Sonntag, 1. März 2015

Vielleicht morgen

Bild von Piper Verlag 
Steckbrief 

Name: Vielleicht morgen (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Gulliaume Musso
Verlag: Pendo Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne tiefgründige Geschichten lesen
Gelesen oder gehört: gelesen, als Taschenbuch Ausgabe
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Piper Verlag)

"Seine Philosophielesungen sind stets überfüllt, als Harvard-Professor hat er es geschafft – eigentlich müsste Matthew Shapiro glücklich sein. Er ist es aber nicht. Jedenfalls nicht mehr, seit der Tod seiner Frau ihn und ihren gemeinsame Tochter einsam zurückließ. Auch die junge Sommelière Emma Lovenstein hat sich mit ihrer Anstellung im Sterne-Restaurant »Imperator« beruflich ihren Traum erfüllt. Doch der Erfolg konnte sie nicht vor der tiefen Krise bewahren, die die Trennung von ihrem Liebhaber François in ihr auslöste. Zu tief sitzt der Schmerz über seine Entscheidung, nach Jahren des Hinhaltens doch bei seiner Frau und den Kindern zu bleiben. Seitdem ist das Lächeln aus Emmas Leben verschwunden. Bis zu dem Tag, als Matthew auf einem Flohmarkt etwas kauft, das ihr Leben für immer verändern wird: Einen gebrauchten Laptop mit der Signatur »Emma L.« …"


Meine Meinung 

Anfang Februar beschloss ich mir nach langem wieder einmal zwei Bücher zu gönnen. Das erste Exemplar war ein voller Reinfall. Hoffnungsvoll begann ich Ende Februar mit "Vielleicht morgen" und betete, dass mein versprochener Eindruck gehalten werden würde und ich endlich wieder einmal einen Glücksgriff landete.

Der Einband des Buches ist schlicht gehalten. Man sieht eine Gestalt auf einer Brücke stehen. Allerdings zog mich der Titel "Vielleicht morgen" an. Zudem wirkte auch der Klappentext spannend. Wie sollte das Leben der beiden Protagonisten grundlegend geändert werden? Werden sich beide im Laufe der Geschichte begegnen?

Zu Beginn des Romanes hatte ich den Eindruck, in einer typischen Liebesgeschichte gelandet zu sein. Zwei gebrochene Herzen, die sich zufällig in der virtuellen Welt des Internets begegnen. Sie sind sich sofort sympathisch, teilen ähnliche Interessen und haben sogar entfernt ein vergleichbares Schicksal. Doch dann passieren merkwürdige Dinge und es scheint, dass die sorgfältig aufgebaute Romanze ins Wanken gerät. Subtil entwickelt sich das, was anfangs noch für "romantisch" gehalten wurde zu einem waschechten Thriller, der eine offene Frage hinterlässt: Wie viel bist du bereit, für die Liebe deines Lebens zu geben?

Inhaltlich hat mich die Geschichte nach den ersten Seiten an den Film "Das Haus am See" erinnert. Dort begegneten sich ebenfalls zwei verzweifelte Charaktere. Es war auch dort dem Zufall zu verdanken, dass sie in Kontakt miteinander traten. Doch gerade der Schreibstil und die wunderschön, sympathischen Charaktere Matt und Emma ließen mich gespannt weiterlesen. So verwarf ich die Parallelen zwischen Film und Buch schnell wieder, weil beides doch einen eigenen Touch mit sich brachte.

Die Charaktere von "Vielleicht morgen" sind sehr gut dargestellt. Ich hatte keine Mühe, mich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Musso lässt den Leser hautnah am Gefühlsleben von Matt und Emma teilhaben, schafft es die beiden Rollen glaubhaft darzustellen, ohne den Eindruck zu erwecken, dem Leser etwas vorzukauen. Er stellt eine These in den Raum und untermalt diese sogleich mit dem passenden sprachlichen Bild. So hatte ich das Gefühl, dass der Autor seine Protagonisten während des Romanes sehr gut kennen gelernt hat.

Was die Handlungsstränge betrifft, bin ich hier etwas hin- und her gerissen. Ein paar Fäden lagen für mich offen auf der Hand. Ich hatte das Gefühl, Frau des Romanes zu sein und genau zu wissen, was mir der Autor erzählen wollte. Doch er belehrte mich eines Besseren und ließ mich spüren, dass einige Stränge doch besser miteinander verwoben sind, als ich gedacht hätte. Gerade mit der Wendung von einer einfachen Liebesgeschichte bis hin zum Thriller, indem es buchstäblich um Leben und Tod geht, hat es das Buch auf meine Liste der absoluten Lieblingsbücher geschafft.
Ich konnte mich Stunden nicht von der Lektüre trennen, habe Essen und Trinken verweigert und dafür ausführlich die Seiten des Buches verschlungen.

Der Schreibstil liefert genau die richtige Mischung zwischen Kitsch und Tiefe. Während Musso sehr viele sprachliche Bilder mitteilt, schafft er es, sie so zu transportieren, dass der Leser nicht das Gefühl hat, von ihnen erschlagen zu werden. Er schafft es eine Lebendigkeit aufrechtzuerhalten, die mich auf Kohlen sitzen ließ. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den Protagonisten weitergeht.
Gerade durch die sprachlichen Bilder bekommt die Geschichte auch eine Art von Tiefe transportiert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich von der Geschichte mehr als begeistert bin. Während ich zu Beginn etwas resignierte und das Buch schon die die zwischen "Raum und Zeit"- Lektüre Ecke stopfte, schaffte es das Buch den Stempel elegant von sich zu weisen. "Vielleicht morgen" bekommt durch eine unerwartete Wendung der Geschichte eine ganz eigene Note.

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