Mittwoch, 20. November 2019

Das Geschenk

Bild von Argon Verlag
Steckbrief 
Name: Das Geschenk (auch als Buch erhältlich) 
Autor: Sebastian Fitzek 
Verlag: Argon Verlag 
Geeignet für: Fitzek-Fans, Menschen, die gerne Psychothriller lesen 
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch 
Sprecher: Simon Jäger 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Klappentext 
(von Argon Verlag

"Milan Berg steht an einer Ampel, als ein Wagen neben ihm hält. Auf dem Rücksitz ein völlig verängstigtes Mädchen. Verzweifelt presst sie einen Zettel gegen die Scheibe. Ein Hilferuf? Milan kann es nicht lesen – denn er ist Analphabet! Einer von über sechs Millionen in Deutschland. Doch er spürt: Das Mädchen ist in tödlicher Gefahr. Als er die Suche nach ihr aufnimmt, beginnt für ihn eine albtraumhafte Irrfahrt, an deren Ende eine grausame Erkenntnis steht: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiterzuleben – und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden.


Meine Meinung 
Meine Vorfreude auf den aktuellen Psychothriller von Sebastian Fitzek war groß. Bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse erzählte der Autor, dass sein Protagonist Milan Analphabet ist. Da interessierte mich natürlich brennend, wie er es schaffen würde, das Mädchen mit dem Zettel zu finden. 
An dieser Stelle weise ich euch darauf hin, dass ich das gekürzte Hörbuch gehört habe. Es kann also sein, dass die ein oder andere inhaltliche Kritik auf die ungekürzte Fassung nicht zutrifft. 

Inhalt 
Milan begegnet eines Tages einem Mädchen, das einen Zettel an eine Autoscheibe hält. Milan kann den Zettel aber nicht lesen, weil er Analphabet ist. Aber er hat ein fotografisches Gedächtnis und kann die Buchstaben mühelos nachzeichnen, obwohl er sich deren Bedeutung nicht bewusst ist. Doch wer ist das Mädchen? Was hat es mit dem Zettel auf sich? 

Sebastian Fitzek erzählt die Geschichte wieder aus mehreren Perspektiven. Zum einen erleben wir Das Geschenk größtenteils aus der Perspektive von Milan. Doch auch seiner Freundin Andra und dem Mädchen, dessen Zettel Milan entdeckt, sind ein paar Kapitel gewidmet. Sehr faszinierend fand ich, dass in jedem der Kapitel Hinweise versteckt sind und ich mich immer mehr fragte, wem Milan überhaupt trauen kann und ob die Geschichte für ihn ein gutes Ende nimmt. 
Was das Thema Analphabetismus betrifft, wirkt es so, als ob der Autor hier sehr gut recherchiert hat. ("Wirkt" deswegen, weil ich keine Analphabet*innen im Freundes- oder Bekanntenkreis habe und deswegen nicht beurteilen kann, ob das Thema gut umgesetzt ist). In Frankfurt bei der Buchmesse haben wir erfahren, dass Sebastian Fitzek für diesen Roman auf einen Sensitivity Reader, nämlich auf Tim-Thilo Fellmer zurückgriff, der ein ehemaliger Analphabet ist und heute Kinderbücher schreibt.

Spannend finde ich, dass dieser Psychothriller mit dem Thema Analphabetismus beworben wird, aber in der Geschichte nach und nach ein anderes Thema Raum einnimmt. Milans Analphabetismus scheint ein Symptom dieses Themas zu sein. Und hier kommen wir auch gleich zu meiner inhaltlichen Kritik: Dieser Wechsel von Analphabetismus als Hauptthema hin zur anderen Thematik war mir nicht schlüssig genug ausgearbeitet. Hier werden nämlich grundlegende Fragen aufgeworfen, die in der Geschichte selbst nicht beantwortet werden (können). Das hat mich dann etwas frustriert, weil wir als Hörer*innen an einer wesentlichen, wichtigen Geschichte wieder uns selbst überlassen werden. 

Die Charaktere in Das Geschenk waren ebenfalls sehr spannend, aber mir stellenweise nicht gut genug ausgearbeitet. Milan als Protagonist wirkt ruhelos und wünscht sich Antworten auf viele Fragen. Allerdings muss er sich, um diese Antworten zu bekommen, erst einmal auf eine Reise begeben. Obwohl Milan häufig impulsiv und teils auch aggressiv handelt, fand ich ihn als Protagonisten interessant und habe seine Handlungen nicht in Frage gestellt. 

Das Problem an den anderen Charakteren ist, dass ich nicht viel über sie schreiben kann. Gerade den einen Charakter, den ich nicht gut dargestellt finde, hat etwas mit dem oben beschriebenen zweiten Thema zu tun. Dennoch fehlte mir das Motiv dieses Charakters. Ich war mir nicht sicher, ob das fehlende Motiv an den Kürzungen des Hörbuches lag, oder ob es wirklich nicht vorhanden war. 

