Freitag, 13. Februar 2015

Ge(h)fragt - Frau Korte vom Hörverlag


(Bild von der Hörverlag

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Emma fragt - Frau Korte 
Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Hörverlags 


Liebe Frau Korte, herzlich willkommen in den Ge(h)Schichten. Sie arbeiten in der Abteilung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hörverlages. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag aus? Gibt es diesen überhaupt?

Im Vordergrund einer jeden Verlags-Presseabteilung stehen selbstverständlich der Kontakt zu Journalisten und die Beantwortung unterschiedlichster Anfragen rund um unsere Hörbücher, unsere Autoren und Sprecher. Da der Journalismus aber immer tagesaktuell arbeitet, muss man oft spontan reagieren und seine Tagespläne umschmeißen. Besonders hektisch wird es dann rund um die Buchmessen.


Welcher Aufgabenbereich interessiert Sie am meisten? Gibt es auch Tätigkeiten, die bei Ihnen und Ihren Kollegen eher unbeliebt sind?

Die Arbeit in einer Presseabteilung unterscheidet sich in diesem Punkt kaum von anderen Arbeitsstellen: es gibt viel Routine, viele eingespielte Arbeitsvorgänge die leicht von der Hand gehen, aber auch spannende Projekte und besondere Titel, die diese Routine durchbrechen. Da wir eine kleine Abteilung sind, müssen wir flexibel alle Tätigkeiten übernehmen – ob beliebt oder unbeliebt.


Was macht den Hörverlag Ihrer Meinung nach aus?

Den Hörverlag macht für mich persönlich vor allem sein tolles Mitarbeiterteam aus – angefangen von unserer Verlegerin Claudia Baumhöver bis hin zu unseren Aushilfen. Und dieses Team schafft es immer wieder neue, umfangreiche Programme mit tollen Sprechern und Produktionen auf die Beine zu stellen, die für jeden Hörbuch-Fan etwas bereithalten.


Hand aufs Herz: Haben Sie selbst ein paar Exemplare aus dem Hörverlag in Ihrem Bücherregal stehen? Wenn ja welche Romane gefallen Ihnen besonders?

Klar habe ich einige unserer Produktionen im Regal stehen! Zugegeben meist von männlichen Sprechern gelesen, oder wunderbare alte Hörspiele. Mein Favorit bisher: Die „Schauergeschichten“, gelesen von Rolf Boysen, Manfred Zapatka und Sibylle Canonica.


Welche Ausbildung haben Sie absolviert um in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit arbeiten zu können?

Viele Wege führen in die Verlagswelt – meiner führte über ein Studium (Politologie/ Neuere und Neueste Geschichte/ Skandinavistik), Praktika und über ein einjähriges Volontariat, hier in der Presseabteilung.


Wie wird aus einer Printausgabe ein Hörbuch / Hörspiel? Wie lange wird produziert und welche Schritte müssen hierbei getan werden?

Die Umsetzung von Printausgaben umfasst mehrere Schritte, die je nach Umsetzungsart stark variieren können und mal mehr, mal weniger Zeit in Anspruch nehmen. Meine Kollegin aus dem Lektorat hat die wichtigsten einmal kurz zusammengefasst:

- Festlegen der Umsetzungsform (Komplettlesung, gekürzte Lesung, Hörspiel, Live-Mitschnitt usw.)

- Zusammenarbeit mit einem Textbearbeiter bzw. Textkürzer

- Suche eines passenden Regisseurs: er muss den Sprechern helfen, wenn sie eine Rolle nicht mehr richtig treffen, Fehler machen usw.

- Auswahl der Sprecher meist in Absprache dem Autor

- Auswahl des Musikers (bei Hörspielproduktionen); die Musik soll untermalen, ergänzen, Atmosphäre schaffen

- Mischung der Aufnahmen: Die Sprecher gehen heutzutage meist einzeln ins Studio und am Schluss werden die Szenen in der Mischung erst zusammengefügt

- Betreuung der Produktion im Studio

- Endmischung und Fertigstellung des Masters

- Überprüfung des Masters durch den Regisseur und uns

- Endabnahme dann bei uns im Verlag

- Nicht zu vergessen: die Arbeit unserer Grafik und unserer Herstellung bis zum fertigen Hörbuch


Nach welchen Kriterien wird beschlossen, ob aus einer Printausgabe ein Hörbuch / Hörspiel wird?

Aus der Fülle von 80.000 Buchnovitäten im Jahr und aus 4.000 Jahren Literaturgeschichte zu selektieren, darin liegt die Herausforderung für unser Lektorat. Zielgruppengerechte Auswahl, Ausgewogenheit, literarische Qualität und die Eignung für die akustische Umsetzung gehören zu den ausschlaggebenden Kriterien, die bei der Diskussion über jedes einzelne Projekt und schließlich die endgültige Programmzusammenstellung herangezogen werden. Die Kriterien dafür lassen sich zusammenfassen:

- Literarische Qualität: Wollen wir das im Programm haben?

- Umsetzungsmöglichkeit: Eignet sich der Text überhaupt fürs Hörbuch?

- Vermarktbarkeit: Gibt es für den Stoff eine Zielgruppe?

