Sonntag, 23. November 2014

Warten auf Gordot und andere Werke

Bild von der Hörverlag
Steckbrief

Name: Warten auf Gordot und andere Werke
Autor: Samuel Beckett
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Beckett Fans und/oder Menschen, die gerne Klassiker lesen
Gelesen oder gehört: gehört
Sprecher: verschiedene
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Beschreibung 

(Beschreibung von der Hörverlag)

"Zum 25. TODESTAG am 22. Dezember 2014

Samuel Beckett war einer der einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts, sein Werk ist facettenreich und faszinierend. Ist es tragisch? Komisch? Tragikomisch? Diese Werkauswahl sammelt Hörspiele in einzigartigen historischen Inszenierungen – z.B. "Warten auf Godot" mit Heinz Rühmann –, aber auch Neuaufnahmen wie die "Pochade Radiophonique" mit Gustl Halenke und die legendäre Lesung von "Erste Liebe" mit Martin Wuttke, und verleiht damit der Vielseitigkeit von Becketts Oeuvre eine einzigartige Wirkung. Im Feature "A Stain Upon the Silence" von Gaby Hartl gibt sie die seltene Gelegenheit, den Autor im einzig erhaltenen Originalton zu hören.

Enthält:

Hörspiele: "Warten auf Godot" mit Heinz Rühmann u. a., "Endspiel" mit Erich Schildkraut u. a., "Pochade Radiophonique" mit Gustl Halenke u. a.

Prosa: "Um abermals zu enden und anderes Durchgefallenes" mit Friedhelm Ptok, "Erste Liebe" mit Martin Wuttke

Lyrik: "Trötentöne" mit Martin Wuttke

O-Ton: "A Stain Upon the Silence" mit Samuel Beckett u. a."


3 positive Fakten 

Die folgenden beiden Hörspiele haben mir sehr gut gefallen.

Endspiel
In "Endspiel" geht es um vier Protagonisten. Ein blinder alter Mann lebt mit seinem Diener und seinen Eltern, die beide Beine bei einem Fahrradunfall verloren haben, in einem Zimmer. Es ist nicht ganz klar was geschehen ist. Der Leser ahnt nur: Sie sind die vier Menschen die das Unglück überlebt haben.
Beckett beleuchtet ihr die Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren. Herr und Diener hassen sich abgründig, sind aber aufeinander angewiesen. Der Diener sieht, während der blinde Herr weiß, wie man die Speisekammer aufschließt. Zwischen den Eltern, die in zwei Mülltonnen leben, und dem Herrn des Hauses herrscht ein eisiges Verhältnis.

Beckett arbeitet hier sehr schön die zwischenmenschlichen Konflikte heraus. Während der Diener seinen Herrn am liebsten schon längst ermordet, oder ihm den Rücken gekehrt hätte, ist er emotional doch von ihm abhängig. Durch die guten Dialoge ist es mir leicht gefallen, mich in die Protagonisten hineinzuversetzen.
Allerdings muss ich an dieser Stelle vorwarnen: Der Schreibstil des Hörspiels gefällt mir sprachlich zwar sehr gut, berichtet aber sehr viel zwischen den Zeilen.

Pochade radiophonique 
Hier wird das berühmt berüchtigte Stilmittel der "Geschichte in der Geschichte" genutzt. Der erste Handlungsstrang besteht darin, dass ein Herr mit seiner Assistentin die Kassetten einer Art Therapiesitzung oder eines Verhörs wieder und wieder anhört. Er versucht einen Fall zu lösen und hofft Indizien auf den Tonbändern zu finden.
Hier haben mir die beiden Handlungsstränge der Geschichte gut gefallen. Meine volle Konzentration war gefragt, weil ich ebenfalls wissen wollte, was auf den Kassetten gesprochen wurde und welche Hinweise unser Zuhörer sucht.
Sprachlich ist auch hier ein ausgeschmückter Schreibstil, der es einem aber leicht macht, sich in die Geschichte einzufinden.