Ich bin diesmal ziemlich beeindruckt von der Hörbuch Gestaltung. Da audible schon seit Jahren die Rechte an den ungekürzten Hörbuchausgaben von Sebastian Fitzeks Romanen hat, ist der Argon Verlag vor die Herausforderung gestellt, inhaltliche Kürzungen an den Thrillern des Autors vorzunehmen, bei denen eigentlich jedes Detail wichtig ist.
Vor Jahren habe ich einen gekürzten Thriller von Sebastian Fitzek gehört und war ziemlich genervt, weil ich das Gefühl hatte, dass mir die halbe Geschichte fehlt. (Damals sind die Titel noch bei einem anderen Hörbuchverlag erschienen). Allerdings war es auch hier nur ein subjektives Empfinden und ich hatte keine Ahnung, ob ich Recht hatte. Dennoch schwor ich mir damals, dass ich niemals wieder einen gekürzten Thriller hören wollte.
Doch nachdem mir Fische, die auf Bäume klettern, was Anfang des Jahres erschien, schon gut gefallen hat, beschloss ich mein Glück wieder zu versuchen. Und was soll ich sagen? Ich hätte nie damit gerechnet, dass sch eine Geschichte, die auf gerade mal um die 360 Seiten erzählt wird, so gut kürzen lässt, ohne, dass ich das Gefühl habe, viel verpasst zu haben. Es gab gerade mal zwei Stellen, bei denen es mir so vorkam, als ob Informationen weggefallen sind:
Milan trifft auf einen Nebencharakter, der ihm Zitate aus deutschsprachigen Liedern nennt. Milan muss dann das Lied und den Interpreten erraten und außerdem benennen, welche Formulierung den Nebencharakter hier nervten. Leider gab es in der gekürzten Fassung nur zwei Zitate. Ich vermutete, dass es im ungekürzten Hörbuch mehrere Liedzitate gibt, da ich sonst keinen Sinn darin gesehen hätte, dieses Spiel in die Geschichte einzuführen.
An einer anderen Stelle gab es für mich einen etwas schnellen Szenenwechsel, der aber in ein paar Sätzen gut erklärt werden konnte. Beide Situationen trugen also nicht dazu bei, dass uns wichtige Informationen entgingen. 

Wie gewohnt wird auch dieser Roman von Simon Jäger gelesen. Manche Hörer*innen haben bei den Harry-Potter-Lesungen von Rufus Beck das Gefühl nach Hause zu kommen. Nach den ersten Minuten von Das Geschenk stellte ich fest, dass es mir bei der Kombination Fitzek-Jäger so geht. Obwohl sich Simon Jäger jede Geschichte neu aneignen muss, habe ich den Eindruck, dass er weiß, wie er Sebastian Fitzeks Romane interpretiert. Er lässt mit seiner Interpretation nicht nur Charaktere lebendig werden, sondern schafft es auch das Tempo von Fitzeks Psychothrillern zu transportieren und zwar so, dass wir actionreichen Stellen den Überblick behalten, aber auch in ruhigen Momenten mit unseren Charakteren zur Ruhe kommen können. 

Vor einer Weile habe ich mich gefragt, wie ich den Schreibstil von Sebastian Fitzek besser beschreiben kann. Inzwischen habe ich einige seiner Thriller gelesen und das Gefühl mich häufig zu wiederholen. Er erzählt seine Romane aus der dritten Person. So tauchen wir auch hier wieder, wie bereits oben angedeutet, in verschiedene Charaktere ein. Faszinierend finde ich, dass die dritte Person mir hier fast so lebendig vorkommt, als würde die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Was ich an Sebastian Fitzeks Schreibstil mag, sind die lebendigen Dialoge, die ich sehr gerne höre. 
Was mich aber störte ist, dass Das Geschenk gleich wieder mit einer körperlich, gewalttätigen Szene einsteigt. Der Autor sagt in Interviews zwar immer, dass es ja das Kopfkino der Leser*innen ist, dass diese Szenen lebendig werden lässt. Dennoch ist es eine Szene, in der ich mein Kopfkino nicht einmal anwerfen muss, um zu wissen, dass ich darüber nichts lesen bzw. in diesem Fall eben hören möchte. 

Gesamteindruck 
Diesmal habe ich mich darin versucht, Spuren zu erkennen und ihnen zu folgen, um die Auflösung diesmal vielleicht sogar vor dem Protagonisten entdecken zu können. Doch Sebastian Fitzek hat es mal wieder geschafft, die Geschichte mit einem ganz einfachen Trick aufzulösen. Einen Trick, auf den ich beim besten Willen nicht gekommen wäre. 

Insgesamt hat mir Das Geschenk recht gut gefallen. Gerade die Überraschung zum Schluss hat die Geschichte nochmal ordentlich über den Haufen geworfen. Dennoch hat Das Geschenk auch Schwächen, die dafür sorgen, dass die Geschichte nicht zu meinen Lieblingsromanen des Autors gehört.

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Dieses Hörbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar vom Argon Verlag zur Verfügung gestellt. 

Montag, 18. November 2019

[Buchclub] #TeamDelphine: Nach einer wahren Geschichte

Bild von RandomHouse Audio 
Hallo Buchlinge,

heute geht also der erste Beitrag unserer letzten Buchclub Leserunde in diesem Jahr online. Hier erfahrt ihr, worum es im Buchclub geht.
Wir sprechen über Nach einer wahren Geschichte von Delphine de Vigan. Ich habe mich sehr gefreut, dass genug Stimmen für diesen Titel zusammengekommen sind. Ich habe das Hörbuch vor über einem Jahr gehört und kann mich noch gut daran erinnern, das ich es nach dem Beenden am liebsten sofort noch einmal verschlungen wollte. 


