Sonntag, 12. Juli 2015

GE(H)FRAGT - Markus Kastenholz

Im Rahmen eines harmlosen Posts habe ich den Schriftsteller Markus Kastenholz kennengelernt. Kurzerhand entwickelte sich dieses Interview, dass ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und hoffe, die ein oder andere interessante Info ist für euch dabei :-).


Das Interview 


Hallo Markus, herzlich willkommen bei den Ge(h)Schichten. Stell‘ Dich doch erst einmal vor, wenn du magst.

Markus Kastenholz: Zunächst mal herzlichen Dank für die Einladung, hat mich sehr gefreut.

Tja, die „technischen Daten“: Geboren am 28. Mai 1966 in Rüdesheim am Rhein (Hessen). Sternzeichen Zwilling, Aszendent Jungfrau. Nach chinesischem Horoskop ein „Feuerpferd“. Ledig, Raucher, Vegetarier und Comic-Fan.

Ich habe Vergleichende Religionswissenschaften studiert, habe danach eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht und war ca. 10 Jahre im Organisationsmanagement. Man könnte das „Event-Manager“ nennen, nur managte ich eben nicht die Auftritte von Pop-Stars, sondern politische Veranstaltungen für eine Partei.

1998 wurde meinem Vater das Bein amputiert. Irgendjemand musste sich um ihn kümmern, zumal die Mobilität meiner Mom ebenfalls schwer eingeschränkt war. Mit 68 Jahren steckt man niemanden ins Altenheim, jedenfalls nicht die subjektiv „besten Eltern der Welt“. Also habe ich meinen Job gekündigt und mich um sie gekümmert. Mein Vater starb 2004, meine Mom 2011. 2005 zogen wir beide auch hierher in den Breisgau.

Nebenher habe ich geschrieben … seit meinem 11. Lebensjahr übrigens. Eine Konstante.


Du bezeichnest Dich selbst als „Magier des Wortes“.

Markus Kastenholz: „Magier des Wortes“ – Der Ausdruck ist eigentlich nicht auf meinem „Mist“ gewachsen, sondern auf dem einer Bekannten.

„Autor“ als Bezeichnung mochte ich nie. Jeder ist ein Autor oder vielmehr: Verfasser, wenn er einen Einkaufszettel schreibt. „Schriftsteller“ hingegen waren diejenigen, die auf einem Markt im Mittelalter Briefe für die analphabetische Bevölkerung verfasst haben. Keines von beidem hat mich wirklich überzeugt. „Schreiberling“ habe ich mich deshalb immerzu genannt, ein wenig selbstironisch. Da meinte jene Bekannte beim Lesen eines meiner Manuskripte, die Worte seien „magisch“. So wurde der „Wortmagier“ geboren.

Nun, ich bin dabei geblieben – aber so wirklich bierernst nehme ich das nicht ;)

Inzwischen nenne ich mich aber auch Schriftsteller. Nicht, weil ich inzwischen Briefe für andere verfasse, sondern weil ich mittlerweile begriffen habe, was den Unterschied zwischen einem Autor und einem Schriftsteller ausmacht.

Autoren verfassen einen Text. Schriftsteller leben dafür!


Worüber schreibst Du denn?

Markus Kastenholz: Ich bin da flexibel und nicht auf ein Genre festgelegt. Klar, wenn man auf Amazon meinen Namen sucht, wird man vorwiegend Romane und Kurzgeschichtensammlungen aus den Bereichen „Phantastik“, „Science Fiction“ und „Horror“ finden. Aber genauso gut schrieb und schreibe ich Grusel-Romane und auch sehr gern Thriller, bevorzugt mit kirchenhistorischem Hintergrund.

Dabei weiß ich, wovon ich schreibe: Ich bin – wie erwähnt - Religionswissenschaftler (ohne es je ausgeübt zu haben).

