Donnerstag, 8. Januar 2015

Die im Dunkeln sieht man doch

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Steckbrief

Name: Die im Dunkeln sieht man doch
Autor: Barbara Vine
Verlag: Diogenes Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne Familiensagen / Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten






Klappentext

(Beschreibung von Buchhandlung Rombach)

"Die Geschichte der Vera Hillyard, einer der letzten Frauen, die in England gehenkt wurden. Briefe, Interviews, Erinnerungen, alte Photographien fügen sich zum Psychogramm einer Familiensaga des Wahnsinns. Barbara Vine entblättert die Scheinidylle eines englischen Dorfe und entblößt ein Moralkorsett, das nur noch mit Mord gesprengt werden konnte."


Meine Meinung

Das Buch "Die im Dunkeln sieht man doch" ist mir aufgrund seines Einbandes sofort ins Auge gestochen. Die meisten Bücher des Diogenes Verlages sehen ähnlich aus. Der Hintergrund ist hell, oder weiß gehalten, der Name des Autors und der Titel des Werkes stehen dann in kursiv geschriebener Schrift unter einem Bild, welches zum Buchinhalt passt. Hier ist mir nicht das Titelbild aufgefallen, welches eine Frau, in einem schönen blauen Kleid zeigt, sondern die eben beschriebene Art, den Titel und Namen des Autors darzustellen.
Da ich bereits einen Roman von Barbara Vine in einer Hörbuchfassung gehört habe, war meine Vorfreude auf den Thriller groß.


Die Handlungsstränge der Geschichte sind sehr gut miteinander verwoben. Die Haupthandlung ist von vorne herein klar: Vera Hillyard, die Tante der Ich-Erzählerin Faith, hat einen Mord begangen und wird dafür mit dem Tode bestraft. Einzig und allein wer ihr Opfer ist, wird erst auf den letzten Seiten verraten.

Schön finde ich, dass es viele Andeutungen gibt, in welche Richtung die Geschichte verläuft. Hier und da hatte ich eine Vermutung, wer Veras Opfer sein könnte. Barbara Vine hat es geschafft, mich bis zuletzt in die Irre zu führen.

Neben dem Schreibstil, auf den ich in der folgenden Rezension noch eingehen werde, haben mir die Charaktere in diesem Buch sehr gut gefallen. Wie oben schon erwähnt, wird die Geschichte von der allwissenden Erzählerin Faith erzählt. Sie beschreibt nicht nur ihre beiden Tanten Eden und Vera, sondern lässt den Leser auch an ihrem eigenen Innenleben teilhaben. Gerade Faiths Entwicklung im Laufe der Geschichte ist sehr schön zu beobachten. Faith beschreibt ihre Tanten als gefühlskalt, streng und sehr auf den äußeren Schein der Familie bedacht. Es gibt ein inneres Bündnis an dem sie, Faith, bis zuletzt nicht teilnehmen darf. Für Faiths Tante Vera habe ich im Laufe der Geschichte eine indirekte Sympathie entwickelt. Obwohl sie als grob beschrieben wird, hatte sie auf eine bestimmte Art und Weise etwas Liebenswertes an sich.

Gegen Ende der Geschichte spitzt sich ein Konflikt, dessen Grundproblem mir nicht ganz klar war, immer mehr zu. Der Leser bekommt zwar mit, wie es langsam aber sicher gefährlich wird, jedoch war mir nicht klar, welches Ereignis für die Krise verantwortlich ist. Gegen Ende der Geschichte wird Barbara Vine mehr als deutlich und beginnt einige Dinge, die zuvor nur angedeutet wurden, klar beim Namen zu nennen. Allerdings ist mir die Eskalation des Grundkonfliktes nicht ganz klar gewesen, weswegen ich mir hier mehr "Tacheles" gewünscht hätte.

Die Spannung des Romanes ist hier sehr gut gehalten. Während ich bei anderen Thrillern buchstäblich auf Kohlen sitze, mein inneres Adrenalinbarometer meist bis ganz oben springt, schafft es Barbara Vine einen Thriller zu schreiben, indem sich die Spannung sehr langsam aber kontinuierlich aufbaut.

Der Leser bekommt erst genug Zeit um die Ich-Erzählerin und die beteiligten Hauptpersonen kennenzulernen. Gerade auf den letzten 150 Seiten geht es aber ganz schön zur Sache, weswegen ich mich kaum von dem Buch trennen konnte.

Erzählerin Faith beschreibt in einer Szene einen Brief und hebt hier hervor, dass gerade das "Nicht gesagte" das Interessante des Briefes ist. Diese Szene ist ein Beispiel dafür, wie gut sich Barbara Vine darauf versteht, Konflikte zwischen den Zeilen darzustellen.

Allwissende Erzählerin Faith führt sehr gut durch die Geschichte. Ihr Augenmerk liegt hier besonders auf der Beziehung zwischen ihren Tanten Eden und Vera. Sie beschreibt auch, wie die beiden auf ihr Umfeld wirken und wie sie mit diesem umgehen.

Der Großteil des Romans ist in indirekter Rede geschrieben. Dieses Stilmittel lese ich immer wieder gerne, da es eine sehr schöne Art ist eine Geschichte gut auszuschmücken. Neben den genauen Charakterbeschreibungen, erzählt Barbara Vine auch ausführlich in welcher Landschaft wir uns gerade befinden und was diese ausmacht.

In den Dialogen der Geschichte, die im Gegensatz zu "Indirekter Rede"-Romanen noch relativ häufig auftreten, geht es meist sehr grob zur Sache. Oft werden Konflikte, oder Zurechtweisungen in direkter Rede geklärt.

Barbara Vines Beschreibungen sind mir hier und da aber auch etwas zu ausführlich. Wenn auf die Familienverhältnisse, oder Schicksale der Hausangestellten eingegangen wird, ist es für mich an der Grenze zum Öden. Hier frage ich mich dann oft, warum ich das alles wissen muss. Schließlich ist mir die Parallele zur Haupthandlung schon nach einem Absatz bewusst.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir "Die im Dunkeln sieht man doch" sehr gut gefallen hat. Gerade die Charaktere und der Schreibstil der Geschichte haben es mir angetan. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Schicksal einer fiktiven Familie über mehrere Tage hinweg fesseln kann.

Jedoch bin ich immer wieder froh, nach einem Roman, der überwiegend in indirekter Rede geschrieben ist, wieder zu einem Buch zu beginnen, indem es nur so von Dialogen wimmelt.

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