Kurzmeinung 
Da ich den Titel bereits rezensiert habe, werde ich hier nur einen kurzen, gespoilerten Eindruck zur Geschichte wiedergeben. Wer das Hörbuch noch nicht gehört hat, aber dennoch wissen will, was ich darüber denke, kann sich meine spoilerfreie Rezension durchlesen. 

In Nach einer wahren Geschichte geht es um die Autorin Delphine - es ist unklar, ob es eine Art Biografie ist, oder ob es nur Zufall ist, dass die Protagonistin und die Autorin denselben Namen und Beruf tragen -, der das Leben langsam aber sicher entgleitet. Sie entwickelt eine Angststörung, verlässt kaum noch das Haus und kann weder an neuen Projekten schreiben, noch Geschäftstermine wahrnehmen. Sie lernt L. kennen. L. ist für sie da und nimmt immer mehr Raum in ihrem Leben ein. 

Was ich ziemlich gruselig fand war die Tatsache, dass sich L. immer mehr in Delphines Leben schleicht und es sich so einrichtet, dass Delphine irgendwann nicht mehr ohne L. auskommt. Als dann gegen Schluss die These aufgestellt wurde, dass L. keine reale Person sei, saß ich fasziniert vor dem Hörbuch und wollte die Geschichte am liebsten gleich nochmal hören. Wo sind Hinweise zu erkennen, ob L. eine echte Person ist? Kann L. auch einfach Delphines Angst in einer scheinbar lebendigen Gestalt sein? 

Die Geschichte an sich fand ich sehr bedrückend. Teilweise ging es mir auf die Nerven, mitansehen zu müssen, dass Delphine immer passiver wird. Ich glaubte, L. zu durchschauen und ahnte, wohin die Reise geht. Doch als dann zum Schluss die Vermutung geäußert wurde, dass L. keine Person sei, war mein Interesse wieder geweckt. 


Frau, die uns über 
ein Buch hinweg anschaut. 
Um sieh erum ein Kreis in dem 
Buchclub steht.  
steht. Foto: A. Mack 

Und Du? 
Wie hat Dir die Geschichte gefallen? 
Was denkst Du über die Beziehung zwischen Delphine und L.? 
Glaubst Du, dass L. eine reale Person ist? 

Freitag, 8. November 2019

So war es auf der Frankfurter Buchmesse 2019



gelbe Fläche, die mit einem
Reißverschluss aufgezogen wird.
Heraus schaut eine große Menschengruppe.
Foto: A. Mack 
Hallo Buchlinge,

es wird Zeit, euch von meinem diesjährigen Besuch der Frankfurter Buchmesse zu berichten. Gemeinsam mit Ge(h)folge Mitglied Skyara habe ich die Messehallen unsicher gemacht und interessante Veranstaltungen besucht. Diesmal gibt es keinen chronologischen Messebericht, weil ich nur einzelne Veranstaltungen hervorheben möchte. Unser Terminplan war zwar gut gefüllt, dennoch gibt s über viele Termine einfach nicht viel zu erzählen. (Buchlinge, wir ahnen es wohl alle: Der Messebericht wird trotzdem lang...). Also, auf geht's...


Countdown: Dystopie in Freiburg - oder in meinem Kopf? 
Wie das in der Nacht vor der Abreise zur Buchmesse nun mal so ist, habe ich einen sehr leichten Schlaf. Am Abreisetag geht es für mich nämlich meist früh los. Skyara wollte mich um 05:30 Uhr bei mir zu Hause einsammeln. (Für sie bedeutete das übrigens schon um 03:00 Uhr aufzustehen. Ihr müsst bedenken, dass wir mit dem Auto nach Frankfurt gefahren sind und uns aus bekannten Gründen während der Fahrt nicht mit dem Fahren abwechseln konnten). 

Jedenfalls wachte ich in der Nacht auf und stellte fest, dass es dunkel ist. Und damit meine ich nicht nur die typische Nachtschwärze. Auch die Straßenbeleuchtung war offenbar ausgefallen. Ich stand auf und begegnete Familienmitgliedern im Flur, die mir verkündeten, dass es wohl einen Stromausfall gab. Iich muss  sagen, dass war schon etwas gruselig. Ein bisschen erinnerte mich das an das Setting einer Dystopie. Diese Vorstellung hielt mich dann auch ungefähr eine Stunde lang wach... 

Skyara kam um kurz nach 06:00 Uhr bei mir an und gemeinsam machten wir uns durch die, inzwischen wieder erleuchtete, Innenstadt auf den Weg Richtung Autobahn. Erstaunlicherweise sind wir am Donnerstag ziemlich gut durchgekommen. Obwohl wir etwas später los kamen, schafften wir es doch zu unserem offiziell ersten Termin nach Frankfurt. (Die Lektoratssprechstunde ließen wir ausfallen. Der Vorteil ist, dass diese während der Messetage immer zur selben Zeit stattfindet. Wir hatten also die Option, den Termin an einem anderen Tag nachholen zu können). 