Aber meine Flexibilität geht wiederum nicht so weit, dass ich Heimatromane oder Western schreiben würde. Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten …


Um was geht es in Deinem aktuellen Projekt?

Markus Kastenholz: Um etwas ganz anderes *lach*

Es ist ein Roman, der in der Gegenwart in Freiburg spielt und sehr viel mit Ägypten zu tun hat. Mit dem Leben, mit dem Pharaonen, mit den Göttern.

Mehr darf ich natürlich nicht verraten, nur so viel:

Ich habe mich wirklich intensiv mit dem Thema befasst und recherchiert. Oft genug habe ich davon sogar geträumt, es hat mich also selbst im Schlaf verfolgt. Ich behaupte zwar nicht, dadurch Ägyptologe geworden zu sein, wohl aber hoffe ich, genug Sachwissen einfließen zu lassen, um die Angelegenheit „rund“ und plausibel schildern zu können.


Woher nimmst Du die Ideen für Deine Geschichten?

Markus Kastenholz: Die Ideen liegen manchmal buchstäblich auf der Straße.

Beim zuvor erwähnten Roman war es eine schlichte Meldung in der Presse, der wahrscheinlich kaum jemand sonderlich große Bedeutung beigemessen hat. Aber ich sah sofort, dass sich daraus „was machen lässt“. Die Rädchen im Kopf begannen sich zu drehen, manchmal „flutschte“ es nicht sofort, aber irgendwann fiel dann der sprichwörtliche Groschen.

Aber meine „Inspiration“ nehme ich eigentlich von woanders.

Ich schreibe praktisch jeden Tag. Auch am Wochenende und Feiertag. Nur dann nicht, wenn ich krank bin oder etwas anderes dazwischen kommt.

Ich schreibe auch nicht am Computer, ich schreibe per Hand. Mit einem alten Kolbenfüller und prinzipiell schwarzer Tinte. Prinzipiell auch auf den karierten Ringbüchern von zwei bestimmten Marken. Das ist für mich Wohlbefinden und ein Teil von Inspiration.

Ein anderer Teil besteht darin, dass ich fast prinzipiell nicht zu Hause schreibe.

Ich habe ein schönes Arbeitszimmer, ich schaue direkt ins Grüne. Aber als „Schreiberling“ läuft man dadurch immer in Gefahr, überhaupt nicht mehr die Wohnung zu verlassen. Dann ist man binnen weniger Wochen reif für die Psychiatrie.

Deshalb schreibe ich bevorzugt auswärts, in einem hiesigen Lokal. Im Sommer sehr gern auf der Terrasse. Das ist für mich Wohlbefinden – die Inspiration kommt dann von ganz allein …


Du schreibst auch gemeinsam mit anderen Autoren. Wie gestaltet sich eure Arbeit? Wird die Geschichte gemeinsam geplant, oder steht von Beginn an fest, wer für welche Kapitel zuständig ist? Wie schafft ihr es, dass der gemeinsame Roman inhaltlich voran kommt?

Markus Kastenholz: Ja, früher war das zugegeben öfter. Dass es heute weniger ist, hat eher damit etwas zu tun, dass sich die Art meiner Romane geändert hat.

Trotzdem war das sehr witzig und machte Spaß, sofern es „funktionierte“ und der Gegenpart auch wirklich fleißig schrieb. Ich hatte allerdings auch schon, dass der Gegenpart dann doch nicht in die Puschen kam. Das passiert … und ist eben ein Risiko, wenn man sich auf andere verlässt.

Eigentlich, habe ich festgestellt, bin ich vorwiegend „Einzel-Kämpfer“ und nur sehr bedingt teamfähig.


Aber wie stellt sich so eine Zusammenarbeit dar?

