Sonntag, 14. September 2014

Ge(h)fragt - Anna Bernstein






Hallo Anna, herzlich willkommen bei den Ge(h)Schichten. Erzähl doch etwas über Dich. Warum hast Du Dich ausgerechnet für das Autorendasein entschieden? Um was ging es in Deiner ersten Kurzgeschichte?


Hallo.:-)


Ich bin 25 Jahre alt und lebe mit meinem Partner, einer gemeinsamen Tochter und zwei Hunden in Berlin. Der Wunsch, Autorin zu werden, nahm im Jahre 2008 feste Gestalt an, als ich damit begann, meinen ersten Roman zu schreiben. Ich habe schon in der Grundschule viel geschrieben, hauptsächlich Pferdegeschichten. Als ich etwa acht Jahre alt war, schrieb ich meine erste eigene Geschichte über ein Mädchen, das allein in den Bergen lebte und drei Pferde besaß. Damals schrieb ich noch per Hand in ein DIN A5 Heft, das ich beklebt und bemalt habe, damit es aussieht wie ein richtiges Buch. Ich habe sogar mehrere identische Exemplare gebastelt, weil ich sie für Eine Mark verkaufen wollte. Das hat leider nicht geklappt. Zwischenzeitlich habe ich mich lange Zeit vom Schreiben verabschiedet und stattdessen viel gemalt – Mangas, Fotorealismus, sogar Ölgemälde auf Leinwand, ich habe viel ausprobiert. Ich habe das Spielen mehrerer Musikinstrumente erlernt, habe mir selbst beigebracht, Gitarre zu spielen und hatte Schlagzeug- und Klavierunterricht. Drei Jahre lang wollte ich unbedingt Rockstar werden und habe viele eigene Songs geschrieben. Doch dann hatte ich mit einem mal eine vielversprechende Idee für einen Roman und schrieb rund 600 Seiten in drei Monaten nieder. Ich glaube, das war der Moment, in dem ich zu mir gesagt habe: Das ist es. Das will ich machen. Ich will schreiben.


Dein erster Roman erscheint jetzt im September 2014. Um was geht es in dem Roman? Wie bist Du auf die Romanidee gekommen und wie lange hast Du an dem Projekt gearbeitet?

In „Götternacht“ geht es um eine junge Frau, die zu einem Volk gehört, das sich „Pferdeherren“ nennt. Sie beten einen alten Gott an, Chiron, und ehren ihn jedes Jahr zur Frühlingszeit mit einem Fest, in dem sämtliche Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Es ist ein wildes Fest, an dessen Geschehnisse sich niemand erinnern darf, darum nehmen die Pferdeherren einen Trank zu sich, damit sie die Ereignisse der Nacht vergessen. Meine Hauptprotagonistin, Leah, nimmt zum ersten Mal an diesem Fest teil. In ihren Träumen kehren die Erinnerungen jedoch zurück und sie erinnert sich an einen Mann, der ihr Herz gestohlen hat. Sie versucht, diesen Mann zu finden und stößt dabei auf ein Geheimnis, das ihre ganze Welt ins Wanken bringt.

Die Idee entwickelte sich, als ich mich zum ersten Mal mit meiner Agentin traf. Ursprünglich hatte ich mich mit einem anderen Manuskript beworben, aber das Thema war und ist momentan noch nicht reif genug. Stattdessen erzählte sie mir, dass Bastei Lübbe ein paar Ideen zu Geschichten hätte, die der Verlag gerne umgesetzt sehen würde. Es standen drei Themen zur Auswahl, wovon zwei schon an andere Autoren vergeben waren. Das letzte Thema lautete: „Etwas Romantisches mit ein bisschen Erotik. Frauen und Pferde sollten eine Rolle spielen, vielleicht sogar etwas Magisches. Etwas über das Pferdeflüstern, oder über Zentauren.“


Als ich „Zentauren“ hörte, war ich sofort angetan. Ich kenne keine Bücher mit Zentauren in der Hauptrolle und die Tatsache, dass sich ihrer noch niemand so wirklich angenommen hatte, reizte mich. Noch am selben Abend sprachen meine Agentin und ich in einem mehrstündigen Plotting über eine eventuelle Geschichte, die all diese Themen vereinte. Das war im November 2012. Im Dezember fing ich an, das Exposé, eine Kapitelübersicht und eine Leseprobe zu schreiben. Im Mai 2013 habe ich dann meinen Vertrag bei Lübbe unterschrieben, da hatte ich etwa 150 Seiten fertig. Den Rest schrieb ich bis Ende Juli 2013 fertig, der Roman ist jetzt etwas mehr als 400 Seiten lang.



