Mittwoch, 21. August 2019

Die Sturmschwester (Band 2)

Bild von der Hörverlag
Steckbrief
Name: Die Sturmschwester (auch als Buch erhältlich)
Autor: Lucinda Riley
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Riley-Fans und Leute die Reihen mögen
Gelesen oder gehört: gehört, als gekürzte Fassung
Sprecher: Sinja Dieks, Oliver Siebeck, Bettina Kurth
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext

"Der Wind und das Wasser, das sind die großen Leidenschaften in Allys Leben, die sie als Seglerin zu ihrem Beruf gemacht hat. Eines Tages stirbt überraschend ihr geliebter Vater Pa Salt, und Ally reist zu dem Familiensitz am Genfer See. Wie auch ihre fünf Schwestern wurde sie als kleines Mädchen von Pa Salt adoptiert und kennt ihre wahren Wurzeln nicht. Ihr Vater hinterlässt ihr aber einen rätselhaften Hinweis – die Biografie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Ally begibt sich auf Spurensuche in das raue Land im Norden. Sofort ist sie zutiefst fasziniert von der wilden Schönheit der Landschaft, aber auch von der betörenden Welt der Musik Edvard Griegs, die sich ihr dort eröffnet. Und als sie schließlich dem Violonisten Thom begegnet, der ihr auf unerklärliche Weise vertraut ist, fängt sie an zu ahnen, dass ihre jugendliche Liebe zur Musik kein Zufall war ..." 


Meine Meinung 
Als ich vor einer Weile den ersten Band der sieben Schwestern Reihe von Lucinda Riley gehört habe, fand ich die Geschichte zwar nett, aber auch nicht so gut, dass ich auf der Stelle wissen musste, wie es mit den Schwestern weitergeht. Ich entdeckte die typischen Stilmittel von Lucinda Riley - ein Familiengeheimnis und eine ordentliche Portion Herzschmerz -, die ich hin und wieder echt gerne lese, aber die für mich eher eine Lektüre für zwischendurch sind. Dennoch schlummerte Die Sturmschwester schon eine Weile auf meinem Stapel ungehörter Hörbücher. Neulich entdeckte ich dann einen Post bei Instagram in dem von dem Titel geschwärmt wurde. Also war meine Neugier geweckt. 

Inhalt
Wir lernen hier die zweite der sieben Schwestern kennen, nämlich Ally. Sie ist Berufsseglerin und fühlt sich auf dem Wasser zu Hause. Doch dann passiert etwas Tragisches, das dafür sorgt, dass sie vorerst genug vom Meer hat. Da auch Ally adoptiert wurde, hat ihr Vater ihr Hinweise hinterlassen, wie sie ihre Familie finden kann und zwar unter anderem ein Buch. Und hiermit beginnt die Geschichte in der Geschichte. 

Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass Lucinda Riley hier neue Facetten von sich zeigen kann. Der Großteil von Die Sturmschwester erzählt nämlich von der Geschichte in der Geschichte, also dem Buch, welches Ally vererbt bekommt. Hier begleiten wir eine junge Sängerin, deren Talent nur durch Zufall entdeckt und auch gefördert wurde. Doch ist sie sich lange nicht sicher, wo ihr Platz auf der Welt ist und vor allem, wer es wirklich gut mit ihr meint. 
Die Geschichte in der Geschichte fand ich beinahe spannender, als die Gegenwart, in der es um Ally ging. Dennoch hat es Lucinda Riley geschafft, Allys Charakter so gut herauszuarbeiten, dass wir sie trotzdem begreifen können, obwohl wir sie, im Vergleich zum anderen Handlungsstrang, verhältnismäßig wenig erleben. 

Was mich aber an dem Hörbuch störte, war der abrupte Abbruch des Handlungsstranges mit der Sängerin. Hier erfahren wir zum Schluss, dass eine wichtige Szene bevorsteht, von deren Ausgang uns aber nur von Dritten erzählt wird. Das war mir persönlich etwas zu leicht gelöst. Dennoch war der Sprung nötig, da die Parallele zu Ally gezogen werden musste und das nur möglich gewesen wäre, wenn man diesen Handlungsstrang von Grund auf anders aufgebaut hätte. 

Dennoch war ich überrascht, dass sich Lucinda Riley beim zweiten Teil der Reihe eine Art neues Stilmittel einfallen lässt und nicht sieben Bände lang eine Geschichte mit einem ähnlichen Strickmuster erzählt. Auch was die Konflikte in der Geschichte betrifft, stellt sich die Autorin hier neuen Themen: Im Mittelpunkt stehen vor allem die Migration und die Rolle der Frau im Beruf. 
Ally hat sich eine Leidenschaft ausgesucht, die von Männern dominiert wird. Das hat sie hart werden lassen. Schließlich muss sie sich in ihrem Beruf, der von Männern dominiert wird, behaupten können und glaubt, nur akzeptiert zu werden, in dem sie kühl und sachlich bleibt. 
Die junge Sängerin muss ihr Heimatland verlassen und findet sich in einem Land wieder, in dem sie nicht nur auf sich gestellt ist, sondern auch große, sprachliche Probleme hat. Was mir hier sehr gut gefallen hat, ist dass Lucinda Riley deutlich gemacht hat, dass Sprache der Schlüssel zur Kommunikation ist. 

Kommen wir nun zur Gestaltung des Hörbuchs. Leider wurde die Geschichte nur als gekürztes Hörbuch produziert. Auch bei dieser Geschichte bin ich wirklich neugierig und hätte gerne gewusst, an welchen Ecken Kürzungen vorgenommen wurden. Auf der Website des Hörverlags wird uns verraten, dass die Geschichte von drei Sprecher*innen gelesen wird. Allerdings sind die Teile, in denen sie zum Einsatz kommen, nicht unbedingt gleichmäßig aufgeteilt, was aber vor allem an den Charakteren liegt, die sie interpretieren. 
Ally wird von Sinja Dieks gesprochen. Wir lernen sie bereits am Ende des ersten Bandes dieser Reihe kennen. Sie hat eine helle Stimme, die noch sehr jung klingt. Sie arbeitet Allys Charakterzüge, die Reserviertheit gegenüber Fremden, aber auf der anderen Seite die Vertrautheit Personen gegenüber, die sie liebt, sehr gut heraus. 
Der Großteil der Geschichte wird aber von Oliver Siebeck gelesen. Ich habe erst ein bisschen gebraucht, um mich an seine Stimmfarbe zu gewöhnen. Er hat eine dunkle, aber recht dünne Stimme. Als aber klar war, wohin die Reise in dem Handlungsstrang geht, der von ihm gelesen wurde, war mein Interesse für die Geschichte geweckt und ich fand es spannend zu hören, wie er die unterschiedlichen Charaktere interpretierte, die in diesem Handlungsstrang auftauchten. 
Bettina Kurth lernen wir erst in den letzten Minuten der Geschichte kennen. Sie wird uns im dritten Teil dieser Reihe begleiten und die Rolle von Allys Schwester Star lesen. Von Star habe ich einen teils zerbrechlichen, aber auch sehr starken Eindruck. Sie weiß, wie sie auf Andere wirken muss, bleibt sich aber treu. Dennoch finden wir schnell heraus, dass es eine Situation gibt, die sie offenbar belastet. Und all diese Facetten hat Bettina Kurth innerhalb weniger Minuten herausgearbeitet. 

Was mir an Lucinda Rileys Schreibstil aufgefallen ist, ist das sie einerseits sehr viel erzählt, aber andererseits manches zwischen den Zeilen erzählt, was für uns Hörer*innen dann offensichtlich scheint, aber was die Charaktere der Geschichte erst noch herausfinden müssen.
Sie beschreibt zwar die verschiedenen Facetten von Liebe, aber ohne, dass wir vor dem Hörbuch sitzen und mit den Augen rollen, weil wir von Kitsch umgeben sind. Das hat mir hier wirklich gut gefallen. 