Im Prinzip haben wir am Telefon den Roman ausgetüftelt und uns zwei Handlungsbögen ausgedacht. Einer schrieb den einen – der andere den anderen. So hatte jeder größtmögliche Freiheit. Und am Ende mussten sie dann natürlich miteinander verschmolzen werden. Ganz einfach eigentlich … wobei es natürlich noch andere Möglichkeiten gibt, einen Roman gemeinsam zu verfassen.


Viele Jungautoren haben Probleme mit der Motivation. Der Anfang für eine Geschichte ist schnell gefunden. Aber sie zu beenden ist noch mal etwas ganz anderes. Wie schaffst Du es an Deinen Projekten dran zu bleiben? Wie motivierst Du Dich zum weiter schreiben?

Markus Kastenholz: Ganz einfach: Publikationsgeilheit! :)

Das Schreiben ist ein einsamer Job. Ich will nicht jammern, es ist für mich mein TRAUMBERUF. Trotzdem ist es ein einsamer Job. Aber es gibt mir auch unglaublich viel, besonders, wenn ich ENDE unter das Manuskript schreiben darf und es dann als gedrucktes Buch sehe. Komischerweise fällt es mir nicht sehr schwer, in dieser Hinsicht diszipliniert zu sein. Natürlich auch mit ein paar Tricks, wie zum Beispiel, möglichst nicht zu Hause zu schreiben, um bspw. vom Internet nicht abgelenkt zu werden.

Ansonsten begeistert mich der Stoff, an dem ich gerade schreibe, meistens viel zu sehr, als dass ich ihn unvollendet lassen dürfte. Das ist wie ein innerer Zwang. Eigentlich sind Schriftsteller Süchtige.


Wie schaffst Du es, Dich unter den vielen Selfpublishern zu behaupten?

Markus Kastenholz: Diese Ambition habe ich nur bedingt.

Natürlich, ich habe einige Titel in meinem Label, der „Edition Nocturno“, auf Amazon eingestellt. Und natürlich möchte ich, dass jeder davon ein Bestseller wird und wie verrückt gekauft wird. ;)

Aber mein Hauptaugenmerk liegt nicht auf dem SP, sondern ganz traditionell bei Verlagen. Deren Verbreitung ist höher, deren Marketing ist auch ausgeklügelter, als wenn man für ein Produkt selbst Werbung machen muss (was mir prinzipiell nicht liegt) und einige Faktoren mehr.

Das sehe ich zum Beispiel bei der Anthologie FLEISCH 2, die im Eldur-Verlag erschienen ist und bei der ich der Herausgeber sein durfte.

Oder bei der Serie GLADIUM im Amrun-Verlag, wo ich ebenfalls Herausgeber und Schreiberling bin.

Support durch einen Verlag ist immer wichtig. No support – no success!

Denn eigentlich will ich gar nichts vermarkten. Das sollen diejenigen tun, die das besser können.

Ich will schreiben, schreiben und abermals schreiben.


Was hältst Du von Schreibratgebern? Haben sie Dir weitergeholfen?

Markus Kastenholz: Einige habe ich gelesen, ja. Vor allem früher. Maßgeblich geholfen haben sie mir nicht, allerdings kann ich unumschränkt „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King empfehlen. Ein Widerspruch? Nein. Einfach lesen.

Auf Empfehlung habe ich mir übrigens vor einigen Tagen „Kleiner Autoren-Workshop“ von Ursula LeGuin bestellt. Denn ausgelernt hat man nie.


Bis Du vom schreiben leben konntest, war es ein langer Weg. Welche Dinge hast Du auf dieser Reise gelernt?

Markus Kastenholz: Beharrlich sein … sich nicht wie eine Diva benehmen … sich nicht zu ernst nehmen … sich selbst in Frage stellen … nie zu früh mit etwas zufrieden sein … Ratschläge annehmen können …

Solche Dinge. Und viele andere mehr.

All das, was ich auf dieser Reise erlebt habe, waren und sind schöne Erfahrungen. Aber teilweise auch die pure Hölle. Wenn man bspw. von einem Verlag gemobbt wird, weil einem dieser Burschen meine Nase nicht gefällt und er cholerisches Kindergartenniveau hat, dann ist das nicht schön! Aber ich nenne keine Namen.


