Donnerstag, 19. Februar 2015

Er ist wieder da

Bild von Bastei Lübbe 
Steckbrief 

Name: Er ist wieder da (auch als Hörbuch in gekürzter Fassung erhältlich)
Autor: Timur Vermes
Verlag: Bastei Lübbe
Geeignet für: Menschen, die gerne satirisch humorvolle Bücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen als Taschenbuch
Bewertung: 2,5 von 5 Punkten


Beschreibung 

(von Bastei Lübbe)

"ER IST WIEDER DA

DER ROMAN

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva, dafür unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende startet er gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur, sondern erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und »Gefällt mir!«-Buttons.
Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Dieser Roman ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte."


Meine Meinung 

Schon als ich die gebundene Ausgabe des Buches im Laden gesehen habe, blieb mein Blick daran kleben. Das Cover sticht sofort ins Auge. Es ist weiß gehalten, nur die Frisur Adolf Hitlers ist schwarz darauf zu sehen. Zudem ist der Titel "Er ist wieder da" so platziert, dass man den Titel für den "fehlenden Hitlerbart" halten könnte.
Ich hatte das Buch gefühlte 5 Mal in den Händen, habe mindestens dreimal damit gespielt, mir das Hörbuch zu kaufen, welches von Christoph Maria Herbst gelesen wird, und habe mir schließlich die Taschenbuchausgabe des Romanes geholt. Aber nun ans eingemachte:

Schon allein des Einbandes wegen, bekommt das Buch von mir einen dicken Pluspunkt, da es neben den ganzen anderen Büchern definitiv auffällt. Auf dem Weg zur Kasse bemerkte ich dann lustigerweise, dass sich das Taschenbuch Cover sogar fühlen lässt. Normalerweise bin ich solche Besonderheiten nur von gebundenen Büchern gewöhnt, musste schmunzeln und dachte mir, dass ich blinden Freunden von mir jetzt endlich mal demonstrieren kann, wie der "Hitler Haarschnitt" liegt.

Schon nach den ersten Seiten dachte ich: "Das ist ja wie Obersalzberg bei Switch reloaded". Allerdings ließ die Wirkung sehr schnell nach.
Inhaltlich konnte mich das Buch größenteils leider überhaupt nicht überzeugen. Die Haupthandlung besteht darin, dass Hitler wie aus dem Nichts eines Tages auf einem verlassenen Grundstück auftaucht und sich in einer völlig neuen, unbekannten Welt wiederfindet. An sich eine interessante Grundidee, die viel Raum zur Handlung bietet. Wie reagiert der ehemalige Diktator? Möchte er die Macht wieder an sich reißen? Oder macht er sich jetzt ein schönes Leben?

Ich hatte den Eindruck, dass die Handlungsstränge nur mäßig miteinander verknüpft waren. In manchen Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass es sich mehr um kleine Episoden handelt, wie z.B. der ehemalige Führer, der das Münchener Oktoberfest besucht. Diese kleinen Geschichten hatten aber keinen Einfluss auf den Fortgang der Rahmenhandlung.

Andererseits plätscherte die Geschichte doch irgendwie vor sich hin und kam somit voran. Über den Sinn des Inhaltes lässt sich aber streiten. Aus meiner Sicht war ein Ziel nicht wirklich erkennbar. Nachdem Hitler feststellte, dass der Krieg verloren war, die Ausländer Deutschland bevölkerten, wäre aus meiner Sicht, die nächstbeste Reaktion gewesen, sich möglichst schnell Anhänger zu suchen und diesen Zustand zu ändern und für ein scheinbares geordnetes System zu sorgen. Allerdings gibt er sich mit einem Posten beim Rundfunk in einer Sendung eines "Witzgürs" zufrieden und erhebt keinerlei Machtansprüche. Das war aus meiner Sicht die absolut größte Unlogik.

