Dienstag, 21. August 2018

Der Schatten

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Der Schatten (auch als Buch erhältlich)
Autor: Melanie Raabe
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Melanie Raabe Fans und Menschen, die gerne Thriller lesen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Katja Bürkle und Melanie Raabe
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der Hörverlag

"Du bringst den Tod. Du weißt es nur noch nicht.

„Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Aus freien Stücken.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen. Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht ..." 


Meine Meinung 

Gestaltung
Diesmal hat sich das Team von der Hörverlag für die Gestaltung von Der Schatten etwas Ungewöhnliches einfallen lassen. Aber beginnen wir erst einmal von vorne:
Der Großteil von Der Schatten wird von Katja Bürkle gelesen. Katja Bürkle hat eine angenehme, etwas tiefere Stimmfarbe. Sie hat Nora, unsere Protagonistin in Der Schatten gut erfassen und darstellen können. Allerdings hat mich diesmal der Thriller-Effekt, den ich bei den anderen Geschichten der Autorin gespürt habe, nicht vollständig erreichen können, obwohl die Geschichte wirklich gut ist. Aber dazu später mehr.
Auf der Verlagsseite und dem Hörbuch war auch zu lesen, dass Melanie Raabe ebenfalls als Sprecherin in dem Hörbuch zu hören sein wird. Das machte mich zuerst etwas skeptisch, da Autoren zwar gut schreiben, aber nicht immer gut lesen können. Doch nachdem ich Katja Bürkles Interpretation kennengelernt hatte, machte die Skepsis einer Vorfreude auf Melanie Raabe Platz.
Melanie Raabes Stimmfarbe klingt etwas heller und ist daher eine tolle Ergänzung zu Katja Bürkle. Außerdem betont Melanie Raabe an den richtigen Stellen und hat eine tolle Lesegeschwindigkeit. Sie konnte mich mit ihrer Interpretation sehr gut erreichen. Ich hätte mir sogar noch mehrere Parts von ihr gewünscht, weiß aber auch, dass das aufgrund der Geschichte nicht möglich gewesen wäre.
Aber nun gibt es noch dieses Stilmittel, das mich unglaublich verwirrte. Es dauerte nämlich ziemlich lange, bis wir auf Melanie Raabe trafen. Immer wieder gab es Passagen, die von einer Stimme gelesen wurden, die weder nach Katja Bürkle noch nach Melanie Raabe klang. Aber wenn ich euch diese Stimme nun genauer beschreiben würde, müsste ich einen Spoiler Hinweis vor diese Rezension setzen. Also, lasst euch überraschen und schreibt mir in die Kommentare, was ihr von diesem Stilmittel haltet.
Das Stilmittel hat mich ziemlich fasziniert, sodass die Gestaltung an dieser Stelle einen vollen Punkt bekommt.

Inhalt / Spannung 
Mit dem Inhalt von Der Schatten verhält es sich etwas knifflig. Natürlich verrät der Klappentext, um was es in der Geschichte geht. Wir treffen auch ziemlich rasch auf die Bettlerin und ihre Botschaft. Doch es dauert ein bisschen, bis sich unsere Protagonistin Nora mit der Bettlerin befasst. Lange hält sie die Prophezeiung für die Worte einer verrückten, obdachlosen Frau. Doch nach und nach entsteht ein Motiv, weswegen Arthur Grimm den Tod tatsächlich verdient haben könnte. 
Nora wird immer mehr in eine Geschichte hineingezogen, die mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, als man zuerst vermuten würde.