Gesamteindruck 
Ich bin positiv überrascht, weil ich eigentlich geglaubt hatte, Lucinda Rileys Strickmuster durchschaut zu haben und immer wieder feststelle, dass es offenbar doch nicht so ist. 
Was mir hier sehr gut gefallen hat, war die Verstrickung der Handlungsstränge und die Auseinandersetzung mit immer noch aktuellen Themen, die aber subtil in die Geschichte eingeflochten wurden. 

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Weitere Bände 

Sonntag, 18. August 2019

5 Jahre Ge(h)Schichten - Vom Anfang und Jetzt



Gesicht einer Frau, die ihr Kinn
in die Hand gestützt hat. Vor ihr 
eine Gedankenblase 
in der "Ge(h)dacht" steht
Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

diejenigen unter euch, die hier schon sehr lange mitlesen, werden wahrscheinlich bemerkt haben, dass Ge(h)Schichten am achten August den fünfjährigen Geburtstag gefeiert hat. Da dachte ich mir, dass es mal an der Zeit ist, auf die letzten fünf Jahre zurückzublicken und vielleicht auch darüber nachzudenken, was ich mir für die Zukunft wünsche.
Lassen wir uns also überraschen, wohin die Reise mit diesem Artikel geht. 


Startschuss im August 2014: 
Alle guten Dinge sind drei
Was war vor Ge(h)Schichten? 
Buchlinge, heute lüfte ich ein Geheimnis. Ge(h)Schichten ist nicht mein erster Blog. Mit dem Bloggen habe ich bereits 2011 begonnen, damals aber noch unter einem anderen Blognamen. Ich bloggte so vor mich hin und ahnte nicht, dass es da draußen noch andere Buchblogger*innen gibt. Irgendwann wurde es mir dann zu blöd, den Blog alleine zu befüllen und ich suchte andere Blogger*innen, mit denen ich gemeinsam einen Blog betreiben wollte. So erhoffte ich mir nicht nur eine Regelmäßigkeit in der Veröffentlichung von Beiträgen, sondern auch einen Austausch über gute Geschichten und bloggerspezifische Themen. Doch das Projekt endete genauso schnell, wie es begann und schließlich landete ich dann bei diesem Blog und fragte mich, wie lang ich wohl diesmal dran bleiben würde. 


Alter Header: Roter Hintergrund, links Welle,
rechts ein Stapel mit Büchern in der Mitte
der Schriftzug Ge(h)Schichten)
Foto: A. Mack
Ein cooles Design und ein zeitloser Name
Mit der Namensfindung habe ich mich tatsächlich sehr schwer getan. Ich habe ziemlich lange gebrainstormed und fleißig mit anderen Leuten über mögliche Titel diskutiert. Einerseits war es mir wichtig, dass man gleich im Namen erkennt, dass es auf dem Blog inhaltlich hauptsächlich um Literatur gehen soll. Andererseits gab es 2014 bereits richtig viele Blogs und somit waren die meisten Wortspiele um die Wörter Buch und Literatur schon verbraucht. Als ich emion 2018 ein Heft von der Love Letter Convention mitbrachte, in der die anwesenden Blogger*innen vorgestellt wurden, meinte sie nur: Zum Glück steckt in Deinem Namen keine Welt mit Büchern
Letztendlich kam der Vorschlag für den Namen Ge(h)Schichten von der Grafikerin und mir gefiel das Wortspiel auf Anhieb sehr gut.

Nachdem der passende Name also gefunden war, fehlte noch das richtige Design. Hier kam ebenfalls die Grafikerin ins Spiel. Sie bastelte eine Menge Entwürfe und ich entschied mich schließlich für einen roten Hintergrund und ein Design, das noch auf keinem anderen Blog zu finden war. Damals war mir der farbige Hintergrund sehr wichtig, da er es mir ermöglichte den Text auf meinem Blog gut lesen zu können. Weiße Hintergründe blendeten mich 2014 bereits und mir war damals nicht bekannt, dass man unter den neuen Betriebssystemen ganz einfach eine Farbinvertierung ein- und abstellen konnte. Mir war es wichtig, dass andere Sehbehinderte, die ebenfalls blendempfindlich sind, sich möglichst gut auf dem Blog orientieren können. (Funfact am Rande: Von einer nichtbehinderten Bloggerin wurde mir vor ein paar Monaten vorgeworfen, dass mein Blog nicht barrierefrei sei). 

Die ersten Co-Autoren 
2015 feierte emion in einer ziemlich großen Runde ihren Geburtstag. Da sie und Isona einen ähnlichen Freundeskreis haben, war auch Skyara unter den Gästen. Isona wusste natürlich von Skyaras Liebe zu den Büchern und sorgte kurzerhand dafür, dass Skyara meine erste offizielle Co-Autorin wurde. Bis das Ge(h)folge aber seinen jetzigen Namen bekam, strichen noch ein paar Jahre ins Land. Als mir die drei das Wortspiel eines Tages vorschlugen, stimmte ich begeistert zu, weil mir der Name wirklich gut gefällt und es schon ziemlich cool ist, ein Ge(h)folge zu haben, oder? 

Während ich mit meinem zweiten Blog eigentlich eine Plattform suchte, die ich gemeinsam mit anderen Buchbloger*innen gestalten sollte, war bei Ge(h)Schichten ganz klar, dass das Bloggen mein Hobby ist und ich somit die Hauptverantwortliche für den Blog bin. Das Ge(h)folge bringt sich viel hinter den Kulissen ein, fährt mit mir zu Veranstaltungen, damit ich im Anschluss darüber berichten kann, oder schreibt auch mal gelegentlich eine Rezension bzw. nimmt Podcast Folgen mit mir auf. Es gibt aber ganz klar Hobbys, die ihnen wichtiger sind, als das regelmäßige Bloggen. Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. 
Lange habe ich versucht, das Ge(h)folge regelmäßig in die Monatsrückblicke einzubinden, damit ihr, Buchlinge, auch merkt, dass ich hier eben nicht alleine vor mich hin blogge. Doch irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich versuche, etwas zu inszenieren, was überhaupt nicht da ist und das ich uns allen nur etwas vormache. Inzwischen frage ich mich nicht mehr so oft, wann ich von uns als Gruppe von Bloggerinnen und wann von mir als Betreiberin eines Blogs schreiben soll. Vor ein paar Jahren war das für mich deutlich schwieriger, weil ich das Ge(h)folge ja nicht ausschließen wollte. Obwohl das Ge(h)folge für euch nicht immer sichtbar ist, gehören sie für mich nicht nur dazu, sondern mir ist auch ihre Meinung zu bestimmten Themen, die den Blog betreffen, wichtig. . 


Themen von Ge(h)Schichten
Der Hörbuchblog: Segen oder Fluch? 
Während ich auf meinen ersten beiden Kanälen hauptsächlich über Bücher berichtete, verschob sich der Schwerpunkt schon vor Ge(h)Schichten ganz langsam aber sicher hin zum Hörbuch, was hauptsächlich damit zu tun hat, dass sich mein Sehrest verschlechtert hat und ich dank dem Hörbuch, Geschichten in derselben Geschwindigkeit verschlingen kann, wie ich das früher bei Printexemplaren geschafft habe. 
Über Hörbücher zu bloggen, erlebe ich mal als Fluch, mal als Segen. An sich macht es mir großen Spaß über Hörbücher zu berichten. Dennoch möchte ich den Blog ja nicht nur für mich betreiben, sondern über spannende Geschichten informieren, in der Hoffnung, dass die Titel bei möglichst vielen von euch einziehen. Im besten Falle natürlich als Hörbuch, aber wenn euch das eben nicht liegt, als Printexemplar.
Zu Beginn ging ich naiv davon aus, dass Leser*innen in meinen Rezensionen einfach den Teil über das Hörbuch überspringen könnten, wenn sie die Gestaltung nicht interessiert. Genauso mache ich das bei den Rezensionen über Printbücher, wenn es um das Buchcover geht. Um viele Leser*innen mit meinen Beiträgen abzuholen, spreche ich nicht von Büchern oder Hörbüchern, sondern von Geschichten. 
Dennoch habe ich gelegentlich den Eindruck, dass sich viele Leser*innen alleine schon durch das Wort Hörbuch abschrecken lassen und mein Blog so kategorisch rausfällt, wenn sie sich für einen Kanal entscheiden müssten, den sie verfolgen wollen. Es kann aber auch einfach daran liegen, dass es inzwischen viele gute Blogs gibt und ich somit eine von vielen Bloggerinnen bin. 