Skyara und ich gehen getrennte Wege: Zumindest am Messefreitag   

Bild von Frankfurter Buchmesse

In diesem Jahr gab es für Skyara und mich eine kleine Premiere: Wir wollten die Frankfurter Buchmesse am Messefreitag getrennt voneinander unsicher machen. Skyara wollte die Gelegenheit nutzen, durch die Hallen schlendern, in Ruhe stöbern und sich einfach mal treiben lassen, ohne einen vollen Terminkalender im Rücken zu haben.
Mein Freitag hingegen war beinahe durchgeplant. Ich habe mir für den Freitag eine Assistenz organisiert, damit ich mich nicht alleine auf dem Messegelände orientieren musste. (Für diejenigen unter euch, die es interessiert: Die Assistenz habe ich über einen privaten Kontakt vermittelt bekommen. In diesem Jahr wurde aber ein Assistenzdienst, der 15 Euro die Stunde gekostet hat, über die Frankfurter Buchmesse organisiert. Außerdem gibt es ein paar Portale im Internet, über die man eine Assistenz finden kann. Mehr Infos dazu gibt es hier). 

Ge(h)folge Mitglied Skyara besuchte zudem ihr erstes Blogger*innentreffen eines Printbuchverlages. Da ich hauptsächlich Hörbücher höre, habe ich die Angebote für Blogger*innen der Printbuchverlage nicht auf dem Schirm, bzw. gehöre auch nicht zur Zielgruppe der Verlage. Deswegen wäre ich wahrscheinlich nicht zum Blogger*innentreffen gegangen und habe mich stattdessen gefreut, meine Anmeldung an Skyara weiterreichen zu können. 

Außerdem entdeckte Skyara am Messefreitag eine Gesprächsrunde des Labels Impress aus dem Hause des Carlsen Verlags. Skyara hat von diesem Termin Folgendes zu berichten: 

v.l.n.r Moderatorin Lea, Mimi Heeger,
Anna Savas, Terresa Sporre
Die Autorinnen sprachen über ihre jeweiligen Romane. Hier wurde immer wieder auf das Thema eingegangen wie die Autorinnen denn auf ihre Settings kamen. Bei Mimi Hegers Secret Kiss - Die Tochter vom Coach stellte sich z.B. heraus, dass sie selbst die Tochter des damaligen Fußballtrainers war/ist und somit selbst bereits tief in der Materie verwurzelt war. Bei Anna Savas Loving or Loosing - Als du in mein Leben kamst ist das Setting die Schule und das Zuhause. Allerdings wurde nicht so viel über diesen Titel gesprochen, genau so wenig wie über Teresa Sporrers Liebe ist wie ein Rocksong bei dem das Setting auch schon aus dem Titel erraten werden kann. Leider wurde hier nur wenig über den Inhalt der jeweiligen Geschichten gesprochen und auch der Romance Content und wie sie diesen in ihren Texten finden und einbauen, wurde kaum bis gar nicht angesprochen, was ich recht schade fand. 


Unsere Highlights im Rahmen 
der besuchten Veranstaltungen
In diesem Jahr habe ich mir bewusst viele Termine herausgesucht, die auf der Frankfurt Authors Stage (ehem. Selfpublishing Area) stattfanden. Ich plane nämlich im September nächsten Jahres einen Roman zu veröffentlichen. (Hierzu erzähle ich euch in einem anderen Beitrag etwas mehr darüber). 
Mein (und auch Skyaras) Donnerstags-Highlight) war... 

Wie viel kostet mein Buch? 
Hier gaben die Autorinnen Ulrike Busch, Katharina Mohini, Katharina Mosel und Ira Wundram einen Einblick in ihre Finanzen. Deutlich wurde für mich vor allem: Je weniger man von der Technik und den Marketing versteht, desto mehr Geld geht für das Buch drauf. Zwei Autorinnen haben für ihre Romane 2.500 - 3.000 Euro investiert. Hier waren nicht nur das Lektorat und Korrektorat mit eingerechnet, sondern auch der Preis für das Coverdesign und ggf. die eBook Konvertierung enthalten. Ich war aber ziemlich erstaunt darüber, dass von allen Komponenten das Lektorat am meisten Geld kostet. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass man für ein gutes Cover ebenfalls Summen im vierstelligen Bereich bezahlen muss.
Auf die Frage, auf welche Komponenten man beim ersten Selfpublishing Roman auf keinen Fall verzichten sollte, erklärten alle Teilnehmerinnen einstimmig, dass man unbedingt das Geld in ein Korrektorat investieren sollte. Beim einem Lektorat sollte man vor allem darauf achten, dass der/die Lektor*in zu einem passt. (Wie man das herausfindet wurde in der Veranstaltung nicht thematisiert). 
Skyara und ich waren positiv überrascht, dass die Autorinnen konkrete Summen genannt haben, die sie in ihre Bücher investieren. 