Was die Charaktere betrifft, haben diese oft nicht über ihren Horizont hinaus gedacht, was bei mir anfangs für große Frustration sorgte. Sämtliche Situationen wurden von dem Missverständnis getragen, dass man Hitler für einen perfekten Schauspieler hielt, der seine Rolle in keinem Moment ablegt, Hitler hingegen einfach er selbst ist und das Leben nimmt, wie es kommt. Allerdings gab es hier und da Möglichkeiten, die Situation aufzuklären, wie beispielsweise ein Gespräch zwischen ihm und seiner Vorgesetzten, indem sie ihn scherzhaft darauf hinweist, er möge doch aufpassen, nicht, dass man ihn eines Tages noch ernst nehme. Gerade an dieser Stelle hätte ich damit gerechnet, dass er entgeistert nachhakt und wissen will, ob man ihn momentan denn nicht ernst nehme. Schließlich kann es ja nichts Schlimmeres für einen Führer geben, der vom Volk belächelt wird. Aber diese Situation verlief aus meiner Sicht ins Leere.

Obwohl die Charaktere vergleichsweise flach waren, gab es doch die ein oder anderen unterhaltsamen Momente. Beispielsweise gehörte die neue Sekretärin des "Youtube Stars", Fräulein Krömeier, zu meinen absoluten Lieblingen, da sie der Geschichte mit ihrer Berliner Schnauze wirklich Pepp verliehen hat.

Zu Beginn der Geschichte, dachte ich beim Schreibstil sofort an die, wie oben bereits beschriebene, Obersalzberg Switch Version. In der Erzählperspektive kommt der Autor von einem ins andere, was anfangs wirklich unterhaltsam ist, mir aber zunehmend auf die Nerven ging. Oft konnte ich nicht erkennen, worauf der Autor hinaus wollte, manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass er anstatt von A nach B zu gehen, Ausschweifungen über C und D machte, die für mich oft auch nicht zur Geschichte passten. Das sorgte dafür, dass ich begann die meisten Abschnitte zu überfliegen.

Einen großen Pluspunkt bekommt das Buch aber aufgrund seiner Dialoge. Wie oben schon beschrieben, wird die Geschichte von dem Missverständnis getragen, dass es sich ja nicht um den "echten Hitler" handelte. Dies sorgt für allerhand unterhaltsame Dialoge, die mich hier und da wirklich zum schmunzeln brachten und dafür sorgten, dass ich das Buch nicht abbrach. (Zudem interessierte mich natürlich auch, ob und wann der ehemalige Führer einer neuen Partei beitrat).

Was den Gesamteindruck betrifft, hatte ich mir wirklich mehr von dem Roman erhofft. Oft hatte ich das Gefühl, dass der eigentliche Witz nicht ganz bei mir ankam. Allerdings sorgte die Figur des Hitlers dafür, um indirekte Gesellschaftskritik, wie die zunehmende Globalisierung, zu vermitteln, was mir wirklich gut gefiel. Für ihn schien es, verständlicherweise keinen Sinn zu ergeben, warum der Herr Starbuck seinen Kaffee nicht selber kochte, bzw. wo sich dieser überhaupt aufhalte, da es in Berlin ja nur so von seinen Läden wimmelte.

Zudem hatte ich auch das Gefühl, dass die Geschichte nicht von vorne bis hinten durchdacht war. Was mich besonders störte: Das Buch hört da auf, wo annähernd für Provokation gesorgt wird. Aber es ist auch schwierig sich einem ernsten Thema humorvoll und satirisch zu nähern, ohne in plumpe Wortwitze abzudriften und Grenzen zu überschreiten.

Ein Großteil meiner Kritikpunkte kann wahrscheinlich mit der gekürzten Hörbuchfassung vermieden werden. Diese wird zum einen von Christoph Maria Herbst gelesen, was bedeutet das Unterhaltung definitiv vorprogrammiert ist, zum anderen ist der Inhalt wie gesagt gekürzt und Situationen, die nicht wesentlich für die Geschichte sind, werden hierbei weggelassen.

Abschließend kann ich sagen: Bei diesem Buch scheiden sich die Geister. (Oder so ähnlich).

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