Sonntag, 5. April 2015

Monat der Biografien - Kontrolliert außer Kontrolle

Bild von spielsachen
Steckbrief

Name: Kontrolliert außer Kontrolle - Das Tagebuch einer Magersüchtigen
Autor: Hanna Charlotte Blumroth von Lehn
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Geeignet für: Menschen, die gerene (Auto)Biografien, oder Geschichten zum Thema Magersucht lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext

(Klappentext von "Kontrolliert außer Kontrolle", von Hanna Charlotte Blumroth von Lehn, erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

" 'Heute ist es so weit. Laut Plan muss ich heute zwei Brötchen essen, mir 20 g Butter und ausreichend Belag. Das ist so unglaublich schwer. Mein Kopf rattert um die Hand nach den Butterpäckchen auszustrecken ist, als müsste ich einen Fallschirmsprung wagen.'
Hanna Charlotte Blumroth von Lehn

Mit 16 Jahren beginnt Hanna-Charlotte ihr Essverhalten strengstens zu kontrollieren und immer mehr abzunehmen. Obgleich sie lange Zeit abstreitet, magersüchtig zu sein, muss sie eines Tages einsehen, dass sie so nicht weitermachen kann.
Ihr Zustand ist lebensbedrohlich, als sie in eine Klinik eingewiesen wird. Dort beginnt sie die Arbeit an diesem Buch, in dem sie ihre Krankheit beschreibt und nach den Gründen für ihre Essstörung sucht.
Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen auf sehr eindringliche Weise, wie sie sich immer wieder in den gefährlichen Zwangsgedanken der Magersucht verliert, aber auch versucht, gegen ihre
Krankheit anzukämpfen und ihre Lebensfreude wiederzugewinnen."


Meine Meinung

Das erste Mal bin ich durch einen stern tv Bericht auf Hanna Blumroth aufmerksam geworden. Damals war es für sie noch undenkbar sich wegen ihrer Magersucht wiederholt in einer Klinik behandeln zu lassen.
Schließlich folgte ein zweiter stern tv Bericht, indem ich den Eindruck bekam, dass sie sich, aufgrund des Klinikaufenthaltes, auf dem Weg der Besserung befindet. Dann kam mir ihre Autobiografie in die Hände...

Das Buchcover zeigt die Autorin selbst, weswegen es mir im Laden schnell auffiel. Das Gesicht kam mir damals irgendwie bekannt vor.
Inhaltlich ist die Biografie sehr gut. Hanna Blumroth schafft es, ihr Schicksal glaubhaft zu transportieren. Deutlich werden die zwei Seiten: Die eine Seite, die gerne am normalen Leben teilhaben möchte, die andere Seite, die ihre scheinbare Sicherheit in der Magersucht sucht. Der Kopf weiß, dass es krank ist, der Sucht treu zu bleiben. Doch wieder in ein normales Leben zurückkehren zu können, ist einfacher gesagt als getan.
Es stellt sich die Frage: Wer ist Hanna ohne die Magersucht?

Der Inhalt wird spannend und strukturiert vermittelt. Außerdem ist der Schreibstil der Autobiografie gut gelungen. Die zwei Seiten "Essen oder nicht essen?" werden sehr deutlich dargestellt. Interessant finde ich auch, dass sie sehr genau benennen kann, was sie an der Magersucht hält. Ich hoffe, dass sie mittlerweile einen Weg gefunden hat, die gesunde Seite zu stärken.

Mein Gesamteindruck von dieser Autobiografie ist sehr gut. Das letzte Buch, dass ich zu diesem Thema gelesen habe, war von Statistiken geprägt. Hier bekommt der Leser die Gefühlswelt einer Betroffenen zu lesen. Es wird deutlich wie schwierig es ist, das "Nicht essen" abzustellen. Einfache Dinge, wie Butter, Kuchen, oder ein kleines Stück Brot, sorgen bei einer Magersüchtigen für Panik. Mir war zuvor nicht klar, dass der Wunsch, all die Sachen zu essen, zwar weiterhin besteht, er aber unterdrückt wird. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass das "Hungergefühl" irgendwann aus bleibt.

Mein einziger Kritikpunkt an der Geschichte ist folgender: Hanna Blumroth beschreibt ihren ersten Klinikaufenthalt und die Behandlungsmethoden sehr genau. Schnell wird klar, dass sie sich alles vorstellen kann: Aber auf keinen Fall zurück in die Klinik!
Dann kommt sie in die Schön Klinik, die ihr von vielen stern tv Zuschauern empfohlen wurde. Es heißt die Klinik liegt im Grün doch geht sie hier nur am Rande auf die Therapien ein. Mich hätte jetzt interessiert worin sich die Klinik zu einer "normalen" Psychiatrie unterscheidet.

Zusammenfassend kann ich sagen: Wer sich für das Schicksal von Hana Blumroth, oder das Thema Magersucht interessiert, sollte sich diese Autobiografie unbedingt besorgen. 


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~K~: Dieser Beitrag ist eine Rezension aus der Konserve und wurde bereits veröffentlicht

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