Tobias Kiwitt (Rechtsanwalt für u.a.
Medienrecht).
Foto: A. Mack 
Fallen und Tücken im Verlagsvertrag 
Rechtsanwalt Tobias Kiwitt warnt ausdrücklich davor, einen Verlagsvertrag einfach blind zu unterschreiben. Ihm ist natürlich bewusst, dass der Vertrag für Leute, die nicht viel mit Recht zu tun haben, oft schwer zu verstehen ist. Dennoch empfiehlt er, zumindest ansatzweise nachvollziehen zu können, um was es in dem Vertrag geht. Eine Orientierung über die Inhalte des Verlagsvertrages gibt der Normvertrag, der vom Verband Deutscher Schriftsteller und vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels festgelegt wurde. Dieser Normvertrag wird auch in regelmäßigen Abständen nachverhandelt um beispielsweise auch digitale Rechte miteinzubeziehen. Unterstützung bekommt man vor allem beim Netzwerk Autorenrechte und beim Aktionsbündnis Faire Verlage.
An dieser Stelle noch ein paar Infos zum Honorar von Autor*innen: Bei Hardcover Titeln stehen einem 10% des Nettoladenpreises zu. (Die 10% beziehen sich auf den Betrag, der übrig bleibt, wenn die Umsatzsteuer abgezogen wurde). Bei den Softcovern hängt das Honorar von der Auflage ab. Hier variiert der Anteil zwischen 5 - 10%. 

Bild von Argon Verlag
Sebastian Fitzek und Tim-Thilo Fellmer sprechen über Analphabetismus 
Mit dieser Veranstaltung überraschte mich der Autor. Eigentlich rechnete ich damit, dass er eine halbe Stunde über seinen Psychothriller Das Geschenk sprechen würde. Doch stattdessen beschloss Sebastian Fitzek kurzerhand Tim-Thilo Fellmer zum Thema Analphabetismus zu interviewen. Milan, der Protagonist aus Das Geschenk ist nämlich einer von sechs Millionen Analphabet*innen in Deutschland. Tim-Thilo Fellmer, ehemaliger Analphabet, erzählte nicht nur von den Gründen für Analphabetismus und den Schwierigkeiten, die Analphabet*innen im Alltag begegnen, sondern auch von den Strategien, die sich diese zwangsläufig aneignen müssen. Er selbst ist inzwischen Autor und Verleger
Zuerst habe ich mich auf den Termin gefreut, weil ich damit gerechnet habe, dass Sebastian Fitzek eine halbe Stunde lang von seinem neuen Roman berichtet. Vor Ort, als sich herausstellte in welche Richtung sich die Veranstaltung entwickelte, war ich kurz ein bisschen enttäuscht. Doch dann freute ich mich darüber, dass der Autor seine Bekanntheit dazu nutzt, um über Analphabetismus aufzuklären. Das Lesezelt, in dem die Veranstatung stattfand, war nämlich bis auf den letzten Platz gefüllt. (Meine Rezension zum Hörbuch erscheint voraussichtlich kommende Woche). 

Clara Gabriel stellt ihre neue Reihe Heavenfield Hearts vor
Clara Gabriel haben Skyara und ich vor zwei Jahren kennengelernt. Hier teilte sie sich mit Haroon Gordon und dem Buchheim Verag einen Messestand und zwar unter dem Motto Buchalarm. Hier interviewten sie an allen Messetagen Autor*innen und Leute aus der Buchbranche. Clara Gabriel stellte dieses Jahr den ersten Band ihrer neuen Liebesroman-Reihe nämlich Heavenfield Hearts vor. Für Skyara war die Lesung das Highlight am Messesamstag. Sie wird euch demnächst mehr über den Reihenauftakt erzählen. 
Mir hat Clara Gabriels Schreibstil ebenfalls gefallen. Leider bin ich aber kein Fan von reinen Liebesromanen. Es hat mich also umso mehr gefreut, dass Skyaras Interesse für die Reihe geweckt wurde. 


Von diesen Veranstaltungen hätten wir mehr erwartet 
Buchlinge, in diesem Jahr gab es erstmals Termine von denen ich mir wirklich mehr erhofft habe. Natürlich gab es auch bei den vergangenen Messebesuchen Veranstaltungen, die mir im Vergleich zu anderen Terminen eher durchschnittlich gefallen haben. Aber gerade in diesem Jahr gab es Termine, die mich wirklich etwas enttäuscht haben. 

Mitreißende Dialoge schreiben 
Hier rechnete ich damit, dass uns zwei Lektorinnen von BoD etwas über das Schreiben von Dialogen erzählen würden. (Kurze Info: Für alle, die sich wundern, warum bei BoD auch Lektorinnen angestellt sind: BoD hat verschiedene Pakete. In einem Paket sind Coverdesign und Lektorat enthalten). Dieser Termin gestaltete sich eher zu einer Art Basis Korrektoratsveranstaltung. So erzählten die beiden Lektorinnen beispielsweise, welche Anführungszeichen in Büchern verwendet wurden. Das ist nur eines der Beispiele, die mir verdeutlichten, was die Lektorinnen im Arbeitsalltag wohl zu lesen bekommen. Vereinzelt gab es zwar ganz gute Hinweise für das Schreiben von Dialogen. Diese gingen für mich aber in der Masse aus Korrektoratshinweisen etwas unter. 