Welche Tipps kannst Du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?

Markus Kastenholz: Wie erwähnt: Sich nicht zu ernst nehmen – und beharrlich bleiben!

Trotz allem überschäumenden Enthusiasmus von Newcomern: Niemand ist der Nabel der Welt. Die Welt wartet nicht auf eben jenen Roman, den man gerade schreibt. Und perfekt ist er erst recht nicht. Kann er gar nicht sein, denn meines Erachtens bedarf es langjähriger Erfahrung und eines hervorragenden Lektors.

Aber man muss „dran bleiben“. Man muss üben, immer wieder, beständig. Und man darf sich von Absagen nicht entmutigen lassen. Derer hat jeder Schreiberling kubikmeterweise im Schrank, auch Bestseller-Autoren.

Ich weiß, das ist leicht gesagt. Trotzdem … es geht!

Wenn man wirklich mit Leidenschaft schreibt, kann man ohnehin nicht anders. Da ist es einem egal, wie oft man abgelehnt wurde von den Verlagen. Man muss es immer wieder versuchen!


Wie oft überarbeitest Du Deine Romane, bevor sie veröffentlicht werden?

Markus Kastenholz: Manchmal bis zum Exzess *lach*

Ich bin eben Aszendent Jungfrau, und die sind pingelig. Ich will es immer besser haben, möglichst perfekt. Wird natürlich nie ganz perfekt – aber man kann’s ja dennoch versuchen …

In konkreten Zahlen: Drei Überarbeitungsvorgänge mindestens.


Wie lange brauchst Du um einen Roman zu veröffentlichen?

Markus Kastenholz: Manchmal sind es Monate, manchmal auch Jahre. Das kommt nicht zuletzt auf den Verlag an. Es kommt natürlich auch darauf an, ob etwas „läuft“ oder „stockt“, bspw. wenn sich ein Verlag dann doch gegen das Manuskript entscheidet – oder seine Arbeit ganz einstellt.

Man ist nie vor Überraschungen gefeit. Und es gibt leider nichts, was es nicht gibt.


Welche Autoren dürfen in Deinem Bücherregal auf keinen Fall fehlen?

Markus Kastenholz: Ich lese viel weniger, als ich sollte und gern würde. Klar, ich lese mehr als ein Durchschnittsbürger, aber wenn man den ganzen Tag mit Geschriebenem zu tun hat (und wenn’s nur das eigene ist), entspanne ich lieber bei Comics und dergleichen. Das ist ein Genre, wo ich nicht mitreden kann, da verbessere ich den Text auch nicht in Gedanken – eine Marotte von mir, die ich leider nicht abstellen kann.

Aber zur Frage:

Stephen King, der oben erwähnte. Von ihm habe ich allerdings schon zu viel gelesen. Sein einsames Meisterwerk für mich: „The Stand“.

Thomas Mann lese ich immer noch sehr gern, seinen „Felix Krull“ zum Beispiel. Dazu noch einige andere „Klassiker“ wie Hesse. Ferdinand von Schierachs Bücher liebe ich, da habe ich alle. Ein absolut meisterlicher Stilist in seinem Minimalismus. Und Andreas Grubers Thriller sind wunderbar.

Ansonsten lese ich zumeist Bücher aus der deutschsprachigen phantastischen (Klein-) Verlagsszene. Dort tummeln sich zum Teil unglaubliche Talente, von denen ich mir wünschte, sie würden den Weg nach „ganz oben“ schaffen.


Und zum Schluss bedanke ich mich, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Ich hoffe, wir werden noch viel von dir hören bzw. lesen.

Markus Kastenholz: Ich habe zu danken, dass Du es gestellt hast!

Und: Ich werde mein Bestes tun!

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