Sonntag, 5. Juli 2015

Biografie des Monats - Ein Schnupfen hätte auch gereicht

Bild von Boerse

Steckbrief

Name: Ein Schnupfen hätte auch gereicht (auch als Buch erhältlich)

Autor: Gaby Köster / Till Hoheneder
Verlag: Random House
Geeignet für: Menschen, die gerne Biografien lesen und sich für den Mensch Gaby Köster interessieren
Gelesen oder gehört: gehört, in ungekürzter Fassung
Sprecher: Gaby Köster / Till Hoheneder
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext


(Beschreibung von S.Fischer)

"Gaby Köster ist wieder da! Und räumt auf! Mit Gerüchten und Lügen über ihre Krankheit. Schonungslos. Wahr und aufrichtig ehrlich. Mit großer Klappe und großem Herz! Laut und lustig. Sensibel und traurig. Eben 100% Gaby Köster. Wie man sie kennt und liebt.


Seit Jahren gehört sie zu den bekanntesten und erfolgreichsten Gesichtern der deutschen Comedy-Szene. Aber auf dem Höhepunkt ihrer Karriere passiert das, womit keiner rechnet: Gaby Köster erleidet einen schweren Schlaganfall. Ihre bewegende Geschichte ist die einer Ausnahme-Künstlerin und einer starken Frau, die trotz ihres schweren Schicksals nicht aufgibt und ihre neue Chance im Leben nutzt.

Ein Buch, das einen berührt, immer wieder zum Lachen bringt und gerade deshalb so viel Mut macht!" 


Meine Meinung 


Ich gehöre wahrscheinlich zu der Generation die (un)bewusst mit "Ritas Welt" aufgewachsen ist. Wenn am Wochenende der Fernseher eingeschalten wurde, sah man auf RTL meist Gaby Köster im Supermarkt stehen und lebhaft mit Kunden, oder Mitarbeitern gestikulieren.

Der Serie konnte ich früher nie etwas abgewinnen, dennoch habe ich Gaby Köster als Person wahrgenommen und fand sie interessant.
Eines Tages wurde es dann verdächtig still um die Künstlerin, was mich doch etwas stutzig machte. Schließlich wurden immer mal wieder Live-Programme sämtlicher Comedians auf RTL ausgestrahlt.
Dann stellte sich heraus, dass sie einen schweren Schlaganfall erlitten hatte.
Als sie wieder bereit für öffentliche Auftritte war, hatte sie auch schon ihre Autobiografie im Gepäck. Damals habe ich es versäumt mir das Buch zu besorgen, umso erfreuter war ich, dass ich es neulich in die Hände bekommen habe.

Schon nach den ersten Worten freute ich mich auf die Geschichte. Denn: Sie wurde von Gaby Köster selbst gelesen. Gerade ihr rheinländischer Dialekt passt wunderbar zu ihrem Schreibstil und zu dem, was sie den Lesern zu erzählen hat.

Der Roman ist in gesprochener Sprache verfasst, was aber im Zusammenspiel mit der Lesung, wie die Faust aufs Auge passt.

Inhaltlich ist Gaby Kösters Geschichte wirklich sehr bewegend. Sie macht nicht nur bezüglich ihrer Erkrankung reinen Tisch und erzählt, wie sie mit den Einschränkungen umgeht. Sie räumt auch bezüglich einiger Gerüchte auf und erzählt, wie sie zu der Frau wurde, die sie heute ist.

Wie viele Menschen, die eine Behinderung, oder eine Erkrankung bekommen, musste sich auch Frau Köster nicht nur mit den körperlichen Einschränkungen auseinandersetzen. Es treten Selbstzweifel auf und wahre Freunde werden von Wegbegleitern unterschieden. Allerdings musste sie sich auch - im Gegensatz zum nicht berühmten Menschen - auch mit bösen Schlagzeilen auseinandersetzen. Situationen, die Gaby Köster hier beschreibt, lassen einen aufhorchen und zweimal überlegen, ob man berühmt sein möchte, oder nicht.
Für ihre schwierige Ausgangslage meistert sie ihr Leben wirklich wunderbar.

Das Einzige, was mich hin und wieder störte, waren ihre Abschweifungen. Hier erzählte sie beispielsweise erst in einem Kapitel über ihre Arbeit bei "Ritas Welt" dann kamen weitere Episoden, nur damit sie später noch einmal auf "Ritas Welt" eingehen konnte. Hier wurde mir ab und an zu viel gesprungen, was aber nicht viel ausmachte, da Gaby Köster oft vor solchen Sprüngen vorwarnte, oder sich während des Lesens beim Abschweifen ertappte.


Auch der Spannungsfaktor der Geschichte ist hier gut dargestellt. Was die Handlungsstränge betrifft, lässt sich eine grobe Kurve beobachten. Sie beginnt ihre Geschichte mit dem Schlaganfall, taucht dann eine Weile in die Vergangenheit ein, um wieder zurück in die Gegenwart zu kommen. Gerade als ich gemerkt habe, dass sich das Hörbuch dem Ende neigt, war ich schon etwas traurig, weil es mir sehr viel Freude bereitet hat Gaby Kösters Geschichte zu lauschen. (Da freute ich mich umso mehr auf die Zugabe, den Buchanhang des Hörbuches).


Mein Gesamteindruck von "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" ist durchweg positiv. Ich hatte das Gefühl, dass Gaby Köster ihre Welt für die Menschen öffnet, die sich für sie interessieren und wissen möchten, wie sie jetzt lebt.

Diese Autobiografie ist nicht nur etwas für Köster-Fans, die wissen möchten, wie es ihr jetzt ergeht. Auch diejenigen, die wissen möchten, wie es sich mit einer Einschränkung leben lässt, welche Gedanken einem durch den Kopf schießen und wie das eigene Umfeld damit umgeht, sollten unbedingt einen Blick, oder ein Ohr in das (Hör)Buch werfen.

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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht

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