Zum Lesen hat man immer Zeit 
Hier erfuhr ich, dass es sich bei dieser Veranstaltung um eine Veranstaltungsreihe des Börsenvereins handelt. Mich hatte der Titel der Veranstaltung bereits irritiert, weil ich unter demselben Titel nämlich einen Vortrag auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gehört habe. Leider rutschte die Veranstaltung für mich vor Ort etwas ins Politische ab, was aber nahe lag, da beide Teilnehmer*innen auch politisch aktiv waren. Da ich gehofft hatte, dass es in den 45 Minuten hauptsächlich um Literatur geht, war ich etwas enttäuscht, konnte den spontan gewählten politischen Schwerpunkt aber nachvollziehen. 

Darf ich das überhaupt? Sensitivity Reading in der Literatur 
Leider war es am Messesamstag in Halle 3.0. unheimlich laut. Ich weiß nicht genau, ob es nur daran lag, dass ich ziemlich weit hinten stand, weil die Frankfurt Authors Stage mehr als auf den letzten Platz ausgefüllt war, aber ich hatte wirklich Mühe, die Teilnehmerinnen zu verstehen. Dabei war vieles von dem, was sie erzählten, ziemlich interessant. Leider ging es in den Inhalten, die ich verstanden habe, vor allem um das Thema Rassismus. Natürlich ist das Thema wichtig. Ich höre immer wieder, dass man hier unabsichtlich in Fettnäpfchen treten kann. Dennoch hatte ich gehofft, dass es bei der Veranstaltung auch um das Thema Behinderung in der Literatur geht, da ich mich demnächst mehr mit dem Thema Behinderung in der Literatur beschäftigen werde. 
Die Kritik an der Veranstaltung bezieht sich also nicht - im Gegensatz zu den vorherigen Absätzen - auf den Inhalt, sondern eher auf die Umsetzung für die die Teilnehmerinnen nicht wirklich etwas können. Ich hätte es beispielsweise praktisch gefunden, wenn man die Veranstaltung auch als Podcast zur Verfügung gestellt hätte, um sie im Nachhinein nochmal unter akustisch besseren Bedingungen nachhören zu können. 


Kleine Freuden 
In diesem Jahr standen wieder viele Verlagstermine in meinem Kalender, auf die ich mich sehr gefreut habe. 
So erfuhr ich von den Neuerscheinungen, die bei RandomHouse Audio, der Hörverlag, Jumbo - Neue Medien, dem Argon Verlag und steinbach - sprechende Bücher erscheinen. 
Frau Reiser von der Hörverlag brachte mich auf eine interessante Idee, wie ich meinen Podcast vielleicht endlich Streaming fähig bekomme. (Sobald mein Studium beendet ist, werde ich mich mal dahinterklemmen). 
Frau Tanzer von steinbach - sprechende Bücher konnte sich am Messefreitag sogar eine Stunde Zeit für unser Gespräch nehmen, was für Verlagstermine eher ungewöhnlich ist. Die Zeit verging wie im Flug. Ich bekam nicht nur einige Inspirationen für kommende Beiträge, sondern durfte auch einige Hörbücher mit nach Hause nehmen. 

Am Messefreitag wollte ich mich mit Kathrin von echo of the books eigentlich nur zum Mittagessen treffen. Letztendlich haben wir uns 1 1/2 Stunden über Gott und die Welt und das Verlagswesen unterhalten. Ich habe sie online durch einen regelmäßigen Sonntagsstream kennen gelernt, den es inzwischen nicht mehr gibt. Vor zwei Jahren haben wir uns dann zum ersten Mal persönlich getroffen. Es hat mich sehr gefreut, dass wir das Treffen dieses Jahr in Frankfurt wiederholen konnten. 

Zwischen Tür und Angel lief uns dann am Messefreitag und am Samstag auch Martin, der Buchwellenreiter, über den Weg. Obwohl Martin auf Buchmessen, ähnlich wie ich, von einem Termin zum nächsten hetzt, hatte er trotzdem immer wieder Zeit für ein Fünf-Minuten-Gespräch, was mich sehr gefreut hat. 

Am Freitag hatte ich auch die Gelegenheit ein paar Worte mit der Autorin Adriana Popescu zu wechseln. Vor ein paar Wochen hat sich die Autorin von ihren Social Media Kanälen zurückgezogen und ich habe mir schon Sorgen gemacht. Deswegen war ich sehr froh, sie bei der Buchmesse zum einen wieder in Aktion zu erleben und zum anderen auch ein paar Worte mit ihr wechseln zu können. (Ich hoffe, dass ich das bei der lit.Love wiederholen kann. Ich werde berichten). 


Und Du?
Hast Du die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr ebenfalls unsicher gemacht? 
Was gehörte zu Deinen Highlights? 