Die Geschichte von Der Schatten braucht hier ein bisschen, bis sie in Gang kommt und bis wir langsam merken, wie Handlungsstränge verstrickt und wir als Leser verwirrt werden sollen. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mich der Thriller Effekt diesmal nicht ganz erreichen konnte. Für mich stand mehr Nora als Protagonistin im Vordergrund, auf die ich in den folgenden Absätzen noch weiter eingehen werde. Dennoch war es nicht so, dass ich das für mich fehlende Thrillerelement vermisst habe. Ich habe das Hörbuch innerhalb von Rekordzeit durchgehört, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Auflösung der Geschichte ist. Und wenn mich diese Frage zum weiterhören zwingt, ist das ein gutes Indiz dafür, dass Melanie Raabe in diesem Fall alles richtig gemacht hat.
Was mir besonders positiv im Gedächtnis geblieben ist, war Melanie Raabes Gestaltung der Auflösung. Wir erfuhren in einem Gespräch zwischen zwei Charakteren, was es mit der Geschichte auf sich hat. Hier wurden auch die wichtigen Fragen angesprochen, die uns als Leser plagten. Mir hat dieses Stilmittel hier sehr gut gefallen, weil Melanie Raabe hier keinen Inhalt vorkaut, sondern die Auflösung in ein Gespräch verpackt. Hier kommt dann neben der Auflösung auch der Aspekt hinzu, wie zwei Charaktere während eines Gespräches aufeinander reagieren. Wir haben hier also zwei Konfliktpunkte, wenn man das so nennen kann: Die Lösung der Geschichte und der Konflikt zwischen den zwei Charakteren.

Kommen wir zum Schluss noch zu Nora als Protagonistin. Schnell wird klar, dass Nora eine Einzelgängerin ist. Sie weiß, was sie will und traut sich auch, die dafür notwendigen Positionen zu vertreten. Und genau das sorgt dafür, dass sie oft aneckt, weil sie eben das sagt, was sie denkt. Und das ist leider nicht immer die Meinung der Gesellschaft.
Allerdings wird auch deutlich, dass Nora auch ein ziemlich einsamer Mensch ist und ihr Leben beinahe wie ein jahrelanger Kampf wirkt. Als Arthur Grimm als potentieller Verdächtiger ins Spiel kommt, wird ein Thema aus Noras Vergangenheit wieder aufgerollt, das sie am liebsten nie wieder angeschaut hätte. Und dieses Thema lässt ihre Selbstsicherheit bröckeln.

Schreibstil
Es ist schon etwas länger her, dass ich einen Roman von Melanie Raabe gelesen habe. Deswegen hatte ich diesmal den Eindruck, dass sich ihr Schreibstil irgendwie verändert und der Geschichte angepasst hat.
Die Autorin schafft es, Noras Härte in Worte zu fassen und bildhaft darzustellen. Gerade die Einsamkeit, die Nora umgibt, war sehr gut herausgearbeitet.
Dann kamen aber wieder die Elemente von Melanie Raabes Schreibstil hervor, die ich bereits kannte: Die Verstrickung von Handlungssträngen und der Eindruck, dass sich eine Schlinge langsam aber sicher zuzieht. Melanie Raabe versucht uns hier auf eine Seite zu ziehen. Eine Seite, die so deutlich dargestellt ist, dass sie gar nicht stimmen kann. Oder?

Gesamteindruck
Nachdem mir Melanie Raabes Debütroman Die Falle so gut gefallen hat, muss ich gestehen, dass ich mit einer bestimmten Erwartungshaltung an neue Geschichten der Autorin herangehe.
Der Schatten hat mir aufgrund seiner Auflösung ganz gut gefallen. Dennoch hätte ich gerne mehr von der Auflösung erfahren. Die offenen Fragen wurden zwar beantwortet, aber ich fand das eingeleitete Thema spannend und hätte gerne mehr darüber gehört oder gewusst, wie Nora sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass uns hier eine spannende Geschichte erwartet, die sich mit der Frage auseinandersetzt, was es braucht, um einen Menschen zu töten.

Sonntag, 19. August 2018

Tausend kleine Meere im Sommerlicht - Hörmonat Part 1

Guten Morgen Buchlinge,

etwas verspätet kommt nun der erste Teil meines Hörmonats online. In dieser Podcast Folge spreche ich über: Wir sehen uns am Meer von Dorit Rabinyan, Tausend kleine Lügen von Liane Moriarty und Gegen das Sommerlicht von Melissa Marr.

Ich wünsche euch gute Unterhaltung.