Stilmittel
Sehr gut gefallen haben mir die Stilmittel der beiden Hörspiele. In "Endspiel" hörte man Zwischengeräusche, wie das Zuschlagen und Öffnen der Mülleimer Deckel. Zudem waren auch Unterschiede in der Lautstärke zu hören, wie beispielsweise, wenn sich der Diener entfernte, wurde die Stimme auch leiser. Ebenfalls, auch für die Geschichte wichtig positioniert, war das Weckerklingeln, welches die Beziehung zwischen Diener und Herrn untermalte.

Da es in "Pochade radiophonique", um die Aufzeichnung eines Hörspiels geht, waren auch hier gute Stilmittel gefragt. Das Vor- und Zurückspulen der Kassetten und die von der Assistentin oftmals vorgelesenen letzten Dialoge haben die Handlung der Geschichte wunderbar untermalt.


Negativer Fakt 

Warten auf Gordot
Sehr enttäuscht war ich von der Aufnahme "Warten auf Gordot". Da ich in einem anderen Roman schon mal ein Zitat aus dem Theaterstück gelesen habe, war mein Interesse geweckt. Die CD Sammlung wünschte ich mir gerade wegen des Theaterstückes.

Das Stilmittel von "Warten auf Gordot" wird hier zum großen Nachteil der Vertonung. Es handelt sich hier um eine Live Aufnahme einer Theaterinszenierung. An sich ja eine gute und interessante Sache, allerdings haben mich folgende Punkte gestört:

Die Aufnahmequalität
Ich hatte das Gefühl, dass die Sprecher entweder zu leise, oder zu laut waren. Das sorgte dafür, dass ich ständig damit beschäftigt war, die Lautstärkeregelung hochzudrehen oder zu regulieren.

Geräusche / fehlender Erzähler
Ich habe sehr lange gebraucht, um mich in die Geschichte einzufinden, weil mir überhaupt nicht klar war, in welcher Szenerie ich mich befand. Waren die Protagonisten zwei obdachlose Landstreicher? Oder kehrten sie jeden Abend in ein Versteck zurück? Wer waren die anderen Personen, die hin und wieder hinzutraten und ihre Meinung zur Szenerie abgaben?
Manche Geräusche konnte ich nur erahnen, wie das Schlagen einer Peitsche. Hier fragte ich mich: Wer wurde geschlagen? Und warum?
Allerdings haben mir die Dialoge des Theaterstückes und deren Sprecher gut gefallen. Die Stimmen hatten für mich hohen Wiedererkennungswert und ich dachte, dass sich der ein oder andere sicher auch gut als Hörbuchsprecher eignen würde bzw. geeignet hätte.

Dennoch ist der Inhalt des Theaterstückes wahnsinnig spannend, weil deutlich wird, wie zermürbend das Warten auf Gordot ist, von dem die Protagonisten nicht einmal wissen, ob er überhaupt so heißt und wann er endlich kommen möge.


Gesamteindruck

Während des Hörens der CD beschloss ich mich auch ein bisschen über Samuel Beckett zu belesen. Als ich eine Liste mit seinen Stücken fand, hatte ich den Eindruck, dass die Textzusammenstellung von "Warten auf Gordot und anderen Werken" wirklich gut getroffen ist. Stücke, die viel Aufmerksamkeit bekommen haben, waren hier vertreten. Zudem befindet sich auf CD 6 ein O-Ton, indem berichtet wird, was für ein Mensch Samuel Beckett war und wie sich die Arbeit mit ihm gestaltete. Das hat mir besonders gut gefallen, weil es hier nicht ausschließlich um seine literarischen Werke ging, sondern der Leser auch die Möglichkeit hatte, etwas über den Autor zu erfahren.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Textsammlung gut gefallen hat. Jedoch hätte ich mir "Warten auf Gordot" als Hörspielversion gewünscht, weil die Vertonung des Theaterstückes der Geschichte eigentlich nicht gerecht wird.


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* Dieses Hörbuch wurde mir von dem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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