Montag, 20. November 2017

Selection (Band 1)

Bild von GoyaLibre
Steckbrief 

Name: Selection (auch als Buch erhältlich)
Autor: Kiera Cass
Verlag: GoyaLibre
Geeignet für: Menschen, die gerne Liebesgeschichten mit einem Hauch von Dystopie lesen
Gelesen oder gehört: gehört
Sprecher: Friederike Wolters
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von GoyaLibre)

"35 Mädchen - und nur eine von ihnen wird auser- wählt. Dieses Mädchen wird Maxon, den Thronfolger Illeás, heiraten und zur Prinzessin werden. Für die hübsche America Singer ist das öffentliche Casting die Chance, aus einer niederen Kaste aufzusteigen und ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Schließlich gibt es da noch Aspen, ihre erste Liebe. Während sich America im Palast fragen muss, wem sie dort vertrauen kann, kommt es außerhalb der Mauern zu Unruhen. Rebellen- gruppen versuchen mit allen Mitteln, die Monarchie zu stürzen..."


Meine Meinung 

Selection durfte ich bereits auf einigen Buchblogs oder Booktube Kanälen bestaunen. Im August ist die Reihe, die ursprünglich als Trilogie geplant wurde, mittlerweile aber fünf Bände enthält, auch bei mir einzogen.

Gestaltung 
Alle drei Bände werden von Friederike Wolters gelesen. Selection erzählt von einem Casting. Und da finde ich es besonders spannend, dass sich auch die Hörbuchsprecherin in einem Casting durchgesetzt hat. Die gelernte Buchhändlerin hat keine professionelle Sprecher Ausbildung. Dennoch habe ich ihr sehr gerne zugehört und finde dafür, dass es sich hierbei um ihre erste Lesung handelt, hat sie sehr gute Arbeit geleistet. Ich bin aber gespannt, ob sich im Laufe der Trilogie eine Entwicklung erkennen lässt.
Ihre Stimmfarbe ist sehr angenehm. Zudem transportiert sie die ernste Stimmung der Dystopie gelungen. Hier musste ich dann an Maria Koschny denken, der man die Stimmung einer Geschichte ebenfalls buchstäblich anhört.

Inhalt 
Das Setting von Selection ist wirklich spannend. Kiera Cass schafft hier keine Protagonistin, die unbedingt Prinzessin werden möchte. Americas Herz gehört eigentlich einem Anderen. Dennoch muss sie an dem Wettbewerb teilnehmen. Und zwar für ihre Familie. Doch nach und nach merkt sie, dass Prinz Maxon doch gar nicht so ist, wie zu Beginn vermutet.

Was mich an Selection gereizt hat war, das dystopische Element. Hier geht es nicht nur um eine banale Casting Reihe. Die Kandidatinnen erhoffen sich auch, aus ihrem alten Leben entfliehen zu können. Außerdem bekommen wir in Selection immer wieder mit, dass es im Königreich Spannungen gibt. Somit steht also nicht nur die Frage im Vordergrund, welches Mädchen sich am Ende Prinzessin nennen darf, sondern auch, ob die Konflikte innerhalb des Landes gelöst werden können.

Interessanterweise hat mich das lit.Love Wochenende Selection etwas besser verstehen lassen. Wir begegnen hier America, die zwar talentiert ist, aber keinesfalls perfekt scheint. Sie gehört einer niedrigen Gesellschaftsschicht an und weiß noch nicht genau, was sie von ihrem Leben will. Sie kämpft viel für Andere, droht dabei aber selbst auf der Strecke zu bleiben. Im Vergleich zu anderen Teilnehmerinnen des Castings hat sie weder Macht, Geld noch Einfluss. Dennoch hat sie Selbstbewusstsein und steht zu ihren Entscheidungen. Und das macht sie stark.