Welcher Charakter gefällt Dir am besten? Hast Du auch schon mal einen Charakter erschaffen, den Du gar nicht leiden konntest?

Mein Lieblingscharakter aus „Götternacht“ ist Una, eine Freundin von Leah. Bei ihr handelt es sich um eine Frau, die in ihrer Kindheit etwas so Schreckliches sehen musste, dass sie davon wahnsinnig wurde. Ein zutiefst gebrochener und verstörender Charakter und einer meiner absoluten Lieblinge. Aber auch Aislinn, die Hüterin der Pferdeherren, gefällt mir sehr gut. Eigentlich mag ich alle meine Charaktere, selbst die, die ich eigentlich nicht mögen sollte, weil sie amoralisch und grausam sind. Noch habe ich keinen Charakter erschaffen, den ich wirklich hassen könnte. Vielleicht passiert mir das aber irgendwann. Das wäre bestimmt eine interessante Erfahrung.


Du bist bei einer Literaturagentur. Warum hast Du Dich für eine Agentur entschieden? Wie lange hat es gedauert, die passende Agentur zu finden?

Ich habe es lange Jahre auf die klassische Art versucht: Ein Exposé, eine Vita und eine Leseprobe schreiben und das alles dann an so viele Verlage wie möglich senden. Ich habe es sogar mal in einen sehr kleinen Verlag geschafft, der dann aber schloss, noch bevor mein Buch verlegt werden konnte. Ich stand auch schon in Verbindung mit einem größeren Verlag und habe mir große Hoffnungen gemacht, die dann zerschlagen wurden. Danach begann ich zu grübeln. Ich wollte unbedingt Schriftstellerin werden und ich wollte dieses Ziel um jeden Preis erreichen. Zu meinem Glück habe ich schon 2008 eine Autorin kennengelernt, deren Werdegang ich verfolgen konnte, weil wir damals unsere Manuskripte gegengelesen haben. Sie hatte es selbstständig in einen kleinen Verlag geschafft und dann, durch eine Literaturagentur, in einen großen Publikumsverlag. Von ihren Erfahrungen hat sie immer wieder berichtet und das hat mir sehr geholfen.

Eine Literaturagentur hat hervorragende Kontakte zu Verlagen und Lektoren. Sie wissen, welches Programm gut läuft und welcher Verlag gerade was sucht und können spezifisch Manuskripte anbieten. Die Manuskripte, die durch eine Agentur gehen, sind vorgeprüft, wodurch die Chancen bei einem Verlag erheblich steigen. Weiterhin handelt die Agentur Konditionen aus und macht in der Regel auch viel Pressearbeit. Ich würde jedem, der sein Manuskript an einen Verlag senden will, den Weg über eine seriöse Literaturagentur empfehlen. Eine Liste von Agenturen findet man zum Beispiel bei Uschtrin.


Die Literaturagentur Scriptzz, bei der ich unter Vertrag bin, war eine von vielen, die ich auf meiner Wunschliste hatte – ehrlich gesagt war sie sogar mein Topfavorit. Mir gefiel die Homepage sehr gut, auf mich machte sie einen frischen, verspielten und sehr transparenten Eindruck, der mich sofort begeisterte. Ich optimierte Exposé und Leseprobe und schrieb eine sehr freche Vita. Schon am nächsten Tag klingelte das Telefon und mir wurde gesagt, dass man mich vertreten will. Ich habe getanzt!


Als Dein Vertrag bei „Scriptzz“ dann unterschrieben war: Wie lange hat die Suche nach einem passenden Verlag gedauert?