Mittwoch, 6. November 2019

Mein Terminplan bei der lit.Love 2019 in München

Foto von Lit.Love 
Hallo Buchlinge,

mit der Frankfurter Buchmesse ist mein diesjähriger Literaturfestival Plan noch nicht vorbei. Am kommenden Wochenende geht es für mich nach München. Am Samstag den 09.11 und Sonntag den 10.11. öffnet die Verlagsgruppe RandomHouse ihre Türen. Die Verlage Blanvalet, cbj, Diana, der Hörverlag, Goldmann, Heyne, Heyne fliegt, Penguin Verlag und RandomHouse Audio laden zur lit.Love dem jährlichen Lesefestival nach München ein.
Und ich bin dabei. Damit ich nicht - wie bei meinem ersten Trip nach München - früh morgens losfahren muss, habe ich beschlossen schon am Freitag anzureisen. In diesem Blogartikel erzähle ich euch, welche Veranstaltungen ich bei dem Lesefestival unbedingt sehen möchte.


Samstag 09.11.19 
Ab 10:00 Uhr beginnen die ersten Veranstaltungen.

10:00 Uhr - 11:00 Uhr 
TALK: I’ll stand by you – Die Bedeutung von Freundschaft im Liebesroman
Eine Diskussionsrunde mit den Autorinnen:  Anne Freytag, Manuela Inusa, Adriana Popescu, Meike Werkmeister.
Wo: Großer Saal 

11:00 - 12:00 Uhr 
Workshop mit Lucinde Hutzenlaub: Am Anfang war das Wort 
Lucinde Hutzenlaub erzählt uns, wie man gute Dialoge schreibt. Schwerpunkte sind: Die eigene Stimme der Charaktere finden und wissen, was man tun kann, wenn die Charaktere stumm bleiben. 
Wo: Kleiner Saal 

12:00 - 13:00 Uhr 
Talk: Making Of The Mister 
E. L. James neuster Roman aus der Perspektive der Hörbuchsprecher*innen und des Lektorats. 
Mit: Regina Gisbertz und Matthias Scherwenikas, Barbara Heinzius (Lektorat Goldmann), Susa Willems (Lektorat Der Hörverlag, Moderation). 
Wo: Großer Saal 

14:00 - 15:00 Uhr 
TALK: Liebe ist … – Partnersuche und Beziehungen im Wandel der Zeit.
Diskussionsrunde zu den Themen Liebe und Partnerschaft im Wandel der Zeit. Es diskutieren: Julius Kraft, Marie Lacrosse und Annette Wieners. 
Wo: Kleine Bühne 

14:00 - 15:00 Uhr 
WORKSHOP mit Persephone Haasis: Anziehung. Atmosphäre. Sinnlichkeit. Wie erreicht man die Emotion der Leser?
Persephone Haasis erklärt, wie man Szenen im Liebesroman schreibt und zwar so, dass sich die Leser*innen die Kulisse bildhaft vorstellen können. 
Wo: Kleiner Saal 

15:00 - 16:00 Uhr 
TALK: Sharing is caring: Wie Autoren ihre Bücher online promoten und Bookstagrammer sie dabei unterstützen.
Die Autorinnen Adriana Popescu, Meike Werkmeister und Persephone Haasis sprechen über ihre Social Media Kanäle und berichten, wie viel Zeit sie in die Kanäle investieren. Bloggerin Josephine Wismar erzählt, was einen erfolgreichen Social Media Kanal ausmacht. 
Wo: Großer Saal 

16:00 - 17:00 Uhr 
TALK: Podcast »Penguin lädt ein«: Im Gespräch mit Maria Nikolai und Persephone Haasis. 
Der Podcast Penguin lädt ein stellt sich vor. Außerdem wird erzählt, wie ein Podcast produziert wird und worauf es dabei ankommt. 
Wo: Großer Saal 

17:00 - 18:00 Uhr 
TALK: A long way home – von der ersten Idee bis zum fertigen Buch.
Lena Kiefer spricht nicht nur über ihre Debüt Trilogie Ophelia Scale, sondern erzählt von ihrem Weg in den Verlag. Außerdem mit dabei Literaturagentin Gerlinde Moorkamp von der Literaturagentur Weniger und Martina Patzer, Lektorin. Beide erzählen von ihren Arbeitsalltagen. 
Wo: Kleine Bühne 


Sonntag 10.11.19 
Am Sonntag wird es bei mir etwas ruhiger. Ich muss schon gegen 16:00 Uhr aufbrechen, um meinen Zug Richtung Heimat zu bekommen. 

10:00 - 10:30 Uhr 
Meet & Greet mit Adriana Popescu 
Ich bin sehr gespannt, wie viel beim Meet & Greet los sein wird. Eine halbe Stunde schein mit gefühlt etwas wenig Zeit. Andererseits hat das lit.Love-Team bereits genug Erfahrung gesammelt, um den zeitlichen Rahmen einschätzen zu können. 
Wo: Foyer 

11:00 - 12:00 Uhr 
Lesung mit Meike Werkmeister 
Die Autorin liest aus ihrem Roman Sterne sieht man nur im Dunkeln. Mit musikalischer Begleitung von Julia Kautz. 
Wo: Großer Saal 

12:00 - 13:00 Uhr 
Lesung mit Adriana Popescu 
Die Autorin liest aus ihrem Roman: Morgen, irgendwo am Meer. 
Wo: Golden Wings 

14:00 - 15:00 Uhr 
TALK: Gespiegelt – wenn man beim Blick ins Buch sich selbst sieht.
Adrienne Friedlaender, Wladimir Kaminer, Julius Kraft und Brenda Strohmaier sprechen über das Thema Autobiografien. 
Wo: Kleine Bühne 


Und Du? 
Bist Du auch in München unterwegs? 
Welche Veranstaltungen möchtest Du unbedingt sehen? 
Welche der vorgestellten Veranstaltungen interessieren Dich am meisten? 