Auf der anderen Seite haben wir Prinz Maxon. Seine Eltern haben sich bei einem Casting kennengelernt. Und so wird beschlossen, dass auch er bei diesem Wettbewerb die Frau fürs Leben finden soll. Doch was soll diese Frau mitbringen? Was wünscht er sich von seiner zukünftigen Partnerin? Und lassen sich diese Wünsche und Hoffnungen mit seinen Anforderungen als Herrscher eines Königreiches vergleichen? Alle reden auf ihn ein. Doch was möchte Maxon wirklich?

Kiera Cass sorgt dafür, dass sich ihre Charaktere im ersten Band entwickeln und ich als Leser die Möglichkeit hatte, Charaktere ins Herz zu schließen, die ich am Anfang der Geschichte noch ziemlich dämlich und vergleichsweise hohl fand. Obwohl es sich hier um den Auftakt einer Trilogie handelt, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass ein Teil der Geschichte in sich abgeschlossen ist. Ich bin natürlich gespannt, wie es mit den Charakteren weitergeht, bin aber auch sehr dankbar dafür, dass das Buch nicht mit einem Cliffhanger endete.

Spannung 
Kiera Cass schafft hier ein tolles Setting. Neben der Frage, wer Prinzessin eines Königreiches wird, stellt sie auch Konflikte rund um unser dystopisches Land dar. Somit ist klar, dass es sich hier nicht ausschließlich um eine Liebesgeschichte handelt.

Schreibstil 
Kiera Cass hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Sie lässt Protagonistin America die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen. Der Großteil der Geschichte spielt sich im königlichen Palast ab. Daher fordert es hier auch eine gehobenere Ausdrucksweise, die ich hin und wieder echt gerne lese. Schön fand ich auch, dass Kiera Cass keinen Klatsch-und-Tratsch Schreibstil an den Tag legt.

Gesamteindruck 
Selection ist keine klassische Dystopie. Natürlich gibt es auch hier das herrschende System und die Rebellen, die sich gegenseitig bekämpfen. Im Zentrum der Handlung steht aber die Frage, wer Prinz Maxons Herz erobert. Und das ohne klassischen, schnulzigen Der-Bachelor-Effekt, den viele hin und wieder ganz nett finden, der mir aber auf Dauer zu oberflächlich wäre.


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Weitere Artikel 

Interview mit Friederike Wolters - HIER KLICKEN


Samstag, 18. November 2017

Verlage der Zukunft: Weitermachen wie bisher, oder?"



Hallo Buchlinge,

heute begrüße ich euch zum ersten Veranstaltungsbericht von der Frankfurter Buchmesse. 2017 waren wieder einige spannende Termine dabei .Ich hatte den Eindruck, dass die Veranstaltungsberichte den eigentlichen Messebericht sprengen und einzelne Veranstaltungen untergehen. Daher möchte ich euch diesmal einzelne Veranstaltungen in einzelnen Beiträgen vorstellen. Ich wünsche euch viel Spaß.

Wichtig: Wie das bei Diskussionen so ist, kam ich mit dem Mitschreiben nicht ganz hinterher. Daher kann es vorkommen, dass einige Inhalte von mir vergessen wurden. Außerdem kamen Co-Autorin Skyara und ich später dazu, sodass wir die Vorstellungsrunde der Experten verpasst haben.


Über die Teilnehmer 

Die Gäste arbeiteten zum einen in wissenschaftlichen und großen Publikumsverlagen. Hier wurden die Unterschiede der beiden Verlagsbranchen deutlich.


Inhalte der Veranstaltung 

Durch die Digitalisierung hat ein Verlag immer mehr Inhalte zur Verfügung, die an den Kunden gebracht werden müssen. Der Vorteil ist, dass diese Inhalte nun eben digital angeboten werden und nach Bedarf hergestellt werden können. Während man im Printbereich auf mehrere Titel setzen kann, geht es im digitalen Bereich darum, auf einen Titel zu setzen. Das Problem hierbei ist, dass man erst spät merkt, wenn der Titel keinen Erfolg hat.

