gesetzlich blind gelten kann, das aber nicht bedeutet, dass man "gar nichts" sieht. Hier können Betroffene - je nach Augenerkrankung - Farben, Umrisse, oder Tageslicht erkennen.


Inklusion - Fluch oder Segen? 

Der Grundgedanke der Inklusion ist eine wirklich tolle Sache. Ziel ist es, Gruppen, die aus der Norm herausfallen in die Gesellschaft miteinzubeziehen. Im Gegensatz zur Integration geht es aber nicht darum, diese Randgruppen in bisher bestehende Systeme zu integrieren, sondern die aktuellen Systeme den Randgruppen anzupassen.

Um das auf das Modell der Schule zu übertragen: Behinderte sollen also nicht nur in Regelschulklassen "gestopft" werden nur um sie dann sich selbst zu überlassen.
Es werden jede Menge unterstützende Maßnahmen geboten.

Im Falle eines sehbehinderten oder blinden Schülers wäre das: Je nach Bedarf eine Assistenz im Unterricht, die Dinge diktiert, die an die Tafel geschrieben werden, bei Fächern wie Sport, Mathe, oder Kunst unterstützt. Außerdem gibt es einen regelmäßigen Kontakt zu einem Integrationslehrer, der dem sehbehinderten / blinden Schüler Arbeitstechniken beibringt. Im Falle eines blinden Schülers wäre das beispielsweise die Punktschrift (auch Blindenschrift genannt).
Oftmals kommen diese Lehrer zu Beginn auch in die Klassen, bringen so genannte Simulationsbrillen mit, die verschiedene Augenkrankheiten "darstellen" sollen. Dann werden einfache Dinge ausprobiert, wie beispielsweise lesen, schreiben oder etwas zu essen. Oft stellt sich das als schwieriger heraus, als zu Beginn gedacht.

Klingt doch an sich super, oder? Das Schwierige bei solchen Modellen ist, dass es in der Praxis oft anders aussieht. Meiner Meinung nach müssen folgende Aspekte gegeben sein, damit eine Inklusion möglichst einwandfrei läuft.


Aspekte der Inklusion 

Früher Einstieg: 
Wer Kinder kennt, erahnt vielleicht, was ich mit dieser Überschrift meine. Kinder sind direkt. Sie fragen das, was sie interessiert und lassen sich nicht durch äußere Gegebenheiten verunsichern. Natürlich können Kinder auch grausam sein, keine Frage. Ich denke aber, wenn behinderte und nicht behinderte Kinder miteinander aufwachsen spielt die Behinderung irgendwann keine Rolle mehr, weil sie ein Teil des Alltags wird.

Assistenz in der Schule: 
Hier sind meine Vorstellung wahrscheinlich viel zu ideologisch. Assistenzkräfte sind oft jährlich wechselnde FSJler, die den Schülern im Unterricht unterstützen. Allerdings ist gerade die Assistenzkraft eine wichtige Stütze um den Schüler in seiner Selbstständigkeit zu fördern. Jedoch ist der Schulalltag oft stressig. Raumwechsel stehen an, es muss schnell gehen. Es bleibt also nicht immer die Zeit, auf einen Schüler einzugehen.

Beispiel: Eine vollblinde Freundin von mir, wurde mehrere Jahre inklusiv beschult. Sie hatte wöchentliche Kontakte mit ihrem Integrationslehrer, der ihr u.a. den Umgang mit dem PC und den damit verbundenen Hilfsmitteln, wie beispielsweise einer Sprachausgabe, oder der oben erwähnten Punktschrift beibrachte. In der Schule wurde sie von einer Assistenzkraft begleitet, die für sie den Laptop aufbaute, anmachte, oder ihn bei Transfers - also von Raum A nach Raum B gehen - trug. Ab der 9. Klasse wechselte die Freundin auf ein Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte und musste nun erst einmal lernen, wie man einen Laptop aufklappte, oder ihn anschaltete, um damit arbeiten zu können. 

Soziale Integration: 
Wir alle kennen diesen Punkt aus unserer eigenen Schulzeit. Jeder sucht sich Menschen, die einen interessieren. Es werden Grüppchen gebildet, die sich aber genauso schnell wieder auflösen können. Oft wird der erste Kontakt über Mimik oder Gestik hergestellt. Man winkt sich zu, blickt sich an und schwupps sind Gesprächspartner gefunden.

Bei sehbehinderten oder blinden Schüler geht es schon los, dass sie weder Blickkontakt aufnehmen, noch Gestiken erkennen können. Also müssen beide Gruppierungen gezielt aufeinander zu gehen und ein Gespräch beginnen, was oft gar nicht so einfach ist, wie gedacht. Die Aspekte, die bei nichtbehinderten oft nonverbal abgeklärt werden, bleiben oft unausgesprochen im Raum stehen.

Gerade die Pubertät macht solche Sachen auch oft nochmal eine Nummer komplizierter. Hier gibt es nicht nur Unsicherheiten in der Kommunikation, sondern auch erste Vorstellungen, wie Freundschaften zu sein haben, oder wer zu einer Gruppe dazugehören darf.