Inhaltsverzeichnis 

00:00 Min: Intro und kleine Frage
01:15 Min: "Wir sehen uns am Meer" Inhalt
02:12 Min: "Wir sehen uns am Meer" Hörprobe
06:28 Min: Meinung zum Hörbuch
10:30 Min: "Tausend kleine Lügen" Inhalt
11:43 Min: "Tausend kleine Lügen" Hörprobe
15:35 Min: Meinung zum Hörbuch
23:20 Min: "Gegen das Sommerlicht" von Melissa Marr
27:08 Min: Outro

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Wir sehen uns am Meer Quelle Hörprobe
Meine Rezension

Tausend kleine Lügen Quelle Hörprobe
Meine Rezension

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Donnerstag, 16. August 2018

Tausend kleine Lügen

Bild von Lübbe Audio
Steckbrief

Name: Tausend kleine Lügen (auch als Buch und Serie erhältlich)
Autor: Liane Moriarty
Verlag: Bastei Lübbe audio
Geeignet für: Menschen, die gerne gut verstrickte Thriller mögen
Gelesen oder gehört: gehört unklar ob gekürzt oder ungekürzt
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Bastei Lübbe Audio

"Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen. [...]"


Meine Meinung 

Gestaltung
Tausend kleine Lügen wurde von Bastei Lübbe Audio produziert. Leider ist weder auf der Verlagsseite noch auf dem Hörbuch die Info zu finden, ob es sich hierbei um eine gekürzte oder ungekürzte Fassung handelt. Inhaltlich glaubte ich, dass an einer Stelle ein zeitlicher Sprung war. Dieser hätte aber auch genauso gut im Buch vorkommen können, sprich, es muss nicht unbedingt eine Kürzung gewesen sein. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier etwas von dem Inhalt fehlte, kann aber wie gesagt nicht mit Sicherheit sagen, ob das Hörbuch gekürzt oder ungekürzt produziert wurde.

Luise Helm führt uns durch Tausend kleine Lügen und hier konnte die Sprecherin drei Facetten von sich zeigen:
Zum einen schlüpft sie hier in die Rolle verschiedener Kinder und muss die teils naiven, quengligen oder tieftraurigen Aussagen der Kinder in Worte fassen können.
Als zweites kann Luise Helm, eine verletzliche, unsichere Seite von sich zeigen.
Und zu guter Letzt zeigt Luise Helm, dass sie die Klatsch-und-Tratsch-Stimmen sehr gut umsetzen kann. In Tausend kleine Lügen gibt es immer wieder kurze Sequenzen in denen Dorfbewohner zu den Ereignissen im Dorf befragt werden. Und hier prallen verschiedene Welten aufeinander. Hier hat mich Luise Helm das ein oder andere Mal zum schmunzeln gebracht.

Ich fand es sehr angenehm, dass Luise Helm in ihrer Interpretation von Tausend kleine Lügen variieren konnte und die Geschichte nicht nach einem Munster interpretieren musste. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Charaktere auseinanderzuhalten. Das legte sich aber sehr schnell wieder.

Inhalt
Wir finden uns hier auf einer kleinen Halbinsel wieder. Hier kennt jeder jeden und es gibt jede Menge Klatsch und Tratsch. Die Geschichte steigt mit einer ungewöhnlichen Perspektive ein. Wir erleben, wie eine ältere Dame das Elternfest einer benachbarten Schule beobachtet. Und dieses Fest gerät ziemlich schnell außer Kontrolle.

Dann ändert sich die Perspektive und wir erfahren, dass Tausend kleine Lügen von hinten aufgerollt wird. Schnell wird klar, dass das Fest die Schlüsselszene der Geschichte darstellt. Was mich am Anfang etwas verwirrte, waren die Perspektivenwechsel. Die Frau, die wir noch am Anfang der Geschichte kennenlernten spielt im Laufe der Geschichte überhaupt keine Rolle mehr.

Kommen wir aber nun zurück zur Rahmenhandlung: Tausend kleine Lügen wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt. Jane ist alleinerziehende Mutter. Sie sucht in in dem Dorf einen Ort, an dem sie sich endlich mit ihrem Sohn niederlassen und sich etwas aufbauen kann. Dann erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Madeline, die selbst einmal alleinerziehende Mutter war und sich schnell mit Jane anfreundet. Madeline stellt Jane Celeste vor, die die dritte Protagonistin von Tausend kleine Lügen ist.