Montag, 4. November 2019

Mary Poppins



Steckbrief
Name: Mary Poppins (auch als Buch, Hörspiel erhältlich) 
Autor: Pamela L. Travers 
Verlag: RandomHouse Audio 
Geeignet für: Kinder ab 8 Jahren, Mary Poppins-Fans, 
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch 
Sprecher: Heike Makatsch 
Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Klappentext 

"Zunächst ist Mary Poppins nur eines von vielen neuen Kindermädchen für die vier Kinder der Familie Banks. Das ändert sich schnell, als Mary Poppins sie mit ihrer Spezialmedizin "Erdbeer-Eiscreme" bekannt macht, sie in die Sprache der Tiere, des Sonnenlichts und der Sterne einweist. Eine magische Zeit für die Kleinen, bis sich der Wind dreht und Mary Poppins weiterfliegt." 


Meine Meinung 
Als mir eines Tages auf einem Flohmarkt die Hörbuchausgabe von Mary Poppins in die Hände fiel, schlug ich sofort zu. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen, dass es sich bei dem Klassiker aus der Disney Reihe um eine Literaturverfilmung handelt. Ich war gespannt, an wie viel ich mich noch erinnern konnte. 

Zum Inhalt muss ich wahrscheinlich gar nicht mehr so viel sagen. Mary Poppins ist ein Kindermädchen, das bei Familie Banks anheuert. Hier soll sie sich um die vier Kinder der Familie kümmern. Schnell stellte sich aber heraus, dass der Roman von Pamela L. Travers gar nicht so viel mit der Disney Verfilmung gemeinsam hat. 
Zum einen liegt das am Inhalt selbst. Während die Disney Verfilmung eine ganze Geschichte erzählt, erleben wir im Hörbuch viele kleine Episoden mit Mary Poppins und den Kindern. Es wirkt eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, die nicht aufeinander aufbauen. Gestört hat es mich nicht. Allerdings haben meine Co-Autorin und ich die Theorie aufgestellt, dass der rote Faden vielleicht den inhaltlichen Kürzungen zum Opfer gefallen ist. 

Zum anderen wird Mary Poppins als Protagonistin in dem Hörbuch anders dargestellt als in der Disney Verfilmung. Im Film wirkt sie sehr streng. Das gibt den Kindern Orientierung. Im Hörbuch hingegen sagt Mary Poppins zwar, was sie denkt, aber sie versucht den Kindern vor allem auf Augenhöhe zu begegnen und ihre Fantasie zu fördern. Oft gibt es Situationen, bei denen sich gerade die beiden älteren Kinder der Banks nicht sicher sind, ob sie diese Situation wirklich erlebt, oder nur geträumt haben. Diese kleinen Fantasy Elemente sind mir bei Disney entweder nicht aufgefallen, oder haben mich nicht so beeindruckt, dass ich mich heute noch daran erinnern kann. 

Da der rote Faden der Geschichte fehlte, war auch der Spannungsbogen eher flach gehalten. Ich fand die einzelnen Episoden zwar interessant, aber es war nicht so, dass ich mich kaum von dem Hörbuch trennen konnte. Allerdings empfinde ich den fehlenden Spannungsbogen nicht unbedingt als Schwachpunkt der Geschichte, da es andere Elemente gab, die die fehlende Spannung gut ausgleichen konnten. 

Bei der Hörbuchgestaltung hat sich der Verlag etwas Besonderes einfallen lassen: Die Geschichte ist nämlich auch zu Beginn und am Ende jeder Szene mit Geräuschen unterlegt. Das Element lockerte die sprachlich, teils anspruchsvolle Erzählung etwas auf. Heike Makasch führt uns durch die Geschichte und hat mir hier als Sprecherin unglaublich gut gefallen. Sie hat eine gute Lesegeschwindigkeit und schafft es, durch ihre Betonung wichtige Momente in der Handlung hervorzuheben. 

Pamela L. Travers brachte mich mit ihrem Schreibstil das ein oder andere Mal zum schmunzeln. Es gibt zwar den ein oder anderen Schachtelsatz in ihrer Geschichte, der darauf schließen ässt, dass die Geschichte schon etwas äter ist. Dennoch erzählt sie die Geschichte vno Mary Poppins mit viel Humor und Fantasie. 
Sie schafft es, eine Geschichte in einfacher Sprache zu erzählen, aber doch Formulierungen einzubauen, die man erst versteht, wenn man erwachsen ist. Somit hat sie eine Geschichte für Groß und Klein geschaffen, weil jede der beiden Generationen etwas von Mary Poppins mitnehmen kann. 

Gesamteindruck 
Mary Poppins ist ein kurzweiliges, schönes Abenteuer für Groß und Klein, das mir unterhaltsame Hörstunden beschert hat.