Ich habe mich sehr rasch nach dem ersten Telefonat mit meiner Agentin getroffen. Dort begann auch gleich die grobe Ausarbeitung des Plots von „Götternacht“. Ein bisschen überrascht war ich schon, dass man mich, eine unveröffentlichte Autorin, ein Buch für einen so großen Verlag wie Bastei Lübbe schreiben ließ, aber mir war bewusst, dass man mich auch ablehnen konnte. Ich habe mich sehr angestrengt und dann am Jahresanfang 2013 Exposé, Kapitelübersicht und eine Leseprobe abgeschickt. Meinen Agenturvertrag unterschrieb ich im November 2012, meinen ersten Verlagsvertrag im Mai 2013. Der Kontakt zum Verlag wurde aber schon lange davor hergestellt.

Hast Du schon andere Autoren von Deiner Literaturagentur, oder dem Bastei Lübbe Verlag kennen gelernt?

Leider noch nicht persönlich. Mit zwei meiner Agenturkolleginnen habe ich jüngst an einer Anthologie geschrieben, die ebenfalls bei Bastei Lübbe erscheinen wird. Darauf bin ich schon sehr gespannt! Über soziale Netzwerke stehe ich in Kontakt mit einigen Agenturkolleginnen und Autoren. Ich hoffe, dass ich im Mai auf der Love Letter Convention in Berlin Britta Sabbag kennenlernen darf.

Was hältst Du von Portalen, wie beispielsweise „FanFiktion“? Kannst Du solche Portale empfehlen, um schon mal einen ersten Leserkreis um sich zu scharen?

Oh, ich liebe FanFiktion.de! J

Ich habe selbst vor über fünf Jahren dort zu schreiben begonnen und bin immer noch ein sehr aktives Mitglied. Ich habe dort auch wahnsinnig viel gelernt. Schreibarchive wie dieses sind eine tolle Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und seine Ideen mit Gleichgesinnten zu teilen. Man erhält Feedback zu den eigenen Geschichten und kann sich in Foren austauschen. Dabei erhält man viele Tipps, die einem helfen, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Schreiben erlernbar ist. Sprachbegabte Menschen haben es meist lediglich leichter, aber wenn man begeistert genug ist, kann jeder Schreiben lernen. Ich kenne sehr viele Menschen, die zuerst in Fanfictionarchiven geschrieben und mittlerweile den Sprung in einen Verlag geschafft haben. Manche haben sogar einen schier unglaublichen Weg hinter sich gebracht und sind Bestsellerautoren geworden.


Was möchtest Du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?

Ich denke das wichtigste ist, sein Ziel niemals aus den Augen zu verlieren und sich eine gesunde Portion Realismus anzueignen. Der Weg zum Ziel führt über viele kleine Etappen, die alle Aufmerksamkeit verdienen. Letztendlich ist auch der Buchmarkt ein florierendes Geschäft, das nach bestimmten Kriterien funktioniert. Wer realistisch, ehrgeizig, selbstkritisch, vorausschauend und leidenschaftlich genug ist und sich auf sein Ziel fokussiert, kann nahezu alles erreichen.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich hoffe sehr, dass Dein Erstling ein großes Leserpublikum erreichen und ansprechen wird. Vielleicht sehen wir dich ja auf der Buchmesse...

Ich freue mich, dass ich all diese Fragen beantworten durfte und bedanke mich ganz herzlich!

Kommentare:

  1. Huhu,

    Bin nun Leser bei dir geworden und freu mich auf weitere Post von dir :)

    LG Nadine
    http://missi100.blogspot.de/
    (Freu mich wenn du auch Leser wirst) :)

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    1. Hey,
      vielen Dank für die positive Bewertung beim Blog-Zug.
      Es freut mich sehr, dass dir die Reise gefallen hat und du die Fahrtstrecke nun öfters bestreitest :-).
      Bei dir werde ich in den nächsten Tagen auch mal vorbeischauen.

      Was die weiteren Posts betrifft: Da sind jede Menge geplant. Außerdem arbeite ich gerade an den Posts für den Jahresschreibmarathon.
      viele Grüße
      Emma

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