Inhaltlich wurden hier viele Themen angesprochen, die Mütter betreffen, wie beispielsweise Erziehungsfragen oder Eheprobleme. Und natürlich diese Klatsch-und-Tratsch Geschichten, die in Dörfern wahrscheinlich zur Tagesordnung gehören. Einerseits fand ich diese Konflikte interessant. Andererseits konnte ich gerade mit den Klatsch-und-Tratsch Geschichten nicht so viel anfangen. Dennoch zeigte sich schnell, dass es diese Verstrickung der Handlungsstränge braucht, um die Schlüsselszene des Hörbuches verstehen zu können.

Kommen wir nun noch einmal zu unseren drei Protagonistinnen: Madeline ist lebhaft und sagt, was sie denkt. Sie gehört zu den extrovertierten Müttern und hat es gerade deswegen nicht immer leicht. Schließlich wäre es manchmal schon ganz praktisch, Dinge einfach stehen lassen zu können und nicht immer etwas erwidern zu müssen, oder?
Celeste wirkt introvertiert und abwesend. Doch genau das hat einen Grund. Sie trägt ein Geheimnis mit sich herum. Ein Geheimnis, von dem sie lange nicht wahrhaben möchte, wie bedrohlich es wirklich ist.
Und zum Schluss haben wir noch Jane. Eine Frau, die schon früh lernen musste, sich durchzusetzen und für sich und ihren Sohn zu sorgen. Und als ihrem Sohn dann auch noch etwas vorgeworfen wird, weiß Jane gar icht mehr, wem sie noch glauben darf.

Spannung
Zu Beginn war die Kurve des Spannungsbogens sehr weit oben. Wir wussten, dass in diesem kleinen Dorf etwas Schreckliches passieren wird, das das Leben im Dorf vermutlich auf den Kopf stellt. Dann fällt der Spannungsbogen aber lange Zeit sehr stark ab, weil wir erst einmal unsere Protagonistinnen und das Leben im Dorf kennenlernen müssen. Hier spielten sehr viele Klatsch-und-Tratsch-Themen eine große Rolle, die teils interessant, aber auch zäh waren.
Einerseits kann ich mir gut vorstellen, dass sich viele Eltern bei den Beschreibungen der Szenerien wiederfinden, weil es sicher an einigen Schulen oder in einigen Dörfern so zugeht. Andererseits glaubte ich hier nicht wirklich zur Zielgruppe von Tausend kleine Lügen zu gehören.
Gegen Ende steigt der Spannungsbogen aber wieder an, da wir uns der Szene nähern, die zu Beginn des Romanes beschrieben wurde.

Schreibstil
Liane Moriarty erzählt Tausend kleine Lügen aus verschiedenen Perspektiven, die sich auch im Schreibstil der Autorin wiederspiegeln. Zu Beginn empfand ich die Geschichte als etwas unübersichtlich, weil viele Namen eingeführt wurden und nicht klar war, wer zu den Protagonisten und wer zu den Nebencharakteren der Geschichte gehörte. Nach und nach hatte ich aber Orientierung.
Gerade das Stilmittel der Interviewsequenzen hat mir sehr gut gefallen, da diese die Szenen noch einmal erklärten oder die Szene anhand der im Interview erwähnten Aussagen, noch einmal verdeutlicht wurde.
Und auch die Dialoge von Liane Moriarty haben mich sehr gut unterhalten.

Gesamteindruck
Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass der Fokus bei Tausend kleine Lügen mehr auf dem Krimi liegt und sich die Autorin mit der Frage beschäftigt, wer Opfer und wer Täter ist. Stattdessen wurde die Geschichte durch die verschiedenen Perspektiven unserer Protagonistinnen und deren Beziehungen zueinander bestimmt. Allerdings hat das zur Geschichte gepasst und es wurde deutlich, dass man die Motive der drei Frauen kennen musste, um die Bedeutung der Schlüsselszene verstehen zu können. Und von daher haben beide Handlungsstränge sehr gut zueinander gepasst. 