Foto: A. Mack
Nun stellt sich die Frage, wer denn die Zielgruppe der Verlage ist. Denn das ist nicht so ganz einfach. So ist nicht immer derjenige der Kunde, der das Buch auch erwirbt. Bei wissenschaftlichen Verlagen beispielsweise sollen Studierende angesprochen werden. Allerdings werden die benötigten Fachbücher von den Bibliotheken eingekauft. Somit hat man nicht mit dem primären Kunden zu tun. Eine der Gäste erzählte sogar von einer Statistik in der es heißt, dass über 60% der gekauften Bücher nicht gelesen werden.
Wichtig für beide Verlagsgruppen sind Social Media Kanäle. Hier findet der Austausch mit der potentiellen Zielgruppe statt. Im Laufe der Diskussion wurde die These aufgestellt, dass man den Inhalt auf Social Media Kanälen lieber kurz und knapp halten solle.

Zudem tauchte die Frage auf, wer bei den Verlagen im Vordergrund stehe: Der Autor oder der Inhalt des Werkes? Hier wurde dann erklärt, dass es nicht darum gehe, die Produkte neu zu erfinden, sondern die Zielgruppe anzusprechen, womit wir wieder beim Punkt der Zielgruppenfindung wären. Es ist vor allem wichtig, dass die Verlage nicht vergessen, wo ihre Wurzeln sind und woher sie eigentlich kommen, fand eine Teilnehmerin. Außerdem müssen die Produkte gemeinsam mit dem Kunden entwickelt werden.

Und natürlich durfte auch nicht vergessen werden auf Verlagsautoren und Selfpublisher einzugehen. Es wurde die These in den Raum gestellt, dass Selfpublisher ganz andere Dienstleistungen von einem Verlag verlangen könnten als Verlagsautoren. Es wurde aber nicht weiter erläutert, wie sich diese Dienstleistungen voneinander unterscheiden.
Gegen Ende wurde deutlich, dass jeder im Verlag wissen müsse, was es mit dem Produkt auf sich habe, welches vermarktet werden soll. Zudem gibt es immer noch idealistische Vorstellungen von der Verlagsarbeit. So ist nicht in allen Häusern der Lektor ausschließlich mit der Arbeit an einem Text beschäftigt. In vielen Verlagen ist der Lektor auch ein Allorunder. Er muss zum einen wissen, wie ein Produkt funktioniert und sich auch in Sachen Marketing auskennen. In einigen Häusern versteht sich der Lektor auch als Vermittler von verschiedenen Abteilungen.
Es gibt einige Verlage in denen manche aus dem Team die Funktion des Kunden übernehmen und das Projekt von außen anschauen.


Meine Gedanken zur Diskussion 

In meinem Studium habe ich Grundlagen zum Marketing oder Projektmanagement vermittelt bekommen. So erzählte unser Dozent von Manager Peter Drucker. Der Manager stellte eine Menge interessanter Thesen auf. So meinte er beispielsweise, dass man als Manager nicht alles können muss, sondern sich lieber einen Teil herauspickt und diesen gut macht. Zudem lieferte er einige Antworten auf die in der Diskussion thematisierten Fragen.

Als Probleme thematisiert wurden, musste ich an die Leitsätze nach Drucker denken und war erstaunt, dass diese den Teilnehmern nicht bekannt seien oder in der Praxis offenbar so schwierig umzusetzen sind. Zudem erstaunte mich, dass in der Diskussion grundlegende Dinge thematisiert wurden. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass diese Bausteine im Verlag feste Säulen sind und quasi nicht mehr daran gerüttelt wird, weil man die Formel zur Produktvermarktung bereits erkannt habe. Dass es aber bei jedem Buch Unterschiede gebe und man sich im Grunde ständig neu erfinden müsse, war mir vorher nicht klar.

Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass bei der Diskussion vielleicht neue Methoden besprochen werden. Stattdessen hatte ich den Eindruck, dass es im Laufe des Gespräches keine Lösung für die Frage nach der Verlagsarbeit gab.

Donnerstag, 16. November 2017

Mein Leben

Steckbrief 

Name: Mein Leben (auch als Buch und Film erhältlich) 
Autor: Marcel Reich-Ranicki
Verlag: der hörverlag 
Geeignet für: Literaturliebhaber, Menschen, die sich für Biografien interessieren oder die gerne etwas über das Thema zweiter Weltkrieg lesen 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung 
Sprecher: Marcel Reich-Ranicki 
Bewertung: 2 von 5 Punkten


Klappentext 


"Heute kennt man Marcel Reich-Ranicki vor allem als wortgewaltigen Kritiker, der über viele Jahre mit der ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" Literatur einem breiten Publikum nahe brachte. In seinen Memoiren lernt man ihn als einen Menschen kennen, dessen Schicksal eng mit dem bedrückendsten Teil der Geschichte dieses Jahrhunderts verknüpft ist. Wie Reich-Ranicki seine Kindheit in Polen schildert, seine Jugend im Berlin der Weimarer Zeit, die Erlebnisse seiner Deportation nach Polen, die Begegnung mit seiner Frau Tosia am Anfang des Krieges, das Warschauer Ghetto, die Rückkehr nach Deutschland, das alles lässt nicht wieder los." 


Meine Meinung 

Marcel Reich-Ranicki war mir schon früh ein Begriff. Er trat - zumindest kam es mir so vor - häufig in Fernsehsendungen auf und ich brachte ihn auch schnell mit der Literatur in Verbindung. Vor einer Weile habe ich dann die Verfilmung seiner Biografie gesehen und fand seine Lebensgeschichte sehr interessant. Im Vordergrund stand hier nicht nur die Liebe zur Literatur, sondern auch das Aufwachsen im Dritten Reich. Er selbst war Jude und wurde mit seiner Familie in das Warschauer Ghetto umgesiedelt. 
Da Verfilmungen aber Bücher aber nicht immer 1:1 wiedergeben, wollte ich unbedingt seine Biografie lesen. 

Marcel-Reich Ranicki liest seine Biografie selbst. Zum einen ist das natürlich verständlich, da es sich ja um sein Leben handelt und es auch komisch wäre, die Geschichte von jemand anderem vertont zu hören. Andererseits kam ich mit Marcel Reich-Ranicki als Sprecher nicht so ganz klar. Er hat eine Stimme mit Wiedererkennungswert und ich höre ihm auch gerne zu. Dennoch konnte mich seine Vorlesestimme leider nicht fesseln. Ich musste mich sehr konzentrieren, ihm inhaltlich folgen zu können. 

Das, was Ranicki über sein Leben erzählte, war aber fesselnd. Seine Liebe zur Literatur beginnt mit Schillers Die Räuber. Schnell verschlang er ein Stück nach dem anderen. Die Verwandtschaft machte sich schon Sorgen, dass aus ihm nichts Richtiges werden würde. Dann werfen die historischen Ereignisse einen Schatten auf seine Biografie. Reich-Ranickis Familie wird aus Berlin nach Warschau vertrieben. Sie müssen sich nicht nur den neuen Lebensumständen anpassen, sondern auch um das Überleben kämpfen. 

Leider - vielleicht ist es aber auch nur Interpretation meinerseits - kamen mir hier die Kürzungen der Biografie dazwischen. Ich hatte eigentlich gehofft, dass Marcel Reich-Ranicki auch beschreibt, wie er nach dem Krieg zu einem der angesehensten Literaturkritikern wurde. Ich finde es natürlich sehr spannend zu lesen, wie er den zweiten Weltkrieg erlebt hat. Dennoch passierten mir hier einige Sachen auch zu schnell. Es gab abrupte Szenenwechsel und ehe ich es mich versah, hatte ich das Hörbuch auch schon beendet. Marcel Reich-Ranicki hat eine tolle bildhafte Sprache, allerdings hätte ich mir gerne mehr Hörminuten gewünscht, um seine Geschichte noch besser verstehen zu können. 