Beispiel: Die oben beschriebene Freundin wurde in ihrer Stufe eher misstrauisch beäugt. Eine Zeit lang gehörte sie zu einem Grüppchen, dass sich aber sehr schnell auflöste, weil es "uncool", sei mit "der Blinden" befreundet zu sein. 

Materialbeschaffung: 
Im Gegensatz zu nicht behinderten Schülern, können sehbehinderte und blinde Schüler mit normalen Kopien von Texten oft nicht viel anfangen. Blinde Schüler können sie schlicht und ergreifend nicht lesen und brauchen diese entweder in Blindenschrift, oder - in der heute gängigen Form - digital auf dem PC, um sie sich vorlesen zu lassen. Sehbehinderte Schüler hingegen sind auf Großkopien der Texte angewiesen.
Allerdings wissen wir auch, wie viel Lehrer in einer Regelschule zu tun haben. Da braucht es nicht nur Verständnis, sondern oft auch zusätzliche Motivation, um den Mehraufwand zu bewältigen.

Beispiel: Eine Freundin, deren Sehbehinderung durch Kontaktlinsen ausgeglichen werden kann, nach dem Gesetz also nicht als sehbehindert gilt, war während ihrer Schulzeit dennoch auf Großkopien angewiesen. Hier kam nicht nur der Aspekt dazu, die Lehrer darauf aufmerksam zu machen, sondern auch zu erklären, dass sie sich, obwohl sie sich "normal" bewegt, auf die Texte angewiesen ist, da sie sonst im Unterricht nicht mitarbeiten könne. 


Positive Beispiele 

Wer nach dem obigen Text jetzt betroffen zu Boden blickt, den virtuellen Artikel am liebsten in den nächsten Mülleimer pfeffern würde, weil er mich als Verfasserin, oder die "böse" Menschheit verflucht, sollte sich unbedingt diesen Abschnitt durchlesen.

Als mir klar wurde, dass ich einen Bericht über dieses Thema schreiben möchte, dachte ich mir, dass er ziemlich einseitig wird, wenn ich nur die ganzen Negativbeispiele aufzähle, die mir zu Ohren gekommen sind. Deswegen habe ich in einer Facebook Gruppe eine Diskussion über das Thema angezettelt und um Erfahrungsberichte gebeten.

Früher Einstieg: 
Hier schilderte eine Betroffene, dass sie das Glück hatte gleich von Beginn an in einer Regelschule gelandet zu sein. Am Anfang habe es zwar viele Fragen über ihre Blindheit, irgendwann war das Thema aber ausdiskutiert und es war klar, welche Sachen sie machen konnte und wo sie Unterstützung bräuchte.

Soziale Integration: 
Die oben beschriebene Betroffene gehörte immer zu irgendeiner Gruppe. Während der Pubertät änderten sich die Cliquen, jedoch war es nie so, dass sie zu den Außenseitern ihrer Stufe gehörte.

Assistenz: 
Ebenfalls wurde sie im Unterricht von einer Assistenzkraft begleitet. Diese zog sich in den Pausen aber dezent zurück und musste sie zum Schluss in den meisten Unterrichtsfächern auch nicht mehr begleiten, da dort Sitznachbarn während eines Tafelanschriebes leise den vorne stehenden Text mit murmelten, sodass sie ihn mitschreiben konnte.

Materialbeschaffung: 
Auch hier hatte sie großes Glück, war sich aber darüber klar, das dies maßgeblich an der Motivation ihrer Lehrer lag.

Es gab auch Betroffene, deren Schulzeit alles andere als schön war. Allerdings berichten diese, dass sie nun gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen und sich nun um ihre Sachen kümmern können.


Fazit 

Ihr seht: Es müssen bei diesem Thema beide Seiten beachtet werden. Es bringt nichts, wenn der sehbehinderte / blinde Schüler alle Materialien zur Verfügung gestellt bekommt, motivierte Lehrer hat, aber trotzdem sozial isoliert lebt.

Genauso gut kann das soziale Netz zwar gut sein, die Unterstützung seitens der Lehrer aber gering. Wenn Behinderte also eine Sonderschule besuchen, heißt das nicht gleich, dass sie nicht weniger drauf haben, als Regelschüler.

Ich denke aber auch, dass Inklusion unter den gegebenen Umständen nicht funktionieren kann, weil es zum einen an Personal, der technischen Ausstattung und hier und da dem sozialen Miteinander fehlt.

Behindertenrechtskonvention also hin- oder her: Ich finde es wichtig, dass Betroffene weiterhin die Wahl haben, welche Schulform sie besuchen möchten.


Und Du?

Wie stehst Du zu diesem Thema?
Geht es Dir schon auf die Nerven?
Oder hast Du selbst Erfahrungen mit Inklusion gemacht?

----------------------------------------------------------------

Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

Auswahl an weiteren Artikeln aus dieser Rubrik 
Hilfsmittel beantragen (für das Studium oder die Ausbildung) 
Hilfe anbieten aber wie? 
5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studium gewusst hätte