Gegenüber Hörbuchverlagen mache ich dagegen positive Erfahrungen, denn dort erlebt man ähnliches: Titel werden vielen Buchblogger*innen angeboten, doch man ahnt schon, dass viele Rezensionsexemplare ungehört bleiben. Bei einem Termin mit der Mitarbeiterin eines Hörbuchverlages wurde mir erzählt, dass Kolleg*innen aus den Buchverlagen hunderte Rezensionsanfragen pro Tag bewältigen müssen. Beim Hörbuch hingegen geht es da noch etwas ruhiger zu. 

Was ich wirklich schade finde ist, dass immer noch nicht alle Printbücher ein Hörbuch bekommen. Das ist mit ein Grund, weswegen ich Buchblogs in den letzten Monaten eher gemieden habe. Häufig ist es frustrierend, einen interessanten Titel empfohlen zu bekommen, aber dann herausfinden zu müssen, dass es eben kein Hörbuch dazu gibt, oder das Hörbuch nur über Audible erhältlich ist, was ich aktuell noch nicht nutze. Aber das ist im Grunde ein echtes Luxusproblem. 

Nicht nur Literatur 
Ich startete mit der Idee, auf diesem Blog hauptsächlich über Literatur berichten zu wollen. Doch schnell fand ich heraus, dass es nicht dabei bleiben sollte. Dennoch bezeichne ich mich als Hörbuchbloggerin, weil Literatur hier eben doch die größte Rolle spielt. Schließlich rezensiere ich nicht nur die beendeten Geschichten, sondern veröffentliche auch selbstgeschriebene Texte und berichte seit neustem auch über mein Autorenleben. 
Doch mir begegnen immer wieder Themen, die mit Literatur nicht viel zu tun haben, aber über die ich trotzdem schreiben möchte, weil ich es wichtig finde, darüber zu berichten. Das sind dann beispielsweise Artikel zum Thema Leben mit Sehbehinderung oder Blindheit, weil mir immer wieder dieselben Fragen gestellt werden oder mir auch Betroffene begegnen, die Austausch oder Informationen zu bestimmten Themen suchen; oder eben geschaute Filme, selten auch Serien, und Fernsehshows, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Und natürlich dürfen auch die Konzertberichte nicht fehlen. 


Meine Leser*innen bekommen einen Namen 
Bis 2017 wusste ich nie so recht, wie ich einen Blogbeitrag beginnen soll. Diese Formulierung Hallo ihr Lieben schien mir zu persönlich. Schließlich wusste ich ja nicht, wer den Blog verfolgt und ob ich wirklich alle als Lieben bezeichnen möchte. Aber mein obligatorisches Hallo in die Runde schien mir auch zu distanziert. Wenn ich meine Blogbeiträge verfasse, stelle ich mir nämlich immer vor, dass irgendwo da draußen Menschen vor ihren Geräten sitzen und das, was ich hier so schreibe, mit Interesse verfolgen. Nämlich genauso, wie ich das selbst bei anderen Blogger*innen mache, deren Kanäle ich schon seit Jahren besuche und die ich glaube dadurch über die Jahre etwas kennengelernt zu haben. 
Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau, wann es passierte, kam dann ein Geistesblitz über mich. Ich könnte auch sagen, ich hatte meinen Wickie-Moment. Fantasyleser*innen unter euch kennen wahrscheinlich Walter Moers Fantasyroman Die Stadt der träumenden Bücher. Hier erweckt der Autor die Buchlinge zum Leben. Wesen, die unter der Erde von Buchhaim, der Stadt der Bücher leben. Sie sind verrückt nach Büchern, lernen diese nicht nur auswendig, sondern verschlingen sie regelrecht. Jeder Buchling ist nach einem berühmten Autor benannt, den er verehrt. Der Name Buchlinge  schien mir mehr als perfekt. Schließlich hoffe ich, dass ihr genauso verrückt nach guter Literatur seid, wie ich. 


Ge(h)Schichten goes Social Media 
Schon oft habe ich davon berichtet, dass dank dem Eurovision Song Contest mein Interesse und inzwischen auch meine Liebe zu Twitter (Link führt zu meinem Twitter Account) entfachte. Lange wusste ich nicht, was ich von diesem Netzwerk halten sollte, weil es mich nervte, dass man von vorne herein eine Zeichenbegrenzung für die Postings bekam. Inzwischen macht die Zeichenbegrenzung einen der Reize für mich aus, Twitter zu nutzen. Kann ich das, was ich mitteilen möchte, präzise zusammenfassen, ohne, dass etwas von der eigentlichen Botschaft verloren geht? Bei Twitter finde ich nicht nur lustig, kreative Postings, sondern stelle fest, dass der Austausch in dem Netzwerk auch sehr gut funktioniert, womit ich definitiv nicht gerechnet hätte. 

2017 packte mich dann das Podcast Fieber. Seit Jahren verfolge ich einige Booktube Kanäle. Allerdings war mir schnell klar, dass mich das Videos drehen und schneiden überfordert. Wenn ich eine neue Baustelle eröffnen wollte, sollte es auch eine sein, die ich selbst bebauen konnte. Und so war die Idee, des Podcasts geboren. Leider muss ich feststellen, dass mir hier ganz klare finanzielle Grenzen gesteckt sind, da es mir aktuell nicht möglich ist, meinen Podcast über die üblichen Streamingdienste anbieten zu können.
Zudem war es mir auch wichtig, dass der Podcast ergänzend zu den Beiträgen auf meinen Blog entstehen soll. Der Blog sollte die zentrale Anlaufstelle für Hörbuchfans sein. Ich wollte nicht zu denjenigen gehören, die ihre Follower *innen indirekt dazu zwingen, alle Kanäle verfolgen zu müssen, um immer auf dem neusten Stand zu sein.
Ein großer Reiz bei der Produktion des Podcasts ist für mich, mich mündlich auszudrücken. An einem Beitrag kann ich stundenlang feilen und ihn noch einmal Korrektur lesen, bevor ich ihn online stelle. Bei einem Podcast möchte ich irgendwann auch ein Ergebnis haben und habe keine Lust einen Track zehn Mal aufsprechen zu müssen, bis ich mit dem Gesagten zufrieden bin. Es gibt Podcast Folgen, die mir richtig gut gefallen und ndere, mit denen ich in der Tendenz eher unzufrieden bin. 

Anfang 2018 packte mich dann der Instagram (Link führt zu meiem Profil) Virus. Ja, Buchlinge, die Frage, was Blinde in einem Netzwerk zu suchen haben, das auf Optik ausgelegt ist, scheint berechtigt. Diese Frage habe ich mir nämlich schon gestellt, seit der Instagram Trend ausgebrochen ist. Vor kurzem habe ich tatsächlich darüber nachgedacht, mein Konto wieder zu löschen, weil ich es leid war, ständig mithalten zu wollen. Dennoch gibt es dort einige Kanäle, die ich sehr gerne verfolge und ich habe festgestellt, dass mich niemand unter Druck setzt außer mir selbst. 