Montag, 13. August 2018

Wir sehen uns am Meer

Bild von Argon Verlag
Steckbrief

Name: Wir sehen uns am Meer (auch als Buch erhältlich)
Autor: Dorit Rabinyan
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Menschen, die tiefgründige Liebesgeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als autorisierte Fassung
Sprecher: Luise Helm
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"»Weißt du, eines Tages wird das Meer uns allen gehören ...«In der Heimat wären sie sich nie begegnet, aber durch einen Zufall lernt die israelische Studentin Liat in New York den Maler Chilmi kennen, der aus Ramallah stammt. Die beiden verlieben sich, doch Liat ist zwiegespalten, weil weder ihre Eltern noch ihre jüdischen New Yorker Freunde von der Beziehung erfahren dürfen. Und beide wissen: Wenn die Zeit in New York vorbei ist, wird auch diese Liebe, die eigentlich nicht sein darf, enden müssen.
Dieser berührende Roman einer unmöglichen Liebe wurde vom israelischen Erziehungsministerium im Januar 2016 von der Lektüreliste der Oberstufe gestrichen, was in der liberalen israelischen Gesellschaft zu einem Skandal wurde und auch in Deutschland ein starkes Presseecho hervorrief."


Meine Meinung 

Gestaltung 
Im Argon Verlag legt man bei der Hörbuchgestaltung sehr viel Wert auf Barrierefreiheit. Woran das liegt? 
Zum einen werden Produktionen im Daisy Format produziert. Keine Sorge, ihr könnt das Hörbuch auch auf normalen MP3 Playern hören, allerdings können dann die speziellen Funktionen nicht genutzt werden. Dank dem Daisy Format kann man nämlich nicht nur von Kapitel zu Kapitel springen, sondern auch von Satz zu Satz oder - wenn man das Hörbuch mit einem Gerät hört, dass das Daisy Format unterstützt - können auch Notizen zum Hörbuch hinzugefügt werden. 
Zum anderen befinden sich die Daisy Hörbücher in Hüllen, die mit Blindenschrift beschriftet sind. Das finde ich unheimlich praktisch, weil man, wenn man blind ist, problemlos das passende Hörbuch aus dem Bücherregal holen kann.
Allerdings gibt es da nur einen Nachteil: Die Daisy Hörbücher befinden sich nicht in normalen CD Hüllen, sondern haben das Format einer DVD Hülle. Das fand ich persönlich etwas schade, weil ich das Hörbuch so nicht in meinem CD Regal unterbringen konnte, weil es einfach zu groß war. Dabei lassen sich Punktschriftbeschriftungen auch auf kleineren Hüllen anbringen. 

Kommen wir aber nun zur Sprecherin: Wir sehen uns am Meer wird von Luise Helm gelesen. Kaum hatte ich mit dem Hörbuch begonnen, stellte ich irritiert fest, dass ich die Sprecherin kaum wiedererkannt hätte. Erst im März hatte ich Ein ganzes halbes Jahr gehört und dachte eigentlich, sie hätte den Großteil der Geschichte gesprochen. Dort kam mir ihre Stimmfarbe etwas heller vor. In Wir sehen uns am Meer, klingt ihre Stimmfarbe dunkler. Und ich hätte nicht gedacht, dass sich eine Stimmfarbe ja nach Produktion so unterscheiden kann.

Luise Helm stellt unsere Hauptcharaktere wunderbar dar und greift zudem die schwierige Situation auf, in der sich die beiden befinden. Einerseits erleben wir in Wir sehen uns am Meer eine junge Liebe, die aber auch von einer Schwere geprägt ist. Eine Last, die unsere Protagonisten nicht abschütteln können. Und das konnte Luise Helm glaubhaft darstellen. 

Inhalt / Spannung 
Liat und Chilmi lernen sich durch einen Zufall in New York kennen und verlieben sich beinahe auf den ersten Blick ineinander. Doch da gibt es ein großes Problem: Liat ist Israelin und Chilmi Palästinenser. Obwohl beide in Israel aufgewachsen sind, sind sie unterschiedlich sozialisiert worden und wissen genau, dass ihre Liebe in der Heimat nicht bestehen könnte. Was ihnen bleibt, sind drei gemeinsame Monate, die sie so gut wie eben möglich nutzen möchten. 