Zusammenfassend lässt sich aber sagen: Wer seine Liebe zur Literatur ausbauen möchte, etwas über Klassiker lernen will und sich nebenbei noch für Geschichte interessiert, sollte unbedingt einmal zu Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki greifen. 


Montag, 13. November 2017

Solange du atmest

Bild von der hörverlag
Steckbrief 

Name: Solange du atmest (auch als Buch erhältlich)
Autor: Joy Fielding
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Krimi-Fans, oder Leser, die gerne Familiengeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Petra Schmidt-Schaller
Bewertung: 2 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Spitzenspannung von der Meisterin." BRIGITTE

Robin, die jahrelang keinen Kontakt mehr zu ihrer ziemlich kaputten Familie hatte, erfährt, dass jemand auf ihren Vater, seine neue Frau Tara und deren Tochter Cassidy geschossen hat. Tara erliegt kurz darauf ihren Verletzungen. Als Cassidy im Krankenhaus zu Bewusstsein kommt, wendet diese sich sofort an Robin – so wie ihre Mutter eindringlich geraten hatte. Robin ist klar, dass es viele Menschen gibt, die einen Grund hätten, ihren Vater zu hassen, oder war es wirklich jemand aus der Familie? Und was für ein Monster schießt auf eine Zwölfjährige?"


Meine Meinung 

Ich habe bisher nur ein Buch von Joy Fielding gelesen. Und das hat mich so geprägt, dass ich die Autorin jahrelang gemieden habe. Nicht etwa, weil sie schlecht schreibt, sondern weil mein Kopfkino recht ausgeprägt war. Nachdem ich die Hörprobe zu Solange du atmest gehört habe, hoffte ich auf einen packenden Thriller. Die Betonung liegt wohl auf hoffte...

Gestaltung
Petra Schmidt-Schaller liest wirklich toll. Sie war wohl der Hauptgrund warum ich die Geschichte nicht zum Teufel gejagt habe. Petra Schmidt-Schaller zeigt in Solange du atmest, dass sie sowohl die leisen als auch die lauten Töne beherrscht. So gibt es auf der einen Seite Protagonistin Robin, die sehr sensibel scheint. Ihr verleiht Petra-Schmit Schaller eine weiche, fast zerbrechliche Stimme. Auf der anderen Seite haben wir Robins Schwester Melanie, die das Leben gezeichnet hat. Ihr Umgangston ist schroff und von Zynismus geprägt. Da kommt Petra Schmidt-Schallers harte Stimme zum Einsatz. Gerade die Dialoge zwischen den beiden Schwestern transportierte sie sehr stark. Diese Stellen haben mir mit am besten gefallen.

Inhalt / Spannung 
An sich ist die Handlung der Geschichte schnell klar: Robins und Melanies Vater und dessen neue Familie - seine Frau und die Adoptivtochter - werden im eigenen Haus angeschossen. Vermutlich handelt es sich um einen bewaffneten Raubüberfall. Robin hatte nicht vor, ihr Heimatdorf in nächster Zeit zu betreten. Doch aufgrund der Ereignisse bleibt ihr keine andere Wahl. Als Cassidy, das 12-jährige Mädchen, im Krankenhaus zu sich kommt und sofort nach Robin verlangt, wird diese unweigerlich in die Geschichte hineingezogen.

Leider wird die Suppe hier wieder heißer gekocht, als gegessen. Die Handlung klingt zwar spannend, konnte aber nicht wirklich auf die Geschichte übertragen werden. Der Leser ist hier mehr ein Beobachter, erlebt die Geschichte aber nicht gemeinsam mit den Charakteren. Ich hatte eigentlich mit Thriller Elementen gerechnet. Diese waren ansatzweise aufgeführt, wurden aber nicht weiter ausgebaut. So wird beschrieben, wie labil Robin ist. Dennoch wird im Laufe der Geschichte nicht weiter darauf eingegangen. Ich dachte, dass es mit eines der Geheimnisse sei, die im Laufe der Geschichte gelöst werden würde.