Bisherige Highlights 
Buchlinge, fünf Jahre mit einem Blog bringen natürlich auch jede Menge Highlights mit sich. Es wird nun Zeit, darüber zu berichten:

Kooperation mit dem Hörverlag 
Als ich Ende 2013 beschloss, hauptsächlich über Hörbücher zu berichten, fand ich schnell heraus, dass Blogger*innen Rezensionsexemplare bei Verlagen anfragen und Titel mit viel Glück kostenlos bekommen und nur rezensieren müssten. Also schrieb ich jede Menge Hörbuchverlage an und musste schnell erkennen, dass der Trend 2013 im Hörbuchbereich noch nicht angekommen war. Die einzigen Verlage, die auf meine Anfrage reagierten und mit denen ich auch heute noch eng zusammenarbeite, waren der Argon Verlag und der Hörverlag. Gerade mit letzterem entstand über die Jahre eine wirklich tolle Kooperation, die ich sehr schätze und mit der ich damals, als ich die erste Mail verschickt habe, definitiv nicht gerechnet habe. Und gerade am Anfang war viel Geduld gefragt, denn der Verlag erlebte mich unter allen drei Blogs und als ich schließlich zu Ge(h)Schichten umzog, hatte ich beinahe ein schlechtes Gewissen.
Wie ihr in den letzten Monaten bemerkt habt, arbeite ich nun auch enger mit dem Argon Verlag zusammen und habe mich unglaublich darüber gefreut, dass mir vom Verlag aus im April ein ganzes Hörbuchpaket mit fünf Titeln einfach so zugeschickt wurde.

Das erste unangefragte Rezensionsexemplar - Überraschungspost 
Eines Tages entdeckte ich bei YouTube eine Rezension zu Julia Engelmanns Debütroman Eines Tages, Baby. Ich hatte die Künstlerin das erste Mal als Schauspielerin in einer Soap gesehen und war daher wirklich neugierig auf ihr Buch. Doch dann dachte ich mir, dass sie als Debütautorin doch sicher kein Hörbuch bekommt und ich mich da wohl etwas gedulden musste. Anstatt zu recherchieren, beschäftigte ich mich mit anderen Titeln, bis eines Tages Post vom Hörverlag hereingeschneit kam und sich eine Ausgabe von Eines Tages, Baby darin befand. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie groß meine Freude war: Zum einen, weil an mich gedacht wurde und zum anderen, weil es tatsächlich ein Hörbuch von Julia Engelmanns Poetry Slam Texten gab.


Bild von Buchblog Award

Der erste Buchblog Award 
2017 startete der erste Buchblog Award. Es waren unglaublich viele bekannte und tolle Kanäle nominiert. Und mitten drin: Ge(h)Schichten. Zu Beginn der Abstimmungsphase waren die abgegebenen Stimmen noch für alle sichtbar und ich war wirklich positiv überrascht, dass ich hier auf über 256 Stimmen gekommen bin. Da viele bekannte Kanäle nominiert waren, rechnete ich damit, in der Masse eher unterzugehen. Obwohl um die 250 Stimmen auf den ersten Blick nicht viel sind, war es für mich ein leiner Erfolg, weil ich zum ersten Mal das Gefühl bekam, dass mein Blog gesehen wird.




Einen A4 Bücherstammtisch 
Flyer Aufsteller an einem
Tisch. Darunter liegen
kleine Flyer.
Foto: A. Mack
Kooperation mit der Buchhandlung Rombach und dem Literaturhaus Freiburg
Immer wieder erzählen Blogger*innen, dass sie Kooperationen mit regionalen oder überregionalen Buchhandlungen haben. Lange habe ich mich nicht getraut, Kontakte in die Richtung zu knüpfen, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Buchhandlungen ja auch etwas davon haben müssten und meine Reichweite bekanntlich sehr überschaubar ist.
Doch als ich 2016 den Freiburger Bücherstammtisch gegründet habe, habe ich mich schließlich nach ein paar Monaten ins Unbekannte gewagt: Denn wir brauchten nicht nur einen Raum zu einer möglichst günstigen Miete, sondern wollten auch neue Mitglieder*innen gewinnen. Seit 2017 können wir einen Raum nutzen, der uns über das Literaturhaus vermittelt wurde und seit Anfang 2019 liegen Flyer von unserem Bücherstammtisch in der Buchhandlung Rombach aus. Dank der Buchhandlung Rombach haben wir im September vielleicht die Autorin Lena Kiefer zu Gast und auch eine andere Kooperation ist gerade in Planung. Ich stelle also fest, dass ganz langsam, all das in Erfüllung geht, was ich mir schon sehr lange erträumt habe.


2019 alles neu? 

Kopfhörer zwischen denen ein
Stapel verschiedener Hörbücher
mit fiktiven Titeln steckt. Im
Vordergrund steht Ge(h)Schichten.
Bild von: A. Mack
Das Ge(h)folge klopfte schon vor mehreren Monaten an und bemerkte, dass sie gerne eine neue Schriftart für den Header hätten. Sehr lange habe ich diese Bitte ignoriert. Ich mochte bzw. mag das alte Design nach wie vor. 
Doch ich merkte, dass ich zwar einen zeitlosen Namen für den Blog gefunden hatte, das Design aber bunt daherkam. Da ich inzwischen herausgefunden hatte, wie ich auch am PC eine Farbinvertierung nutzen kann und damit rechnete, dass andere Sehbehinderte dieses nette Feature ebenfalls kennen, verabschiedete ich mich schließlich von dem roten Hintergrund. Kleiner Funfact am Rande: Für mich sah das Rot immer wie Lila aus. 
Diesmal sollte der Schwerpunkt also vor allem auf dem Header liegen. Da ich inzwischen kaum noch Bücher lese, schienen mir diese im Header etwas Fehl am Platz. Die Grafikerin stürmte also eines Tages in mein Zimmer, stellte sich vor mein Hörbuchregal, zog ein paar Titel heraus und bastelte uns daraus einen neuen Header. Das Tolle ist, dass einige meiner Lieblingstitel als Grundlage für den neuen Header gedient haben. 

Womit ich aber nicht gerechnet hätte war, dass das veränderte Design auch dafür sorgte, dass ich alle (!!!) Blogbeiträge dem neuen Design anpassen musste, was mich monatelang beschäftigte. Wenn ich also wirklich irgendwann mal zu WordPress umziehen sollte, muss ich mir wirklich überlegen, ob oder wie viele Beiträge ich wirklich mitnehmen möchte. Der ganze Aufwand war also ein deutlicher Grund, erst eimal bei Blogspot zu bleiben. 

Ein klein bisschen Professionalität 
Weil das neue Design gefühlt seriöser wirkt, sollte sich das auch in der Struktur und in den Beiträgen des Blogs wiederspiegeln. Ich verschob also ein paar Rubriken und steckte sie in den Über uns-Beitrag, was bei einigen Leser*innen, die nicht regelmäßig vorbeischauen, erst einmal für Verwirrung sorgte. Doch langfristig gesehen gefällt mir die Struktur echt gut. Was meint ihr? 

Außerdem habe ich bei einigen Blogger*innen einen Media Kit, eine Art Visitenkarte des Blogs, gesehen und mir gedacht: Sowas will ich auch. Hierhin habe ich nämlich die ganzen Statistiken verschoben, die ich auf einigen Kanälen zwar gerne lese, aber die wahrscheinlich nicht alle von euch interessieren. 


