Dienstag, 16. Januar 2018

Selection - Der Erwählte (Band 3)

Bild von Goyalibre
Steckbrief

Name: Selection - Der Erwählte (auch als Buch erhältlich)
Autor: Kiera Cass
Verlag: GoyaLibre / Jumbo Verlag
Geeignet für: Fans von Dystopien und etwas kitschigen Romanen :-)
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Friederike Wolters
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von GoyaLibre)

"35 Mädchen - und nur eine von ihnen wird auser- wählt. Dieses Mädchen wird Maxon, den Thronfolger Illeás, heiraten und zur Prinzessin werden. Für die hübsche America Singer ist das öffentliche Casting die Chance, aus einer niederen Kaste aufzusteigen und ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Schließlich gibt es da noch Aspen, ihre erste Liebe. Während sich America im Palast fragen muss, wem sie dort vertrauen kann, kommt es außerhalb der Mauern zu Unruhen. Rebellen- gruppen versuchen mit allen Mitteln, die Monarchie zu stürzen..."


Meine Meinung 

Nachdem ich den zweiten Teil der Selection-Reihe beendet hatte, packte mich die Neugier. Obwohl ich mich unabsichtlich schon gespoilert hatte und wusste, wie der dritte Band endete, interessierte mich trotzdem, wie es dazu kam: 

Gestaltung 
Friederike Wolters hat mir den Einstieg in den dritten Teil von Selection leicht gemacht. Ich hatte das Gefühl, wieder nach Hause zu kommen und freute mich, das letzte Mal in die Welt von Selection eintauchen zu können. 
Friederike Wolters hat sich innerhalb der drei Bände weiterentwickelt. Ich habe den Eindruck, dass ihre Stimme im dritten Teil noch etwas wandlungsfähiger geworden ist. Nach wie vor bin ich ein großer Fan ihrer Stimmfarbe und hoffe, dass wir sie vielleicht wieder in einer Sprecherrolle erleben dürfen. Mittlerweile sind zwei weitere Bände der Selection-Reihe erschienen. Diese werden aber von einer anderen Sprecherin vertont, was wohl hauptsächlich damit zusammenhängt, dass America nicht mehr die Protagonistin ist. 

Inhalt / Spannung 
Jeder Band der Reihe hat einen anderen Schwerpunkt. Im ersten Band musste sich America erst einmal klar werden, was sie wirklich möchte. Will sie überhaupt am Casting teilnehmen? Oder gehört ihr Herz jemand anderem? Nachdem sie am Ende des ersten Bandes schon einen Favoriten gefunden hat, wird diese Person im zweiten Band noch weiter gefestigt. 

Und im finalen Teil geht es dann um die wesentlichen Fragen: Kann America sich die Position der Prinzessin überhaupt vorstellen? Fühlt sie sich der Aufgabe gewachsen? America und die verbliebenen Mädchen müssen verschiedene Aufgaben bestehen, die von der zukünftigen Prinzessin verlangt werden. 

Schön fand ich außerdem, dass Kiera Cass in diesem Band die Beziehung der Mädchen zueinander etwas besser beleuchtet. Während es bei Trash TV Sendungen wie Der Bachelor schon nach wenigen Folgen Zickenkriege gibt, finden die Mädchen, je mehr es in Richtung Ziel geht, zueinander und werden beinahe so etwas wie Freundinnen. 

Was die Handlungsstränge betrifft, bin ich bei Selection noch etwas unschlüssig. Einerseits finde ich es schön, dass Kiera Cass keines der Bücher überladen hat. Jeder Band hatte einen eigenen Plot, der auch abgearbeitet wurde. Stränge wurden zwar angedeutet, aber erst einen Band später thematisiert. Dennoch hat es sich Kiera Cass mit ein paar Entscheidungen im dritten Band sehr einfach gemacht. Es gab ein paar Situationen in denen ich mich fragte, wie es Maxon und America da wohl wieder heraus schaffen. Und hier war mir die Auflösung etwas zu einfach gehalten. 

Schreibstil 
Auch diesmal konnte mich der Schreibstil von Kiera Cass überzeugen. Auf der einen Seite schreibt sie sehr flüssig und lebendig. Sie schafft tolle Dialoge, die es in sich haben. Auf der anderen Seite legt sie auch den höflichen, förmlichen Ton im Palast an den Tag. Allerdings ohne sich hier in vollgestopfte, zeilenlange Schachtelsätze zu verlieren. 