Während mich die Handlung von Solange du atmest enttäuscht hat, haben es mir die Charaktere angetan. Robin, die sehr sensibel ist und nur möchte, dass die ständigen Sticheleien ihrer Schwester Melanie ihr gegenüber aufhören. Die Schwestern konnten sich noch nie leiden. Und Robin hat keine Kraft, sich zusätzlich noch Melanies Ärger auszusetzen. Doch hinter Melanies harter Schale steckt auch ein weicher, ziemlich gut vergrabener Kern. Ich kam gut mit ihren rauen Kommentaren zurecht und fand, dass Robin hier und da wirklich übertrieb.

Auch die Nebencharaktere, Kenny, ein Freund von Melanies Sohn Lendon, oder den Sheriff, der diesen Kriminalfall irgendwie lösen musste, mochte ich bis zu einem gewissen Grad ganz gern. Sie haben Solange du atmest ganz unterhaltsam werden lassen.

Schreibstil
Obwohl mich die Handlung von Solange du atmest nicht fesseln konnte, fand ich Joy Fieldings Schreibstil angenehm. Besonders die Dialoge zwischen den Schwestern haben mir gut gefallen. Allerdings neigt die Autorin in dem Buch dazu, ziemlich viel zu erzählen, anstatt uns die Situation gemeinsam mit den Charakteren erleben zu lassen. Außerdem deutet sie einige Sachen an, die sie dann aber nicht ausführt. Die Andeutungen fand ich spannend und hatte gehofft, dass diese aufgelöst oder im Laufe der Geschichte vertieft werden.

Gesamteindruck
Eigentlich hatte ich einen gruseligen Psychothriller erwartet. Stattdessen wird in Solange du atmest zwar eine gute, aber vergleichsweise harmlose Geschichte geboten, die ich eher dem Krimi zuordnen würde. Die Hörbuch Gestaltung hat mir hier sehr gut gefallen. Leider konnte die Handlung nicht ganz mithalten.


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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Freitag, 10. November 2017

Lesung mit Kai Meyer in der Buchhandlung Ludwig

Hallo Buchlinge,

heute möchte ich euch von der Lesung mit Kai Meyer erzählen. Die Veranstaltung habe ich dank dem November Veranstaltungskalender von Anka entdeckt. Eigentlich hatte ich bereits eine Karte für eine andere Lesung an diesem Abend. Dann habe ich mich spontan umentschieden und das keinesfalls bereut.

Obwohl mir der Veranstalter erlaubt hat, Fotos zu machen und wir auch ziemlich gute Sitzplätze hatten, wollte ich während der Veranstaltung trotzdem nicht auf die Kamera drücken, da es für mich eher diesen Zoo-Charakter gehabt hätte. Bei einem Konzert ist das irgendwie eine andere Sache. Da fällt es kaum auf, wenn jemand die Kamera auspackt. Von daher hoffe ich, dass euch der Bericht trotzdem gefällt.


Daten und Fakten 

Was: eine Lesung mit dem Autor Kai Meyer
Wann: Donnerstag den 09.11.17
Wo: In der Buchhandlung Ludwig
Preis: 4/6 Euro


Über den Autor 

Kai Meyer begann mit elf Jahren mit dem Schreiben. Seine ersten Geschichten orientierten sich an Büchern oder Filmen, die er selbst gerne las, bzw. gesehen hatte. Früh verkaufte er seinen ersten Artikel. Dann schrieb er einige Heftromane für Bastei Lübbe. Unter anderem hat er Folgen der Jerry Cotton Reihe geschrieben.
Seit Anfang der 90er Jahre ist Kai Meyer hauptberuflich Autor und hat bisher um die fünfzig Bücher veröffentlicht. Sein aktuelles Buch nennt sich Die Spur der Bücher und ist der erste Band der Vorgeschichte zu der Trilogie Die Seiten der Welt. Der zweite Band zu Die Spur der Bücher ist aber bereits in Planung und soll im Herbst 2018 erscheinen.