Wünsche und Grenzen
Immer wieder kündige ich auch eine Struktur bei den Tagen an, an denen Beiträge online gehen sollen. Meist geht das dann für ein paar Wochen gut und irgendwann komme ich dann wieder aus dem Tritt. Neulich ist mir bewusst geworden, woran das liegt: Ich setze mir zu hohe Ziele. Dem Ge(h)folge habe ich bereits Ende letzten Jahres verkündet, dass ich gerne vier Beiträge in der Woche produzieren möchte. Eine Rezension am Montag, einen andren literaturbezogenen Beitrag am Mittwoch, einen Artikel für die nicht-literarischen Rubriken am Freitag und einen Podcast am Sonntag.
In der Theorie klingt das unglaublich gut. Leider habe ich dafür aber zu wenig Zeit, zu wenige Gehirne und Hände, die diese Beiträge produzieren können. Um das alles schaffen zu können, bräuchte ich nicht nur ein Team, sondern müsste den Blog auch hauptberuflich betreiben, was an sich eine echt coole Sache wäre, aber in der Praxis vermutlich - zumindest für mich - nicht umsetzbar ist. 

Lange dachte ich, dass Professionalität auch damit zu tun hat, sich an die Regeln zu halten, die man sich selbst setzt. Allerdings greife ich in letzter Zeit immer wieder auf das Zitat von Tim Bendzko zurück, der schon in einem Lied singt, dass er doch keine Maschine sei. In den letzten Monaten war ich gefühlt nur am schreiben. Entweder für die Bachelorarbeit oder für den Blog. Alles hat mir Spaß gemacht, aber mich auch ausgelaugt. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es tatsächlich Buchlinge unter euch gibt, die wirklich am Sonntag auf den Podcast warten, oder ob es egal ist, an welchen Tagen die Beiträge erscheinen, hauptsache sie gehen überhaupt online. 
Das einzige Ziel, das ich mir inzwischen setze ist das, mindestens vier Beiträge im Monat zu veröffentlichen. Wenn es mehr Artikel werden, ist das natürlich schön. Und wenn nicht gibt es über 800 Beiträge, die euch hoffentlich zum stöbern einladen. 


Und Du? 
Welche Beiträge liest oder hörst Du auf diesem Blog gerne? 
Gibt es Rubriken, die Dir in letzter Zeit zu kurz gekommen sind? 

Mittwoch, 14. August 2019

Ophelia Scale - Die Welt wird brennen

Diesmal wird der Aufbau der Rezension etwas von den anderen Rezensionen abweichen. Bei Ophelia Scale - Die Welt wird brennen handelt es sich nämlich um unsere aktuelle Bücherstammtisch Lektüre und ich möchte bei der Rezension daher die Kriterien berücksichtigen, an denen wir uns bei unserer Besprechung im Rahmen des nächsten Bücherstammtisch Treffens orientieren. 

ACHTUNG SPOILER: In meiner Rezension schildere ich keine detaillierten Szenen, skizziere den Inhalt - natürlich abgesehen vom Ende - aber grob und kennzeichne die Rezension deswegen als Spoiler, damit sich niemand von euch beim Lesen ärgern muss. 


Bild von cbj 
Steckbrief 
Autor: Lena Kiefer 
Verlag: cbj Verlag 
Geeignet für: Ab 13 Jahren, für alle, die gerne Fantasy lesen aber noch wenige Erfahrungen mit Dystopien haben 
Gelesen oder gehört: gelesen als Hardcover 
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 




Klappentext 
von cbj

"Die 18-jährige Ophelia Scale lebt im England einer nicht zu fernen Zukunft, in dem Technologie per Gesetz vom Regenten verboten ist. Die technikbegeisterte und mutige Kämpferin Ophelia hat sich dem Widerstand angeschlossen und wird auserkoren, sich beim royalen Geheimdienst zu bewerben. Gelingt es ihr, sich in dem harten Wettkampf durchzusetzen, wird sie als eine der Leibwachen in der Position sein, ein Attentat auf den Herrscher zu verüben. Doch im Schloss angekommen, verliebt sie sich unsterblich in den geheimnisvollen Lucien – den Bruder des Regenten. Und nun muss Ophelia sich entscheiden zwischen Loyalität und Verrat, Liebe und Hass ...


Meine Meinung 
Beim Bücherstammtisch haben wir uns darauf geeinigt, manche Gliederungspunkte mithilfe von Schulnoten zu bewerten. Da ich den Titel oben bereits bewertet habe, verzichte ich an dieser Stelle auf die Schulnoten-Bewertung und schreibe euch stattdessen jeweils ein paar Sätze zu unseren Gliederungspunkten.

Cover / Gestaltung 
Das Hardcover ist mit einem Schutzumschlag gestaltet. Auf der Vorderseite sehen wir den Oberkörper eines grimmig dreinblickenden Mädchens. Darunter steht der Schriftzug des Titels. Zu Beginn rollte ich etwas mit dem Auge, als ich das Cover gesehen habe und zwar aus zwei Gründen: Zum einen sehen wir hier keine Silhouette, sondern ein Gesicht, weswegen uns die Möglichkeit genommen wird, uns Ophelia Scale selbst vorzustellen.
Zum anderen bringt das Cover das Merkmal von Dystopien ziemlich gut auf den Punkt: In Dystopien gibt es meistens eine fragwürdige Gesellschaft und eine*n Protagonist*in, der/die entweder aktiv oder passiv Teil einer Revolution wird. Ophelias Blick deutet also darauf hin, dass ihr etwas gar nicht passt. Im ersten Moment nervte es mich, weil ich befürchtete auf eine trotzige Protagonistin zu treffen.
Allerdings stellte ich fest, dass ich je mehr ich in die Geschichte eintauchte, das Cover letztendlich immer treffender fand, weil es Ophelia als Protagonistin irgendwie recht gut auf den Punkt bringt.

Handlung 
Als ich den Klappentext gelesen habe, befürchtete ich eine klassische Dystopie vor mir zu haben und genau zu wissen, wo Ophelia am Ende des ersten Bandes landen wird. Schnell stellte sich heraus, dass ich dadurch, dass ich schon einige Dystopien gelesen habe, tatsächlich hier und da ahnte in welche Richtung die Geschichte lief. Allerdings hielt Lena Kiefer aber auch Überraschungsmomente und ein - zumindest für mich - neues Thema bereit, über das ich gerne mehr gelesen hätte und was aus meiner Sicht etwas zu kurz kam.

Wir erleben zu Beginn eine Ophelia, die genau weiß, was sie tut. Ihr Ziel besteht darin, den König zu stürzen. Schließlich bietet sich ihr die perfekte Gelegenheit. Es werden nämlich neue Wachleute für die Königliche Garde gesucht. Da Ophelia ziemlich gut in Form ist, rechnet sie sich bei den Aufnahmeprüfungen sehr gute Chancen aus. Doch wird man ihr falsches Spiel durchschauen?

Im ersten Band erleben wir Ophelia hauptsächlich in der Aufnahmeprüfung und später auch in ihrer Ausbildung als Anwärterin auf eine Anstellung in der Königlichen Garde. Mit dieser Handlung erinnerte mich die Geschichte ein bisschen an Red Rising, da sich Darrow im ersten Band ebenfalls in seiner Ausbildung befindet.

Was die Handlung betrifft, bin ich allerdings hin- und her gerissen. Einerseits finde ich die Geschichte aus objektiver Sicht betrachtet sehr gut ausgearbeitet. Wir haben eine tolle Protagonistin, die zwar Schwächen hat, aber dennoch eine starke Frauenfigur darstellt. Außerdem widmet sich Lena Kiefer in dieser Reihe dem Thema Künstliche Intelligenz, das ich bisher nur in Filmen verarbeitet gesehen habe. Somit greift sie bei ihrer Handlung nicht auf schon längst verbrauchte Themen zurück, sondern bringt etwas Neues ein, über das ich grundsätzlich mehr lesen möchte.

