Montag, 20. Oktober 2014

Ein plötzlicher Todesfall


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Ullstein Verlag

Steckbrief
Name: Ein plötzlicher Todesfall
Autor*in: J.K. Rowling
Verlag: Ullstein Taschenbuchverlag
Geeignet für: ab 14 Jahren, oder für Menschen, die gerne Thriller und / oder Dramen lesen
Gelesen oder gehört: gelesen, in deutscher Sprache
Bewertung: 5 von 5 Punkten

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Klappentext 
(Klappentext von Ullstein Verlag)

"Als Barry Fairbrother plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?.

Meine Meinung 
Als 2012 Rowlings neuer, erster Erwachsenen Roman veröffentlicht wurde, war die Begeisterung zu Anfang groß. Dann folgte die Ernüchterung: Anscheinend hatte das Buch schlechte Verkaufszahlen und konnte viele Menschen inhaltlich nicht überzeugen. 2012 gab es auf der Buchmesse eine Lesung von Christian Berkel, dem Hörbuchsprecher.
Berkel konnte mich stimmlich nicht überzeugen, schnell wurde es im Publikum unruhig. Aber die Textstellen, die er vorlas, interessierten mich inhaltlich sehr. Daher beschloss ich mir ein eigenes Bild von dem neuen "Rowling Buch" zu machen.

Was die Gestaltung des Buchcovers betrifft, sticht sowohl das Hardcover als auch die Taschenbuchversion ins Auge. Auf meinem Exemplar sind die Dächer einer Kleinstadt zu erkennen.

Gleich zu Beginn der Geschichte führt Rowling sehr viele Charaktere ein, was für mich etwas verwirrend war. Anfangs wird die Geschichte aus der Sicht des bald sterbenden Barry Fairbrothers erzählt, der an seinem Hochzeitstag noch einen wichtigen Zeitungsartikel fertigstellen muss und den Tag mit seiner Frau im Golfclub ausklingen lassen möchte. Doch dann stirbt er an einem plötzlichen Herzinfarkt und das Leben einiger Familien in Pagford gerät aus den Fugen.

Die Charaktere in diesem Roman könnten nicht unterschiedlicher sein: Angefangen bei Terri Weedon, einer drogensüchtigen Mutter zweier Kinder, die es zum dritten Mal in ein Methadon Programm geschafft hat, um endlich clean zu werden, bis hin zu Shirley Mollison, die Frau des Gemeinderatsvorsitzenden Howard Mollisons und Barrys größtem Konkurrenten, die sehr an dem Klatsch und Tratsch der Dorfgemeinschaft interessiert ist und die Website des Gemeinderats verwaltet.

Rowling zeigt hier gesellschaftliche Gegensätze auf. Sie beweist mit den verschiedenen Facetten ihrer Charaktere, wie viel sie von einem Menschen wahrnimmt. Beispielsweise ist Terris Tochter Krystal nicht nur die gemeine Schlägerin, sondern wird gerade im Umgang mit ihrem dreieinhalb jährigen Bruder auch als fürsorglich beschrieben. Hier stellt Rowling klar, dass jeder Mensch auch zwei Seiten hat. Interessant finde ich auch, dass sie nicht nur die Charaktere beschreibt, sondern auch erzählt, wie diese von anderen Menschen wahrgenommen werden.

Neben den gut ausgearbeiteten Charakteren haben mir auch die Verstrickung verschiedener Handlungsstränge sehr gut gefallen. Trotzdem erscheint es keinesfalls unrealistisch, dass die schüchterne aber liebevolle Krankenschwester Ruth Price, die nicht viel mit der Dorfgemeinschaft zu tun hat, in Shirley Mollison eine Freundin sieht, obwohl die Frauen nicht unterschiedlicher sein könnten.

Auch inhaltlich behandelt das Buch alles andere als leichte Kost. Von Drogensucht, über Vergewaltigung bis hin zu dem Wunsch einfach nur geliebt und so anerkannt zu werden, wie man ist, gibt einem das Buch viel Stoff zum Nachdenken. Gut dargestellt finde ich auch, wie der Tod des Gemeinderats Barry Fairbrothers, der eine wichtige Rolle in Pagfords Dorfgemeinschaft spielt, einen Stein ins Rollen bringt. Barry ist beinahe auf jeder Seite präsent und selbst nach Beendigung des Romanes bleibt der Eindruck, dass man auch ihn ein bisschen besser kennen gelernt hat.

Nachdem die Problemlagen der verschiedenen Charaktere dargestellt sind, stellt sich nun aber die Frage: Und was jetzt? Müssen wir ihnen auf über 500 Seiten dabei zusehen, wie sie leiden? Auch hier schafft Rowling eine subtile Steigerung. Gerade auf den letzten Seiten spielt sich der Höhepunkt der Geschichte ab und es wird klar, dass man nicht sein Leben lang in der Krise gefangen bleibt.

Nachdem ich das Buch nun beendet habe, kann ich nicht wirklich verstehen, warum viele Kritiken so schlecht ausfallen. Ich bin von dem Roman wirklich positiv überrascht und gerade von der Tiefgründigkeit sehr angetan. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Facetten aufgezeigt, bearbeitet und auch abgeschlossen werden.
Von daher kann ich das Buch guten Gewissens weiterempfehlen. 

2 Kommentare:

  1. Hallo!
    Ich kann dir nur absolut zustimmen. Ich habe das Buch damals auf Englisch gelesen, als es herauskam, und hatte auch Probleme, hineinzufinden. Es waren einfach so viele Figuren und es war definitiv ein Buch für Erwachsene, nicht nur thematisch, sondern auch aufgrund des englischen Vokabulars. Aber ich fand in die Geschichte hinein, habe jede Seite gehasst und trotzdem ist es eines der Bücher, die mich am längsten begleiten, weil sie mich so zum Nachdenken angeregt haben. Ich mochte keine der Figuren, aber die Art und Weise, wie die einzelnen Themen ineinandergegriffen haben und jeder Figur Stärken und Schwächen hatte. Es wurden so viele schwierige Themen überzeugend und realistisch dargestellt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

    Vielen Dank, dass du deine Gedanken zu dem Buch geteilt hast, ich hab nur wenige Menschen bisher getroffen, die es gelesen und gemocht haben!

    Liebe Grüße,
    Francis

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    Antworten
    1. Hi Francis,

      vielen Dank für Deinen Besuch. Ich freue mich gerade sehr, dass Du hier vorbeigeschaut hast. Ich glaube, ich kenne Dich von den Schreibnächten bzw. aus dem ein oder anderen Vlog von Jasmin Zipperling. Da finde ich es immer noch faszinierend wenn Leute, die "bekannter" sind, als ich, irgendwann bei mir landen :).

      Wow, ich glaube, wenn ich mit dem Schreibstil und den Charakteren nichts hätte anfangen können, hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen. Super, dass Du trotzdem durchgehalten hast und spannend, dass es Dich dennoch so lange begleitet.
      Ich hätte gern gewusst, ob "Ein plötzlicher Todesfall" erfolgreicher geworden wäre, wenn J.K. Rowling ihn auch schon unter einem Pseudonym veröffentlicht hätte.

      viele Grüße

      Emma

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Den Textbaustein habe ich von Pergamentfalter übernommen.