Kai Meyer
... im Web
... bei Twitter
... bei Facebook
... im Interview

Homepage zu Die Seiten der Welt.


Die Location 

Die Buchhandlung Ludwig ist eine kleine Buchhandlung um die Ecke von der Freiburger Universität und damit wirklich zentral gelegen. Bis Anfang 2017 war sie unter dem Namen Buchhandlung Schwanhäuser bekannt und ist auch noch im Internet darunter zu finden. Jedoch hat sich der frühere Besitzer Herr Schwanhäuser mittlerweile aus dem Buchhandel zurückgezogen. Daher gab es 2017 nicht nur einen neuen Namen für die Buchhandlung, sondern auch einen kleinen Umbau der Räumlichkeiten.


Der Coutdown 

Gemeinsam mit einem Bücherstammtisch Mitglied machte ich mich am Donnerstag Abend auf den Weg in die Buchhandlung. Da wir rechtzeitig vor Ort waren, konnten wir uns gut Plätze in der ersten Reihe sichern. Vor uns befand sich direkt der Sessel auf dem Kai Meyer später Platz nehmen sollte.

Langsam aber sicher füllte sich die Buchhandlung. Meine Begleitung blickte sich um und stellte fest: "Lauter Mädels, alle in unserem Alter." Die Zielgruppe war also klar.
Nach einer Weile fügte sie scherzhaft hinzu: "Und jetzt setz dich vorne hin und erzähle uns etwas über den Bücherstammtisch."
Ich erwiderte dann nur ganz cool, dass sie ja auf die Uhr schauen könne, wie lang es dauerte, bis man uns hinaus warf. Um kurz nach halb acht wurde Kai Meyer dann anmoderiert und es konnte losgehen.


Die Lesung 

Kai Meyer stellte die Vorgeschichte zu seiner Trilogie Die Seiten der Welt vor. In Die Spur der Bücher geht es um die Bibliomantin Mercy Amberdale, die einen Mord aufklären soll. Und das obwohl sie sich eigentlich auf das SAmmeln von Büchern versteht. Der Mord hat es aber in sich. Ein Buchhändler verbrennt in seiner eigenen Buchhandlung. Ohne, dass ein Stück Papier zu Schaden kommt. Da ist doch irgendetwas faul, oder?

Bild von Argon Verlag
Kai Meyer hat an diesem Abend aus zwei Kapiteln gelesen. Mercy Amberdale trifft sich mit einer rätselhaften Agentin, die vielleicht etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Die Frau scheint ziemlich unterkühlt. Doch als Mercy ihr einen Deal vorschlägt, der beiden Frauen zugute kommen könnte, wird sie neugierig. Doch was als Verhandlungsgespräch begann, entwickelt sich plötzlich zu einer kleinen Verfolgungsjagd in der die Frauen zusammenarbeiten müssen, um den Verfolgern zu entkommen.


Das Interview 

Bisher kannte ich es von Lesungen immer, dass der Abend auch moderiert wird. Hier fand eine Anmoderation statt, es wurde aber schnell klar, dass Kai Meyer den Abend selbst gestaltete. Während seiner Lesung unterbrach er sich kurz und wies darauf hin, dass wir uns schon mal Fragen überlegen könnten, da im Anschluss die Fragerunde stattfinden sollte.