Allerdings gibt es eben diese typischen Merkmale einer Dystopie: Natürlich braucht es - allerdings nicht für mich - eine Liebesgeschichte, die zwar gut eingefädelt war, aber mich, sobald die Beziehung in Gang kam, auch etwas langweilte.
Schließlich gab es immer wieder diese Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass an der Handlung irgendetwas faul ist, wie beispielsweise Personen, die es mit Ophelia vermutlich nicht gut meinen. Allerdings durchschaute ich nicht, wie diese Momente aufgelöst wurden. Meistens kam dann aber der Punkt, an dem sich meine Vermutung bestätigte und die Situation kippte. So gab es beispielsweise eine Szene, in der Ophelia Scale mithilfe einer Intrige dafür sorgen wollte, dass ein anderer Anwärter von der Ausbildung ausgeschlossen wird. Wir erlebten mit welcher Genauigkeit sie ihre Aktion plante. Mein Gefühl sagte mir, dass irgendetwas an dem Plan schief gehen würde. Und genauso kam es dann auch. Das, was von der Autorin als Überraschungsmoment eingebaut war, erreichte mich leider nicht.
Allerdings liegt das nicht daran, dass Lena Kieer ihr Handwerk nicht versteht, sondern daran, dass ich eigentlich nicht mehr zur typischen Jugendbuch-Zielgruppe gehöre. Daher vermute ich sehr stark, dass ich, wenn ich die Geschichte mit zwölf oder dreizehn Jahren entdeckt hätte, vor allem mit Ophelia mitgefiebert hätte und ich noch nicht viel von der Geschichte durchschaut hätte.

Charaktere 
Lena Kiefer hat hier interessante Charaktere geschaffen. Allen voran Protagonistin Ophelia, die es alles andere als leicht hat. Sie muss nämlich nicht nur ohne technische Hilfsmittel auskommen, sondern auch den Verlust ihrer ersten großen Liebe verarbeiten. Das Schlimme an der Sache ist, dass sie mit niemandem über das reden kann, was sie beschäftigt. Denn das Volk hat dem König gegenüber vor allem Dankbarkeit zu zeigen. Schließlich ist die Bevölkerung dank ihm versorgt.
Das Schöne an Ophelia ist vor allem, dass sie eine starke Frauenfigur darstellt. Natürlich hat sie in Kampfsituationen nicht dieselben körperlichen Voraussetzungen, wie ihre Kollegen. Sie beweist aber vor allem, dass sie Situationen gut durchschauen und schnell darauf reagieren kann. Besonders gefallen hat mir, dass sie in der Geschichte aus eigener Kraft heraus funktioniert und keine männlichen Nebencharaktere benötigt, die ihr unter die Arme greifen. In den wesentlichen Situationen ist sie nämlich immer alleine und muss sich somit auch alleine beweisen.

Interessant wird es besonders, als Lucien ins Spiel kommt. Während er mir zu Beginn noch recht sympathisch war, weil er sich mit ähnlichen Problemen herumschlug, wie Ophelia, ging er mir recht schnell auf die Nerven, wobei das hauptsächlich damit zusammenhing, dass mich der Handlungsstrang mit der Liebesgeschichte nicht interessierte und es nicht beispielsweise daran lag, dass er als Charakter unlogisch dargestellt wurde.

Wenn ich in letzter Zeit Geschichten lese oder höre, versuche ich immer, die Nebencharaktere im Blick zu haben. Irgendwo habe ich nämlich mal gelesen, dass kein Charakter ohne Grund in die Geschichte eingeführt wird und jeder Charakter irgendwie wichtig für die Geschichte ist. Entweder um die Eigenschaften der Protagonisten besser darzustellen, oder um in entscheidenden Situationen zur Stelle zu sein.
Und so gab es auch hier einen Nebencharakter aus dem ich zu Beginn nicht so recht schlau wurde und der gegen Ende eine wichtige Funktion bekam. Das hat mich sehr gefreut, weil so ein neuer Handlungsstrang eingeführt wurde, mit dem ich nicht gerechnet habe.

Anfang und Ende 
Den Anfang definiere ich hier als die Leseprobe, was ungefähr die ersten vierzig Seiten der Geschichte darstellen. Während ich nach dem Blick auf das Cover und nach dem Lesen des Klappentextes eher aus Pflichtbewusstsein zur Lektüre griff - schließlich hatten wir sie beim Bücherstammtisch gewählt und da wäre es blöd, nicht mitzulesen - konnte mich Lena Kiefer mit dem Anfang der Geschichte von sich überzeugen. Wir erleben Ophelia gleich in Aktion und haben somit die erste Szene, in der wir den Atem anhalten und hoffen müssen, dass sie unbeschadet aus der Situation herauskommt. Der Einstieg hat mir wirklich sehr gut gefallen, weil wir die Welt in der Ophelia lebt, so aktiv erleben können und nicht erstmal ein seitenlanges Kapitel über uns ergehen lassen müssen, in dem der Aufbau der Welt geschildert wird.

Das Ende hingegen hat mich sehr enttäuscht. Das hängt aber nicht mit dem Cliffhanger zusammen, den wir geliefert bekommen, sondern damit, dass ich, wahrscheinlich ähnlich wie Ophelia, verwirrt zurückgelassen wurde. Während Ophelia immer mehr glaubt, auf dem falschen Weg unterwegs zu sein und sich schließlich für eine Seite entscheidet, passiert gegen Ende etwas, das sie an ihre ursprüngliche Mission erinnert. Sie muss sich schließlich fragen, wem sie überhaupt trauen kann. Genau dieser Aspekt war mir zu holprig eingefädelt. Hier hätte ich mir während der gesamten Geschichte mehr Hinweise gewünscht, die darauf hindeuten, dass nicht klar ist, wer im guten und wer im schlechten Team spielt. Es hätten beispielsweise Hinweise sein können, die wir als Leser*innen zwar erkennen, die Ophelia aber noch nicht richtig durchschauen kann. Das Ende ist trotz des Cliffhangers objektiv aber richtig gut gewählt, weil Ophelia in einer Situation zurückbleibt aus der sie kaum entkommen kann. Somit wird also das Interesse für die Folgebände geweckt.

Schreibstil 
Womit mich Lena Kiefer aber beeindruckte und vollkommen überzeugen konnte, war ihr Schreibstil. Sie erzählt die Geschichte aus der Sicht von Ophelia und somit der Ich-Perspektive. Uns wird schnell klar, dass sich Ophelia selbst vor ihrer Familie hinter einer Fassade verstecken muss und daher viele Dinge, die sie beschäftigen mit sich selbst ausmacht.
Außerdem fand ich es spannend zu erleben, wie Lena Kiefer die ganzen technischen Neuerungen ihrer Welt in die Geschichte einbindet und zwar so, dass wir nicht das Gefühl haben, einen Lexikoneintrag vor uns zu haben, aber dennoch wissen, wie das Gerät funktioniert. Der Schreibstil gehörte mit zu den Gründen, weswegen ich die Geschichte für meine Verhältnisse unglaublich schnell beendet habe. Der Schreibstil ermöglichte mir nicht nur einen schnellen Einstieg in die Geschichte, sondern trug mich auch durch die Handlung.

Gesamteindruck 
Wäre ich zwölf oder dreizehn Jahre alt, hätte ich diesen Reihenauftakt mit Sicherheit gefeiert und dem zweiten Teil, der vor kurzem erschienen ist, entgegengefiebert.
Doch inzwischen bin ich Mitte zwanzig und habe schon einige Dystopien gelesen. Ophelia Scale - Die Welt wird brennen bringt interessante Aspekte mit sich, über die ich gerne mehr gelesen hätte. Allerdings gab es immer wieder diese Wendungen in der Handlung, die ich zwar erahnen, aber nicht hundertprozentig vorhersehen konnte.

Dennoch kann ich diesen Reihenauftakt allen empfehlen, die noch nicht viele Dystopien gelesen haben oder dringend Titel aus dem Genre suchen, in dem wir eine starke Protagonistin in Aktion erleben.