- Veröffentlichungs-Zeitpunkt: Parallel zur Buchausgabe, oder nicht?


Wer entscheidet darüber, ob das Hörbuch ganz oder in einer gekürzten Fassung erscheint?

Hier spielen unterschiedlichste Kriterien mit rein. Angefangen bei den Wünschen des Autors, der Länge des Textes, der Machbarkeit der Umsetzung, kalkulatorische Gesichtspunkte bis hin zum Literaturgenre selbst und den Vorlieben der Hörer. All das spielt im Vorfeld eine große Rolle bei den Überlegungen unseres Lektorats.


Was wird bei einer gekürzten Fassung weggelassen?

Bei der Bearbeitung bzw. Kürzung kann z. B. „er sagte laut“ gestrichen werden und nur in Form einer Regieanweisung szenisch umgesetzt werden.


Worin besteht der Unterschied zwischen „gekürzter“ und „autorisierter“ Fassung?

Hier gibt es keinen Unterschied. Wir lassen jede gekürzte Fassung entweder vom Autor oder vom Buchverlag autorisieren.


Nehmen die Autoren die Kürzungen selbst vor?

Manche Autoren nehmen selbst die Kürzung des Textes vor, wie z. B. Ulla Hahn „Spiel der Zeit“. Dadurch fällt natürlich die Autorisierung der Kürzung für unser Lektorat weg. Andere deutschsprachige Autoren, wie z. B. Frauke Scheunemann kürzen ihre Romane nicht, sondern bekommen von uns eine von uns gekürzte Version zur Freigabe vorgelegt.


Vertont der Verlag ausschließlich Hörbücher / Hörspiele von denen es eine gedruckte Printversion gibt, oder werden auch eigene Produktionen veröffentlicht?

Der Hörverlag übernimmt, neben den Eigenproduktionen, einen Teil der Titel fertig produziert von verschiedenen Rundfunkanstalten, mit denen er in engem Kontakt steht. Diese Titel werden von den Rundfunkanstalten, wie zum Beispiel dem BR, dem HR, dem WDR, dem SWR oder dem Deutschlandradio alleine oder in Koproduktion mit dem Hörverlag produziert und laufen zunächst, meist in mehreren Folgen, im Radio. Umfangreiche Hörspielproduktionen mit einer langen Produktionsdauer wären ohne die Rundfunkanstalten nicht möglich. So wäre z. B. die größte Hörspielproduktion der Radiogeschichte, „Otherland“ von Tad Williams mit insgesamt 250 Sprechern ohne den Hessischen Rundfunk nicht zu verwirklichen gewesen.

Neben den Senderproduktionen gibt es aber auch sogenannte Eigenproduktionen. Bei diesen übernimmt der Hörverlag selbst die Bearbeitung des Textes, die Auswahl der Sprecher, die Regie, betreut die Studioaufnahmen und lässt die Aufnahme technisch bearbeiten. Die Eigenproduktionen sind meistens Lesungen. Einige Autoren, wie z.B. Jan Weiler, entwickeln für uns jedoch auch Originalhörspiele, zu denen es keine Buchausgabe gibt. In einigen Fällen wird sogar die Hörbuchversion zur Grundlage eines Buches, wie bei „Unterwegs in der Geschichte Deutschlands“, das originär nur als Hörbuch vorlag.


Dürfen sich die Autoren die Sprecher ihrer Werke selbst aussuchen, oder entscheidet dies der Verlag?

In erster Linie gibt immer der Text selbst die entscheidenden Faktoren für die Sprecherwahl vor: Wie viele Figuren gibt es? Welches Alter haben die Figuren, welches Geschlecht? Ist der Sprecher in einem Genre etabliert? Wie ist die Kondition bei langen Aufnahmezeiten? Natürlich besprechen wir zudem mit den Autoren, Buchverlagen und Sendern die Besetzung und sind auch offen für alle Vorschläge der Autoren. Im besten Fall decken sich die Vorstellungen unseres Lektorats beim Lesen mit den Vorstellungen des Autors beim Schreiben.


Wie wird man Hörbuchsprecher?

Voraussetzung bei uns ist eine Schauspielausbildung, so arbeiten wir z. B. eng mit den Schauspielern der Münchner Theater zusammen. Aber auch Sprecher, die nie vor der Kamera oder auf der Bühne stehen, können großartige Sprecher werden – allen voran die professionellen Synchronsprecher bekannter Hollywoodstars.


Werden unangefragte Manuskripte berücksichtigt?

Alle eingereichten Manuskripte werden natürlich im Lektorat auf eine mögliche Umsetzung ins Hörbuch geprüft. Die meisten Manuskripte erreichen uns allerdings bereits geprüft durch unsere Kollegen der Buchverlage.

Nun möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben meinen Fragekatalog zu beantworten!

Kommentare:

  1. Danke für das wirklich interessante Interview!
    LG
    Yvonne

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    1. Hey,
      es freut mich, dass dir das Interview gefallen hat.
      Immerhin hast du ja auch die ein oder andere Frage beigesteuert :-). Eigentlich sollte das Interview schon am letzten Sonntag erscheinen, aber der Beitrag ist irgendwie verschollen.
      viele Grüße
      Emma

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