Und hier kamen einige interessante Infos ans Licht. So berichtete Kai Meyer, dass er ursprünglich zum Fernsehen wollte. Er habe auch tatsächlich Drehbücher geschrieben, aber schnell feststellen müssen, dass beim Fernsehen unheimlich viele Leute mitreden wollen, was die Geschichte betreffe. So nannte er folgendes Beispiel: In einem Drehbuch sei es einmal um eine Gruppe traumatisierter Frauen gegangen. Diese seien vergewaltigt worden oder anderen Verbrechen zum Opfer gefallen. Der Drehort im Film sei ein Schloss mit einem Pool gewesen. Jemand aus dem Team fand, dass es eine super Idee wäre, eine Frauen-in-Bikini-am-Pool-Szene zu drehen. Da musste dann erstmal auf den Tisch gehauen werden. Die Pool Szene war vorhanden, die Frauen aber alle angezogen.

Leser fragen sich immer wieder, was aus Charakteren in Büchern geworden ist oder was diese gerade machen. Daher wollte eine Zuschauerin wissen, ob es Kai Meyer mit seinen Charakteren ähnlich gehe. Er habe zwar schon von diesem Phänomen gehört, stelle aber fest, dass es bei ihm nicht so sei.
Auf die Frage, ob es ihm schwer falle, Charaktere sterben zu lassen, kam ein klares "Nein überhaupt nicht", was für einiges Gelächter sorgte. Er erzählte aber auch, dass einige Leser ihm manche Tode übel nehmen.

Natürlich interessierte uns auch, wie er seine Geschichten plane. Er berichtete, dass er seine Romane bis ins kleinste Detail vorbereite. Diese Planung helfe ihm beispielsweise dabei, an unmotivierten Tagen am Ball zu bleiben und nicht auf die rettende Idee warten zu müssen. Er schreibe zuerst ein Expose, das nicht, wie üblicherweise 2-3 Seiten habe, sondern oftmals um die 40 Seiten umfasse. Hier beschreibe er die Handlung ziemlich detailliert. In seinen Büchern sind auch achtzig Prozent aus dem Expose enthalten.

Er erzählte außerdem, dass man als Autor zwar Handwerk lernen könne, aber das Talent für das Schreiben an sich mitgebracht werden müsse. Als Handwerk definierte er die Planung einer Geschichte, also das Aufbauen eines Spannungsbogens und Verstrickung der Handlungsstränge, sowie die Auseinandersetzung mit seinen Charakteren. Obwohl Kai Meyer zu den detaillierten Planern gehörte, stellte er klar, dass es nicht DIE Methode zum schreiben gebe. Er berichtete, dass er durchaus Autoren kenne, die einfach drauf los schreiben und sich von ihren Charakteren überraschen lassen. Er habe aber für sich festgestellt, dass diese Möglichkeit bei ihm nicht funktioniere. Übrigens: An einem Roman arbeitet er 4-5 Monate. Und das Manuskript wird in dieser Zeit zweimal überarbeitet.

Als es dann an das Signieren ging, fragte ich ihn noch, ob er auch Interviewanfragen von Blogger beantworten könne. Hier meinte er, dass er grundsätzlich nichts dagegen habe, ihm aber leider die Zeit fehle die Anfragen zu beantworten. Er habe immer noch zwei unbearbeitete Interviews zu Hause herum liegen und sei daher eher dazu übergegangen, die Anfragen abzulehnen. An dieser Stelle möchte ich daher die FAQ Seite auf seiner (oben verlinkten) Homepage empfehlen. Hier stehen viele grundlegende Fragen, die Kai Meyer bereits gestellt wurden. Und es gibt natürlich immer die Möglichkeit den Autor vor Ort bei einer Lesung zu beragen.

In meiner zweiten Frage wollte ich wissen, wie er an seinen Agenturvertrag gekommen sei. Hier berichtete er, dass sein Vorteil darin bestanden, vorher schon Buchverträge gehabt zu haben. Somit konnte er also schon etwas vorweisen und sei daher relativ schnell in einer Agentur untergekommen.

Und an dieser Stelle endet der Bericht zu der ersten Lesung dieses Jahr. Ich hoffe, der Bericht hat euch gefallen.