Montag, 12. August 2019

[Anzeige] Eine Tüte grüner Wind

Bild von steinbach sprechende
Bücher
Steckbrief 
Name: Eine Tüte grüner Wind (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Gesine Schulz
Verlag: steinbach - sprechende Bücher
Geeignet für: Menschen, die Jugendbücher und kurzweilige Geschichten für die Sommerzeit mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Sanne Schnapp
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Eigentlich sollte Lucy mit ihrer Mutter die Sommerferien in den USA verbringen. Doch dann fällt der Trip ins Wasser und Lucy muss stattdessen ganz alleine nach Irland fliegen. Zu einer Tante, die sie gar nicht kennt und die angeblich ein bisschen verrückt ist. Ob ihr altes Haus ein Dach hat, ist auch nicht sicher. Dabei regnet es in Irland pausenlos! Außerdem sollen alle Leute dort rote Haare haben. Lucy will da nicht hin, kein bisschen. Aber sie hat keine Wahl, darum färbt sie sich trotzig die Haare (irisch-rot!) und fliegt los ... [...]" 


Meine Meinung 
Als ich zu Eine Tüte grüner Wind gegriffen habe, befand ich mich in einer Art Geschichten Tief. Die letzten Titel, die ich beendet hatte, konnten mich nicht wirklich begeistern. Auf meinem Stapel ungehörter Hörbücher gibt es immer noch den kleinen Teil der Titel, die im Rahmen der diesjährigen Leipziger Buchmesse bei mir eingezogen sind. Aus einem halben schlechten Gewissen heraus, weil das Hörbuch schon so lange ungehört bei mir herumlag, griff ich schließlich zu diesem Titel und erlebte eine Überraschung. 

Inhalt 
Wir begegnen der jungen Lucy, die sich schon seit Wochen auf den gemeinsamen Amerika Urlaub mit ihrer Mutter freut. Doch diese überlegt es sich kurz vor den Sommerferien anders und will lieber Zeit mit ihrem neuen Partner verbringen. Doch wo soll Lucy in dieser Zeit unterkommen? Schließlich hat ihre Mutter eine Idee und schickt das Mädchen zu ihrer Tante Paula nach Irland. Einer Tante, die Lucy noch nie gesehen hat und bei der sie gleich den Großteil ihrer Sommerferien verbringen soll. 

Unsere Protagonistin Lucy war mir sofort sympathisch, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie mir leid tat, weil sie gleich zu Beginn der Geschichte keinen Platz hat, an dem sie willkommen ist, sondern eher von A nach B geschoben wird. Lucy wirkt allein und weiß nicht so recht, wo sie hin gehört. Aber es liegt auch nicht in ihrer Natur sich zu beschweren. Schließlich will sie ja, dass zumindest ihre Mutter schöne Sommerferien hat. 

Was mir an der Handlung von Eine Tüte Grüner Wind sehr gut gefallen hat, war, dass es keine typische Familiengeschichte ist: Wir kennen sie alle, diese Titel, bei denen Kinder zu ungeliebten Verwandten abgeschoben werden und erst einmal deren Herz für sich gewinnen müssen. Paula und Lucy hingegen nähern sich sehr vorsichtig einander an. Paula ist keinesfalls eine verbitterte Tante, die ihre Nichte nur zähneknirschend bei sich aufnimmt. Allerdings stellt sich sehr schnell heraus, dass Paula überhaupt nicht weiß, wie sie mit Lucy umgehen soll. Wie möchte Lucy ihre Ferien verbringen? Muss Paula bestimmte Erwartungen erfüllen? Wenn ja, welche? 

Es war unheimlich schön zu beobachten, wie sich die beiden einander annähern und langsam begreifen, was der jeweils anderen wichtig ist. Das Schöne an Eine Tüte grüner Wind ist, dass Gesine Schulz Regeln über den Haufen wirft. Lucy ist von ihrer Mutter Struktur gewohnt. Ferien hin oder her, man frühstückt zur selben Zeit und verbringt ganz bestimmt nicht den ganzen Tag mit einem guten Buch im Bett. Paula hingegen sieht das anders. Immerhin hat Lucy ja Ferien. Da soll sie doch auch ein paar Freiheiten haben, oder? 

Der Spannungsbogen plätschert in Eine Tüte grüner Wind etwas vor sich hin. Verglichen mit anderen Titeln, bei denen man bei einem fehlenden Spannungsbogen mit den Augen rollt und sich fragt, wann die Geschichte endlich in Gang kommt, war das Tempo von diesem Jugendbuch gerade richtig, weil es mehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht. 

Gestaltung des Hörbuches 
Das Hörbuch wurde von steinbach - sprechende Bücher als ungekürzte Lesung produziert, was mich sehr gefreut hat. Als ich nach Beenden des Titels etwas recherchierte, stellte ich erstaunt fest, dass die Buchvorlage bereits schon ein paar Jahre alt ist. Deswegen bin ich ziemlich erstaunt, dass der Titel überhaupt noch interessant für den Hörbuchverlag war. Schließlich bin ich bisher davon ausgegangen, dass Hörbuchverlage vor allem aktuelle Titel produzieren, also Titel, die maximal 1-2 Jahre alt sind.

Als Sprecherin lernen wir hier Sanne Schapp kennen. Eine Freundin, die mit mir in Leipzig auf der Messe war, erzählte mir, dass sie die Sprecherin am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig fand, was mich etwas zögern ließ zum Hörbuch zu greifen. Ich hingegen mochte ihre Stimmfarbe sofort. Sie transportiert die Atmosphäre der Geschichte aus meiner Sicht gekonnt und hat mich wirklich gut unterhalten. Sie liest sehr schlicht, verstellt ihre Stimme nicht groß, wenn sie unterschiedliche Charaktere interpretier. Aber sie konnte mir Lucy als Protagonistin näher bringen und schaffte es, ihre Naivität und ihr Vertrauen in die Welt in Worte zu fassen. 

An Gesine Schulz Schreibstil erkennen wir, dass wir hier ein Jugendbuch, wenn nicht sogar ein Kinderbuch vor uns haben. Der Schreibstil ist einfach gehalten, konnte mich aber dennoch gut unterhalten, weil hier und da Witz eingebaut war, den man nur versteht, wenn man sowohl die Perspektive eines Kindes, als auch die Perspektive eines Erwachsenen kennt. Ich mochte es, wie Gesine Schulz die Atmosphäre der Geschichte beschreibt und habe ihre Dialoge sehr gerne gehört. 

Gesamteindruck 
Zusammenfassend kann ich sagen, dass Eine Tüte grüner Wind mein Monatshighlight aus dem Juli war. Hierbei handelt es sich um eine kurzweilige Sommerlektüre, die uns viele unterhaltsame Hörstunden beschert. 

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Mehr Infos zur Geschichte
Website von Gesine Schulz.

* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt. 

Freitag, 9. August 2019

[Anzeige] Nijura - Das Erbe der Elfenkrone

Bild von cbj audio
Steckbrief
Name: Nijura - Das Erbe der Elfenkrone (auch als Buch erhältlich)
Autor: Jenny Mai Nuyen
Verlag: cbj audio
Geeignet für: Jugendliche, oder Leute, die gerne Fantasygeschichten hören
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Anna Thalbach
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext
(von cbj audio)

Es begab sich einst zu einer Zeit, da Menschen und Elfen noch nebeneinander existierten…

Die Halbelfe Nill steht zwischen zwei Völkern – den Menschen und den Elfen –, zwischen zwei Jungen und im Zentrum eines alles bedrohenden Konflikts um die magische Krone der Elfen, die von einem machtbesessenen Menschenkönig geraubt wurde. Allein Nill hat die Möglichkeit, gegen ihn anzugehen. Unterstützt von wenigen mutigen Gefährten, wird sie zur Schlüsselfigur im Kampf um das Fortbestehen des Elfenvolks." 