Hier begegnet uns eine Art moderne Version von Romeo und Julia. Allerdings wird Wir sehen uns am Meer nicht etwa von einem Familienkonflikt bestimmt. Liat und Chilmi wurden so sozialisiert, dass sie das Volk des jeweils anderen als Feind ansehen müssten. Und genau das sorgt immer wieder für Konflikte in ihrer Beziehung. 
Mir gefiel es sehr gut, dass neben der Liebesgeschichte auch noch ein gesellschaftlicher Konflikt in die Handlung eingebaut wurde. Ein Konflikt, der in unserer westlichen Kultur vor ein paar Jahrhunderten ebenfalls noch sehr präsent war. Katholiken und Protestanten in einer Beziehung wurde auch bei uns lange Zeit nicht gerne gesehen. 

Der Inhalt stimmte mich stellenweise sehr nachdenklich, weil hier sehr eindrücklich geschildert wird, was passiert, wenn Menschen unterschiedlich sozialisiert werden und es Konflikte gibt, die über Generationen weitergegeben werden. Dabei suchen beide Gruppen nach Frieden und dennoch ist es so schwer, eine gemeinsame Lösung für die Konflikte zu finden. 

Doch zwischen Liat und Chilmi steht nicht nur der gesellschaftliche Konflikt. Die beiden Protagonisten sind auch sehr gegensätzlich. 
Liat sucht nach Ordnung und Struktur. Ihr ist es wichtig, was Freunde und Familie über sie denken und so macht es sie unglaublich nervös, als sie ihre Beziehung zu Chilmi verheimlichen muss. Eine Beziehung, die sie nicht kontrollieren kann. 
Chilmi ist verträumt und sehr gefühlvoll. Während Liat ihr Leben organisiert, lässt sich Chilmi überraschen, was das Leben so für ihn bereit hält. 

Schreibstil 
Dorit Rabinyan erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Liat. Wir lernen also nicht nur Liats Gedanken kennen, sondern erfahren auch, wie sie Chilmi wahrnimmt. Und das sagt wiederum unbewusst viel über seinen Charakter aus. 
Immer wieder baut die Autorin Bedeutungen für hebräische oder arabische Wörter ein. Das fand ich persönlich sehr spannend, weil mir so fremde Kulturen und Sprachen ein bisschen näher gebracht wurden, ohne, dass es aufdringlich wirkte. 

Gesamteindruck 
Hinter Wir sehen uns am Meer verbirgt sich eine sehr tiefgründige Liebesgeschichte, die von der Frage geprägt ist, ob diese Liebe die gesellschaftlichen Konflikte überstehen kann und es doch noch ein Happy End für Liat und Chilmi gibt. Wer sich also für Liebesgeschichten interessiert, in denen nicht nur die Paarbeziehung im Vordergrund steht, sondern auch noch andere Konflikte thematisiert werden, sollte sich die Geschichte mal genauer anschauen. 

Sonntag, 12. August 2018

Never will I ever mit Isona und Skyara

Guten Morgen Buchlinge,

Isona und Skyara haben unsere Herausforderung angenommen und widmen sich in dieser Podcast Folge den Never will I ever TAG.

Vorsicht: Der TAG enthält Spoiler.

Wir wünschen euch gute Unterhaltung.



emion und meine TAG-Podcast Folge:

Das ist Skyara
Das ist Isona
Special Guest emion

Herausgefordert werden:
Lisas Bücherleben
Der Freiburger Bücherstammtisch

Die Fragen: 
1) Niemals werde ich es shippen
2) Niemals werde ich dieses Ende vergessen
3) Niemals werde ich ueber diesen Tod hinweg kommen
4) Niemals werde ich aufhoeren, wegen diesem Buch zu weinen
5) Niemals werde ich dieses Buch lesen
6) Niemals werde ich aufhoeren, dieses Buch zu feiern
7) Niemals werde ich dieses Buch verleihen
8) Niemals werde ich aufhoeren, diese Leute zu taggen


Und natürlich alle, die die Fragen gerne beantworten möchten.

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Wie soll der Freiburger Bücherstammtisch diese Herausforderung beantworten?
In einer Podcast Folge oder doch lieber in einem Artikel?

Schreibt es mir gerne in die Kommentare.