Gesamteindruck 
Wer den ersten Band von Selection gelesen hat, kann gut erahnen, welche Themen in den Folgebänden zur Sprache kommen. Schön fand ich, dass es trotz der Frage, wer Prinz Maxons Frau wird, keinesfalls zu kitschig zuging. Das haben wir hauptsächlich Protagonistin America zu verdanken, die sich nicht in das typische Mauerblümchen Klischee stecken lässt. 

Kiera Cass schafft es hier, verschiedene Elemente einer Dystopie zu thematisieren. Natürlich dürfen Systemgegner nicht fehlen. Allerdings endet diese Dystopie nicht in einem Gut/Böse Gefälle, was mir sehr gut gefallen hat. 

Wer sich für Dystopien interessiert, die nicht nach den typischen Strickmustern ablaufen, aber auch nicht in eine primitive Liebesgeschichte ausarten, der sollte mal einen Blick in Selection werfen. 

-------------------------------------------------------------------

Weitere Bände 
Selection (Band 1)

Samstag, 13. Januar 2018

Selection - Die Elite (Band 2)

Bild von Goyalibre
Steckbrief

Name: Selection - Die Elite (auch als Buch erhältlich)
Autor: Kiera Cass
Verlag: goyalibre
Geeignet für: Dystopie-Fans,
Gelesen oder gehört: gehört als wahrscheinlich gekürzte Fassung
Sprecher: Friedrike Wolters
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von GoyaLibre)

"35 Mädchen - und nur eine von ihnen wird auser- wählt. Dieses Mädchen wird Maxon, den Thronfolger Illeás, heiraten und zur Prinzessin werden. Für die hübsche America Singer ist das öffentliche Casting die Chance, aus einer niederen Kaste aufzusteigen und ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Schließlich gibt es da noch Aspen, ihre erste Liebe. Während sich America im Palast fragen muss, wem sie dort vertrauen kann, kommt es außerhalb der Mauern zu Unruhen. Rebellen- gruppen versuchen mit allen Mitteln, die Monarchie zu stürzen..."


Meine Meinung

Gestaltung
Auch der zweite Band der Selection Reihe wurde von Friederike Wolters gelesen. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Sprecherin weiterentwickelt hat und im zweiten Teil eine andere Art der Interpretation zeigen konnte. Das hing auch damit zusammen, dass sich die Geschichte etwas verändert hat. Aber davon werde ich später ausführlicher berichten.
Friederike Wolters wirkte sicherer dabei, manche Stellen zu betonen. Nach wie vor bin ich ein großer Fan ihrer Stimmfarbe und höre ihr sehr gerne zu.

Bei der Produktion handelt es sich vermutlich um eine gekürzte Lesung von Selection. Oder ich habe im zweiten Band einen kleinen Logikfehler entdeckt: Die Kandidatinnen bekommen im zweiten Band Besuch von ihren Familien. America hat zwei jüngere Geschwister. Allerdings reist nur ihre Schwester mit den Eltern gemeinsam in den Palast. Die Abwesenheit des jüngeren Bruders wird mit keiner Silbe erwähnt, was mich etwas irritierte.

Spannung: obwohl ich mich gespoilert habe, ist es trotzdem spannend, weil ich mir die Frage stelle, wie es zu dem Ende kommt,

Inhalt / Spannung
Während im ersten Band der Selection Reihe erst einmal die Fronten geklärt werden mussten, liegt die Geschichte hier klar auf der Hand. America hat eine Entscheidung getroffen: Sie möchte weiterhin im Palast bleiben. Wem ihr Herz gehört? Nun, da ist sie sich selbst immer noch nicht so ganz sicher.

Uns erwartet in diesem Band eine kleine On/Off Session zwischen Maxon und America. Signale werden falsch gedeutet und die Reaktionen darauf verursachen wiederum Irritationen. Der zweite Teil von Selection bietet also ein ziemliches Gefühlswirrwarr.

Dennoch hat Kiera Cass auch hier wieder einen zweiten Handlungsstrang eingebaut. Gleich zu Beginn der Geschichte sorgte Kiera Cass für eine spannende Szene, die mich fast an der Geschichte hätte zweifeln lassen. Außerdem baut sie den Handlungsstrang um die Rebellen weiter aus, vertieft ihn aber noch nicht wirklich.

Ich finde es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie Kiera Cass Handlungsstränge aufbaut, ineinander laufen lässt nur um die Geschichte um Maxon und America am Ende des Bandes wieder so dastehen zu lassen, wie zu Beginn des zweiten Bandes.

Schreibstil
Nach wie vor bin ich ein großer Fan von Kiera Cass Schreibstil. Der königliche Umgangston hat sich auch im zweiten Teil nicht geändert. Bei den Dialogen zwischen Maxon und America rollte ich teils mit den Augen, weil mir das Hin und Her der beiden etwas auf die Nerven ging. Allerdings liegt das wohl daran, dass ich nicht mehr zur empfohlenen Altersgruppe von Selection gehöre.

Gesamteindruck
Das Tolle war, dass ich im zweiten Teil von Selection gena udas geboten bekommen habe, was ich erwartete. Es gab keine bösen Überraschungen und ich konnte mich recht gut in die Geschichte einfinden. Natürlich war das Beziehungswirrwarr um Maxon und America hier und da nervig, allerdings war es vorhersehbar, dass dieser Handlungsstrang im zweiten Band vertieft wird.

Kiera Cass hat es geschafft, dass ich nach Beenden des zweiten Bandes gleich zum dritten und für mich wahrscheinlich auch letztem Teil der Reihe gegriffen habe. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte endet (obwohl ich das Ende ja bereits kenne...).

-----------------------------------------------------------

Weitere Bände: 
Selection (Band 1)
Selection - Der Erwählte (Band 3)

Andere Meinungen 
Tapsis Buchblog

Mittwoch, 10. Januar 2018

Emerald (Band 1)

Bild von cbj
Steckbrief

Eine Rezension von Isona und emion

Name: Emerald - Die Chroniken von Anbeginn (auch als Hörbuch vorhanden)
Autor: John Stephens
Verlag: cbj Verlag
Geeignet für: Fantasy-Fans, auch für jüngere Leser,
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von cbj Verlag

»Als die drei Geschwister Kate, Michael, und Emma, die als Kleinkinder von ihren Eltern getrennt wurden, auf dem Weg in ein neues Waisenhaus in dem abgelegenen Herrenhaus des geheimnisvollen Dr. Pym landen, ahnen sie nicht im Geringsten, wohin sie diese Reise führen wird. Denn bevor sie sich versehen, sind die besonnene Kate, der kluge Michael und die tollkühne kleine Emma in den Kampf um drei magische Bücher voll unermesslicher Macht verstrickt. Sie müssen erfahren, dass es ihre Aufgabe ist, diese zu finden, wollen sie je ihre Eltern wiedersehen. Auf dem Weg dorthin treten sie gegen finstere Gegner an, finden unerwartete, liebenswerte Verbündete, meistern ihre magischen Talente, entdecken unvorstellbare Wesen und beginnen das Geheimnis ihrer Familie zu lüften.«


Unsere Meinung

Trommelwirbel bitte! Jetzt lest ihr die erste gemeinsame Rezension von emion und Isona (eigentlich auch die allererste Rezension von emion, aber das wollen wir nicht explizit erwähnen).

Kommt mit auf eine epische Reise durch Zeit und Raum mit authentischen Charakteren, außergewöhnlichen Wesen und einem atmosphärischen Setting.

Die Geschichte beginnt mit unseren drei Hauptfiguren Kate, Michael und Emma (14, 12 und 11 Jahre alt), die seit zehn Jahren von Waisenhaus zu Waisenhaus gereicht werden.

Als sie in das geheimnisumwobene Cambridge Falls weitergeschoben werden, denken sie, es könnte nicht mehr schlimmer kommen. Dort allerdings beginnt ihr Abenteuer erst und bald schon überschlagen sich die Ereignisse ...

John Stephens hat eine unglaubliche Art, Geschichten zu schreiben und seine Figuren erzählen zu lassen. Jede von ihnen ist einzigartig! (Auch wenn mich Dr. Pym immer noch an Dumbledore erinnert, aber trotz der Parallelen wurde eine eigenständige Figur daraus, die sich nahtlos in die Geschichte einfügt und definitiv einer meiner Favoriten ist.) Die Figuren sind so ehrlich und glaubwürdig, sie machen Fehler, werden erwachsen und leben einfach.

Es gab so viele gute Plottwists und zahlreiche faszinierende magische Geschöpfe, die alle auf ihre Art und Weise authentisch und trotzdem positiv dargestellt werden (haha, von den Elfen fang ich jetzt gar nicht an).

Es ist eine Geschichte über Geschwisterliebe, Vertrauen, Verrat und darüber, immer zusammen zu halten und die Hoffnung nie aufzugeben. Wir haben mit den Figuren mitgelebt und mitgefiebert. Zwischen den Seiten steckt jede Menge Liebe; man muss dieses Buch einfach ins Herz schließen.

Montag, 8. Januar 2018

Die vielen Leben des Harry August

Bild von
Lübbe Audio
Steckbrief

Name: Die vielen Leben des Harry August (auch als Buch erhältlich)
Autor: Claire North
Verlag: Lübbe Audio
Geeignet für: Menschen, die gerne Zeitreiseromane lesen, oder sehr gut verstrickte Handlungen mögen
Gelesen oder gehört: gehört (Originalfassung)
Sprecher: Stefan Kaminski
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Lübbe Audio

"Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden — mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso ... Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern ..."


Meine Meinung 

Gestaltung
Die Hörbücher von Lübbe Audio haben schon einen kleinen Wiedererkennungswert. Meist werden sie mit einer Melodie eingeleitet oder Melodien werden zwischen den einzelnen Kapiteln eingeblendet. Und so war es auch bei Die vielen Leben des Harry August. Die Musik brachte die bedrohliche, drängende Stimmung sehr gut zum Ausdruck und konnte das Thriller Merkmal der Geschichte gut untermalen.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir etwas schwer. Allerdings glaube ich nicht, dass es etwas mit dem Sprecher zu tun hat, sondern mehr am Inhalt liegt.

Das Hörbuch wird von Stefan Kaminski gelesen. Stefan Kaminski ist ein bekannter Synchron- und Hörbuchsprecher. Von seinem Namen her, kam er mir bekannt vor. Nun war ich froh, dass ich mit dem Namen auch endlich eine Stimme verknüpfen konnte. Seine Stimme klingt noch relativ jung. Er hat es geschafft, mir die vielen Charaktere des Romanes etwas näherzubringen und mir dabei zu helfen, mich in dieser unübersichtlichen Geschichte zu orientieren. Dennoch merkte ich, dass ich während des Hörens nicht viel nebenher machen durfte, da ich von meiner Umgebung schnell abgelenkt wurde.

Was mich etwas störte, war die Tatsache, dass dem Hörbuch nicht klar zu entnehmen ist, ob es sich hierbei um eine gekürzte oder eine ungekürzte Fassung handelt. Auf der Packung meiner CD steht nur der Hinweis, dass es sich hier um eine Originalfassung handelt. Und bevor ich ein Hörbuch beginne, möchte ich an sich schon gerne wissen, worauf ich mich einlasse.

Inhalt
Die vielen Leben des Harry August hat den Zusatz viel definitiv verdient. Man hätte das Hörbuch auch gut Die 1001 Leben des Harry August nennen können. Claire North erzählt uns die Geschichte aus der Sicht des Ich-Erzählers Harry. Dieser klärt uns erst einmal über die Umstände seiner Geburt auf. Schnell wird klar, dass Harry kein gewöhnlicher Junge ist. Er lebt sein Leben immer und immer wieder. Zuerst einmal macht er uns mit dieser Dramatik vertraut. Er erzählt, wie ihn diese Erkenntnis in den Wahnsinn trieb. Wie er glaubte, verflucht zu sein. Die Tatsache der Gefangene des eigenen Lebens zu sein, machten ihn viele, viele Jahre einsam.

Claire North nutzt Harrys unterschiedliche Leben um Handlungsstränge aufzubauen und miteinander zu verknüpfen. Das machte die Geschichte für mich hin und wieder komplizierter, als sie hätte gestrickt werden müssen. So lernen wir das im Klappentext erwähnte Mädchen erst relativ spät kennen. Nachdem Harry die Botschaft überbracht wurde, macht er sich im nächsten Leben auch nicht aktiv auf die Suche nach ihr, was mich noch mehr irritierte. Schließlich wäre es doch spannend zu erfahren, wer dem Mädchen von diesem Ereignis berichtet hat.
Zudem erfahren wir auch erst spät, wer eigentlich Harrys Antagonist ist. Und der hat nicht viel mit dem Mädchen zu tun.

Immer wieder erinnert sich Harry an Situationen, die er in vergangenen Leben erlebt hat. Diese Momente haben meist etwas mit einem Ereignis zu tun, welches im Moment stattfindet. Allerdings ist es mir schwer gefallen, die Verknüpfung zwischen den beiden Ereignissen herzustellen, sodass mir ein Teil von Harrys Geschichte verborgen blieb.

Ein zentrales Thema von Die vielen Leben des Harry August ist die Sache mit der Freundschaft. Harry lernt jemanden kennen. Doch wird ihre Beziehung sehr bald auf eine harte Probe gestellt. Harry muss sich die Frage stellen, wie viel er bereit ist, für diese Person zu tun. Und auch die Person unterzieht Harry harten Prüfungen. Die Beziehung zwischen den beiden war spannend zu beobachten, da immer wieder die Frage gestellt wird, ob es sich hier wirklich um Freundschaft oder doch um Feindschaft handelt. Dennoch spürte man eine Verbundenheit zwischen den beiden. Der Wunsch, es doch einfach bei der schönen Beziehung belassen zu können. Aber auf der anderen Seite waren dann doch die unterschiedlichen Weltanschauungen, die dafür sorgen könnten, dass sie nicht gemeinsam friedlich an einem Tisch sitzen.

Spannung
Claire Norths Spannungsbogen irritierte mich. Lange fehlte mir der rote Faden. Aber als er dann endlich da war, konnte ich mich kaum noch von dem Hörbuch lösen. Ich wollte wissen, ob es Harry schafft, den Weltuntergang abzuwenden und wer auf der anderen Seite für den Untergang der Welt verantwortlich ist.

Claire North schmückte die Geschichte um Harry, der immer wieder im selben Leben geboren wurde sehr gut aus. Sie führte in Eigenschaften ein und erklärte auch, wie Harry letztendlich sterben könne. Und worin der Unterschied zwischen Sterben und Vergessen bestehe. Umso erstaunter war ich dann von dem Ende ihrer Geschichte. Zuvor war alles so gut durchdacht. Und gerade am Ende erlebte ich zwei große Logikfehler oder zumindest Aspekte, die Fragen aufwarfen. Zumal Harry einen ähnlichen Aspekt zuvor infrage gestellt hatte. So blieb ich zum Schluss doch etwas enttäuscht zurück und fragte mich wirklich, ob das jetzt alles war. 

Schreibstil
Claire North hat eine schöne bildhafte Sprache. Zudem sind hier auch wieder viele Informationen zwischen den Zeilen zu finden. Ich hätte mir hin und wieder aber gerne ein paar direkte Fakten gewünscht, um mich besser in Die vielen Leben des Harry August orientieren zu können. Gerade wenn Harry auf vorherige Leben zurückblickt und ein Zusammenhang erkennbar sein sollte, wäre es schön gewesen, wenn das auch sprachlich aufgefangen worden wäre.

Gesamteindruck
Die vielen Leben des Harry August ist eine packende Geschichte, die einen so schnell nicht wieder loslässt. An sich habe ich etwas völlig anderes erwartet, bin aber größtenteils nur wegen des Endes etwas enttäuscht worden. Ansonsten hat mir die Handlung recht gut gefallen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Claire North die Sache mit der Wiedergeburt so detailliert ausgearbeitet hat und es Verbindungen zwischen den vielen Leben gab und somit kein Leben umsonst gelebt wurde. Dennoch wäre es besser gewesen, wenn die Geschichte fünf Leben weniger beinhaltet hätte.

Ich vermute, dass der Roman als Verfilmung besser hätte dargestellt werden können. Hier hätte man verschiedene Leben beispielsweise durch unterschiedliche Kleidungsstile oder Frisuren der Protagonisten deutlich machen können. Eine Verfilmung von Die vielen Leben des Harry August würde mich also sehr reizen. 

Samstag, 6. Januar 2018

Ich bin dann mal weg

Daten und Fakten 

Name: Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg (auch als Buch erhältlich)
Autor: Hape Kerkeling
Verlag: Roof Music / tacheles
Geeignet für: Kerkeling-Fans, oder Menschen, die gerne lustige Reiseberichte lesen
Gelesen oder gehört: gehört als Hörbuch unklar ob gekürzt oder ungekürzt
Sprecher: Hape Kerkeling
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Inhaltsangabe 

Hape Kerkeling hinterlässt Freunden und Familie nur eine kurze Notiz: Ich bin dann mal weg. Er möchte den Jakobsweg laufen. Und das nicht etwa, weil er streng religiös ist. Er möchte wieder zu sich selbst finden und etwas über sich lernen. Was er auf dem Weg so alles erlebt und wer ihm begegnet? Das müsst ihr selbst herausfinden


Meine Meinung 

Kommt euch folgende Situation bekannt vor? Ihr seid die einzige Person, in eurer Familie die mehrmals im Monat ein Buch in die Hand nimmt? Ein anderes Familienmitglied bekommt ein Buch zu irgendeinem Familienfest geschenkt und dreimal dürft ihr raten, bei wem das Buch früher oder später landet? Richtig! Bei der belesenen Person, in diesem Falle bei mir. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich gerne Comedysendungen anschauen. Meist handelt es sich bei solchen Sendungen um Künstler, die das produzieren, was die Masse sehen möchte und was ich leider überhaupt nicht lustig finde.

Aber Hape Kerkeling ist einer derjenigen, die ich gerne mag. Außerdem gab es mal ein kleines Weihnachtsprogramm, das bei uns regelmäßig rauf und runter lief. Ich rechnete damit, dass es auf dem Jakobsweg vielleicht auch etwas biografisch werden könnte. Wir erfahren einiges über Hape Kerkeling, aber ganz viel davon zwischen den Zeilen.

Hape Kerkeling hat seinen Reisebericht selbst eingelesen. Anfangs war das etwas ungewohnt, da man ihn nur mit seiner Sprechstimme kennt. Da wirkte seine Vorlesestimme am Anfang fast etwas schlicht. Nach und nach kam er aber in seinen Erzählfluss und verpasste seiner Lesung etwas Lebendiges. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und kann ihn mir nun auch gut als Hörbuchsprecher vorstellen.

Wie anfangs angedeutet, dachte ich, dass es inhaltlich etwas biografisch wird. Zu Beginn von Ich bin dann mal weg, baute Kerkeling auch eine Sequenz ein, in der er erzählt, wie er zu seinem Durchbruch kam. Das war eine spannende Sache, da er sich erst einmal durch Wettbewerbe schlagen musste und schließlich beim Radio landete. Er berichtet von einer legendären Geburtstagsparty, dessen Geburtstagskind er mehr durch Zufall kennenlernte, erzählt von seinem ersten Treffen mit Otto Waalkes. Hier wäre Hape Kerkeling am liebsten im Erdboden versunken. Aber nicht etwa vor Aufregung. Die Sequenz endet aber sinnbildlich damit, dass er meine, dass es hier ja um die Reise auf dem Jakobsweg ginge und nicht um seine Biografie handelte. Und das fand ich an sich auch ein sehr treffendes Argument.

Seinen Reisebericht fand ich ebenfalls sehr spannend und wie bereits erwähnt, enthielt dieser einige Informationen über den Mensch Hape Kerkeling. So wusste ich beispielsweise nicht, dass er ein geselliger Mensch ist. Ich bin davon ausgegangen, er läuft den Weg entlang, um sich auf sich zu konzentrieren. Dann gibt es aber immer wieder diese Momente, in denen er Kontakt zu Anderen sucht. Aber nicht, um sich von ihnen ablenken zu lassen, sondern um sich mit anderen Menschen austauschen zu können.
Schön finde ich auch, dass er sich treu bleibt und nicht versucht, einem typischen Pilger Stereotypen zu entsprechen. Schnell wird klar, dass das Pilgern auch eine Art Tourismus ist und für viele wenig damit zu tun hat, sich auf sich zu besinnen.

Sehr gut hat mir gefallen, dass Hape Kerkeling immer wieder den Bezug zum Jakobsweg herstellt. Was macht der Weg mit ihm? Wie wirken die Begegnungen auf ihn? Und hat er das Gefühl, wirklich spiritueller zu werden? Er lässt uns hier ausführlich an seinen Gedanken teilhaben.

Der Reisebericht ist in Tagebucheinträge gegliedert. Diese orientieren sich daher am Tages Rhythmus und enden immer mit der Sequenz: Erkenntnis des Tages. Und hier sind einige amüsante Zitate zusammengekommen. Hape Kerkeling hat einerseits eine schöne, bildhafte Sprache, die die Natur und die Landschaft wunderbar beschreibt. Dann schafft er es aber auch Begegnungen und Dialoge mit anderen Pilgern lebendig darzustellen. Beinahe so, als hätte man ein kleines Bühnenprogramm vor sich.

Obwohl Ich bin dann mal weg etwas anders war, als ich erwartet hatte, bin ich keinesfalls enttäuscht. Ich habe mich gefreut, ein paar Stunden mit Hape Kerkeling verbringen zu können und den Komiker von einer anderen Seite kennenlernen zu dürfen.