Meine Meinung 
Nijura - Das Erbe der Elfenkrone habe ich vor vielen Jahren entdeckt. Damals hatte ich wirklich genug von dem Genre Fantasy. Ich glaubte, dass sich alle Geschichten irgendwie ähneln. Mir fehlte etwas Besonderes. Und dann entdeckte ich das Debüt von Jenny-Mai Nuyen.
Nun hatte ich kürzlich das Glück die Geschichte noch einmal als Hörbuch hören zu dürfen. Konnte mich Nijura ein zweites Mal packen? 

Inhalt 
Jenny-Mai Nuyen erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven: Der für diese Rezension wesentliche Handlungsstrang ist der von der Halbelfe Nil. Sie wächst bei den Menschen auf und fühlt sich dort alles andere als wohl. Doch schließlich wird sie auserkoren, das Elfenvolk vor dem Untergang zu retten. Ob sie diesere Aufgabe gewachsen ist? 

Beim ersten Mal lesen war ich fasziniert davon, wie Jenny-Mai Nuyen die Handlungsstränge dieser Geschichte verstrickt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nichts Vergleichbares gelesen. Beim Hören hingegen sind mir diesmal besonders die Themen aufgefallen, die in der Geschichte angesprochen werden: So wird nicht nur die Frage aufgeworfen, wie man den richtigen Platz im Leben findet, sondern vor allem, wie weit man für die große, die einzige Liebe gehen würde. 

Was die Handlungsstränge betrifft, verhält es ich beim Hörbuch etwas schwierig, weil es zu vielen inhaltlichen Brüchen kommt. Ich vermute stark, dass es daran liegt, dass es sich hier um eine gekürzte Ausgabe handelt, in der eben auch Inhalt wegfällt. Es kann sein, dass ich es mir nur einbilde, aber ich hatte den Eindruck, dass diese inhaltlichen Kürzungen dafür gesorgt haben, dass die Geschichte viel zu schnell vorankam und es nicht immer möglich war, die Atmosphäre der Geschichte zu begreifen. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich den Vergleich zum Printexemplar habe. Ich weiß also nicht, ob das von mir beschriebene Problem wirklich auffällt, wenn man nur das Hörbuch kennt. 

Die Charaktere von Nijura - Das Erbe der Elfenkrone haben mich nach dem ersten Mal lesen sehr lange begleitet und so habe ich mich auf ein Wiedersehen mit ihnen gefreut. Nil wirkt nicht nur unsicher, sondern auch sehr zerbrechlich. Es stellt sich die Frage, ob sie die Aufgabe, die Elfen vor der Diktatur zu retten, wirklich erfüllen kann. 
Zum Glück gibt ihr Jenny-Mai Nuyen treue Gefährten an die Seite, wie beispielsweise den Prinzen der Freien Elfen, der Nil die Kultur der Elfen näherbringt, die ihr bisher verborgen blieb. 
Außerdem lernen wir Scapa kennen. Einen Jungen, der in seelischen Schmerzen zu versinken droht. Doch durch Nil bekommt sein Leben eine neue Wendung. Scapas Geschichte hat mich beim ersten Mal lesen besonders bewegt und ich finde es auch heute noch ziemlich beeindruckend, das Jenny-Mai Nuyen nicht nur ihn, sondern alle Charaktere in ihrem Debütroman so gut herausgearbeitet hat. 

Mit der Hörbuch Gestaltung verhält es sich aus meiner Sicht hier unglaublich schwierig, was aber wahrscheinlich hauptsächlich damit zu tun hat, dass ich den Vergleich zur Printausgabe habe. Gelesen wurde Jenny-Mai Nuyens Debüt von Anna Thalbach und ich war unglaublich beeindruckt davon, wie sie die Geschichte transportiert hat. Dank ihr kam ein Großteil der Atmosphäre trotz der inhaltlichen Kürzungen bei mir an. Sie verlieh Nils Zerbrechlichkeit eine Stimme, zeigte uns, wie ein Junge klingt, der keinen Weg aus der eigenen Trauer findet und schlüpft zum Schluss in die Rolle einer Egoistin. Außerdem war ich unglaublich fasziniert davon, dass Anna Thalbach die Sprache der Elfen offenbar fließend spricht. 
Der große Kritikpunkt bezieht sich bei der Hörbuchgestaltung aber darauf, dass inhaltlich einiges gekürzt wurde. Allerdings bin ich hier etwas hin- und her gerissen. Das Hörbuch ist vor über zehn Jahren erschienen. Damals waren ungekürzte Hörbücher noch sehr selten. Hörbücher werden erst seit wenigen Jahren sensibler gekürzt. Meinem subjektiven Eindruck nach zu urteilen, hat das Hörbuch als Medium erst in den letzten Jahren an Qualität gewonnen. Heutzutage ist es möglich, dass Debütautor*innen ein Hörbuch zum eigenen Titel bekommen. Ich glaube, vor einigen Jahren war das noch nicht selbstverständlich. Jenny-Mai Nuyen durfte ihren Debütroman also nicht nur bei einem großen Publikumsverlag veröffentlichen, sondern hat auch eine wirklich bekannte Hörbuchsprecherin für ihren Debütroman bekommen. Es ist also einerseits total schön, dass es zu Nijura - Das Erbe der Elfenkrone überhaupt ein Hörbuch gibt.
Andererseits glaube ich, dass die Geschichte ungekürzt sicher auch in vielen Hörbuchregalen eingezogen wäre. Inzwischen gibt es die Geschichte leider nur noch als Download, obwohl ich mir das Hörbuch sehr gut als Digifile, also mit einer aufklappbaren Hülle und vielleicht sogar mit fühlbarem Titel vorstellen könnte. (Zur Erklärung für diejenigen, die das Cover nicht sehen können: Das Printexeplar gab es zu Beginn in zwei Ausgaben: Einem blauen und einem grünen Hardcover Umschlag. Der Titel ist in der Mitte zu lesen und wird von Ornamenten verziert). 

Jenny-Mai Nuyen beeindruckte mich damals wie heute mit ihrem Schreibstil. Sie schafft es nicht nur uns die Welt nahezubringen, in der ihre Geschichte spielt, sondern arbeitet die Figuren ihres Debütromans auch unglaublich gut heraus. Wir erleben hier zwar eine leicht düstere Geschichte, die aber nicht an dem klassischen Gut/Böse Schema hängen bleibt, sondern vor allem die Gefühlswelt unserer Charaktere betont, was mir sehr gut gefallen hat. 

Gesamteindruck
Ich bin wirklich froh, dass mich Nijura - Das Erbe der Elfenkrone auch ein zweites Mal beeindrucken konnte und ich inzwischen mehr Wörter zur Verfügung habe, um meine Liebe zu dieser Geschichte zu beschreiben. 
Das Hörbuch ist vor allem für diejenigen geeignet, die ausprobieren wollen, ob ihnen das Genre Fantasy liegt. Hier lernen wir typische Stilmittel, wie beispielsweise der Konflikt zwischen Gut und Böse, der Aufbau eigener Welten, Wesen und Sprachen kennen, haben aber eine in sich abgeschlossene Geschichte und müssen nicht gleich eine Reihe mit mehreren Bänden hören. 

Lieblingszitate
"Scapa, du hast Träume. Ich habe Visionen"
Nijura - Das Erbe der Elfenkrone

"Mit Gefahr kann ich leben. Tatenlos nicht."
Nijura - Das Erbe der Elfenkrone, Track 28

"Vergiss deine Vergangenheit und komm endlich ins Leben zurück."
Nijura - Das Erbe der Elfenkrone Track 30

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Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt.