Freitag, 12. Juni 2015

Das Schweigen in meinem Kopf

(Bild von cbj)
Steckbrief 

Name: Das Schweigen in meinem Kopf
Autor: Kim Hood
Verlag: cbj Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne Jugendbücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 4 von 5 Punkten



Klappentext 

(von cbj

"DAS SCHWEIGEN IN MEINEM KOPF

'Am Ende dieses einfühlsamen, Mut machenden Jugendromans findet nicht nur Chris, sondern auch Jo ihre Stimme wieder. Toll!'
Westfälische Nachrichten

Jo hat es nicht leicht: Sie ist allein mit ihrer psychisch kranken Mutter und auch in der Schule findet sie keinen Anschluss. Um den ständigen Hänseleien und dem Alleinsein zu entgehen, lässt sie sich auf ein Sozialprojekt ein: Freiwillig verbringt sie jede freie Stunde damit, dem 15-jährigen schwerbehinderten Chris Gesellschaft zu leisten. Und es ist komisch, aber gerade bei ihm kann sie sich öffnen, ihm von ihrem Kummer erzählen. Chris, der sonst auf wenig reagiert, scheint sie zu verstehen und ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den ungleichen Jugendlichen, die beide verändert und ihnen eine ganz neue Zukunft schenkt."


Meine Meinung 

In einer Facebook Gruppe rund um das Thema Buch wurde mir "Das Schweigen in meinem Kopf", empfohlen. Lange lag es jetzt ungeachtet in meinem Regal herum, doch letzte Woche habe ich dann endlich zu dieser Geschichte gegriffen. 

Ich muss ehrlich sagen, im Buchladen wäre mir der Roman wahrscheinlich nicht aufgefallen. Das Cover finde ich zwar schön und es ist auch so gestaltet, wie man sich eben ein waschechtes Jugendbuch vorstellt. Allerdings ist es auch schlicht gehalten, was aber auch die Geschichte untermalt. 

Inhaltlich kam ich hier voll auf meine Kosten. Autorin Kim Hood nähert sich hier zwei Themen, über die in der Gesellschaft nicht gerne gesprochen wird: Zum einen lässt sie ihre Protagonistin Jo als Angehörige einer psychisch erkrankten Mutter auftreten, sorgt aber auch dafür, dass Jo, dem mehrfachbehinderten Chris begegnet. Somit werden hier anhand zweier Charaktere verschiedene Behinderungen verarbeitet. Ich finde diese Idee wirklich genial. Alle Welt redet zwar von Inklusion, jedoch zeigt der Roman, dass es zwar wunderschöne theoretische Konzepte geben mag, die in der Praxis aber total versagen. 

Auf den ersten Blick bietet "Das Schweigen in meinem Kopf" also einen sehr interessanten Grundkonflikt. Es stellt sich die Frage, wie die Freundschaft zwischen Jo und Chris entsteht und vor allem, wie sich ihre Beziehung gestaltet. Nicht zu vergessen muss Jo ihren Alltag auch so organisieren, dass auch noch genug Zeit bleibt, um nach ihrer Mutter zu schauen. 

Bei genauerem Hinschauen finde ich aber, dass es hier und da zu ideologische Vorstellungen der Charaktere gibt, auf die ich leider aus "Spoiler Gründen", nur begrenzt eingehen kann. Jo scheint mir für ihr Alter sehr reflektiert. Das finde ich erstaunlich, da man mit 13 Jahren ja gerade beginnt über sein eigenes Leben zu reflektieren und Handlungsmuster zu erkennen. Aber gerade ihre Art macht die Geschichte so interessant. 

Der Spannungsbogen wird in "Das Schweigen in meinem Kopf" sehr gut gehalten. Die Geschichte entwickelt sich langsam und arbeitet sich zu einem Höhepunkt vor. Ich konnte das Buch kaum noch aus den Händen legen, weil ich unbedingt erfahren wollte, was die beiden Charaktere der Geschichte miteinander erleben. 

Kim Hoods Schreibstil hat mich sehr gut unterhalten. Ihr Schreibstil ist lebendig, was es mir sehr leicht gemacht hat, in die Geschichte einzutauchen. Hier und da bin ich über die ein oder andere Formulierung gestolpert und habe mich gefragt, ob es an der deutschen Übersetzung, oder an Hoods Schreibstil liegt. 

Was meinen Gesamteindruck betrifft, kann ich "Das Schweigen in meinem Kopf" denjenigen empfehlen, die noch nichts, oder nur wenig mit psychisch oder körperlich behinderten Menschen zu tun haben. Dieses Buch regt zum Nachdenken an und baut vielleicht auch die ein oder anderen Barrieren ab. 

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